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Annika Meixner am 08.05.2013

3D-Drucken: Eine Industrielle Revolution aus Plastik?

Was haben eine Physikerin, ein c't-Journalist und ein Professor für Angewandte Wissenschaften gemeinsam? Die Liebe für Plastik. Nein, es geht nicht um die üblichen Kunststoff-Gadgets, sondern um 3D-Drucker. Neu sind die nicht, aber haben sie das Potential, um die dritte Industrielle Revolution anzustoßen?

Marlene Vogel und Peter Troxler glauben an die Dritte Industrielle Revolution.Marlene Vogel und Peter Troxler glauben an die Dritte Industrielle Revolution. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb, Annika Meixner)

Peter Troxler, der Professor, und Marlene Vogel, die Physikerin und Start-Up-Unternehmerin, sehen die Revolution am Horizont. Beim 3D-Drucken gehe es zwar nicht darum, dass wir bald alle Produkte des täglichen Gebrauchs aus Plastik herstellen, sondern vielmehr um einen "shift in production", um das Wie des Produzierens: weg vom Fließband hin zu einer dezentralen, indivualisierten Produktionsweise. So werden Konsumenten zu Prosumenten.

The revolution will be printed?

Aber ist es wirklich so einfach? Wann habt ihr denn euer erstes (funktionierendes) Produkt selbst 3D-gedruckt? Und damit sind wir bei den vorläufigen Grenzen des 3D-Druckens angekommen: Die erschwinglichen Drucker für zuhause sind noch nicht dazu in der Lage, komplexere und robuste Objekte herzustellen. Das bleibt noch Sache der professionellen Produzenten mit den teuren Druckern. So viel zu den Beschränkungen der Maschinen. Die werden sich in absehbarer Zeit beheben lassen. Doch was ist mit den Beschränkungen des Individuums? Schließlich ist ein 3D-Drucker kein Star-Trek-Replikator. Man muss schon was von Produktdesign verstehen, um die Maschine mit den richtigen Informationen zu füttern. Sonst ist das Ergebnis des DIY-Produzierens bloß ein amorpher Kunststoffklumpen.

Troxler allerdings ist auch in dieser Hinsicht zuversichtlich: Wenn erst mal in jeder Schule ein 3D-Drucker stehe, eigneten wir uns schon die nötigen Skills an, um auch diese Hürde zu überwinden. Und wenn mit einiger Verzögerung auch die "developing world" ausgestattet ist mit digitalen Produktionsmitteln, bedeute das nicht weniger als eine Ermächtigung derer, die bisher abhängig waren von den industriellen Zentren.

Die Maschine und das Böse

Hört sich das vielleicht zu sehr nach rosaroter Brille an? Was ist mit den Gefahren, die das 3D-Drucken mit sich bringt? In letzter Zeit hat man immer wieder von ganz besonderen Pionieren des Plastikdruckens gehört, die das Gute zum Bösen wenden: Waffen drucken mit 3D-Druckern. Eine ganz andere Art von "Ermächtigung". Kein Metalldetektor schlägt Alarm am Flughafen, wenn meine Pistole aus Kunststoff besteht. Deshalb sind in den USA Schusswaffen aus Plastik verboten. Und damit ist kein Spielzeug gemeint, sondern genau das, was gerade viele Tausend Hits auf Youtube produziert: tödliche 3D-gedruckte Schusswaffen aus Plastik, denen nur deshalb ein nutzloses Stück Metall hinzugefügt wurde, um das gesetzliche Verbot zu umgehen.

Marlene Vogel wischt die Bedenken dennoch zur Seite. Schließlich würde auch keiner das Auto verbieten, nur weil es sich im Straßenverkehr zu einer tödlichen Waffe entwickeln kann. Allerdings regulieren wir das Autofahren: Tempolimits, Führerschein, Flensburg. Man kann es also durchaus rechtfertigen, dass sich auch das 3D-Drucken einem Regulationsregime unterwerfen muss. Nicht weil die Maschine böse ist, sondern weil sie Böses ermöglicht.

Es muss nicht immer gleich Revolution sein

Zum Schluss gibt Peter Troxler zu: Eigentlich ist "Revolution" das falsche Wort. Schließlich stürmt niemand die konventionellen Fabriken, um die Produktionsmacht per 3D-Drucken an sich zu reißen. Vielleicht erwartet uns also eher eine Diversifizierung der Produktionsweisen. Aber das wär ja auch schon was.


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