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rpitterle am 13.04.2011

Wie frau mit Trollen fertig wird: Hass-Kommentare als Geldquelle (Teil 2)

Dies ist Teil zwei des Netzdebatte.bpb-Berichts zum re:publica-Vortrag "Shits­torm? You can do it!", Teil eins heißt "Wie frau mit Trol­len fer­tig wird: Shits­torm zurück an den Absen­der".

Hatr.org — Sam­mel­stelle für Troll-Kommentare



In der Bal­lung wir­ken die Kom­men­tare, die auf hatr.org zusam­men­ge­tra­gen wer­den, fast schon unfrei­wil­lig komisch. Werke sexis­ti­scher "Dich­ter" fol­gen auf Beschwer­den über "Gen­der­ver­rück­ten­lob­by­po­li­tik" und Anti-Emanzen-Sprücheklopfer, wie man sie eher an Opis Stamm­tisch ver­mu­ten würde als unter Blog-Lesern. Als Kath­rin Ganz wäh­rend ihres Vor­trags in der Kalk­scheune einige Bei­spiele an die Wand pro­ji­zierte, brach Geläch­ter im Publi­kum aus. Wenig zum Lachen zumute ist aber vie­len Blog­ge­rIn­nen, deren Arti­kel im Netz tag­täg­lich mit dis­kri­mi­nie­ren­den Äuße­run­gen zuge­müllt wer­den. Neben frau­en­feind­li­chen Sprü­chen sind dies Hass-Ausbrüche von Ras­sis­ten und Antisemiten.

Um bedräng­ten Blog­ge­rIn­nen zu hel­fen, wurde Anfang April hatr.org ins Leben geru­fen. Das Prin­zip der Web­site ist ein­fach: Dort ange­mel­dete Blog­ge­rIn­nen lei­ten die Hin­ter­las­sen­schaf­ten von Trol­len ein­fach per Klick an hatr.org wei­ter, anstatt sie bei sich zu ver­öf­fent­li­chen. Für diese Funk­tion gibt es etwa ein WordPress-Plugin. Die regis­trierte Use­rIn kann auch direkt auf der Web­site den Kom­men­tar per copy and paste eingeben.

Und das Prin­zip scheint zu funk­tio­nie­ren: Kath­rin Ganz freut sich über 30 "Zulie­fer­er­be­triebe" zum Recy­cling von Troll-Kommentaren und über wach­sende Klick­zah­len. Auf Twit­ter wird wei­ter­hin eif­rig für hatr.org gewor­ben, und eta­blierte Medien wie die Ber­li­ner "taz" oder der öster­rei­chi­sche "Stan­dard" haben über das Pro­jekt berich­tet. Letz­te­res sei wich­tig, dar­auf hatte zuvor schon Helga Han­sen in ihrem Vor­trag hin­ge­wie­sen, um für The­men wie den Sexis­mus in Online-Diskussionen die Auf­merk­sam­keit einer grö­ße­ren Öffent­lich­keit zu gewinnen.

Hass als Geldquelle



Zu einer rich­tig sub­ver­si­ven Aktion würde hatr.org, wenn ein wei­te­res Ziel der Mache­rIn­nen auf­ginge: Troll-Kommentare zu "ver­gol­den": Auf der Web­site fin­den sich ein Flattr-Button und Google Ads, die Wer­be­ei­nah­men brin­gen sol­len. Das damit ver­diente Geld gehe, so Kath­rin Ganz, an "eman­zi­pa­to­ri­sche und Antidiskriminierungsprojekte".

Man ahnt hier eine fast uner­schöpf­li­che Ver­dienst­quelle. Denn wenn an etwas kein Man­gel herrscht, sind das Hass und Hetze in Online-Diskussionen.


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