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Stefan Brückner am 27.04.2012

Thema Bildung auf der re:publica 2012 — eine Vorschau

Bil­dung unter­steht einem nicht mehr auf­zu­hal­ten­den Medi­en­wan­del. So fin­det Ler­nen längst nicht mehr nur ana­log in den klas­si­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, wie Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten statt, son­dern ver­la­gert sich suk­zes­sive in die digi­tale Welt. Vor­le­sun­gen, zu denen sonst nur Elite-Studenten Zugang haben, kön­nen von jeder­mann abge­ru­fen wer­den. Wis­sen wird kol­la­bo­ra­tiv ange­rei­chert und verbreitet.

Es war noch nie so ein­fach sich wei­ter­zu­bil­den, weil man es orts­un­ab­hän­gig und über­all kann, wenn man denn nicht — über­for­dert von den Mög­lich­kei­ten — letzt­lich doch den seich­ten Ver­su­chun­gen des Net­zes erliegt. Die Stage 6 steht am letz­ten Tag der Ber­li­ner Netzpolitik-Konferenz re:publica 2012 ganz im Zei­chen des Do-it-yourself-Learning, digi­ta­ler Schnitt­stel­len zur Wei­ter­bil­dung und der Her­aus­for­de­run­gen, die die Digi­ta­li­sie­rung an das Bil­dungs­sys­tem und die Medi­en­päd­ago­gik stellt. In unse­rer Vor­schau stel­len wir die inter­es­san­ten Panels vor:

4. Mai, 10:00 Uhr, Stage 6: Mobi­les Ler­nen — eine Navi­ga­tion durch Bildungs-Chancen

Seit mobile Com­pu­ter in Hosen– und Hand­ta­schen ste­cken, dank Flat­rates immer online sind, hat sich die Geschwin­dig­keit von Selbstbildungs-Prozessen ver­viel­facht. Wis­sen ist nahezu in jedem Ort der Welt zugäng­lich, "location-based infor­ma­tion" macht aus Orten Lern­orte. GPS-Navigation macht Land­kar­ten oft über­flüs­sig, Han­dy­netze wis­sen, wo wir im Stau ste­hen. Um da nicht den Über­blick zu ver­lie­ren, gibt es Guido Brom­bach und Daniel Seitz. Sie sind die Edunau­ten und stel­len im Panel "Mobi­les Ler­nen mit den Edunau­ten – aus der Pra­xis einer Päd­ago­gik der Navi­ga­tion" ihre Ange­bote zum Ein­stieg ins mobile Ler­nen vor: eine bun­des­weite Karte mit orts­be­zo­ge­nen Lern­an­ge­bo­ten, Tuto­ri­als, Geräte-Verleih sowie Fort­bil­dung und Beratung.

4. Mai, 12:30 Uhr, Stage 6: Do it your­self — Hilfe zur Selbst­bil­dung im Netz

In Open­Le­arning– oder DIY-Learning-Projekten wird die Bil­dungs­in­sti­tu­tion zur Platt­form. Jeder kann Ange­bote machen und an den Ange­bo­ten von ande­ren teil­neh­men. Die tra­di­tio­nelle Tren­nung zwi­schen Leh­ren­den und Ler­nen­den wird auf­ge­ho­ben, die Insti­tu­tion schafft nur noch den Rah­men – aber der ist umso wich­ti­ger. In der Ses­sion „Do It Your­self! Netz­werke für DIY-Education“ stel­len die Rah­men­bauer ihre Platt­for­men vor und dis­ku­tie­ren, was ent­schei­dend ist, damit Ler­nende ihr Ler­nen selbst in die Hand neh­men kön­nen. Mit dabei sind die Pro­jekte von Anja C. Wag­ner, Jonas Liep­mann und Michelle Thorne.

4. Mai, 13:45 Uhr, Stage 6: Unter­richts­stö­rung — Kon­troll­ver­lust durch neue Technologie?

Die Tech­no­lo­gie von James Bond und Cap­tain Kirk in den Hän­den von Schü­lern — tota­ler Kon­troll­ver­lust für die Schule? Mit die­ser Frage beschäf­tigt sich Jöran Muus-Merholz in die­ser Session.

Inter­net, Mic, Kamera und Kopf­hö­rer sind spä­tes­tens 2014 unsicht­bar und all­ge­gen­wär­tig. Die Tech­no­lo­gie von James Bond und Cap­tain Kirk kommt für alle – und damit ein enor­mer Kon­troll­ver­lust für Päd­ago­gIn­nen und Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen. Er stellt die Fra­gen: Dro­hen unend­li­che Ablen­kung, Zer­streu­ung und Chaos? Oder Chan­cen für Mün­dig­keit und Eman­zi­pa­tion? Der Vor­trag soll anhand von kon­rek­ten Bei­spie­len zei­gen, warum für die Schu­len der große Umbruch durch den digi­ta­len Wan­del erst noch bevorsteht.

4. Mai, 14:30 Uhr, Stage 6: Das alte Schlag­wort Medi­en­kom­pe­tenz — Zeit für einen Remix?

Das Schlag­wort Medi­en­kom­pe­tenz wird aus allen Ecken und Enden geru­fen, ver­kommt fast schon zur lee­ren Wort­hülse. Inter­net? Kann ich auch! Dass das so ein­fach nicht ist, will Chris­tine Kolbe in ihrer Ses­sion "Nicht ver­schen­ken — Net­kul­tur­ler­nen statt Medi­en­kom­pe­tenz!" erörtern.

Der Sog auf­re­gen­der Spiel­wel­ten, aus­ge­klü­gel­ter Wer­be­cho­reo­gra­fien und die Mög­lich­kei­ten digi­ta­li­sier­ter Kom­mu­ni­ka­tion ist ohne Zwei­fel mäch­tig – gerade für junge Men­schen fehlt es oft­mals an einer kri­ti­schen Dis­tanz. Die Ses­sion von Chris­tine Kolbe soll im Gegen­satz zur Panik­ma­che der Internetkompetenz-Forderung krea­tive, netz­kul­tu­relle Wege aus dem Dilemma ermit­teln und als Erfah­rungs­pool die­nen, für die­je­ni­gen, die Lust haben, jen­seits kul­tur­pes­si­mis­ti­scher Prä­mis­sen über junge Men­schen und ihre Schnitt­stel­len zu Free und Remix-Culture, Sharism und DIY nachzudenken.

Mehr Panels zur Bil­dung: Wer frei­wil­lig auf der re:publica nach­sit­zen will, fin­det in der Sub­kon­fe­renz re:learn, mit­or­ga­ni­siert von Jöran Muuß-Merholz, noch viel mehr Lek­tio­nen zu Social Media an Schu­len und Wis­sens­ver­mitt­lung im Internet.

Wei­tere Vor­schauen zur re:publica 2012: die The­men Daten­schutz und Pri­vat­sphäre sowie Urhe­ber­recht.

Lern­hil­fen und Selbst­bil­dung im Netz: Wer kennt nütz­li­che Online-Plattformen, die hal­ten, was sie ver­spre­chen? Unser Kom­men­tar­be­reich ist bereit für Vor­schläge, die uns und den ande­ren netzdebatte-bpb-Lesern wei­ter­hel­fen. Ansons­ten sehen wir uns viel­leicht bei den Panels auf der Ber­li­ner re:publica 2012.

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