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Warnschild, Risiko, Gefahr

Jaana Müller am 09.05.2014

Verwechslung! Hass statt Freiheit

Um eine Petition zu unterschreiben oder mitzudiskutieren, müssen wir keinen Fuß mehr vor die Tür setzen. Schließlich sind wir vernetzt! Ein paar Klicks und den Namen hinterlassen: fertig. Teilhabe war scheinbar nie so einfach. Doch die Anonymität des Netzes lässt neben freier Meinungsäußerung auch Hatespeech (Hassrede) zu. Durch eine Online-Petition kamen etwa 5000 Kommentare zusammen, in denen freie Meinungsäußerung und Hatespeech „verwechselt“ wurden.

Am Rande der re:publica 2014 erklärt Andrea Meyer, warum das Netz nicht nur neue Teilhabemöglichkeiten ermöglicht, sondern auch die Verbreitung von sogenannter Hatespeech (Hassrede). Unter dem Hashtag "idpet" liefen tausende Kommentare zur Petition gegen den Bildungsplan 2015 des Landes Baden-Württemberg ein. Fast die Hälfte davon enthielt Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen. (© 2014 Bundeszentrale für politische Bildung)



Im Vortrag #idpet – Wenn Partizipation und Grundrechte kollidieren rollen Andrea Meyer und Nele Tabler die Geschichte um #idpet noch einmal auf: Als Baden-Württemberg mit seinem Bildungsplan 2015 u.a. zur Stärkung der Akzeptanz sexueller Vielfalt an die Öffentlichkeit trat, entbrannte eine kontroverse Debatte in den Medien und auf sozialen Plattformen. Viele Stimmen gegen den Bildungsplan wurden laut. Vielfach waren die Meinungsäußerungen mit Diskriminierungen bestückt. Die Online-Petition "Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" entstand auf der Plattform OpenPetition. Als Tabler sah, wie viele Menschen die Petition unterzeichneten und auf welche Art und Weise sie sich zum Bildungsplan und der Förderung von sexueller Vielfalt äußerten, rief sie #idpet ins Leben.

Bislang wurden zu dieser Online-Petition etwa 11.000 Kommentare abgesetzt. Tabler und Meyer stufen 5.000 davon als diskriminierend ein. Beide, selbst homosexuell, sahen sich mit Äußerungen konfrontiert wie "Die Homolobby will Sexualpraktiken in den Unterricht einführen". Es gingen 1.000 Kommentare ein, die Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzten. Grotesk wurde es, als Tabler ihren eigenen Namen auf der Liste der Unterzeichner der Online-Petition fand.

Mehrfach kontaktierten beide die Plattform OpenPetition, wiesen auf diskriminierende Inhalte hin und auf Namen von Menschen, die offensichtlich nicht existieren bzw. sich, wie Nele Tabler, nicht selbst eingeschrieben haben. Doch nichts geschah. Nun fordern beide eine stärkere Kontrolle von Online-Petitionen und Kommentaren, wobei ihnen eines bewusst ist: Eine umfassende Kontrolle ist schwer möglich und geht auch auf Kosten der Freiheit des Netzes. Was aber allen klar sein sollte: "Kein Mensch der Welt möchte diskriminiert werden, das ist doch Konsens", schließt Meyer.


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