Illustration zum Messenger-Projekt "Der Mauerfall und ich"

Kathrins Geschichte

Du hast gerade die erste Nachricht von Kathrin erhalten und möchtest wissen, was sie schon erlebt hat. Hier findest du alle Nachrichten zum Nachlesen.

19. September, 11:00 Uhr – Robert hat sich nach seinem Verschwinden gemeldet

Robert hat sich endlich gemeldet!

Sandra hat mir heute Morgen erzählt, dass ihm gestern auf dem Rückweg von der Demo ein Auto gefolgt ist. Anscheinend hatte er das Gefühl, das könnte die Stasi gewesen sein. Deswegen wollte er dann lieber nicht mehr ins Wohnheim kommen. Robert fährt jetzt erstmal nach Berlin, um Frank zu besuchen. Sandra und ich sind echt erleichtert, dass es ihm gut geht!

Robert geht ja mit Frank manchmal in die Umweltbibliothek. Die ist im Keller der Zionskirche in Ost-Berlin. Dort sammeln sie Bücher, die eigentlich verboten sind. Aber nicht nur zu Umweltthemen, sondern auch zu Politik und Wirtschaft. Und dann treffen sich dort auch viele Menschen, die ein Problem mit der DDR und der SED haben. Deswegen beobachtet die Stasi die UB auch.

Ich hoffe, Robert bringt uns dieses Mal eine Ausgabe der Umweltblätter mit. Das ist die Zeitschrift der Umweltbibliothek. Dort werden auch Themen behandelt, über die das Neue Deutschland (ND) nicht berichtet. Die Umweltblätter sind immer total schnell aus, weil sich immer mehr Menschen dafür interessieren.

Ich würde auch gerne mal mit in die Bibliothek und die ganzen "verbotenen" Bücher sehen. Vielleicht fahr' ich ja das nächste Mal mit Robert mit...

Kathrin

ℹ️ https://www.jugendopposition.de/145321

18. September, 21:03 Uhr – Kathrin und Sandra warten nach der Demo auf Robert

Robert, Sandra und Kathrin auf der DemoRobert, Sandra und Kathrin auf der Demo (© bpb | Illustration: Leitwerk)

So ein Mist!

Ich glaube, jetzt haben sie Robert erwischt. Zumindest ist er noch nicht beim Wohnheim aufgetaucht. Verdammt nochmal, es war aber auch überall Volkspolizei.

Wie das passiert ist? Beim letzten Mal hab' ich die Demo nach dem Friedensgebet ja nur mit etwas Abstand verfolgt. Dieses Mal wollte ich aber näher ran. Zum Friedensgebet in der Nikolaikirche haben wir es nicht mehr rechtzeitig geschafft, aber ich war dann mit Sandra und Robert bei der Demo. Echt beeindruckend, all diese Menschen zu sehen, die für freie Wahlen und politische Reformen kämpfen. Diesmal waren auch viel mehr "Wir bleiben hier"-Sprechchöre zu hören.

Irgendwann wurde es dann chaotisch. Sandra und ich haben Robert aus den Augen verloren. Wir sind dann in Sandras Wohnheim gelaufen und warten hier schon seit zwei Stunden. Eigentlich wollte Robert ja auch noch vorbeikommen…

Ich schreibe dir, wenn ich Neuigkeiten habe!
Kathrin

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ℹ️ http://kurz.bpb.de/kathrin1809

17. September, 17:45 Uhr – Robert hat Neuigkeiten (Audio-Nachricht)

(© Bundeszentrale für politische Bildung)

Hey,

ich hab‘ gerade im Wohnheim mal wieder Sandra und Robert getroffen. Robert hat von seiner Musterung heute beim Wehrkreiskommando erzählt. Davor hatte er ja richtig Schiss, weil er auf keinen Fall zur NVA, also der Nationalen Volksarmee, will.

Vor kurzem hatte er die Postkarte mit der Aufforderung zur Musterung bekommen. Heute musste er da hin und die beim Wehrkreiskommando haben ihn dann ganz schön lange warten lassen.

Dann wurde er zuerst von einem Arzt untersucht. Am schlimmsten war für ihn aber die Befragung vor der Kommission. Die sind wohl davon ausgegangen, dass Robert auf jeden Fall zur NVA gehen will. Als Robert dann aber gesagt hat, dass er lieber zu den Bausoldaten will, wurden die Offiziere wohl richtig wütend und haben versucht, ihn noch umzustimmen. Sie meinten, dass er dann wohl nie einen richtigen guten Job bekommen wird.

Robert will auch nicht unbedingt Bausoldat werden und irgendwo schuften, aber es sei wohl das geringere Übel. Den Wehrdienst ganz zu verweigern, dafür fehlt selbst Robert der Mut. Da kommt man wohl ins Gefängnis. Prinzipiell findet er den Dienst für die Gemeinschaft ganz gut, aber er wünscht sich eine echte Wehrdienstalternative, sowas wie einen zivilen Ersatzdienst, zum Beispiel in einem Krankenhaus oder Pflegeheim. Das sei auch ein Grund, wofür er gerade auf die Straße geht.

