Das Brandenburger Tor am Pariser Platz in Berlin.

23.3.2009 | Von:

Zwang zur Koexistenz in den fünfziger Jahren

"Friedliche Koexistenz"

Der XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 bestätigte diese Entwicklung zur Entspannung. Innenpolitisch war es der Parteitag der Entstalinisierung und der Beginn eines "Tauwetters" in der sowjetischen Kulturpolitik. Es schuf Schriftstellern und Künstlern vorübergehend größere Freiräume. Außenpolitisch führte der Parteitag zur Aufhebung der Doktrin von der Unvermeidbarkeit von Kriegen sowie zur Neuformulierung der sowjetischen Koexistenz-Doktrin, die für den weiteren Verlauf des Ost-West-Konflikts von entscheidender Bedeutung sein sollte. Die Entstehungsgeschichte der Koexistenz-Doktrin reicht zurück bis in die zwanziger Jahre, als die erwartete kommunistische Weltrevolution ausblieb und die Sowjetunion sich zum "Aufbau des Sozialismus in einem Lande" entschloß. Damit wurde von den Verfechtern der Weltrevolution akzeptiert, daß es für längere Zeit ein Nebeneinander unterschiedlicher Gesellschaftsordnungen geben werde. Allerdings blieben die Koexistenzvorstellungen in der UdSSR lange Zeit vage und wurden erst zwischen 1956 und 1959 zu einer geschlossenen Doktrin ausgebaut, die danach vier zentrale Aussagen enthielt:

(1) Ein friedliches Nebeneinanderbestehen von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung sei nicht nur möglich, sondern angesichts der Gefahren von Kriegen im Atomzeitalter auch unumgänglich.

(2) An die Stelle militärischer Auseinandersetzung trete der wirtschaftliche Wettbewerb, in dem sich die Über- oder Unterlegenheit eines Systems erweisen müsse.

(3) Ungeachtet des friedlichen Nebeneinanderbestehens von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung gehe der ideologische Kampf unvermindert weiter.

(4) Das Bekenntnis zur friedlichen Koexistenz bedeute nicht die Aufgabe der weltrevolutionären Zielsetzung, sondern solle im Gegenteil die Möglichkeiten für die Weltrevolution verbessern und sei damit nur eine taktische Variante im internationalen Klassenkampf.

Gegenseitige Abschreckung

Eingeschränkt wurde die Koexistenz-Doktrin durch die Feststellung Chruschtschows, daß sie nur im Verhältnis zu westlich-kapitalistischen Ländern gelte. In der Dritten Welt bestehe für die Sowjetunion eine Pflicht zur Solidarität mit den Völkern in ihrem antikolonialistischem Kampf. Innerhalb des sozialistischen Lagers sollten die Prinzipien des "sozialistischen Internationalismus" Anwendung finden.

Voraussetzung für die Koexistenz-Doktrin war die Abkehr von der Doktrin der Unvermeidbarkeit von Kriegen, die von Lenin und vor allem von Stalin vertreten worden war. Sie hatten behauptet, der Kapitalismus werde sich nicht ohne Gegenwehr dem Sozialismus ergeben. Auf dem XX. Parteitag erklärte Chruschtschow dazu, "eine verhängnisvolle Unvermeidbarkeit der Kriege" gebe es nicht. Die Sowjetunion besitze genügend Atom- und Wasserstoffbomben, um einen Angriff der USA oder eines anderen westlichen Landes abzuschrecken, so daß der Angriff gar nicht erst geführt werde. Und wenn er doch geführt würde, werde die Sowjetunion ihn mit dem Einsatz der eigenen Vernichtungswaffen beantworten.

Damit hatte die Sowjetunion einen wesentlichen Schritt getan, um ein System gegenseitiger Abschreckung zu errichten, das auf Furcht vor den Folgen eines Nuklearkrieges beruhte und deshalb zu einer begrenzten Zusammenarbeit führte. Die USA waren allerdings Anfang 1956 noch nicht bereit, sich in dieses System einzufügen. Erst als sich die Dullessche Strategie der Befreiung, die bereits am 17. Juni 1953 versagt hatte, im "polnischen Oktober" und beim Ungarn-Aufstand 1956 erneut als Illusion erwies, begann man auch in Washington, die Regeln des politischen Verhaltens zwischen Ost und West zu überdenken. 1953 - nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von John Foster Dulles - waren die Menschen in der DDR in ihrer Hoffnung auf amerikanische Hilfe auf dramatische Weise enttäuscht worden. In Polen und vor allem in Ungarn wiederholte sich dieses Schicksal im Herbst 1956 auf tragische Weise, als die USA sich mit den Aufständischen solidarisch erklärten, aber zugleich bekundeten, daß ihre Hilfe selbstverständlich nur moralischer, nicht militärischer Art sein könne.

