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Lydia Meyer am 07.05.2013

re:capitalism: Adorno revisited

Unter dem Titel "Werde Shareholder der Revolution“ stellt Friedrich von Borries sein Projekt RLF vor, das vermeintlich Unvereinbares verbinden will. Es soll das bestehende System unterwandern - von innen heraus, mit den eigenen Waffen: Kapital, Geld, Konsum.

Friedrich von BorriesFriedrich von Borries Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de (Mirko Tzotschew/Kooperative Berlin)

"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“

Erstaunlich oft sieht und hört man diesen Satz auf der diesjährigen re:publica. Erst gestern Wolf Lotter und sein Zivilkapitalismus und heute Friedrich von Borries und sein Projekt RLF, das sich gerade noch im Werden befindet. Als multimediales Kunstprojekt will es die Lebensbedingungen der Konsumgesellschaft erlebbar werden lassen und Menschen zum Nachdenken sensibilisieren - darüber, wie das System in dem wir leben uns alltäglich lenkt. Wie weit ist die Werbung eigentlich mittlerweile ins Private vorgedrungen? Wie selbstbestimmt kann ich noch denken? Wo sind die Grenzen, wie viel Freiheit habe ich noch, wie kann ich das herausfinden und vor allem – wie kann ich das ändern?

Naiv oder subversiv?

Laut Borries gibt es zwar kein richtiges, aber immerhin ein richtigeres Leben im Falschen. RLF verbindet Politaktivismus mit Kunst und Design und will auf künstlerische Art und Weise das System von innen zerstören. Mit der eigenen Waffe: dem Kapital. So ist RLF ein Unternehmen, das verfestigtes Konsumverhalten dazu nutzen will, Geld für die Revolution zu sammeln. Verkauft werden teure Design-Produkte, um der Revolution den Weg zu bereiten und den Kapitalismus abzuschaffen.

Utopisch. Na und?

Um an Gelder zu kommen, will RLF ganz nah ran an den privaten Lebensraum - durch Möbelstücke für Wohn- und Esszimmer. Design-Klassiker werden verblattgoldet oder - sofern sie bereits im Original vergoldet sind - mit schwarzer Farbe überzogen. Ein Beispiel-Stück ist der IKEA-Lacktisch. Auf diesen Massenware-Tisch wird der Slogan "Show you're not afraid“ gedruckt, dann wird er mit Blattgold veredelt, sodass der Schriftzug nicht mehr zu sehen ist. Normalerweise werden verblattgoldete Gegenstände im Anschluss an die Vergoldung versiegelt. Nicht so der RLF-Tisch. Mit jedem Nutzen geht ein Stück der wertvollen Oberfläche verloren.

Empört euch!

Nun muss die Nutzerin/der Nutzer selbst entscheiden: Will ich die Message oder will ich das Gold? All das wirkt mehr als Kunstprojekt mit Experimentiercharaker denn als ernstzunehmende Revolte und ob RLF auch praktisch umsetzbar ist, sei dahingestellt. Jedoch ist ein Projekt wie dieses dennoch ein Grund, Kapitalimus und Konsum erneut zu überdenken – auf subversive Art und Weise.

Im Anschluss an seinen Vortrag haben wir Friedrich von Borries noch einmal zum Interview gebeten:
Unter dem Titel "Werde Shareholder der Revolution" stellt Friedrich von Borries sein Projekt RLF vor, das vermeintlich Unvereinbares verbinden will. Es soll das bestehende System unterwandern - von innen heraus, mit den eigenen Waffen: Kapital, Geld, Konsum.



Zum Nachhören gibt es den Talk auch als Podcast.

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Im Interview

Friedrich von Borries
ist Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, wo er das Forschungsprojekt "Urbane Interventionen“ leitet. Zudem schreibt er regelmäßig für FAZ, Die Zeit und Die Welt zu Fragen der Kunst, Architektur und des Designs.


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