Jetzt muss er erst mal abwarten. Aber er meinte, spätestens jetzt haben ihn die Sicherheitsbehörden im Visier und er muss noch mehr aufpassen, wenn er das nächste Mal auf die Straße geht.

Und das nur, weil er den Dienst an der Waffe verweigern will? Man oh man...


Hier kannst du meine vorherigen Nachrichten lesen:


16. September, 18:00 Uhr – Gaby bringt ein Westpaket mit

Illustration: Gaby bringt ein Westpaket mit. Kathrin steht vor dem geöffneten Paket und hält ihre neue Jeansjacke in die Höhe.Gaby bringt ein Westpaket mit einer neuen Jeansjacke für Kathrin mit. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hi du!

Heute kam Gaby zu Besuch und rate mal was sie dabei hatte?! Ein Paket von ihrer Schwester Bärbel aus Hagen. Draußen stand wie immer "Geschenksendung, keine Handelsware" drauf, sonst hätte der Zoll das Paket ja gleich einbehalten. Geöffnet wurde es natürlich trotzdem schon einmal vom Zoll oder der Post. Die kontrollieren nämlich, ob da auch ja keine Schundliteratur oder so drin ist. Deswegen muss Bärbel auch immer in einem Inhaltsverzeichnis genau auflisten, was sie verschickt.

Bärbel hat mal wieder alles Mögliche eingepackt – vor allem Sachen, die es bei uns gar nicht oder nicht so oft gibt. Angefangen bei West-Kaffee, Schokolade mit der lila Kuh und sogar eine Jeansjacke für mich! Echt cool! Ich hab mich natürlich total gefreut. So eine wollte ich immer schon haben. Die zieh‘ ich auf jeden Fall auf der nächsten Party an!

Kathrin

14. September, 10:35 Uhr – Kathrin erzählt von den Ausreisewellen an den ungarischen und tschechischen Grenzen

Guten Morgen,

seit Ungarn vor drei Tagen die Grenze zu Österreich geöffnet hat, haben wohl schon tausende Menschen die DDR verlassen. Manche haben Glück, Verwandte im Westen zu haben. Aber viele müssen erst einmal in Notunterkünfte, teilweise sogar in Zelte ziehen.

Es gibt aber auch Gerüchte, dass die Grenze zur Tschechoslowakei bald geschlossen werden soll. Ob das dann überhaupt noch möglich ist, wenn doch so viele versuchen auszureisen?

Robert will nicht weg, er findet es viel wichtiger für Reformen auf die Straße zu gehen. Ich glaube, nächste Woche gehe ich auch mal mit zum Friedensgebet. Danach wird ja wieder demonstriert.

Viele Grüße
Kathrin

12. September, 14:05 Uhr – Kathrin hat von Aktionen gegen die Umweltverschmutzung in Leipzig gehört

Illustration: Die schemenhaften Umrisse einer großen Fabrik. Darüber zieht dunkler Rauch aus den Schornsteinen.Die giftigen Abgase der Chemiewerke verschmutzen die Umwelt in Leipzig. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hey,

heute habe ich Robert in der Stadt getroffen. Er kam gerade von seiner Aktionsgruppe in der Kirche. Ich habe ihm vom Husten meiner Mama erzählt. Den bekommt sie schon seit Wochen nicht los. Er meinte, das könnte von den giftigen Abgasen kommen, die von den Chemiewerken nach Leipzig ziehen. In der Kirche gibt es wohl auch eine AG Umweltschutz, die Aktionen vorbereitet, um auf die Umweltverschmutzung hier in der Gegend hinzuweisen.

Tatsächlich hat es schon länger nicht mehr geregnet und die Luft ist echt stickig. Es stinkt richtig nach Industrie, den ganzen Tag ist es grau. Manchmal hat man das Gefühl, die Sonne kommt nicht mehr durch diesen Dunst durch. Es hängt gerade auch keiner die Wäsche raus, weil die grau werden würde. Auf der Elster, unserem Fluss hier in Leipzig, schwimmt sogar immer wieder bunter Schaum auf dem Wasser. Das kommt wohl alles von der Industrie. Demnächst soll es dazu wohl auch eine Demo geben – für die Umwelt!

Wir hören uns!
Deine Kathrin

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Mehr Infos dazu: https://www.jugendopposition.de/145389

11. September, 15:35 Uhr – Gabi erzählt, dass Ungarn die Grenze zu Österreich geöffnet haben soll

Illustration: Eine Landkaren zeig die Umrisse der Länder BRD, DDR, Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich. Eingezeichnet ist eine Route von der DDR über die Tschechoslowakei nach Ungarn von dort weiter nach Österreich.Ungarn öffnet für DDR-Bürger/-innen seine Grenze zu Österreich. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hey du!

Ich war gerade im Garten und Mamas Freundin Gaby war auch da. Irgendwie völlig aufgebracht. Sie meinte, dass Ungarn in der Nacht wohl seine Grenze zu Österreich aufgemacht hat. Die DDR-Flüchtlinge in Budapest dürfen also tatsächlich in den Westen ausreisen. Es sollen tausende Menschen sein!