"Sputnik-Schock"

Mehr noch als der Fehlschlag des Ungarn-Aufstandes im Oktober und November 1956, bei dem die westlichen Regierungen ohnmächtig zusehen mußten, wie sowjetische Truppen die ungarische Volkserhebung blutig niederschlugen, löste jedoch der Start eines sowjetischen Erdsatelliten am 4. Oktober 1957 einen Schock aus, der die Grundfesten der westlichen und vor allem der amerikanischen Politik zutiefst erschütterte. Denn mit dem "Sputnik", der als erster künstlicher Satellit die Erde umkreiste, ging für die USA der Nimbus der technologischen Überlegenheit verloren. Militärisch schwerwiegend war dabei die Tatsache, daß die Sowjetunion von nun an die USA mit Interkontinentalraketen bedrohte. Amerika war damit nicht länger eine durch zwei Ozeane geschützte Festung, sondern ebenso erreichbar und verwundbar wie beispielsweise die Länder Ost- und Westeuropas.

Dieser Verlust der geostrategischen Sonderstellung zwang die USA dazu, die eigene Rolle in der Welt neu zu definieren. Vor allem das Verhältnis zur "anderen Supermacht" Sowjetunion bedurfte nun einer Korrektur. Die Sowjetunion hatte dafür mit ihrer Doktrin der friedlichen Koexistenz ein Beispiel gesetzt, wie Chruschtschow am Tag nach dem Start des "Sputnik" gegenüber dem diplomatischen Chefkorrespondenten der New York Times, James Reston, erklärte: "Wir sind für die friedliche Koexistenz nicht deshalb, weil wir schwach sind, nicht deshalb, weil wir die Imperialisten fürchten, sondern deshalb, weil ein neuer Krieg in Anbetracht der modernen tödlichen Waffenarten, wie thermonukleare Bomben und die Mittel zu ihrer Beförderung, wie die interkontinentale ballistische Rakete, den Untergang von Millionen und Aber-Millionen Menschen, die Zerstörung kolossaler materieller Werte, die durch die Arbeit vieler Generationen geschaffen wurden, bedeuten würde."

Diesen Einsichten konnte man sich jetzt auch in Washington nicht mehr verschließen. Die Beziehungen zwischen den beiden Weltmächten, zwischen Ost und West überhaupt, mußten in Zukunft auf der Grundlage der bestehenden Grenzen und politischen Ordnungen gestaltet werden. Dies beinhaltete keineswegs eine Anerkennung oder gar Billigung der gegnerischen Politik und Ideologie. Aber es erforderte eine zumindest vorübergehende Respektierung der jeweiligen Einflußsphären. Kernwaffen und ballistische Interkontinentalraketen schufen Bedingungen, unter denen ein allmählicher Abbau des Kalten Krieges und der Übergang zur Entspannungspolitik möglich schien. Es sollte allerdings noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, ehe sich diese Tendenz zur Entspannung nach schwerwiegenden Krisen und Konflikten, die sogar bis an den Rand eines Atomkrieges führten, schließlich auch durchsetzte.

Berlin-Ultimatum

Bedeutete der Start des "Sputnik" für die USA einen Schock, so war dieser technologische Durchbruch für Chruschtschow ein Beweis der Überlegenheit des kommunistischen Systems. Er wollte deshalb die Sowjetunion aus der außenpolitischen Defensive, in der sie sich seit Stalins Tod befunden hatte, herausführen und einen neuen Vorstoß zur Erweiterung des sowjetischen Einflusses wagen.

Die erste Station dieser neuen außenpolitischen Offensive war im November 1958 wiederum Berlin. In einer Rede im Moskauer Sportpalast und in diplomatischen Noten an die drei Westmächte stellte Chruschtschow am 10. bzw. 27. November 1958 den Vier-Mächte-Status der Stadt Berlin in Frage und forderte Verhandlungen mit dem Ziel, West-Berlin in eine "Freie Stadt" umzuwandeln und die westlichen Alliierten zum Abzug zu bewegen. Offenbar ging es ihm darum, der DDR die Kontrolle über die Zugangswege nach Berlin zu geben und damit der Fluchtbewegung aus der DDR über West-Berlin Einhalt zu gebieten. Die Gespräche hierüber sollten innerhalb von sechs Monaten beginnen. Andernfalls werde die Sowjetunion "einseitige Maßnahmen" ergreifen und beispielsweise einen Friedensvertrag mit der DDR abschließen. Die sowjetische Verantwortung für Berlin, insbesondere die sowjetische Verpflichtung in bezug auf einen freien Zugang nach West-Berlin, würde dann auf die DDR übergehen.

