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thfettien am 06.05.2014

Mit Humor die Welt verändern!

Aktivismus ist in Zeiten des Netzes einfacher denn je. Doch was macht erfolgreichen Aktivismus aus? Es ist der Humor, meinen Vertreter zweier erfolgreicher Aktivistengruppen. Am ersten Tag der re:publica 2014 stellen sie ihre Ideen, Ansätze und Erfolge vor.

Ruben Neugebauer (li.) und Jean Peters von Peng! Collectives - re:publica 2014Ruben Neugebauer (li.) und Jean Peters von Peng! Collectives - re:publica 2014 (© Violetta Leiva Martinez)

"Warum die Welt Veränderungen braucht?", fragt Andy Bichlbaum ungläubig. Als wäre von Anfang an klar, dass Altbewährtes keine Überlebenschancen hat, dass Teile der Welt leiden und auf Veränderung warten. Für Bichlbaum und seinen Kollegen Mike Bonanno ist das auch völlig klar. Sie beide gehören zu The Yes Men, einem Zusammenschluss von Netzkünstlern und Aktivisten, die mit Kommunikationsguerilla internationale Konzerne, deren Absichten und Köpfe karikieren. Bekannt wurden The Yes Men durch eine Fälschung der Webseite der Welthandelsorganisation (WTO). Bei der re:publica 2014 stellen sie in der Opening Keynote neue Projekt- und Ideenansätze wie beispielsweise das Action-Switchboard vor, das Aktivisten der ganzen Welt sowie ihre Arbeit vernetzen soll, und denken laut darüber nach, wie sich ihr Aktivismus durch neue Medien und das Netz verändert hat.

Kann jeder Netzaktivist werden?

Veränderung setzt Wissen und Erkenntnis über unsere gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse und die Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, voraus. Kann also jeder ein Netzaktivist werden? Ja, finden die The Yes Men. Gerade das Netz biete unzählige Möglichkeiten, um eine Vielzahl Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen. Der Aktivismus muss sich nicht im Netz abspielen, er kann auch offline erfolgen und über soziale Medien geteilt werden. Aber nicht jeder, der etwas in seiner Facebook-Timeline postet, wird damit automatisch Millionen erreichen und die Welt verändern. Genau hier versteckt sich eines der Geheimrezepte der Popularität von The Yes Men: Humor. Mit Humor erreicht man die Menschen viel leichter, meint Bonanno. In den sozialen Medien würden hauptsächlich Positives und Witziges geteilt und gestreut. Setzt man also bei seinen Aktionen und deren Verbreitung auf Humor, so erreicht ein Aktivist – zumindest nach Ansicht der The Yes Men – mehr Menschen. Beim Publikum der Opening-Keynote geht dieses Konzept jedenfalls völlig auf: das Publikum bricht regelmäßig in herzhaftes Gelächter aus.

Am Rande der re:publica 2014 erklären Andy Bichlbaum und Mike Bonanno, warum Veränderung so wichtig ist und wie sie als "Yes-Men" Veränderungen bewirken möchten. Humor spielt dabei ihres Erachtens eine entscheidende Rolle. (© 2014 Bundeszentrale für politische Bildung)



Um aktiv zu werden, braucht es nicht viel ...

Ruben Neugebauer und Jean Peters hätten wohl mit ausladendem Kopfnicken zugestimmt, hätten sie gehört, wie viel BedeutungThe Yes Men dem Humor in der erfolgreichen Online-Kommunikation von Aktionen zuschreiben. Denn auch sie nennen in ihrem Vortrag Zeit für Sabotage! Humor als ein bedeutendes Erfolgskriterium ihrer Arbeit im Rahmen des Peng! Collectives. Mit der Forderung nach mehr zivilem Ungehorsam haben sie sich auf Kampagnenarbeit fernab der "Kuschelkampagnen" spezialisiert. So ließen sie beispielsweise bei einer PR-Veranstaltung von Shell auf der Bühne eine Ölfontäne sprudeln. Die Verbreitung dieser Aktion über Blogs, Onlinemedien und Social Media lief dabei wie von selbst. Mittlerweile melden sich regelmäßig Rechtsanwälte, Pressevertreter und NGOs, um mit den Peng!-Aktivisten über deren Ideen und Aktionen zu sprechen. Neugebauer und Peters, die so etwas wie die kleinen deutschen Brüder der The Yes Men sind, sprechen diesem Erfolg neben Humor eine weitere Komponente zu: die eigene Unbekanntheit. Komme eine solche Aktion wie aus dem Nichts und stecke hierbei keine große NGO dahinter, sei ihre Verbreitung noch erfolgreicher. Um aktiv zu werden, braucht es nicht viel, so Peters.

Politische Teilhabe, Aktivismus und schließlich Veränderung bekommen auf der re:publica 2014 ein neues Gewand. Solche, die diese Begrifflichkeiten ausschließlich mit Sachlichkeit, Ernsthaftigkeit und Mitleid verbinden, sei ans Herz gelegt, sich Aktionen dieser beiden Aktivistengruppen anzusehen. Was dann noch bleibt, sind zwei Fragen: Braucht eine im weitesten Sinne politische Aktion immer auch eine Sensation in Form von Humor oder einer Art Schadenfreude? Und: Laufen wir dann nicht Gefahr, dass die Sensation irgendwann das Ziel der Aktion überlagert?


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