Gabys Schwester Bärbel hat sie schon angerufen und will, dass sie jetzt endlich zu ihr nach Hagen kommt. Gaby weiß allerdings noch nicht, ob sie es versuchen soll. Vielleicht ist die Grenze in ein paar Tagen schon wieder zu und dann kommt sie nicht wieder zurück...

Ich hoffe, dass sie hier bleibt!

Kathrin

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Die Tagesschau vom 11.09.1989: http://kurz.bpb.de/kathrin1109

10. September, 17:10 Uhr – Kathrin fällt ein, woher sie den Namen Michael Arnold kennt

Hi du,

ich bin‘s nochmal. Jetzt fällt es mir ein. Robert hat mir von Michael Arnold erzählt. Der war in der Arbeitsgruppe Umweltschutz, in der Robert auch ist. Er hat wohl inzwischen mehrere Demos organisiert und wurde deshalb vom Studium ausgeschlossen. Im Januar war er sogar im Gefängnis wegen einer Demo, meinte Robert. Damals gab es dann wohl internationale Proteste, bis er wieder frei kam. Jetzt riskiert er wieder alles für diese neue Plattform.

Wir hören uns!
Kathrin

10. September, 13:00 Uhr – Robert erzählt von der Bürgerinitiative "Neues Forum"

Der Gründungsaufruf der Bürgerinitiative "Neues Forum".Der Gründungsaufruf der Bürgerinitiative "Neues Forum". (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hallo!

Stell dir vor: Robert hat gerade erzählt, dass sich jetzt anscheinend eine neue Initiative gegründet hat. Die nennen sich „Aufbruch 89 – Neues Forum“ und wollen sich für einen demokratischen Dialog zwischen den DDR-Bürgern und der Regierung einsetzen. Und sie fordern gesellschaftliche Reformen. Was das wohl genau bedeutet?

Mitglied werden kann man auch. Beim Gründungsaufruf haben schon ganz unterschiedliche Leute unterschrieben: Studenten, Ärztinnen, Pfarrer und Ingenieure. Eine Bibliothekarin ist auch dabei. Ein Name kam mir da so bekannt vor: Michael Arnold. Gerade fällt mir aber nicht ein, woher ich den kenne…

Viele Grüße
Kathrin

Mehr Infos findest du hier: https://bpb.de/296711

09. September, 20:30 Uhr – Kathrin erfährt, dass die Flüchtlinge in Budapest bald ausreisen dürfen

Die Flüchtlinge in Budapest warten auf ihre AusreiseDie Flüchtlinge in Budapest warten auf ihre Ausreise (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Gestern hab ich mich noch gefragt, was mit den vielen Flüchtlingen in Budapest und Prag geschehen soll, jetzt kommt Bewegung rein.

Heute habe ich mit meinen Eltern die Tagesschau geschaut und der Außenminister der BRD, Hans-Dietrich Genscher, hat angekündigt, dass die Flüchtlinge in Budapest bald ausreisen dürfen. Tausende Menschen warten aktuell in Budapest in Ungarn auf die Ausreise. Viele leben in Zelten, andere in ihren Autos. Und das teilweise seit Wochen! Ich frage mich, wie man die alle ohne Chaos in die BRD kriegen will?!

Gaby, die Freundin meiner Mutter, hat mir erzählt, dass sie auch gerne nach Budapest will, um endlich rüberzumachen. Ich hoffe, sie überlegt sich das gut. Sie stellt sich das sicher zu einfach vor. Das ist ja immer noch gefährlich.

Bis bald!
Kathrin

08. September, 14:55 Uhr – Kathrin fragt sich, was aus den Botschaftsflüchtlingen in Prag wird

Hi nochmal,

ich hatte vorhin ganz vergessen, dir zu schreiben, dass Frank gehört hatte, dass alle DDR-Bürger die Ständige Vertretung der BRD in Berlin-Mitte verlassen haben. Vor einem Monat hatten sie das Gebäude besetzt, um so in den Westen zu kommen.

Jetzt hat ihnen ein DDR-Rechtsanwalt, Herr Vogel heißt er glaube ich, irgendwelche Versprechungen gemacht. Was genau, weiß ich nicht. Jedenfalls haben sie daraufhin die Botschaft verlassen.

Ich frag mich, was das jetzt für die Botschaft in Prag bedeutet. Dort sitzt ja immer noch Stefan, der Bruder von Gaby, fest...

Wir hören uns!
Kathrin

08. September, 11:05 Uhr – Frank wird aus dem Stasi-Gefängnis Rummelsbug freigelassen

Frank ist wieder frei!

Er war nur eine Nacht im Gefängnis in Rummelsburg. Erst haben sie ihn fotografiert, durchsucht und ihm die Trillerpfeife abgenommen, danach noch verhört. Den Rest des Abends haben sie dann Karten gespielt, also er und die anderen Festgenommenen.

Frank hat erzählt, dass die Stasi sogar selbst Passanten festgenommen hatte, die überhaupt nichts mit der Protestaktion zu tun hatten. Ein Typ wäre einfach nur zufällig aus der U-Bahn-Station am Alexanderplatz gekommen, und selbst den haben sie mit ins Gefängnis genommen. Das ist so absurd.