Obwohl damit eine erneute Blockade drohte, um die steigende Massenflucht aus der DDR über West-Berlin in die Bundesrepublik zu stoppen, weigerten sich die Westmächte zwei Jahre lang, über das "Chruschtschow-Ultimatum" zu verhandeln. Bei seinem Treffen mit dem neuen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy im Juni 1961 in Wien wiederholte Chruschtschow daher seine Drohung. Doch der junge Präsident änderte die westliche Haltung nicht, vielmehr bekräftigte er in einer Fernsehrede am 25. Juli 1961 die "drei Grundsätze" (three essentials) der amerikanischen Berlin-Politik, die bereits im Herbst 1958 als Antwort auf das Chruschtschow-Ultimatum formuliert worden waren:

(1) das Recht der Westmächte auf Anwesenheit in Berlin,

(2) das Recht der Westmächte auf Zugang nach Berlin,

(3) die Verpflichtung der Westmächte, die Selbstbestimmung der West-Berliner und die freie Wahl ihrer Lebensform zu gewährleisten.

Tatsächlich hatte Chruschtschow sein "Ultimatum" weniger offensiv als defensiv verstanden, um der DDR zu helfen, eine Lösung für ihr schwerwiegendes Flüchtlingsproblem zu finden. Seit 1949 verließen täglich Hunderte von DDR-Bürgern durch das "Schlupfloch" West-Berlin ihr Land, um im anderen Teil Deutschlands Freiheit und Wohlstand zu suchen. Es drohte ein völliger Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft, wenn die ständige Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte nicht gestoppt wurde. Durch die Umwandlung West-Berlins in eine "Freie Stadt" und die Kontrolle der Zugangswege durch die DDR wäre dieses Problem gelöst worden. Da der Westen auf das Chruschtschow-Ultimatum aber nicht einging, wurde diese "elegante" Lösung dem Osten verwehrt.

Bau der Mauer

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 sowie der Verstärkung der Sperranlagen zwischen der DDR und der Bundesrepublik entschied sich die östliche Seite schließlich zu einer Notlösung: der völligen Abriegelung Ost-Berlins und der DDR gegenüber dem Westen. Nur so war der Zusammenbruch des SED-Regimes durch die Massenflucht, die zuletzt etwa 1500 bis 2000 Personen täglich umfaßte, noch zu verhindern. Der Mauerbau war demzufolge ein Eingeständnis östlicher Schwäche, aber auch ein Beweis für die sowjetische Entschlossenheit, das DDR-Regime auf Dauer zu stabilisieren. Im Westen kam man jetzt nicht mehr umhin, auch auf längere Sicht von der Existenz zweier deutscher Staaten auszugehen.

Quellentext

Ursachen und Verursacher des Kalten Krieges

Schon vor Kriegsende stand es außer Frage, daß Rußland als eine der großen Weltmächte aus dem Krieg hervorgehen würde. Es war klar, daß es nicht nur sein Ansehen, sondern in noch stärkerem Maße seine Macht und seine Besitzungen vermehren würde; es stand ebenfalls außer Frage, daß sein Hauptehrgeiz nicht das internationale Prestige des Kommunismus betraf, sondern in erster Linie auf die Beherrschung Osteuropas gerichtet war. All das gab Stalin selbst lange vor Jalta und noch im Anfangsstadium des Krieges zu verstehen. Es stand außer Frage, daß die Westalliierten in Anbetracht des großen russischen Beitrags zum Kriege und ihrer eigenen geographischen Lage es nicht würden umgehen können, einzelne der russischen Forderungen zu erfüllen. Die Tragödie war, daß sie - insbesondere die Vereinigten Staaten - der Situation erst ins Gesicht sahen, als es schon zu spät war, denn die Russen besaßen bereits größere Gebiete, als ihre Verbündeten und vielleicht auch sie selbst jemals erwartet hatten [...].

Hier liegt der Ursprung des Kalten Krieges.

Quelle: John Lukacs, Konflikte der Weltpolitik nach 1945. Der Kalte Krieg, München 1970, S. 17 f.

