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akrieger am 20.04.2011

Noha Atef über ihr Blog Tortureinegypt.net

Noha Atef hat frü­her für ägyp­ti­sche Zei­tun­gen als Jour­na­lis­tin gear­bei­tet. Poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che The­men waren da oft tabu. In ihrem Blog Tortureinegypt.net ist das anders. Da schreibt Noha Atef über Miss­hand­lun­gen und Fol­ter durch ägyp­ti­sche Sicher­heits­kräfte, ver­öf­fent­licht Fotos von Poli­zis­ten und ihren Opfern. Im ers­ten Teil unse­res Inter­views erzählt sie von der Initi­al­zün­dung für ihr Blog, der Furcht der Sicher­heits­or­gane und über den Stolz auf ihre Arbeit.

netz­de­batte: Wie fingst du an zu bloggen?

Noha Atef: Das war Ende 2006. Moti­viert hat mich der Bericht einer loka­len NGO. Er trug den Titel "Erfah­run­gen von Frauen in Poli­zei­sta­tio­nen" und han­delte von Frauen, die ohne wirk­li­che Anklage gefol­tert wur­den. Das war ziem­lich scho­ckie­rend, und ich wollte diese Infor­ma­tio­nen wei­ter geben. Zu die­ser Zeit hatte ich keine Ahnung, was Blog­gen ist. Ich begann ein­fach, Blog­spot (auch "Blog­ger", eine mitt­ler­weile zu Google gehö­rige Blog­platt­form) zu erfor­schen und machte ein Blog auf, das ich dann mit Hilfe ande­rer Leute, ande­rer Blog­ger, wei­ter ent­wi­ckelte. Schließ­lich wurde es zu einem gro­ßen Projekt.

Wor­über schreibst du auf dei­nem Blog?

Es dreht sich um Fol­ter­ver­bre­chen, die in Ägyp­ten began­gen wur­den. Manch­mal schreibe ich über die Ver­hält­nisse in den Gefäng­nis­sen. Ins­ge­samt beleuch­tet das Blog die Bezie­hung zwi­schen Poli­zei und Bür­gern in Ägyp­ten, vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2011.

Hat­test du Berichte aus ers­ter Hand?

Nein. Was ich gemacht habe, war, Infor­ma­tion zu mas­hen, zu ver­knüp­fen. Ich habe dar­aus die "Tor­tu­re­pe­dia", eine Art ein­fa­ches Wiki gemacht. Es ver­zeich­net Poli­zei­be­amte, die Fol­ter­ver­bre­chen began­gen haben. Ich zeichne das auf und habe die Toten in einer sehr orga­ni­sier­ten Weise kate­go­ri­siert. Zu jeder Stadt in Ägyp­ten gibt es eine Seite. Wenn man zur Seite von Kairo geht, fin­det man man alle Fol­ter­ver­bre­chen, die hier began­gen wur­den, auf­ge­lis­tet. Das gibt es für jede Stadt, für jede Poli­zei­sta­tion, für jeden Beam­ten und jede Form von Folter.

Was waren die Reak­tio­nen auf dein Blog?

Die Men­schen mach­ten mit. Sie besuch­ten die Seite, und ich ver­zeich­nete viele Zugriffe. Die Leute woll­ten wis­sen, was pas­sierte, von dem sie nicht wuss­ten. Die Behör­den waren natür­lich nicht sehr glück­lich. Beson­ders beun­ru­higt waren sie dar­über, dass ich die Namen und manch­mal auch Bil­der der Poli­zei­be­am­ten veröffentlichte.

Fühl­test du dich ver­letz­lich, weil du über diese The­men schriebst?

Nein, ich fühlte mich nicht ver­letz­lich. Ich wurde natür­lich ein­ge­schüch­tert und bedroht, wenn ich einige Stun­den in Gewahr­sam des Staats­schut­zes genom­men wurde. Ich bekam schon eine Menge Pro­bleme. Aber am Ende bin ich in Sicher­heit und sehr stolz auf das, was ich geschafft habe.

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