Irgendwann nach Mitternacht ist Frank jedenfalls wieder frei gekommen und jetzt mit Robert in der Umweltbibliothek. Er hat schon gesagt, dass er auf jeden Fall am 7. Oktober wieder auf dem Alex gegen den Wahlbetrug demonstrieren wird.

Echt mutig, oder?
Kathrin

07. September, 18:10 Uhr – Roberts Freund Frank auf einer Demo gegen Wahlbetrug auf dem Alexanderplatz in Berlin verhaftet

Roberts Freund Frank wird auf der Demeo gegen Wahlbetrug verhaftetRoberts Freund Frank wird auf der Demeo gegen Wahlbetrug verhaftet (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hallo,

stell dir das vor: Robert ist gestern nach Berlin zu seinem Kumpel Frank Ebert gefahren. Heute Nachmittag wurde Frank dann bei einer Demo auf dem Alexanderplatz verhaftet. Zusammen mit einigen anderen Protestlern.

Seit Juni versammeln sie sich dort jeden Monat, um gegen den Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai zu demonstrieren. Damals hatten viele Menschen die Stimmauszählungen beobachtet und festgestellt, dass gar nicht so viele für die Nationale Front gestimmt hatten, wie von der SED behauptet wurde. Die Protestaktion heute hatte das Motto "Wir pfeifen auf den Wahlbetrug" und sollte so ein richtiges Pfeifkonzert werden. Deswegen hatten viele eine Trillerpfeife dabei.

Robert scheint richtig sauer und besorgt. Die Stasi hatte nur auf die Demonstranten gewartet und einige schon vorher abgefangen. Robert konnte gerade so noch abhauen. Frank hatte aber schon seine Trillerpfeife rausgeholt. Den haben sie bekommen. Keine Ahnung, was sie jetzt mit ihm machen.

Ich halt' dich auf dem Laufenden!
Kathrin
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https://www.jugendopposition.de/145314

05. September, 10:10 Uhr – Kathrins Erinnerung an die Demo

Puh, ich muss immer noch an die Demo gestern an der Nikolaikirche denken. Auch wenn ich das nur von außen beobachtet habe und nicht lange geblieben bin, habe ich echt Angst bekommen, als irgendwelche Männer den Demonstranten die Transparente aus den Händen gerissen haben.

Meinen Eltern habe ich natürlich nicht erzählt, dass ich bei der Demo war. Ich glaube, das war auch besser so. Abends haben sie in der Tagesschau einen Beitrag darüber gezeigt. Etwa 1.000 Demonstranten waren wohl da. Ich war zum Glück nicht im Bild zu sehen. Da hieß es dann, dass nicht nur Leute demonstriert haben, die aus der DDR ausreisen wollen, sondern auch die, die Reformen fordern. Also so wie Robert.

Als mein Papa ins Wohnzimmer kam, hat er sich furchtbar über den Beitrag aufgeregt. Er meinte, dass das Westfernsehen die Proteste total aufbauschen würde, um Unfrieden bei uns in der DDR zu stiften. In der Zeitung steht heute noch kein Wort über den Protest.

So, jetzt muss ich aber schnell los zur Uni!
Kathrin

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Tagesschau vom 04.09.1989: http://kurz.bpb.de/kathrin0509
Mehr zur ersten Montagsdemo: http://m.bpb.de/295940

04. September, 18:20 Uhr – Erste Montagsdemonstration in Leipzig (Audio-Nachricht)

(© Bundeszentrale für politische Bildung)

Hallo,

ich bin gerade in der Nähe der Nikolaikirche in Leipzig. Heute wollten hier ja Robert und seine Freunde demonstrieren. Gerade sind die Menschen nach dem Friedensgebet aus der Nikolaikirche gekommen und haben sich einfach direkt davor versammelt – als Demonstranten sozusagen. Robert und Sandra waren auch dabei, die hab ich eben von weitem gesehen. Der ganze Platz ist voller Menschen! Manche hatten auch Transparente dabei. Auf dem einen stand "Für ein offenes Land mit freien Menschen". Als DDR-Bürger darf man ja nicht einfach überall hin reisen und die scheinen jetzt genug davon zu haben. Erst war hier alles ganz friedlich - bis zwei Männer angerannt kamen und den Leuten einfach ihr Transparent aus der Hand gerissen haben. Plötzlich war da ein Pulk von Menschen und jeder zerrte an jedem.

Die Stimmung ist total merkwürdig, als würde hier gleich mehr passieren. In den Nebenstraßen steht auch überall die Volkspolizei. Ich hau jetzt mal ab und melde mich morgen nochmal bei dir.

Bis dann!

04. September, 15:55 Uhr – Kathrin geht zur Demo

Hi,

heute Abend soll ja die Demo von Robert und seinen Freunden stattfinden. Ich will mir das auf jeden Fall mal kurz anschauen, auch wenn ich echt ganz schön Angst habe. Ich schicke dir dann später eine Sprachnachricht!