Ich habe mich bemüht zu zeigen, daß die Struktur des Kalten Krieges (als "kalter Krieg") durch eine Reihe politischer, in Washington zwischen 1945 und 1947 getroffener Entscheidungen bestimmt wurde, die ihre "klassische" Formulierung in der Truman-Doktrin erhielten. Das heißt, wenn Washington zum Beispiel Walter Lippmanns strategisch-politische Empfehlungen als Alternative zur Eindämmungspolitik akzeptiert hätte, dann wäre mit Sicherheit [...] Europa heute nicht geteilt. Außerdem konnte zu einem Zeitpunkt, als die später in die Truman-Doktrin aufgenommenen maßgeblichen strategischen Entscheidungen gefällt wurden, der angebliche sowjetische Expansionsdruck lediglich ein Vorwand für die eingeschlagene Politik, nicht aber deren Ursache gewesen sein [...]. Schließlich konnte die Sowjetunion wegen ihrer schwachen Machtposition - was auch immer Ihre Pläne auf lange Sicht sein mochten - nicht gut von sich aus das Risiko eingehen, als Reaktionen genau die Maßnahmen zu provozieren, die diese Politik der USA vorschrieb. In diesem Sinne spreche ich von den strategischen Möglichkeiten, die den amerikanischen Politikern wahlweise zur Verfügung standen und ihren Kollegen im Kreml versagt waren.

Quelle: David Horowitz, Kalter Krieg. Hintergründe der US-Außenpolitik von Jalta bis Vietnam, Bd. 1, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1969, S. 15.

Die traditionelle Auffassung

[...] Nach Ansicht dieser Autoren waren für die Entstehung des Kalten Krieges die marxistische Ideologie in ihrer sowjetischen Interpretation mit ihrem Anspruch auf Weltrevolution als Ergebnis eines weltweiten Klassenkampfes, die historischen Erfahrungen der Sowjetführung mit einer extrem feindlichen, auf die Beseitigung des Sowjetregimes hinarbeitenden Umwelt in den Jahren 1918-1921 und die Sorge der sowjetischen Parteioligarchie um den Erhalt ihrer Macht in einer Mobilisierungs- und Entwicklungsdiktatur konstitutiv; sie legten die Sowjetführung auf eine prinzipiell feindliche Politik gegenüber den kapitalistischen Staaten fest, die sich zwar zeitweilig vorsichtig-pragmatisch des Mittels friedlicher Zusammenarbeit bediente (Koexistenz-Doktrin), zugleich aber ständig nach Möglichkeiten Ausschau hielt, die nichtkommunistischen Kräfte zu schwächen und den von Moskau dominierten kommunistischen Machtbereich zu vergrößern. Im Zweiten Weltkrieg setzte Stalin zunächst auf eine Selbstzerfleischung der kapitalistischen Staaten; durch den deutschen Angriff an die Seite der Westmächte gezwungen, suchte er über die Teilung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa hinaus, die Hitler ihm angeboten hatte, durch die konzertierte Aktion kommunistischer Kader und der Roten Armee alle Länder Ost- und Mitteleuropas, nach Möglichkeit auch das gesamte Deutschland, in "volksdemokratische", strukturell auf die Sowjetunion als Hegemoniemacht angewiesene Staaten umzuwandeln und weiterhin durch die Förderung sozialer Unruhen in Westeuropa, im Mittelmeerraum und in Asien mit Hilfe von Moskau aus gelenkter kommunistischer Parteien den sowjetischen Einflußbereich langfristig auszudehnen.

Die Führungskräfte der westlichen Welt [...] verkannten zunächst den ambivalenten und potentiell expansiven Charakter der sowjetischen Politik. In einer Mischung aus idealistischer Hoffnung auf eine Demokratisierung des Sowjetsystems und resignativer Befürchtung, daß ein längerfristiges amerikanisches Engagement in Europa sich in den USA innenpolitisch nicht durchsetzen lassen werde, waren sie bereit, Stalins Streben nach sowjetfreundlichen Nachbarstaaten als legitimes sowjetisches Sicherheitsinteresse anzuerkennen, hofften aber gleichzeitig, die Sowjetunion in das System einer liberal-demokratischen "einen Welt" integrieren zu können. Ohne konkretes Konzept für die Nachkriegs-Staatenordnung Europas und der Welt [...] suchten sie die Kooperation für Stalin durch großzügiges Entgegenkommen attraktiv zu machen, erleichterten das Vordringen der Roten Armee bis in die Mitte Europas, gewährten der Sowjetführung ein Mitspracherecht über die Zukunft Deutschlands und setzten der Sowjetisierung Osteuropas nicht den nötigen und möglichen Widerstand entgegen. [...]

Trotz zunehmender Verbitterung über die Undurchdringlichkeit des "Eisernen Vorhangs" und die sowjetische Intransigenz in der UNO blieb die Truman-Administration bei ihrer grundsätzlichen Kooperationsbereitschaft mit der Sowjetunion.

