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Jaana Müller am 06.05.2013

Zivilkapitalismus!?

Wolf Lotter hat 15 Minuten Zeit zu erklären, was das ist: Zivilkapitalismus. In dem in Kürze erscheinenden Buch des Brand-Eins-Mitbegründers geht es um die Beziehung zwischen dem "Wir“ und dem anscheinend anderen "Der Wirtschaft“. Viel mehr noch geht es um "Kapitalismus – das böse Wort“, wie Lotter provozierend einführt.

Wolf Lotter über ZivilkapitalismusWolf Lotter über Zivilkapitalismus Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Aber es gebe noch andere Blickwinkel auf die Wirtschaft als den eines Neo-Antikapitalismus, der keine Alternativen biete, sagt Lotter. Zivilkapitalismus ist der Kapitalismus für eine Zivilgesellschaft. Und damit für eine erwachsene Gesellschaft.

Noch aber sei diese geprägt durch eine Kultur des Industriekapitalismus, eine Kultur der Unterordnung, in der die Unterteilung zwischen Manager und Angestellten unangetastet bleibe. Geleitet von Organigrammen, die fast immer dieselben Strukturen aufweisen, geleitet von Fremdbestimmung. Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit in dieser Vorstellung von Gesellschaft beschreibt er als "Risikosportarten“.

Ist Kapitalismus also veränderbar? – dieser Frage würde zu oft ausgewichen mit den bekannten Argumenten: Zu kompliziert, zu verworren... Ein falscher Schluss, meint Lotter, waren dies doch die gleichen Argumente, mit denen Computern die Massentauglichkeit abgesprochen wurde.

Kurz gesagt beginnt Zivilkapitalismus bei jenen, "die im besten Sinne Selbstverwirklicher sind“. Und um es noch mehr auf den Punkt zu bringen, zitiert Lotter die "Netzköpfe“-Macherin Sue Reindke: "... weil sich die Dinge nur ändern, wenn wir sie selbst ändern“.

Zivilkapitalismus braucht Sozialunternehmer, geleitet von der Frage „Was kann ich für dich tun?“ – und nicht „Was kann ich dir verkaufen?“. Dahinter steht eine Einstellung, ein Selbstbewusstsein, die Wertschätzung des Unterschieds, aber auch eine Struktur: Wirtschaft muss barrierefrei sein.

"Zivilkapitalismus – Wir sind die Wirtschaft“ wird Lotters Buch heißen. Haben 15 Minuten gereicht? Vielleicht nicht ganz. Aber wir haken nach, gleich im Talk.

Hier geht es zum Gespräch vom ersten Tag der re:publica mit Wolf Lotter, Kathrin Passig und Sabria David.

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Kommentare anderer Nutzer

Jens Best | 08.09.2013 um 08:46 [Antworten]

Schnellkritik Buch

Die armseligste und simplifizierendste Kritik am Anti-Kapitalismus gepaart mit einer süß-romantischen Vorstellung von einem pseudo-empathischen Ego-Kapitalismus neuerer Generation. Lotter, enttäuschend, wie so oft.


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