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Jaana Müller am 06.05.2013

"Making stuff is hard – and it's harder when you are in Africa!“

In Afrika geht was, so die Botschaft von Keynote-Speaker Erik Hersman in seinem Vortrag. Die Aufbruchstimmung, die die Startup-Szene der Welt beseelt, hat längst auch die Menschen von Angola bis Zambia ergriffen.

Auf einer Karte sind vor dem re:publica-Rednerpult verschiedene Start-Up-Projekte quer über den Kontinent visualisiert. In einigen Ländern finden sich viele Projekte, in anderen sind noch weiße Flecken zu sehen.Die digitale Innovationslandschaft wächst quer über den Kontinent. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Mirko Tzotschew/kooperative Berlin)

Allein, dass ein Vortrag über Afrika die "opening keynote" ist, ist schon erstaunlich. Warum er es auf der diesjährigen Re:publica dennoch auf Bühne 1 geschafft hat, macht Speaker Erik Hersman schnell klar. Minutenlang zählt der Mitbegründer der Nonprofit-Plattform www.ushahidi.com Startups und Initiativen auf, die überall auf dem Kontinent aus dem Boden sprießen.

Innovation in Handarbeit

Aber Hersman betont auch, dass selbst in dieser Innovationswelle alte Grundsätze noch immer gelten: Lokale Probleme erfordern lokale Lösungen. Innovation in Afrika heißt, zunächst eine Infrastruktur zu schaffen, die es vielerorts noch nicht gibt. So sind viele Innovationen praktisch und simpel – angepasst an einen Kontinent, der – wie Hersman sagt – einfach noch zu wenig Industrie hat.

Jedes Teil, jeder Produktionsschritt vom ersten Prototypen bis hin zum Endprodukt, ist eine Herausforderung. Bauteile sind teuer und vielerorts fehlen ganz einfach Partner mit Technik und Know-How, um Ideen umzusetzen, vieles wird selbst in Handarbeit hergestellt. Dementsprechend geht es in Hersmans Vortrag nicht nur um digitale Erfindungen: Die Screens hinter ihm zeigen sowohl Bilder von einer selbstgebauten Petroleumlampe, als auch von einem sich selbst steuernden Auto.

Eric Hersman ist der Gründer der Non-Profit-Plattform ushahidi. Auf der re:publica berichtet er über die Innovationsprojekte in Afrika.Eric Hersman, der Gründer der Non-Profit-Plattform Ushahidi, stellt in seiner Keynote innovative Projekte vor. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Mirko Tzotschew/Kooperative Berlin)

Ohne Community geht nichts

Hersman stellt aber auch Projekte vor, die Schulungen zur Entwicklung von Android-Apps in Äthiopien anbieten oder Netzwerke bereitstellen, die Innovationen überhaupt erst ermöglichen.

Bei jedem neuen Projekt, dass man aus dem Boden stampfen will, sollte man sich immer des Credos bewusst sein, das Hersman nicht müde wird zu betonen: Wenn man etwas machen will, muss man es selbst tun. Man darf nicht auf Hilfe von außen warten.

Auch deshalb gilt besonders, was auch für hiesige Startups gilt: Ohne die Community geht nichts. Diese Philosophie ist tief in den Traditionen der afrikanischen Kulturen verankert und auf sie muss man bauen. Und da gelten in Afrika dieselben Regeln wie auch sonst in der Welt: Es ist nicht leicht, eine Community aufzubauen, man muss mit ihr arbeiten und man muss sich um sie kümmern. Dann kann man Erfolg haben.

Aber es braucht viel Mut und einen langen Atem: Denn etwas aus dem Boden zu stampfen ist schwer, und in Afrika ist es noch schwerer.



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