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Redaktion am 04.10.2013

"Gleichberechtigung statt Anpassung an die Mehrheit"

Martin Zierold (© privat)
Martin Zierold, seit 2011 Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte setzt sich aktiv in Ehrenamt, Beruf und Politik für Barrierefreiheit ein.

Inklusion heißt für mich...

... das Gegenteil der derzeitig üblichen Separation einzelner Gruppen. Für mich heißt Inklusion aber auch nicht Zwang zum Anpassen an eine gedachte Mehrheit, sondern ein gleichberechtigtes Zusammenleben verschiedenster Individuen mit ihren Stärken und Besonderheiten, ohne dass ein "Nichtkönnen“ im Vordergrund der Wahrnehmung steht.

Meine wichtigsten Tools und Unterstützer im Alltag...

Für mich sind technische Neuerungen wie Smartphones, Webcams, Skype etc. wichtige Alltagstools. Da ich selbst gehörlos bin, sind Dolmetscher ebenfalls eine wichtige Unterstützung in meiner Kommunikation mit Hörenden, die keine Gebärdensprache beherrschen.

Wo sollte die Politik beim Thema Inklusion ansetzen?

Ein wichtiger Punkt ist für mich: Partizipation. Es macht keinen Sinn, wenn Maßnahmen von oben und von nicht Betroffenen geplant und nach unten durchgedrückt werden. Die Menschen mit Behinderung müssen am Prozess beteiligt sein und ihn mitgestalten.

Darüber ärgere ich mich:

Ein respektloser Umgang mit mir oder anderen Menschen aufgrund ihrer Behinderung stört mich sehr. Wenn Menschen nicht Bescheid wissen, aber interessiert sind, ist meist ein Weg zur Verständigung offen.

Wie kann die Gesellschaft barrierefrei werden?

Bildung ist ganz wichtig. In der Schule kann über Barrieren aufgeklärt werden, denn je mehr Menschen Barrieren sehen, umso schneller sind sie abbaubar. Auch die Aufklärung über unterschiedliche Behinderungen ist wichtig.

Das müsste noch erfunden werden:

Ein automatischer Dolmetschdienst für die Deutsche Gebärdensprache wäre eine tolle Erfindung: Angenommen, eine hörende Person möchte mich anrufen, dann würde ich in meine Handy-Kamera gebärden, mein Handy übersetzt und übermittelt meine Nachricht an die hörende Person und andersherum.


Was bedeutet Inklusion für Sie? Hier können Sie mitdiskutieren.

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