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Stefan Brückner am 27.04.2012

Thema Urheberrecht auf der re:publica 2012 — eine Vorschau

Das Thema Urhe­ber­recht wird seit Jah­ren kon­tro­vers dis­ku­tiert und mobi­li­siert seit Acta nicht nur die „Gemein­den“ im Netz. Wer sich auf dem Ber­li­ner Netzpolitik-Kongress re:publica 12 über Crea­tive Com­mons, faire Urhe­ber­rechts­mo­delle und den Wan­del der Musik­in­dus­trie infor­mie­ren möchte, dem seien – als Emp­feh­lung für einen Zeit­plan – fol­gende Panels unse­rer Vor­schau wärms­tens ans Herz gelegt.

2. Mai, 13:30 Uhr, Stage 8: Urhe­ber­recht und Bil­dung — eine Betriebsstörung?

Dass das Urhe­ber­recht selt­same Blü­ten treibt und auch den Bil­dungs­be­trieb mit­un­ter beein­träch­ti­gen kann, möchte der Work­shop „Das ent­fes­selte Wis­sen. Wie sieht ein Urhe­ber­recht für Bil­dung und Wis­sen­schaft aus?“ zei­gen. Hier einige kuriose Beispiele:
  • Die KiTa darf keine Noten von Kin­der­lie­dern kopieren
  • Mit­tels eines Tro­ja­ners wol­len Ver­lage Schul­rech­ner auf Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen kontrollieren
  • Digi­tale Bücher dür­fen in der Biblio­thek nicht kopiert, son­dern höchs­tens als Foto vom Bild­schirm ver­viel­fäl­tigt werden.
  • Die Biblio­thek darf nur so viele Exem­plare digi­tal anzei­gen, wie sie auch gedruckt im Regal hat.
  • Digi­tale Bücher dür­fen nicht gebraucht wei­ter­ver­kauft werden.
  • For­scher dür­fen ihre eige­nen Texte nicht im Inter­net posten.
Der Work­shop benennt die ganz prak­ti­schen, recht­li­chen Pro­bleme bei der digi­ta­len Revo­lu­tion in Klas­sen­zim­mern, Labo­ren und Hör­sä­len und soll Alter­na­ti­ven erar­bei­ten, die für einen anste­hen­den "Drit­ten Korb" der Urhe­ber­rechts­re­form in die Debatte gebracht wer­den müs­sen. Alle Betei­lig­ten sind Mit­glie­der oder stam­men aus dem Umfeld des Akti­ons­bünd­nis­ses “Urhe­ber­recht für Bil­dung und Wissenschaft”.

3. Mai, 17:30 Uhr, Stage 3: Selbst­ver­mark­tung von Musi­kern im Netz

Sound­Cloud, Blogs, Inter­net­frei­heit, YouTube, GEMA und Selbst­ver­mark­tung sind nur einige der Schlag­wör­ter, die die Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen von Musik im Netz benen­nen. Die Ses­sion „Das Inter­net ist nicht mein Feind?“ möchte auf­zei­gen, wie Musik, Künst­ler, Labels und das Netz so lang­sam Freund­schaft schließen.

Den­noch wirft diese Annä­he­rung Fra­gen auf: Was pas­siert, wenn die Grenze zwi­schen Kon­su­men­ten und Pro­du­zen­ten ver­schwimmt? Ist die Selbst­ver­mark­tung im Netz ein Fluch oder Segen? Wel­che Rolle spie­len Blog­ger bei der Pro­mo­tion und Dis­tri­bu­tion von Musik? Oder gene­rell gefragt: Wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, wel­che funk­tio­nie­ren und wo die Pro­bleme lie­gen, dis­ku­tie­ren die Musikindustrie-Veteranin Bar­bara Hall­ama, Andrea Goe­tzke von New­t­hin­king, Ronny Kraak vom Kraft­fut­ter­mi­sch­werk sowie DJ Tanith, auf des­sen Blog die Ber­li­ner Techno-Geschichte kennt­nis­reich debat­tiert wird.

4. Mai, 10:00 Uhr, Stage 4: Rich­ti­ger Umgang mit Crea­tive Commons

Im Inter­net urhe­ber­recht­lich geschützte Bil­der und Videos ein­fach so ver­öf­fent­li­chen? Unmög­lich! Dafür gibt es zum Bei­spiel die Creative-Commons-Lizenz, die in Hands on: Open-Content-Lizenzen, vor allem im Pra­xis­ein­satz erläu­tert wird.

