Netzdebatte Logo

pbaeumer am 07.05.2013

Jede Initiative kann groß werden

Die Jugend von heute, die apolitische Null-Bock-Generation vor den Spielkonsolen und in den Chaträumen – vom Gerede "weißbärtiger Eminenzen" und Bedenkenträger gegenüber Kindern im Web hält Beteiligungsaktivistin Manuela Schauerhammer nichts. Stattdessen stellt sie vor: Die engagierten "Kinder in Digitalistan".

9.12.2009- Kinder demonstrierten vor dem Bundeskanzleramt in BerlinKinder setzen sich ein: Online oder wie die Aktion "Plant for the Planet" mit einer Demo gegen den Klimawandel vor dem Bundeskanzleramt (© Bild: Michael Setzpfandt)

"Kinder brauchen unser Vertrauen", sagt Manuela Schauerhammer, Bloggerin, Texterin und Beteiligungsaktivistin. Kinder sollten ermutigt werden, sich einzusetzen und zu engagieren – auch digital. Dass das (digitale) Engagement von Kindern im Grundschulalter sich lohnt, beweist Schauerhammer anhand zahlreicher Beispiele von Einzelinitiativen und Kinderprojekten: Von Kindern, die sich per Mail beschweren, die sich für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzen und Kindern, die aufklären.

Kinder kennen sich aus

Manche Initiativen beginnen dabei quasi schon "analog". Mit Fragen, Kritik und Themen, die sie beschäftigen. "Wichtig ist, dass man anfängt – egal ob analog oder digital", sagt Schauerhammer. Die digitalen Medien seien ein wichtiger Weg, um dieses Beteiligungspotenzial weiter zu fördern: Denn Kinder kennen sich bereits mit der Technik aus, betont Schauerhammer (– auch wenn "weißbärtige Eminenzen" oftmals etwas anderes behaupten würden). Wenn Kinder zum ersten Mal aktiv werden, indem sie etwa den Herstellern von Kinderspielzeug E-Mails schreiben, um sich zu beschweren oder ihre Meinung zu den Produkten kundzutun, fängt Engagement und Beteiligung an. Und gleichzeitig können Kinder schon hier sehen, dass es sich lohnt: Denn sie bekommen Zuspruch und Reaktionen. "Kinder erkennen, dass sie gehört werden, dass sie ernst genommen werden."

"Guten Tag, wir Kinder möchten wissen, wer ihre Kakaobohnen erntet"

"Kinder bewegen sich ganz normal in der digitalen Welt. Wenn sie etwas von Themen wissen möchten und sich dafür interessieren, dann fragen sie auch nach", so Schauerhammer. Nach Sklaverei und Schokolade zum Beispiel: Kinder aus der dritten Klasse einer Grundschule haben Firmen angeschrieben und nachgehakt, ob ihre Schokolade aus Kinderarbeit entstanden ist. Als weitere Beispiele nennt Schauerhammer Online-Schülerzeitungen und Blogs wie den mittlerweile berühmten Blog von Martha Payne, 9 Jahre aus Großbritannien, die ihr Schulkantinenessen fotografierte und damit eine Debatte über das Essen in Kantinen angestoßen hatte. Und letztlich damit zu einer Verbesserung des Essens beitrug.

"Jede Initiative kann groß werden. Man muss nur anfangen": Was Kinder und Jugendliche allein mit diesem Anfang alles erreichen können, illustriert Schauerhammer am Beispiel des 17-jährigen Schülers Tim Hartelt: Mit dem deutschen Menschenrechtspreis 2012 wurde er für seine Reportage Syrien – Zwischen Verzweiflung und Hoffnung ausgezeichnet. Ein Themen, das auch auf anderen Wegen Jugendliche bewegt zu handeln. So ruft die größte deutsche jugendliche Hilfsorganisation Schüler helfen Leben online und über ihre Social Media-Kanäle zu Spenden und Unterstützung für Syrische Flüchtlingskinder auf.

Groß gewachsen ist mittlerweile Felix Finkbeiners Projekt Plant for the planet, mit dem er 2007 als Neunjähriger startete, Bäume gegen den Klimawandel zu pflanzen. Mittlerweile ist daraus ein Netzwerk mit Workshops, Medienpräsenzen, Kinderinitiativen und -Botschaftern entstanden. Was alles im jungen Digitalistan alles möglich ist, zeigt eindrucksvoll die Zahl der gepflanzten Bäume heute: 12 610 638 146.


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Ihr Kommentar:

(*) Diese Felder sind Pflichtfelder

Ihr Kommentar wird von der Redaktion geprüft und dann freigeschaltet



netzdebatte.bpb.de in Social Media

Debatte

Bedingungsloses Grundeinkommen

Was wäre, wenn jede_r von uns jeden Monat vom Staat einen festen Betrag aufs Konto überwiesen bekäme - ohne etwas dafür tun zu müssen? Das ist, vereinfacht gesagt, die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Die Idee ist kontrovers, denn sie kratz an einigen elementaren Fragen: Ist der Mensch von Natur aus faul oder fleißig? Wie sehr vertrauen wir unseren Mitmenschen wirklich? Was ist der eigentliche Sinn von Arbeit? Woran misst sich eigentlich der Wert von Arbeit?

Mehr lesen

Debatte

Robotersteuer

Machen uns Roboter in Zukunft überflüssig? Oder schaffen sie neue Freiräume? Gewiss ist, dass die Automatisierung der Arbeit, aktuell unter dem Schlagwort Industrie 4.0, unsere Arbeitswelt verändern wird. Wie Politik, Gesellschaft und Wirtschaft darauf reagieren, ist allerdings noch offen. Diskutiert wird im Zuge dessen auch über die Einführung einer sogenannten Robotersteuer, die die befürchteten negativen sozialen Effekte abmildern soll. Wir haben zwei Experten zum Thema, um ihre Einschätzung gebeten.

Mehr lesen