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Redaktion am 09.10.2013

"Inklusion wird von Moment zu Moment entschieden"

Station 17 (© Station 17)
Die Hamburger Band Station 17 macht seit 1988 Musik und bewegt sich dabei zwischen Indie, Folk, Funk, Rock oder Elektro- Pop. Entstanden ist die Band aus dem Projekt Barner 16, einem Künstler-Kollektiv mit mehreren Bands mit behinderten und nichtbehinderten Musikern. In wechselnder Besetzung sind seitdem sechs Alben entstanden, immer getrieben von Improvisation und bewusstem Kontrollverlust. Im Kurz-Interview geben sie einen Einblick, wie sie mit Exklusion umgehen, welche Schwierigkeiten Konzerthallen haben und was passieren muss, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Inklusion heißt für uns…

Jeder von uns hat individuelle Vorstellungen davon, was Inklusion bedeutet. Für einige Mitglieder ist der Begriff relevant, für andere ist er ein komplexes pädagogisches Konstrukt. Dies bedeutet, dass die Umsetzung von Inklusion kein übergeordnetes Ziel der Gruppe ist. Im Kern geht es der Band um die Musik. Dabei setzt die Gruppe auf die vielfältigen Fähigkeiten und Interessen der einzelnen Mitglieder. Dies wiederum hat viel mit Inklusion zu tun. Es macht für uns wenig Sinn, Station 17 als inklusive Band zu bezeichnen. Wir begreifen Inklusion als einen dynamischen Prozess, der nicht ausschließlich über strukturelle Bedingungen gesichert werden kann. Inklusion wird von Moment zu Moment entschieden. Auch in unserer Gruppe wird es immer Situationen der Exklusion geben.

Unsere wichtigsten Tools und Begleiter im Alltag:

Unsere wichtigsten Tools im Alltag sind sicherlich unsere Instrumente. Diese werden teilweise so umgebaut, dass sie den kreativen Ansprüchen der einzelnen Mitglieder entsprechen.

Wenn wir auf Tour sind, dann...

... sind wir ein eingespieltes Team. Jeder hat den anderen im Blick und wir leben auf engstem Raum zusammen. Im Tourbus laufen DVD's von Airwolf bis Zappa.

Wie kann die Gesellschaft barrierefrei werden: Was können wir tun?

Auch hier gilt es zu sagen, dass eine komplett barrierefreie Gesellschaft immer Utopie bleiben wird, da jeder Mensch individuelle Grenzen erfährt. Als Band sind wir bemüht bestehende Barrieren zu erkennen und weitestgehend abzuschaffen. Problematisch ist z.B., dass eine Umgestaltung der Konzertclubs noch aussteht. Dies liegt jedoch nicht am Desinteresse der Veranstalter, sondern vielmehr an den hohen Kosten, für die nur wenig Gelder zur Verfügung gestellt werden. Barrierefreiheit wird heute primär mit Systemen wie z.B. Schule oder Betreutes Wohnen in Verbindung gebracht. Die Ausstattung von Konzerthäusern wird als weniger relevant eingestuft.

Und was die Politik?

Die Politik sollte vor allen Dingen die Systeme stärken, die zunächst nicht mit Barrierefreiheit in Verbindung gebracht werden. Orte, die nicht an soziale Dienstleistungen gekoppelt sind. Orte, an denen sich Menschen unabhängig von Arbeit begegnen und miteinander ins Gespräch kommen (Kneipen, Diskotheken, Cafes, Restaurants, etc.).

Das müsste noch erfunden werden:

Wir warten gespannt auf barrierefreies Beamen. Auf die langen Autofahrten würden wir gerne verzichten.


Was bedeutet Inklusion für Sie? Hier können Sie mitdiskutieren.

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