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Redaktion am 04.10.2013

"Teilhabe muss man erfahren"

Hubert Hüppe (© Hubert Hüppe)
Wir haben mit Hubert Hüppe, CDU-Politiker und der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, über Inklusion gesprochen. Hüppe war von 1991 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages, seit 2002 als behindertenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit 2012 sitzt er wieder im Bundestag.

Inklusion heißt für mich...

... dass Menschen mit und ohne Behinderungen leben können, wie und wo sie wollen. Behinderte Menschen bekommen die Unterstützung, die sie für ein selbstbestimmtes Leben brauchen. Sonderwelten werden abgebaut, gleichberechtigte Teilhabe in Schule, Beruf und Alltagsleben ist eine Selbstverständlichkeit. Statt Begründungen zu suchen, warum Inklusion nicht möglich ist, finden wir Wege, wie wir sie erreichen können.

Meine wichtigsten Tools und Unterstützer im Alltag sind…

...die Menschen mit Behinderungen. Sie kennen ihre Probleme am besten und wissen am besten, wie man sie löst.

Wo sollte die Politik beim Thema Inklusion ansetzen?

Ein großes Problem ist, dass nichtbehinderte Menschen nie gelernt haben, mit behinderten Menschen umzugehen. Teilhabe kann man aber nicht lehren, man muss sie erfahren. Deswegen muss Politik die Gesetze so ändern, dass die Hilfe dem Menschen folgt, und nicht anders herum.

Womit tut sich die Gesellschaft schwer, wenn es um den Umgang mit behinderten Menschen geht?

Viele Menschen haben Ängste und Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderungen, weil sie unsicher sind, gehen sie ihnen aus dem Weg. Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein verbinden wir oft nicht mit Menschen mit Behinderungen. Oft schaut man nur darauf, was jemand nicht kann, anstatt darauf, was er kann. Dieses Bild von Behinderung müssen wir überwinden, um eine inklusive Gesellschaft zu schaffen.

Wie kann die Gesellschaft barrierefrei werden?

Wir müssen im Bund, in den Ländern, aber auch in jeder Stadt und jedem Dorf bei allen Planungen die Menschen mit Behinderungen einbeziehen. Wir müssen klarmachen, dass jede Investition in Barrierefreiheit bei einer älter werdenden Gesellschaft eine Zukunftsinvestition ist.

Das müsste noch erfunden werden:

Eine Therapie für "Schwermehrfachnormale“.


Was bedeutet Inklusion für Sie? Hier können Sie mitdiskutieren.

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