Kathrin

3. September, 16:15 Uhr – Ein Schüler von Klaus ist nicht mehr da

Illustration: Kathrins Vater Klaus steht mit verschränkten Armen im Klassenzimmer leerem Stuhl seines Schülers Karl und macht sich Gedanken. Über Klaus ist eine Gedanken-Blase zu sehen, in der steht: "Was hätte alles aus ihm werden können". Auf dem Tisch des fehlenden Schülers steht ein Namensschild mit der Aufschrift "Karl". Im Hintergrund ist eine Schultafel sowie ein Porträt von Erich Honecker zu sehen.Kathrins Vater Klaus macht sich Gedanken um seinen Schüler Karl. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hallo,

ich hatte dir doch erzählt, dass vor zwei Wochen so viele Leute beim "Paneuropäischen Picknick" über die Grenze von Ungarn nach Österreich geflohen sind. Und von den vielen DDR-Bürgern in der BRD-Botschaft in Prag. Papa hat gerade erzählt, dass da in Ungarn wohl auch einer seiner Schüler dabei war.

Der ist jetzt nach den Sommerferien einfach nicht mehr in der Schule aufgetaucht. Man merkt Papa richtig an, wie ihn das ärgert. Vor allem, weil er wohl einer der Besten in seiner Matheklasse war und Papa sich richtig für ihn eingesetzt hatte, damit er an die EOS, also die weiterführende Schule, zum Abi gehen kann. "Verräter" hat er ihn sogar genannt. So wütend habe ich ihn lange nicht erlebt.

Aber Karl ist ja nicht der Einzige. Viele wollen weg. Papa und Mama wollen auf jeden Fall bleiben. Für sie gibt es keinen Grund zu gehen. "Erst recht nicht zum Klassenfeind", sagt Papa immer.

Einen schönen Abend dir!
Kathrin

2. September, 13:55 Uhr – Mit den Eltern am See, im Kopf bei der Demo

Kathrin und ihre Eltern am Kulkwitzer SeeKathrin und ihre Eltern am Kulkwitzer See (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hi,

ich hoffe, du hattest ein schönes Wochenende?! Ich war gestern noch mit meinen Eltern am Kulkwitzer See. Der ist direkt in der Nähe unserer Wohnung in Leipzig-Grünau. Ganz früher war das mal ein Braunkohle-Tagebau. Den haben sie aber schon geflutet, als ich noch kleiner war, und dann als Badesee eröffnet.

Die kurze Strecke zum Kulki sind wir dann sogar mit dem neuen Skoda gefahren. Seit Papa den hat, will er ständig mit uns irgendwo hinfahren. Er ist richtig stolz auf das Auto, aber er musste ja auch über zehn Jahre darauf warten.

Als ich dann im See geschwommen bin und gesehen habe, wie ein paar Kinder am Strand eine Sandburg bauen, habe ich kurz gedacht: So schlecht ist das Leben hier in der DDR doch gar nicht.

Aber dann sind mir wieder Roberts Flugblätter von der Wohnheimparty eingefallen. Die Demo soll ja diese Woche stattfinden. Ob ich da hingehen soll? Ich weiß es nicht… Vielleicht haben meine Eltern ja Recht und diese Leute, die Reformen fordern, bringen alles nur durcheinander? Ich bin gerade ziemlich hin- und hergerissen…

Viele Grüße
Kathrin

31. August, 8:50 Uhr – Kathrins Gedanken zu geplanten Demos

Guten Morgen!

Die Party ging gestern noch ganz schön lange. Leider konnte ich aber nicht ausschlafen, denn gleich geht ja schon der Subbotnik unten vor dem Haus los…

Ich habe gestern Abend nochmal mit Sandra und Robert geredet. Er und seine Freunde wollen wirklich nächste Woche demonstrieren. Er meinte, dass sich sonst ja gar nichts in der DDR verändert, es dann nie echte Meinungsfreiheit oder freie Wahlen gäbe. Abhauen will er jedenfalls nicht. Wir sollen unbedingt mitkommen.

Aber Sandra und ich haben ihm gesagt, dass wir Angst um unsere Studienplätze haben. Ich glaube Sandra wird aber bestimmt mitgehen. Ich bin mir aber echt noch unsicher.

Schon allein, weil ich das auf keinen Fall meinen Eltern erzählen dürfte. Da wären die bestimmt nicht begeistert, gerade mein Papa...

Kathrin

30. August, 21:55 Uhr – Party im Studentenwohnheim

Illustration: Kathrin auf einer Party im Studentenwohnheim. Im Hintergrund stehen ihre Freundinnen Sandra und Paula mit Sandras Freund Robert.Kathrin und ihre Freunde auf einer Party im Studentenwohnheim. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hi,

bei uns im Wohnheim ist gerade eine große Party zum Semesterstart. Es sind echt viele Leute gekommen, schon fast ein bisschen eng im Partykeller. Sandras neuer Freund Robert ist auch gekommen und hat noch ein paar Freunde mitgebracht, mit denen er sich wohl immer in der Kirche trifft.

Vorhin haben Robert und seine Freunde einen Stapel Flugzettel rausgeholt, die sie hier und da liegen lassen haben. Ich habe mal einen heimlich eingesteckt und bin gerade draußen gewesen, um ihn in Ruhe durchzulesen. Die rufen da zu einer Demo nächste Woche auf – direkt nach den Friedensgebeten in der Nikolaikirche hier in Leipzig.

