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Merlin Münch am 03.06.2014

Stell dir vor, die Zukunft kommt und keiner geht hin

Marsreisen, Cyborgs, Datenwahrsager und Science Fiction - auf der re:publica14 war die Zukunft so gegenwärtig wie das Präsens. Vor allem ging es um die problematische Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Was die Gegenwart über die Zukunft verrät und warum noch nicht aller Tage Ende ist, erfahrt ihr hier.

Wo Zukunft drauf steht ist auch Zukunft drin? Wie werden unsere Städte in 100 Jahren aussehen?Wo Zukunft drauf steht ist auch Zukunft drin? Wie werden unsere Städte in 100 Jahren aussehen? Lizenz: cc by-sa/3.0/de (Cronus Caelestis )

Vielleicht war es angesichts des Schattens der ohnehin schon über "Neuland" liegt eine bewusste Entscheidung der Kuratoren der re:publica14, Raum für ermutigende Gedankenexperimente zu schaffen. Science Fiction Liebhaber, Zukunftsforscher, Datenbastler und Cyborgs Marke-Eigenbau gaben deshalb in den verschiedensten Panels ihren persönlichen Blick in die Glaskugel. Erstaunlich oft spielte das Netz dabei nur die Nebenrolle.

Die Zukunft ist kein Ponyhof

Heute lächerlich, damals ziemlich scary: Marsmännchen.Heute lächerlich, damals ziemlich scary: Marsmännchen.
Das spannende an unseren Vorstellungen der Zukunft ist ja, dass sie bei näherem Hinsehen unglaublich viel über die Gegenwart aussagen. Dass die Science Fiction der 50er und 60er Jahre vor allem von fliegenden Autos, Roboter-Hausmädchen mit Schürze und Staubwedel, oder von Mutanten und atomaren Katastrophen erzählt, kommt also nicht von ungefähr. Der Wettlauf ins All, der technische Fortschritt, so wie eine tiefsitzende Angst vor dem Dritten Weltkrieg und der nuklearen Apokalypse spiegelten sich deutlich in den Erwartungen an die Zukunft wieder.

Heute ist es der Klimawandel, der jedes Jahr mindestens einen neuen Blockbuster in die Kinos schwemmt, in dem der fast-Weltuntergang effektvoll inszeniert wird. Und wenn uns die Natur gerade keinen Strich durch die Rechnung macht, dann ist es die Technik. Denn die entwickelt sich momentan so schnell, dass die meisten von uns nur noch ohnmächtig zusehen können - glauben wir zumindest. Die Fragen, die die Speaker/-innen auf der re:publica daraus ableiteten, könnten unterschiedlicher nicht sein. In ihren Antworten gab es hingegen die eine oder andere Gemeinsamkeit.

Die Erde - bald auch ohne Netz!

Während die einen, wie z.B. Science Fiction Expertin Dorothea Martin, beklagten, dass uns die Zukunftsvisionen ausgehen, sprudelten viele andere Speaker/-innen nur so vor Ideen. Anstatt aber das Internet in den Vordergrund zu rücken, standen ganz andere, grundlegende Fragen im Fokus: Wann ziehen wir endlich auf den Mars? Wie müssen wir in Zukunft unsere Städte planen, um den Umzug auf einen anderen Planeten vielleicht doch noch etwas herauszögern zu können? Was können wir tun, um dem nächsten Massensterben zu entgehen? Womit sollen Männer in Zukunft angeben, wenn alle Autos plötzlich automatisch fahren?

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Die Tatsache, dass das Internet bei diesen Überlegungen nur eine Nebenrolle spielte, wirft eine Frage auf, mit der man sich in der Netzgemeinde nur sehr ungern auseinandersetzt. Was, wenn das Netz nur das neue Fernsehen ist? Was, wenn aus dem geliebten Freiraum bald ein perfektioniertes, globales Einkaufszentrum wird, das alsbald in Vergessenheit gerät? Welche Technologie könnte wohl noch auf das Netz folgen? Eine Welt ohne Internet scheint heute kaum vorstellbar. Uns fehlt der Plan B.

Robotergesetze und ethische Maschinen

Ob Big Data oder Cyborgs, eine der fundamentalen Fragen die sich durch beinahe alle Panels zum Thema Zukunft zog, war die nach dem Verhältnis zwischen technischem Fortschritt und der Wahrung unserer gemeinsamen Wertvorstellungen. Nicht umsonst also waren die Robotergesetze von Isaac Asimov, dem Gründervater der modernen Science Fiction Literatur, unter den meist zitierten Sätzen dieser re:publica.



Die einen plädierten für einen obligatorischen Wertediskurs, der die Entwicklungsphase neuer Technologien begleiten sollte. Andere beschäftigten sich eher mit der Zweckentfremdung bereits fertiger Produkte. Der Gedanke hier ist, dass unsere Freiheit künftig darin liegt, wie wir technische Geräte in der physischen Welt einsetzen. Ob ich also mit meiner Mikrowelle Essen aufwärme, oder die Katze darin wohnen lasse, ist meine Entscheidung. Freedom at last? In einer Sache waren sich im Grunde aber alle einig: Technik ist nie neutral.

Wir haben es in der Hand

Nur weil wir mit Big Data immer genauer vorhersagen können was wahrscheinlich passiert, heißt das noch lange nicht, dass wir nichts mehr am Lauf der Dinge ändern können. Immer wieder sollten wir uns also vor Augen führe, dass wir unsere Zukunft und damit auch die Zukunft der Technik, selbst in der Hand haben. Jeanette Hofmanns Mahnung - "Das Internet ist kein autonomes Ding. Es ist von Menschen erschaffen und wird von ihnen geformt und vorangetrieben" - lässt sich also sehr gut auf unser Verhältnis zur Technik insgesamt übertragen. Die Ohnmacht, die viele angesichts des rasenden technischen Fortschritts empfinden, darf also nicht als Vorwand dienen die Verantwortung dafür von uns zu weisen, wie Technik in unserer Gesellschaft eingesetzt und verankert wird.


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