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nagel am 07.05.2013

"Da ist der Heiratsmarkt zielführender als der Arbeitsmarkt“

Jutta Allmendinger auf der re:publica 2013.Jutta Allmendinger auf der re:publica 2013. (© Mirko Tzotchew)

Dass sich der Anteil von Frauen am Gesamtarbeitsvolumen in den letzten dreißig Jahren nicht besonders verändert hat, muss man erst mal verkraften. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung WZB hat mit dieser Feststellung die Aufmerksamkeit des re:publica-Publikums sofort auf ihrer Seite. Inmitten der Quotendebatte stellt sie klar, dass es eigentlich keine Umverteilung von Arbeit – und damit Geld – von Männern zu Frauen gibt. Sondern eine Umverteilung unter Frauen: von wenigen Vollzeitstellen hin zu mehr Teilzeitstellen (Themengrafik auf bpb.de)

32-Stunden-Woche. Für alle

Deshalb findet sie, dass die aktuelle Debatte um Quoten und Stundenlöhne an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht. Vielmehr sollte es um eine Umverteilung der Ressourcen Zeit und Geld zwischen Mann und Frau gehen. Allmendinger plädiert schon länger für eine 32-Stunden-Woche - für beide Geschlechter. Entscheidend ist, Frauen und Männern gleichermaßen die Möglichkeit zu geben, sich um ihre Familien zu kümmern. Die Forderung nach atypischen Beschäftigungsverhältnissen macht wenig Sinn, wenn es eigentlich gar keine typischen Beschäftigungsverhältnisse gibt.

Veränderungen der Diskurse statt Revolution

Anstatt die Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu trivialisieren, fordert Allmendinger ein grundsätzliches Nachdenken über unsere Standards in Sachen Erwerbsarbeit und Zeit. Solange Teilzeitarbeit noch immer Regel ist und nicht die Ausnahme, bleibt der Heiratsmarkt für Frauen im Hinblick auf die spätere Rente zielführender als der Arbeitsmarkt. Aber es ändert sich etwas. Zwar erwartet Allmendinger von den nachrückenden Generationen keine Revolution, aber die Diskurse, Debatten und Stereotype verändern sich.

Im Video: Jutta Allmendinger erklärt, was der digitale Wandel der Arbeitswelt mit der 32-Stunden-Woche zu tun hat und was sie von der Frauenquote hält:

Jutta Allmendinger erklärt, was der digitale Wandel der Arbeitswelt mit der 32-Stunden-Woche zu tun hat und was sie von der Frauenquote hält.



Zum Nachhören gibt es das Interview auch als Podcast.

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Im Interview

Jutta Allmendinger
Prof., Ph.D., ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in der Bildungsforschung sowie der Arbeitsmarkt- und Lebensverlaufsforschung. In jüngster Zeit erschien von ihr: „Schulaufgaben. Wie wir das Bildungssystem verändern müssen, um unseren Kindern gerecht zu werden“.


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