Ich wusste ja, dass Robert immer zu diesen Friedensgebeten geht. Da sind viele gegen die DDR-Regierung. Aber zu einer Demo aufzurufen, dabei sollte man sich besser nicht erwischen lassen. Und für uns kann das auch gefährlich werden, wenn man uns damit in Verbindung bringt. Einen Freund von Paula haben sie schon bei einer Demo verhaftet, der durfte dann auch nicht mehr weiter studieren. Naja, ich geh besser mal wieder rein.

Paula hat eben schon so komisch geguckt, als ich rausgegangen bin. Ich hoffe, sie hat das mit dem Flugzettel nicht gesehen.

Dir auch einen schönen Abend!

Deine Kathrin

29. August, 20:25 Uhr – Paulas Probleme mit Sandra und Robert

Hi,

ich komme gerade vom Sport mit Paula. Wir gehen immer zusammen zum Volleyball. Aber heute war Paula so richtig schlecht drauf. In der Pause hat sie mir erzählt, dass Robert schon wieder bei Sandra im Wohnheim sei. Es nervt sie scheinbar, dass er so oft in dem gemeinsamen Zimmer rumhängt.

Auch über Sandras Musikgeschmack hat sie sich aufgeregt, weil sie den ganzen Tag laut Rockmusik hört, unter anderem diese Platte von Pankow, von der ich dir erzählt habe. Paula findet diese aufmüpfigen Texte blöd und denkt, das wäre der schlechte Einfluss von Robert – dabei habe ich ja Sandra die Musik gezeigt, nicht Robert… Das wollte ich ihr dann aber nicht erzählen, sonst ist sie vielleicht noch sauer auf mich. Ich hoffe, die beiden zerstreiten sich nicht deswegen.

Naja, einen schönen Abend erstmal und bis morgen!

Kathrin

28. August, 12:00 Uhr – Kathrin und die neue Wohnung im Neubau

Illustration: Kathrins Eltern haben mit Spaten ein kleines Loch im Hof eines Neubaus gegraben und Katrin setzt eine kleine Pflanze in dieses Loch. Im Hintergrund mehrere stilisierte Hochhäuser und Personen mit Spaten, Gießkannen und Ähnlichem bei der Gartenarbeit.Kathrin und ihre Eltern beim Subbotnik. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Guten Morgen,

mein Tag begann heute ganz entspannt. Weil bei Papa ja bald wieder die Schule losgeht, haben wir heute nochmal gemeinsam auf dem Balkon gefrühstückt. Ich bin immer noch total glücklich, dass wir aus dem bröckeligen Altbau in der Innenstadt raus sind und jetzt hier in einem Neubau in Leipzig-Grünau wohnen. Sogar mit Badezimmer in der Wohnung!

Mama und Papa mussten ziemlich lange auf unsere neue Wohnung warten. Den ersten Wohnungsantrag haben sie schon vor sieben Jahren gestellt – der wurde dann aber jedes Jahr abgelehnt. Aber jetzt im Frühjahr haben wir endlich die Zusage bekommen. Juhu! Und sie bezahlen nicht mal mehr als in der alten Wohnung, weil in der ganzen DDR die Mieten ja auf dem Stand von 1936 sind.

Hier im Grünau wohnen viele junge Familien. Beim Einzug haben uns die Müllers von nebenan geholfen. Meine Mama kennt Frau Müller aus der Fabrik. Ein paar Lehrerkollegen von meinem Vater wohnen auch hier und auch ein paar Parteifunktionäre.

Am Sonnabend steht mal wieder für die ganze Hausgemeinschaft ein Subbotnik an. Das kommt vom russischen Wort für Sonnabend und bedeutet, dass wir alle einen Tag lang etwas für die Gemeinschaft tun sollen. Diesmal wollen wir den Garten um das Hochhaus auf Vordermann bringen. Danach feiern wir zusammen.

Ich freu mich schon!

Deine Kathrin

27. August, 13:00 Uhr – Kathrins neue Lieblingsmusik

Hi!

Kennst du eigentlich die Band Pankow? Von denen hat Gaby mir kürzlich eine Platte mitgebracht, die ich jetzt rauf und runter höre. Ich hab schon den ganzen Tag einen Ohrwurm: "Komm ich hol dich raus, raus, raus, dann geh’n wir hier weg. Gib mir'n Zeichen, die andern brauchen es nicht zu seh’n."

Die Platte hab ich gestern Sandra gezeigt und uns ist aufgefallen, dass man echt viel zwischen den Zeilen lesen kann. Gaby sagt auch immer, dass Pankow wohl zu den wenigen Bands gehört, die den Mut haben, zu singen, was sie denken. Einige ihrer Lieder wurden aber auch schon verboten.

Naja, andere Bands dürfen schon nicht mehr auftreten und Wolf Biermann wurde ja sogar ausgebürgert. Das versteh ich echt nicht. Das ist doch Musik und da muss es doch auch mal Freiheiten geben.

Hör erstmal in den Song rein und schreib mir, wie er dir gefällt!

Kathrin
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"Gib mir'n Zeichen" von Pankow gibt’s natürlich auch online.

25. August, 12:00 Uhr – Kathrins Familie trifft Gaby im Garten

Eine Illustration zeigt Gaby beim Äpfelpflücken im Garten. In einer Sprechblase steht: "Was Bärbel wohl gerade macht..."Gaby pflückt Äpfel im Garten (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hey!