Die revisionistische These [...] Die Sowjetunion, so lautet die übereinstimmende Kritik dieser Autoren an der traditionellen These, kann nicht für die Entstehung des Kalten Krieges verantwortlich gemacht werden; sie war im Zweiten Weltkrieg nur knapp der militärischen Katastrophe entgangen, hatte einen unendlichen Verlust an Menschen und Ressourcen erlitten und stand bei Kriegsende der ökonomisch prosperierenden, traditionell antisowjetischen und nun über das Atomwaffenmonopol verfügenden Weltmacht USA nahezu hilflos gegenüber. Die sowjetische Politik, seit Stalins Machtübernahme eindeutig eher an der Sicherung des russischen Staates als an der Einlösung des weltrevolutionären Anspruchs interessiert, zielte wohl auf die Schaffung eines Sicherheitsglacis nicht-sowjetfeindlicher Staaten, insbesondere im osteuropäischen Raum, und auf die definitive Sicherung vor einem neuen deutschen Angriff; diese Ziele waren jedoch nicht a priori mit dem Konzept einer außengelenkten Sowjetisierung verbunden; sie legten sogar außerhalb des unmittelbaren sowjetischen Einflußbereichs eine ausgesprochen konservative Haltung nahe (um den potentiellen amerikanischen Gegner nicht unnötig zu provozieren), die die sozialistischen Bewegungen in West- und Südeuropa gleich bei Kriegsende entscheidend hemmte und damit den europäischen Kapitalismus lange vor dem Marshall-Plan vor dem Untergang rettete.

Die Ursachen der Konfrontation sind vielmehr in der Struktur des ökonomisch-politischen Systems der Vereinigten Staaten zu finden. Zur Vermeidung existentieller Krisen war die liberal-kapitalistische Gesellschaft der USA seit ihrer Entstehung auf die permanente Erschließung neuer Handels- und Absatzmärkte und damit indirekt auch auf Ausdehnung ihres politischen Einflußbereiches angewiesen; dies führte nach der Schließung der "offenen Grenze" im amerikanischen Westen zu einer weltweiten Politik der Offenen Tür [...]. Die "eine Welt" der Kriegszielpropaganda war keine idealistische Utopie, sondern Ausdruck realistischer und entschlossener Kriegszielpolitik der amerikanischen Führungskräfte, die die Notwendigkeiten ihres Gesellschaftssystems begriffen hatten.

Quelle: Wilfried Loth, Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges, München 1980.

aus: Internationale Beziehungen I, Informationen zur politischen Bildung (Heft 245)


Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Themenseite

Zwischenbilanz der Deutschen Einheit

Seit dem 5. Februar 2018 ist die Mauer länger nicht mehr existent, als sie faktisch Berlin und symbolisch Deutschland und Europa teilte: 28 Jahre, drei Monate und 26 Tage lang. Diese Themenseite beleuchtet Facetten des Einheitsprozesses: Was geschah am 3. Oktober 1990? Wie hat sich das wiedervereinigte Deutschland seitdem entwickelt und was denken Bürger des Landes mittlerweile über den Fortgang der Deutschen Einheit?

Mehr lesen

Online-Angebot

Chronik der Mauer

28 Jahre war die Berliner Mauer Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. In zeitlicher Abfolge werden Ursachen, Verlauf und Folgen von Mauerbau und Mauerfall durch Texte, Film- und Tonmaterial, Fotos und Zeitzeugeninterviews dargestellt.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart: Wirklichkeit wird geschönt, Kritik unterdrückt, Oppositionelle werden verfolgt und gebrochen.

Mehr lesen

Sammel-Dossier

Der Kalte Krieg

Mehr über die historischen Hintergründe der deutschen Teilung - eingebettet in den Kalten Krieg der Supermächte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mehr lesen

Online-Angebot

Jugendopposition in der DDR

Ausgezeichnet mit Grimme Online Award: Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Videos, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

www.wir-waren-so-frei.de

Internetarchiv mit fast 7.000 privaten Filmen und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitenden Erinnerungstexten. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Am 31. August 1990 unterzeichneten Bundesinnenminister Schäuble und DDR-Staatssekretär Krause den Vertrag über die Herstellung der Einheit Deutschlands. Auf rund 1.000 Seiten regelt der Einigungsvertrag die rechtlichen Grundlagen für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland.

Mehr lesen

Go West! Von Ost-Berlin nach New York und dann Richtung San Francisco – die Geschichte einer abenteuerlichen Reise im Jahr 1989. Kinofenster.de bietet passende filmpädagogische Begleitmaterialien für den Schulunterricht.

Mehr lesen auf kinofenster.de