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Redaktion am 04.10.2013

"Auch mal angeschnauzt werden"

Raul Krauthausen (© Sozialhelden e.V.)
Unseren kurzen Steckbrief hat Raul Krauthausen, Blogger, Rollstuhlfahrer und Mitbegründer von Sozialhelden e. V. beantwortet. Krauthausen bezeichnet sich selbst als "Nerdling" und kämpft mit Sozialhelden e.V. und diversen Netz-Projekten - u.a. leidmedien.de und wheelmap.org - für Inklusion im Alltag.

Inklusion heißt für mich...

... dass ich auch mal von Busfahrern angeschnauzt werde oder in einer Schlange stehen muss. Denn Inklusion soll das gesellschaftliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung fördern, und zur gleichberechtigten Teilhabe gehört auch, dass ich nicht anders behandelt, aber auch nicht behindert werden möchte.

Meine wichtigsten Tools und Unterstützer im Alltag:

Natürlich ist der Rollstuhl für mich sehr wichtig und auch wenn es vielleicht für einige anders aussieht: Der Rollstuhl bedeutet für mich Freiheit, und deswegen bin ich nicht "an den Rollstuhl gefesselt“, sondern bewege mich mit ihm. Und nebenher kann ich darüber mein iPhone aufladen.

Darüber ärgere ich mich:

Ich finde manchmal Diskussionen sehr schwierig, in denen es jetzt schon um die Ausnahmen der Inklusion geht, bevor wir sie umgesetzt haben. Dabei stören mich besonders Sätze wie: "Nicht jedes Kind kann an einer Regelschule sein, weil es so stark behindert ist.“ Hier werden theoretische "Extremfälle“ erzeugt, und der entscheidenden Frage eines gleichen Zugangs für alle ausgewichen.

Was kann die politische Bildung tun?

Die politische Bildung kann vielleicht die Akzeptanz der Inklusion und das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung fördern, wenn etwa das Thema Behinderung im Unterricht behandelt wird und auch die Materialien barrierefrei sind. Das Kennenlernen von anderen Lebenswelten könnte helfen. Ich habe zum Beispiel keinen Bezug zum Asylrecht, weil es mich nicht betrifft, aber würde gerne einfach verständlich mehr darüber erfahren. Anderen geht es vielleicht genauso mit Behinderungen, weil sie noch nie einen Rollstuhlfahrer oder jemanden mit einer Sehbehinderung kennengelernt haben.

Wie kann die Gesellschaft barrierefrei werden?

Kurzfristig vielleicht mit Rollstuhl-Rampen, die Stufen überwinden. Und auf lange Sicht sollten wir Barrierefreiheit als ein Ziel sehen, dass man nie ganz erreichen, aber auf das man immer hinarbeiten kann.


Was bedeutet Inklusion für Sie? Hier können Sie mitdiskutieren.

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