Heute konnte ich endlich mal ausschlafen. Gestern sind wir früh auf unsere Datsche gefahren. Jetzt im Spätsommer gibt es da ja ganz schön viel zu ernten. Gaby war auch wieder da. Sie ist eine Schulfreundin meiner Mama und hat ihren Garten direkt neben unserem. Ich mag sie! Nicht nur, weil ihre Schwester Bärbel ihr manchmal neue Platten schickt und sie mir die dann immer mitbringt. Ich steh ja voll auf Queen, aber hier in Leipzig kommt man da ja nur schwer ran.

Bärbel ist ja schon vor 20 Jahren in den Westen geflohen. Jetzt versucht es auch ihr Bruder Stefan. Ich hab dir ja erzählt, dass er gerade in der BRD-Botschaft in Prag feststeckt. Und selbst Gaby meinte heute: Jetzt, wo man von immer mehr Leuten hört, die es schaffen, will sie es vielleicht auch versuchen. Vor vielen Jahren hatte sie mal einen Ausreiseantrag gestellt, aber der wurde nicht genehmigt.

Seitdem versteht sie sich auch nicht mehr so gut mit meinem Papa, der das damals gar nicht verstehen konnte. Die beiden streiten sich oft über Politik, weil Gaby findet, dass es hier in der DDR zu viele Regeln gibt.

Nächste Woche bekommt Gaby vielleicht wieder ein Paket von Bärbel, hat sie gesagt. Ich erzähl dir dann, was sie mir mitbringt!

Dir noch einen schönen Sonntag!
Deine Kathrin

23. August, 18:00 Uhr – Mama kommt von der Arbeit heim

Eine Illustration zeigt Kathrins Mutter Traudel bei der Arbeit in der Lederwarenfabrik. Sie sitzt im Vordergrund, im Hintergrund sind weiter fünf Frauen zu sehen. Alle sitzen an ihrem Arbeitsplatz und bearbeiten Lederstücke. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hi,

gerade ist meine Mama von der Arbeit heimgekommen. Sie arbeitet in einer Lederwarenfabrik hier in Leipzig. Die stellen vor allem Koffer und Taschen her. Jeden Tag von 6:30 bis 16 Uhr ist sie in der Fabrik. Und direkt danach geht sie meistens noch beim Konsum vorbei. "Schlangestehen" nennt mein Papa das. Heute hatte sie gehört, dass es mal wieder Schinkenspeck geben soll. Als sie dran war, gab es aber schon keinen mehr. Das war ratzfatz alles ausverkauft. Dafür können wir uns aktuell vor Gemüse kaum retten. Auf der Datsche können wir jetzt im Sommer fast jedes Wochenende neues Gemüse ernten.

Ach, um den Haushalt kümmert sich Mama übrigens auch noch. Kochen für Papa und mich, Wäsche waschen, putzen. Was eben so dazugehört. Ganz schön viel Arbeit, finde ich. Sie beklagt sich nie darüber. Wenn ich zuhause bin, versuche ich oft, ihr dabei zu helfen. Aber naja… Richtig Spaß macht mir das ja auch nicht. Das kannst du dir sicher denken!

Wir hören uns!
Deine Kathrin

22. August, 12:00 Uhr – Schließung der BRD-Botschaft in Prag

Hey,

nicht nur über Ungarn machen sich richtig viele auf den Weg in den Westen, auch in Prag in der Tschechoslowakei passiert gerade so viel! Heute steht in der Zeitung, dass jetzt tatsächlich die Botschaft der BRD in Prag zu ist.

Der Bruder von Gaby, einer Freundin meiner Mama, sitzt schon seit ein paar Tagen dort fest und hofft, bald in den Westen ausreisen zu können. Mehrere hundert Menschen harren da wohl aus, schlafen in den Büros und auf dem Boden. Das muss so ein Chaos sein, dass sie die Botschaft geschlossen haben. Mal sehen, was sie mit den Ausreisewilligen jetzt machen.

Viele Grüße
Kathrin

21. August, 09:00 Uhr – Robert und der Armeedienst

Eine Illustration von Robert: Ein junger Mann mit längerem blonden Haar, der eine Jeansweste mit Aufnäher trägt. Über ihm eine Denkblase, in der ein Soldat abwechselnd mit einem Gewehr und einem Spaten in der Hand zu sehen ist.Robert macht sich Sorgen wegen des anstehenden Wehrdienstes bei der NVA. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Guten Morgen,

ich war ja gestern Abend bei Sandra und Paula. Robert kam später auch noch dazu. Diesmal haben wir aber nicht wie immer über Politik, sondern über die NVA, also die Nationale Volksarmee, gesprochen. Robert hat gerade seine Ausbildung zum Elektrofacharbeiter gemacht. Jetzt muss er eigentlich für 18 Monate zur Grundausbildung – so wie jeder zwischen 18 und 26. Robert hat aber keinen Bock darauf.