Open-Content-Lizenzen war­ten dar­auf, wei­ter ver­wen­det zu wer­den. Obwohl gerade Creative-Commons-Lizenzen so kon­zi­piert wur­den, dass sie so leicht wie mög­lich genutzt wer­den kön­nen, tau­chen in der Pra­xis immer wie­der Fra­gen auf: Wie muss auf die Lizenz hin­ge­wie­sen wer­den – in einem Blog­bei­trag, in einem Video, in einem Musik­stück? Wie kön­nen unter­schied­li­che Lizenz­ver­sio­nen (z. B. kom­mer­zi­ell / nicht­kom­mer­zi­ell, CC-lizenzierte und nicht CC-lizenzierte Inhalte) kom­bi­niert wer­den? Wo fin­det man Inhalte unter ent­spre­chen­den Lizen­zen? Ant­wor­ten auf diese Fra­gen haben die Betrei­ber von iRights.info, Till Kreut­zer und Mat­thias Spielkamp.

Übri­gens: In Zusam­men­ar­beit mit der Lan­des­an­stalt für Medien NRW hat iRights.info soeben eine gerade für Ein­stei­ger inter­es­sante PDF-Broschüre zu "Rechts­fra­gen zum digi­ta­len Arbeits­all­tag" her­aus­ge­bracht. Darin geht’s neben dem Urhe­ber­recht auch um das Per­sön­lich­keits­recht und den Daten­schutz im Job (via Netzpolitik.org).

4. Mai, 11:15 Uhr, Stage 2: Der Riot ums Copy­right

Spree­blick–Blog­ger und re:publica-Mitorganisator Johnny Häus­ler wird das Panel "Copy­Ri­ots! Der Kampf der Kul­tu­ren" mode­rie­ren, in dem die Copyright-Debatte auf­ge­grif­fen wer­den soll (seine eigene Posi­tion hat er in einem viel kom­men­tier­ten Blog-Post for­mu­liert). Fol­gende Fra­gen sol­len unter ande­rem erör­tert werden:

Wie kön­nen Urhe­ber Geld ver­die­nen, ohne sich im Selbst­mar­ke­ting auf­rei­ben zu müs­sen? Wie kön­nen Gesetze aus der Zeit von Bild­schirm­text und Fern­schrei­ber an die digi­tale Gegen­wart ange­passt wer­den? Woher kommt künf­tig das Geld für Kunst? Mit­dis­ku­tie­ren wer­den Con­rad Fritzsch, Kon­rad von Löh­ney­sen, Hans Haf­ner und Roxanne de Bas­tion. Laut Ver­an­stal­tungs­hin­weis wird even­tu­ell auch jemand von der Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA anwe­send sein.

4. Mai, 14:15 Uhr, Stage 2: Wel­che Zukunft hat das Urheberrecht?

Der Vor­trag "Urhe­ber­recht 2037 — Eine Vision" beschäf­tigt sich mit einem mög­li­chen Urhe­ber­recht in 25 Jah­ren. Geschäfts­mo­delle, Tech­nik und Regu­lie­rung lie­fern sich der­zeit einen Wett­streit um die Zukunft. Wo ste­hen wir in 25 Jah­ren, wie sieht die Welt 2037 aus?

Gibt es tat­säch­lich nur noch Lai­en­kul­tur oder kön­nen Künst­ler und Unter­neh­men noch immer mit krea­ti­vem Schaf­fen Geld ver­die­nen? Und wenn, was waren die Gründe hier­für? Wie wur­den die Wei­chen im Urhe­ber­recht mitt­ler­weile gestellt? Haben die Sopa-, Pipa-, Acta-Befürworter sich durch­ge­setzt, und wird das Netz voll­stän­dig über­wacht, regle­men­tiert und gesteu­ert? Oder wurde der kul­tu­relle Auf­schwung eher durch regu­la­tive Zurück­hal­tung, Dere­gu­lie­rung und Libe­ra­li­sie­rungs­an­sätze her­bei­ge­führt? Wie könn­ten sol­che Ansätze aus­se­hen? Und wel­che Mit­tel sichern mitt­ler­weile das Aus­kom­men von Krea­ti­ven und Pro­du­zen­ten? Till Kreu­zer ver­sucht sich an einer Vision.

Wei­tere Vor­schauen zur re:publica 2012: die The­men Daten­schutz und Pri­vat­sphäre sowie Bil­dung und Medi­en­kom­pe­tenz.

Wer Lese­tipps zur Dis­kus­sion über das Urhe­ber­recht und die Selbst­ver­mark­tung im Netz mit uns und ande­ren Lesern tei­len möchte: Bitte den Kom­men­tar­be­reich bestü­cken! Ansons­ten sehen wir uns viel­leicht in Ber­lin bei den Panels auf der re:publica 2012.

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