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rpitterle am 13.04.2011

Wie frau mit Trollen fertig wird: Shitstorm zurück an den Absender (Teil 1)

"Ich wette, ihr seid ein­fach dick und häss­lich." Das ist ein eher noch gemä­ßig­tes Bei­spiel für die Art von Kom­men­ta­ren, die sich Blog­ge­rin­nen bie­ten las­sen müs­sen, die im Netz über femi­nis­ti­sche oder Queer-Themen schrei­ben. Viele Leser-Reaktionen trie­fen vor Hass, auch Gewalt­an­dro­hun­gen kom­men vor, und auf Foren wer­den per­sön­li­che Daten und Fotos von Akti­vis­tIn­nen gepos­tet — zum Abschuss frei­ge­ge­ben. Die Anony­mi­tät im Netz bie­tet die Deckung, aus der sol­che Angriffe kom­men können.

Anony­mi­tät im Inter­net sei trotz­dem zu ver­tei­di­gen, meint Kath­rin Ganz, Gender-Studies-Absolventin und Blog­ge­rin — damit über­haupt eine Debatte über wich­tige gesell­schaft­li­che The­men statt­fin­den könne. Klar­na­men von Lesern zu for­dern sei eine Hemm­schwelle für ernst­hafte Kom­men­ta­to­ren, aber Trolle, so der Netz-Slangausdruck für die Stö­ren­friede, lie­ßen sich davon nicht beeindrucken.

Wie Blog­ge­rIn­nen sich trotz­dem weh­ren kön­nen, das war Thema des re:publica-Vortrags „Shits­torm? You can do it!“, den Kath­rin Ganz zusam­men mit Helga Han­sen, einer freien Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin, die bei auch bei Mäd­chen­mann­schaft bloggt, heute Mit­tag in der Kalk­scheune hielt. Der kleine Raum im ers­ten Stock füllte sich rasch, bald war nur noch am Boden ein Sitz­platz zu ergat­tern — Troll-Kommentare sind offen­sicht­lich ein Pro­blem, mit dem sich viele not­ge­drun­gen beschäf­ti­gen müssen.

Femi­nis­ti­scher Shits­torm auf Twitter

Helga Han­sen berich­tete in ihrem Teil des Vor­trags über meh­rere im Netz geführte Kam­pa­gnen, die erfolg­reich waren. Erfolg­reich heißt: Sie fan­den viel Wider­hall in sozia­len Netz­wer­ken und auf Twit­ter, und sie wur­den dar­auf­hin von stark besuch­ten Web­sites und von klas­si­schen Medien auf­ge­grif­fen. Was wich­tig sei, um ein grö­ße­res Publi­kum zu errei­chen und femi­nis­ti­sche The­men in den Main­stream zu tra­gen, wo diese sonst keine große Rolle spielten.

Als ein Bei­spiel nannte Helga Han­sen „Moo­re­andMe“: ein „femi­nis­ti­scher Shits­torm“, initi­iert von der freien Jour­na­lis­tin und Blog­ge­rin Sady Doyle und gerich­tet gegen den Fil­me­ma­cher Michael Moore und den ehe­ma­li­gen MSNBC-Nachrichtenmoderator Keith Olber­mann. Die bei­den hat­ten Ende 2010 in den Gerüchte-Rummel um die Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­würfe gegen Julian Ass­ange auf­sei­ten des WikiLeaks-Gründers ein­ge­grif­fen, fal­sche Fak­ten ver­brei­tet und die Glaub­wür­dig­keit der bei­den mut­maß­li­chen Opfer infrage gestellt. Olber­mann half sogar dabei, auf Twit­ter das Gerücht aus­zu­streuen, eine der bei­den Schwe­din­nen habe CIA-Kontakte. Dank­bare Abneh­mer für der­lei Geschich­ten waren unzäh­lige Trolle, die im Netz aus­schwärm­ten, um in Blog-Kommentaren gegen eine angeb­li­che Anti-Assange-Schmutzkampagne zu poltern.

Für Doyle ein Bei­spiel für ein gesell­schaft­li­ches Klima, in dem Frauen, die zum Ziel sexu­el­ler Überg­riffe wer­den, vom Grunde auf nicht geglaubt wird. Sie star­tete des­halb ihre Aktion unter dem Hash­tag #Moo­re­andMe (eine Anspie­lung auf Moo­res Film Roger & Me) und rief ihre Lese­rIn­nen dazu auf, an @MMFlint oder @KeithOlbermann zu twit­tern und sie mit Fra­gen zu bom­bar­die­ren. Das Resul­tat: Zumin­dest Moore sah sich irgend­wann gezwun­gen, sich öffent­lich dazu zu äußern. Er tat dies in der Rachel Maddow Show im US-Fernsehen:

"Every woman who claims to have been sexu­ally assaul­ted or raped has to be must be taken seriously, and those char­ges have to be inves­ti­ga­ted to the fullest extent pos­si­ble … these two alle­ged vic­tims have to be trea­ted very seriously and Mr. Ass­ange has to ans­wer the ques­ti­ons. (Quelle: Huf­fing­ton Post)"

Von Olber­mann jedoch blieb eine ähnli­che Reak­tion aus.

Die­ser Bei­trag hat zwei Teile, der zweite fin­det sich hier: „Wie frau mit Trol­len fer­tig wird: Hass-Kommentare als Geld­quelle“. Darin geht es um die Web­site hatr.org, die von Kath­rin Ganz im Vor­trag vor­ge­stellt wurde.

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