Der Pfarrer in seiner evangelischen Kirche hat ihm erzählt, dass er den Wehrdienst aus religiösen Gründen verweigern kann. Dann setzen sie ihn aber wohl als "Bausoldat" ein. Robert hat gehört, dass die einen da richtig hart rannehmen und mies behandeln. Und für die Zeit nach der NVA sieht es auch schlecht aus. Auf Wehrdienstverweigerer sind die Betriebe in der DDR wohl nicht gut zu sprechen.

Die ganze Sache bedrückt ihn sehr, glaube ich.

Mal sehen was daraus wird!
Kathrin
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Mehr dazu: bpb.de/223787

20. August, 14:42 Uhr – Kathrin bei Sandra & Paula im Wohnheim

Sandra und Paula (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hallo,

heute besuche ich Sandra und Paula im Wohnheim. Viel habe ich dir ja noch nicht von ihnen erzählt, aber sie sind so ziemlich meine besten Freundinnen. Wir studieren zusammen Germanistik an der Uni und ich bin oft bei ihnen – also im Wohnheim. Sie teilen sich dort mit zwei weiteren Studentinnen ein Zimmer. Sandra kommt eigentlich aus Bernburg und Paula aus Görlitz. Da wäre die Anreise jeden Tag einfach zu weit.

Von Sandras neuem Freund Robert hab ich ja schon kurz erzählt – ein ganz schöner Draufgänger. Und auch ziemlich politisch interessiert und aktiv. Wenn er da ist, reden wir oft darüber, was seiner Meinung nach schief läuft in der DDR. Sandra sieht glaube ich vieles ähnlich. Mich bringt er auf jeden Fall zum Nachdenken über so manche Dinge. Paula findet ihn aber wohl ganz schön nervig. Sie schaut immer so kritisch, wenn er redet.

Na mal sehen, was die beiden heute so erzählen.

Bis bald!
Kathrin

19. August, 19:30 Uhr – Das Paneuropäische Picknick

Paneuropäisches Picknick (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hi,

vorhin habe ich Sandra getroffen. Sie hat erzählt, dass heute bei einem "Paneuropäischen Picknick" an der Grenze in Ungarn wohl zwischen 600 und 700 DDR-Bürger nach Österreich geflohen sind. Eine ungarische Oppositionspartei und die Paneuropa-Union hätten die Leute eigentlich nur zum Picknick eingeladen, um für Frieden zu demonstrieren. Das dortige Grenztor sollte dann nur symbolisch geöffnet werden – als Zeichen für das friedliche Miteinander.

Aber dann sind die DDR-Bürger einfach los gelaufen. Die Soldaten vor Ort haben sie nicht aufgehalten. Angeblich, damit die Lage nicht eskaliert. Wahnsinn, oder? In diesem Sommer sind ja schon einige über Ungarn in den Westen geflohen – seit Mai wird da ja der Grenzzaun abgebaut. Aber jetzt haben so viele auf einen Schlag einfach diese Gelegenheit für die Flucht genutzt!

Sandra meinte auch, dass schon einige Bekannte ihrer Eltern ihre Urlaubspläne geändert hätten und im Sommer jetzt in Ungarn "Urlaub" machen wollen.

Einen schönen Abend dir!
Kathrin
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Mehr dazu: bpb.de/293568

19. August, 10:45 Uhr – Kathrin stellt sich vor

Illustration: Eine junge Frau mit kinnlangen roten Locken, Brille und pinkfarbenem Oberteil. Das ist Kathrin. Sie erzählt uns, wie sie die Zeit vor dem Fall der Mauer erlebt hat.Das ist Kathrin. Sie erzählt uns, wie sie die Zeit vor dem Fall der Mauer erlebt hat. (© bpb | Illustration: Leitwerk)

Hey, guten Morgen!

Ich bin Kathrin und lebe in Leipzig. Hier bei uns ist im Moment ganz schön was los. Irgendwas verändert sich in der DDR. Seit ein paar Wochen hört man von immer mehr Leuten, die in den Westen fliehen, manche wohl über Ungarn, weil die Grenze dort schon ein paar "Löcher" haben soll. Mittlerweile haben die sogar schon im Fernsehen darüber berichtet.

In der Uni bekommt man davon nicht so viel mit. Zumindest in meinen Studiengängen, Germanistik und Musik, reden wir nicht so viel über Politik. Dann schon eher mit meinen Freundinnen Paula und Sandra. Zumindest seitdem Sandras neuer Freund Robert immer mal wieder vorbei kommt. Er redet oft davon, dass wir auf die Straße gehen müssten, damit sich etwas ändert. Aber warum soll sich eigentlich was ändern?

Wenn du willst, schreibe ich dir immer mal wieder, was hier bei mir so passiert. Und wenn du mehr über mich und meine Freundinnen erfahren willst, schau doch einfach mal hier vorbei:

https://bpb.de/294401

Bis bald! Deine Kathrin

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Ostzeit

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Chronik der Mauer

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Jugendopposition in der DDR

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Am 9. November 1989 ist die Mauer, die Ost-Berlin von West-Berlin seit dem 13. August 1961 trennte, gefallen. Endlich! Das hatten sich viele, viele Menschen lange gewünscht. Und knapp ein Jahr später war Deutschland wieder vereinigt. Wir geben euch einen kurzen Überblick über die Geschichte der Mauer - bis sie fiel.

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