Leiterplatte

Lydia Meyer am 08.05.2013

Roboter Ethik: Von menschlichen Maschinen und einer neuen Moral

Roboter-Ethik klingt nach Nerd, nach Fiktion, nach Freakshow und allem, was nichts mit Realität zu tun hat. Was Roboter-Ethik sein soll und wieso es an der Zeit ist, unser Verhältnis zu anthropomorphen Maschinen neu zu denken, erklärt Kate Darling auf unserem roten Sofa.

Kate Darling über Roboter EthikKate Darling über Roboter Ethik (© Mirko Tzotschew/Kooperative Berlin)

Ethik hat mit Menschen zu tun und dem Nachdenken darüber, wie man vernünftig mit diesen umgeht. Manchmal hat Ethik auch mit Tieren zu tun, denn die sind bekanntlich des Menschen bester Freund. Aber Roboter und Ethik? Passt das zusammen?

Roboter sollen menschlich sein – und Emotionen ansprechen



Roboter dringen immer weiter in unseren Alltag vor. Während Toaster, Rasierapparate und elektrische Zahnbürsten noch keine menschlichen Züge aufweisen, existieren bereits zahlreiche anthropomorphe Roboter, deren Entwickler_innen bewusst menschliche Verhaltensweisen adaptieren. Die Anthropomorphe sollen autonom wirken – und als eigenständig erscheinende Wesen unsere Emotionen ansprechen.

Wieso fühlen wir für einen automatischen Staubsauger, der dort saugt, wo er es für nötig hält – und dabei längst nicht alles richtig macht – mehr Empathie als für eine ganz normale Waschmaschine?

Kate Darling hat mit unwissenden Workshop-Teilnehmer/-innen getestet, inwieweit diese Adaption menschlicher Züge wirklich Einfluss auf unsere Gefühle nimmt. Die Teilnehmenden verbrachten einen ganzen Tag mit einem Roboter-Dino. Sie streichelten ihn, sprachen mit ihm, integrierten ihn in ihren Tag. Am Ende sollten sie ihn töten. Darling sagt, der Raum sei totenstill gewesen.

Für sie ist das Beweis genug: dafür, dass Menschen emotionale Beziehungen zu Robotern aufbauen können, sofern sie menschliche Verhaltensweisen adaptieren. Obwohl wir wissen, das die Maschinen keine Menschen sind, interagieren wir mit ihnen als wären sie lebendig. Dies bietet, laut Darling vor allem für Krankenhäuser und Altenheime, ein unglaubliches Potential, das allerdings erst erkannt werden muss.

Sind Roboter jetzt die neuen Haustiere?



Darling rollt den Zugang zum Thema Roboter-Ethik auch über Tierrechte auf. Ob der komplett passt, bleibt fragwürdig, doch bietet diese Übertragung von Tier- auf Roboter-Ethik einen guten Anlass, zu verstehen, was mit Roboter-Ethik überhaupt gemeint ist und warum wir so etwas brauchen. Kate Darling beantwortet die Frage, warum wir Tiere eigentlich schützen, mit der These, dass wir nur das schützen, zu dem wir eine Beziehung aufgebaut haben. Und das haben wir zu den Maschinen, die uns alltäglich umgeben, doch längst. Wer Roboter und Tiere quält, ist auch ein potentieller Menschenquäler. Indem wir Ethik ein kleines Stückchen weiterdenken und auch Roboter zu schützen beginnen, schützen wir laut Darling also nur uns selbst. Kann ja nicht schaden.



Zum Nachhören gibt es den Talk auch als Podcast.

Im Interview

Kate Darling @grok_
ist Wissenschaftlerin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und forscht dort zu Roboter-Ethik. Sie versucht der Frage nachzugehen, unter welchen Umständen Roboter Gefühle wie Mitleid auslösen. Neben Roboter-Ethik beschäftigt sie sich wissenschaftlich mit wirtschaftlichen Themen rund um Urheber- und Patentrecht.




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