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ameixner am 03.05.2012

Experten unter sich: Auf der Suche nach einer europäischen Öffentlichkeit

Auf der Sub­kon­fe­renz "rE-Unite" dreht sich alles um die euro­päi­sche Öffent­lich­keit. Wie kann man Europa (wie­der) zu einem Thema machen, das die Mas­sen inter­es­siert? Wird die euro­päi­sche Idee im Netz nur von Exper­ten gedacht oder sind wir ein­fach taub für die Stim­men der Nonprofessionals?

Citi­zen Blo­gos­phere statt Euro­pean Professionals

Sym­pto­ma­tisch für das Thema des "rE:Unite"-Tracks begann Tho­mas Krü­ger (Prä­si­dent der Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung) sein Input vor vie­len lich­ten Stuhl­rei­hen. Warum zieht das Thema "euro­päi­sche Öffent­lich­keit" so wenige Zuschauer an? Die ein­fa­che Ant­wort: Die Netz­com­mu­nity schläft noch. Nach exzes­si­vem Fei­ern in der re:publica-Bar scheint die Schwer­kraft am Mor­gen danach, 10 Uhr, zu stark zu sein.

Die kom­ple­xere Ant­wort gibt Ronny Patz in sei­nem Vor­trag zum Thema "Euro­blog­ger und euro­päi­sche Öffent­lich­keit im Netz": Die euro­päi­sche Öffent­lich­keit sei vor allem eine Welt der Euro­pean Pro­fes­sio­nals, der Think Tan­ker und Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker. Was fehlt, sei eine Citi­zen Blo­go­sphäre, eine euro­päi­sche Öffent­lich­keit der Bür­ger im Netz. Solange es die­sen brei­ten euro­päi­schen Dis­kurs nicht gebe, bestehe die Euro­blo­go­sphäre nur als ein Repli­kat der insti­tu­tio­na­li­sier­ten euro­päi­schen Sphäre. Lösung? Fehl­an­zeige. Was Patz bleibt, ist die ver­hal­tene Freude dar­über, dass Euro­blog­ger in der euro­päi­schen Polit­sze­ne­rie mitt­ler­weile auch als jour­na­lis­ti­sche Akteure wahr­ge­nom­men wer­den. Grund zur Eupho­rie ist dies jedoch des­halb nicht, weil Blog­ger oft nur als Ansprech­part­ner für PR– und Wahl­kampf­bot­schaf­ten her­hal­ten sol­len. (Dazu: Blog­ger ver­schla­fen die Euro-Krise)

Einen posi­ti­ve­ren Aus­blick auf die Zukunft der euro­päi­schen Öffent­lich­keit im Netz bie­tet Tho­mas Krü­ger: Social Media könn­ten die Keim­zelle einer Renais­sance Euro­pas wer­den. Die Viel­stim­mig­keit die­ser neuen Öffent­lich­keit solle dabei nicht als Chaos, son­dern als Stärke des Medi­ums ver­stan­den wer­den: Die euro­päi­sche Idee könne so im Stim­men­ge­wirr sozia­ler Medien ihre Wie­der­ge­burt erleben.

Wie kann man die­sen Pro­zess beschleu­ni­gen? Eine mög­li­che Ant­wort kommt aus dem Ple­num: "Europa nicht immer nur EU-politisch den­ken, son­dern auch mal kulturell!"

Euro­blog­ging – Sprach­bar­rie­ren und poli­ti­sche Kulturen

Einige Stun­den spä­ter, auf dem Panel "Euro­pean Poli­ti­cal Blog­gers – Crea­ting a Public Sphere?", sind die Stuhl­rei­hen bereits dich­ter gefüllt. Der Kater ist aus­ku­riert, das Kof­fein in den Venen der Nerds angekommen.

Rick Falk­vinge, Held der schwe­di­schen Pira­ten­par­tei, kon­sta­tiert auf Eng­lisch vor einem über­wie­gend deut­schen Publi­kum: Die Euroblogging-Szene wird geplagt von einem ganz bana­len Pro­blem, der Sprach­bar­riere. Das unter­schei­det die poli­ti­schen Blog­ger in Europa von den anglo-amerikanischen. Wie kann man sich auf einen Dis­kurs eini­gen, poli­ti­sche Mei­nungs­bil­dung beein­flus­sen, wenn es schon an der grund­sätz­li­chen sprach­li­chen Ver­stän­di­gung mangelt?

In Europa gilt es jedoch nicht nur zwi­schen unter­schied­li­chen Sprach­fa­mi­lien zu ver­mit­teln, son­dern auch zwi­schen unter­schied­li­chen poli­ti­schen Kul­tu­ren. Darin sieht Chris­tian Mihr, neuer Chef der Repor­ter ohne Gren­zen, ein Haupt­pro­blem der des­in­te­grier­ten euro­päi­schen Öffent­lich­keit. Die­sem Ein­druck stimmt auch Jon Worth zu, Mit­grün­der von BloggingPortal.eu und mul­ti­lin­gua­les Sprach­ge­nie. Beson­ders die tra­di­tio­nel­len Medien bedien­ten immer noch fast aus­schließ­lich ihr natio­na­les Publi­kum und sähen euro­päi­sche The­men eben nicht aus einem trans­na­tio­na­len Blickwinkel.

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