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Debatte Kontroversität

Karikatur zum Thema KontroversitätWie kontrovers darf’s denn sein? Die Debatte im bpb:magazin (© bpb, Freimut Woessner)
Demokratie ist anstrengend, denn sie lebt vom Streit. Das spiegelt sich auch in der politischen Bildung wider, Kontroversität ist eines ihrer Grundprinzipien. Was politisch kontrovers diskutiert wird, soll auch in der politischen Bildung kontrovers abgebildet werden. Jeder soll selbst darüber urteilen können, welche Position überzeugender ist. Gedanken, die sich so unter anderem auch im "Beutelsbacher Konsens" finden, der vor 40 Jahren formuliert wurde. Wie kontrovers darf’s denn sein? Im 10. bpb:magazin haben wir zehn Positionen zusammengetragen.

Das Cover des bpb:magazins zum Thema Kontroversität hat Freimut Woessner gestaltet. Freimut Woessner, in Österreich geboren, arbeitet in Berlin als Cartoonist. Seine Karikaturen und Fotomontagen erscheinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einer seiner Themenschwerpunkte ist Bildung.


  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Ich sehe eine mangelhafte Bereitschaft zum offenen Diskurs und schlussfolgere, dass auch das große staatliche System Schule in der Vergangenheit etwas versäumt hat. Viele Lehrer haben offensichtlich vermieden, über politische Themen zu diskutieren – aus Angst, sie könnten ihre Schüler indoktrinieren. Sie wollten sich vom ideologisch hochaufgeladenen Schulsystem der DDR absetzen."

    Frank Richter, Landeszentrale für politische Bildung Sachsen
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    ""Es fehlt den Lehrern nicht unbedingt an Bereitschaft, offen zu sprechen, aber es herrscht bei ihnen eine Angst, was passieren könnte, wenn sie es tun. (…) Einige verweisen zur Begründung auf den Beutelsbacher Konsens und möchten sich neutral verhalten. Der Beutelsbacher Konsens sagt aber gerade, wir sollen Kontroversen nicht aus dem Weg gehen, sondern im Gegenteil, wir sollten sie aushalten und zum Mittelpunkt politischer Bildung machen." "

    Anja Besand, Technische Universität Dresden im
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Sie werden noch so viele unterschiedliche Meinungen hören. Und wissen Sie was? Sie haben alle recht!"

    Grisha Alroi-Arloser, Israelisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer; über die Israel-Studienreisen der bpb
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Es gibt Kontroversen, die man vielleicht nicht vermutet. Zum Beispiel treten CDU und CSU mit getrennten Programmen an.Obwohl die Wähler sich nicht zwischen beiden entscheiden können, wollen sie sich voneinander abgrenzen."

    Stefan Marschall, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, zum Wahl-O-Mat, im Interview mit fr-online
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Ich habe immer die Auffassung vertreten, dass politische Bildung in einer Demokratie nicht zu ängstlich sein sollte. Deshalb sollte meiner Meinung nach das Spektrum der Kontroversität weit gefasst werden, weil die Vermutung berechtigt ist, dass eine offen und weit geführte Auseinandersetzung in der Regel nicht zu extremistischen Positionen führt."

    Siegfried Schiele, in: Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens?
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Die Redaktionen der bpb sind mit all ihren Formaten dem Kontroversitätsgebot verpflichtet. Das gelingt natürlich nicht immer mit einem einzigen Produkt, aber im Gesamtangebot des Hauses ist das unser Anspruch."

    Hans-Georg Golz, Fachbereich Print der bpb
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Natürlich könnte ich mit einem YouTuber zusammenarbeiten, der seine eigene Meinung in einem Video einbringt. Die darf aber nicht alleine stehen bleiben. (…) Unser Job ist es, alle Perspektiven aufzuzeigen. Die Adressaten müssen dann selbstständig entscheiden, wo sie sich positionieren wollen."

    Daniel Seitz, mediale pfade.org, Verein für Medienbildung, im Interview auf netzpolitik.org
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Ich nenne das Kontroversitätsgebot auch gerne Authentizitätsgebot, um auszudrücken, dass die Wirklichkeit der Politik im Unterricht widergespiegelt werden muss. Man muss aber didaktisch reduzieren, und das ist bereits eine Verfälschung der Authentizität. Dennoch kann man wichtige Positionen von Randpositionen unterscheiden. Und da würde ich sagen, dass die politischen Auffassungen der Bundestagsparteien einen gewissen Vorrang haben.

    Joachim Detjen, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, im Interview auf bpb.de
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Es fällt genau dann keine Position unter den Tisch, wenn alle möglichen Positionen zu einem Gegenstand als Grundlage für einen möglichen Lernprozess genutzt werden, also wenn nichts vorenthalten wird. Dieses Kriterium ist aber von vornherein überhaupt nicht umsetzbar. (…) Die Frage der Kontroversität ist also eher: Was kann warum weggelassen werden? Wir brauchen also weitere Kriterien, die über die eigentliche Definition hinausgehen, um feststellen zu können, ob etwas kontrovers ist oder nicht."

    Jan Weyland, in: Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens?
  • Wie kontrovers darf's denn sein?

    "Alle politischen Bildnerinnen und Bildner sind sich einig, dass in der politischen Bildung nicht jede Position als legitime Position dargestellt werden muss. Vor allem menschenverachtende Meinungen dürfen nicht gleichberechtigt neben anderen stehen. (...) politische Bildnerinnen und Bildner [sind] aufgefordert, Position für die Menschenwürde zu beziehen – womit allerdings keineswegs gesagt sein soll, dass man Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Positionen persönlich verurteilen oder die Auseinandersetzung über ihre Position verweigern sollte!"

    Kerstin Pohl, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, im Online-Dossier "Politische Bildung" auf bpb.de
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