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Merlin Münch am 13.05.2014

Journalismus aus der Dose?

Maschinen ersetzen den Menschen in immer mehr Bereichen. Roboter sind effektiver, präziser, machen unbezahlte Überstunden und sind nie krank. Das bereitet vielen Menschen Sorge - vor allem in den handwerklichen Berufsgruppen. Doch auch in vielen anderen Bereichen sind die Maschinen auf dem Vormarsch. Zum Beispiel im Journalismus. Dass diese Entwicklung nicht unbedingt negativ ist, erklärt Lorentz Matzat auf der re:publica.

Lorentz Matzat, Vortrat auf der re:publica14Erobern Roboter nun auch den Journalismus? Nur zum Teil, erklärt Lorentz Matzat auf der re:publica. (© Violetta Leiva Martinez, Kooperative Berlin)

Der Begriff ‘Roboter’ ist nun mittlerweile fast 100 Jahre alt. Ursprünglich bedeutete Roboter soviel wie Sklave und beschrieb Maschinen, die zwar denken können, den Menschen aber freudig dienen. Heute scheint sich das das Blatt gewendet zu haben. Der Mensch ist ohne die Maschine nicht mehr denkbar. Ohne Internet zu einem Artikel recherchieren? Ohne Google Maps im fremden Stadtteil navigieren? Unmöglich! Nicht zu Unrecht befürchten viele die zunehmende Automatisierung der Gesellschaft mache uns zu Sklaven der Technik.

Wir werden in immer mehr Bereichen überflüssig und durch Maschinen ersetzt.. Sind wir bald alle Frührentner und stehen vor einer Sinnkrise? Verschwinden wir im Hobbykeller und überlassen den Rest den Robotern? Nicht ganz, sagt Lorentz Matzat in seinem Panel mit Blick auf die Entwicklungen im Roboterjournalismus. Zwar mag es auf Anhieb beunruhigend erscheinen, dass Roboter selbst in einem so zutiefst kreativen Berufsfeld wie dem Journalismus Einzug halten. Jedoch bedeutet das nicht, dass Menschen, bzw. Journalisten, deswegen bald überflüssig sind.

Out of context

Bisher sind die Fähigkeiten der ‘Roboterjournalisten’ (eigentlich handelt es sich dabei um Algorithmen) noch sehr beschränkt und werden vor allem in der Sportberichterstattung eingesetzt. Einer der großen Vorreiter auf dem Gebiet ist die Seite Stats Monkey. Nach einem Fußballspiel z.B. sammelt der ’Roboter’ die Statistiken des Spielverlaufs und der einzelnen Spieler , analysiert diese anhand der Regeln des Spiels, vergleicht einzelne Statistiken und Ergebnisse mit älteren aus dem Archiv und schreibt anhand dieser Daten einen Spielbericht. Bisher kann die Software also vor allem Berichtenswertes identifizieren und interpretieren. Was sie nicht kann, ist die Daten in einen breiteren Kontext setzen. Deshalb werden Dinge wie Reportagen, investigative Stücke, Interviews und Feuilletons, zumindest in absehbarer Zukunft, nicht von Robotern geschrieben werden können, so Matzat.

Wahrscheinlicher ist, dass Algorithmen Journalisten in ihrer Arbeit unterstützen und nur bestimmte Arbeitsprozesse automatisiert werden. So könnten in Zukunft Aufgaben wie der Faktencheck, also das überprüfen von Angaben wie Geburtsdaten, Namen, Positionen etc. von Algorithmen übernommen werden.

Ende gut, alles gut?

Fazit: Ja, viel wird in Zukunft automatisch geschehen, um ihre Jobs müssen Journalisten dennoch nicht bangen. So werden auch keine Roboter an den Redaktionstischen sitzen und zu einem Öl-Macchiato auf ihre MacBooks einhacken. Vielmehr werden vermehrt Programmierer Teil der Redaktionsteams werden und neben Datenvisualisierungen dazu beitragen, gewisse Arbeitsprozesse auf schlaue Algorithmen auszulagern. Klingt gut.


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