"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.

6.4.2005 | Von:
Hans-Ulrich Thamer

Die nationalsozialistische Bewegung in der Weimarer Republik

Hitlers Weltanschauung

Gleichwohl kommt Hitlers Weltanschauung für sein Selbstbewußtsein wie für seinen Machtanspruch in der Partei und später im Regime große Bedeutung zu. Das Gefühl über ein festes Gedankengebäude zu verfügen, in das sich scheinbar alle Erfahrungen und Wahrnehmungen einbetten ließen, gab dem Außenseiter und Autodidakten Sicherheit. Die Behauptung, er allein verfüge über ein gültiges, in sich geschlossenes System der Welt- und Politikerklärung festigte seine diktatorische Machtfülle im Nationalsozialismus. Schließlich sollten die Entscheidungen über Krieg und Rassenpolitik, die beiden zentralen Dimensionen der nationalsozialistischen Politik, auf Hitlers weltanschaulichen Willen zurückgehen. Doch daß Hitlers Weltanschauung schließlich Staatsdoktrin wurde, setzte einen langen und komplizierten Prozeß der Umsetzung einer Ideologie voraus, die sich zuerst aus individuellen Erfahrungen und Einflüssen bildete.

Die Außenwirkung einer solchen Ideologie, die über ihre Politik und Konsensfähigkeit entscheiden sollte, hing ganz wesentlich davon ab, daß viele der ideologischen Formeln vertraut klangen, zugleich griffig und populistisch formuliert wurden und scheinbar eine einfache Antwort auf eine komplizierte und bedrohliche Wirklichkeit boten. Sie mußten dem Bedürfnis nach Sündenböcken eine klare Richtung für die Kanalisierung der kollektiven Frustrationen und Haßgefühle geben. Dazu war es notwendig, daß viele der Hitlerschen Weltanschauungs- und Propagandaangebote schon verbreitet und der Boden für ihre Politisierung und Organisation schon vorbereitet war. Eine solche Politikfähigkeit setzt nicht unbedingt denkerische Originalität voraus, denn die hatte Hitlers Weltanschauung ganz gewiß nicht. Sie war keine eigenständige Erfindung, sondern stammte aus dem "Ideenschutt" (Joachim C. Fest) des 19. Jahrhunderts.

Bis zur Mitte der zwanziger Jahre hatte Hitler aus den verschiedenen Versatzstücken der völkisch-antisemitischen, rassenbiologistischen und sozialdarwinistischen, nationalistischen und imperialistischen, antidemokratischen und antimarxistischen Vorstellungen sein persönliches Weltbild zusammengetragen, das von zwei Ideensträngen zusammengehalten wurde: von einem radikalen, universalen Rassenantisemitismus und von der Lebensraumdoktrin. Verbunden war dieser ideologische Kern mit dem Glauben, die Geschichte sei von einem permanenten "Kampf der Völker um Lebensraum" bestimmt, der nur dann siegreich geführt werden könne, wenn die "Rassereinheit" gewahrt bliebe bzw. hergestellt würde. Dieses sozialdarwinistische Geschichtsbild und die beiden damit verbundenen Ideenstränge des Rassenantisemitismus und der imperialistischen Lebensraumdoktrin waren anderswo schon vielfach vorgetragen worden und durch entsprechende politische Bewegungen in der Weimarer Republik einem größeren Publikum vertraut.

Ideologische Wurzeln

Rassismus und Antisemitismus wurden seit dem späten 19. Jahrhundert in kleinen Zirkeln ideologisch miteinander verbunden und durch die Agitation antisemitischer Gruppierungen seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts populär gemacht. Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung und Vermittlung rassistischer und antisemitischer Vorstellungen spielte der Wagner-Kreis in Bayreuth, der den Mythos von "Ariern" und Germanen durch Bühnenweihespiele für ein gebildetes Publikum hoffähig machte. Nicht nur, daß Richard Wagner, den Hitler zutiefst verehrte, selbst Antisemit und Rassist war; durch seinen Kreis wurden zudem die Werke des wichtigsten "Rassetheoretikers", des französischen Grafen Arthur de Gobineau, ins Deutsche übersetzt, während der andere "Klassiker des Rassismus", der britische Publizist Houston Stewart Chamberlain, seit Anfang 1880 selbst zum Bayreuther Kreis gehörte. In seinem 1855 erschienenen Buch "Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen" hatte Gobineau die Menschheitsgeschichte nach rsischen Gesichtspunkten gedeutet.

Der Graf behauptete den Vorrang der "weißen Rasse" vor allen "anderen Rassen" und sah im "Arier" das eigentlich kreative Element, den Schöpfer jeder höheren Kultur, während die "niederen Rassen" allein zur Knechtschaft taugten. Die politisch-ideologische Absicht solcher abstruser Geschichtsbilder war klar: Es ging um die Rechtfertigung einer überkommenen, europäisch beherrschten Gesellschafts- und Weltordnung. Dahinter standen soziale Ängste und Abwehrmechanismen, die auch in der Furcht vor der "rassischen Degeneration" zum Ausdruck kamen. Gobineau sah die "Arier" vom "Rassetod" bedroht und prophezeite deren Niederlage im Kampf zwischen den "niederen" und "höheren" Rassen. Nur wenn sich die "höheren Rassen reinhielten", könnten sie diesem Untergang entgehen.

Damit war auch der zutiefst inhumane Züchtungsgedanke angedeutet, der dann durch den Einfluß biologistischer Denkmuster verstärkt wurde, wie sie durch Charles Darwin begründet und populär wurden. Die auf der Erde lebenden "Rassen", so Darwin, seien das Ergebnis eines Prozesses der natürlichen Auslese, der sich im Kampf um das Dasein manifestiere. Was bei Darwin noch wertneutral gemeint war, erhielt bei den Sozialdarwinisten eine politische und sozial ausgrenzende Bedeutung und fand eine große Verbreitung. Von der Ausschaltung aller "Untüchtigen", der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" war nun die Rede, ebenso von dem Versuch, die Eignung für den Überlebenskampf durch das Messen von Kopfgröße und Nasenlänge zu ermitteln. Auch die Kräfte, die dem natürlichen Ausleseprozeß entgegenstünden, wurden denunziatorisch herausgestellt: Die christliche Moral, der aufgeklärte Rechts- und Toleranzbegriff und die moderne Zivilisation schlechthin, die allein die Schwachen schütze.

Waren Gobineau und Darwin keine Antisemiten, so erhielt die biologistisch begründete Rassenlehre eine noch gefährlichere Bedeutung, wenn sie sich mit antisemitischen Vorurteilen verband und die von Gobineau beklagte "Degeneration der Rassen" mit der angeblichen "Zersetzungstätigkeit der Juden" verband. Man leitete daraus die Forderung nach einer "Auslesepolitik" ab, die den Prozeß der Degeneration stoppen solle. Die neue Rassenlehre, wonach "Judesein" eine "unveränderte negative Eigenschaft" darstelle, war zur selben Zeit in Frankreich durch George Vacher de Lapouge und Edouard Drumont sowie in Deutschland durch Eugen Dühring, Wilhelm Marr und durch Houston Stewart Chamberlain publizistisch verbreitet worden. Sie alle forderten mehr oder weniger offen die Vernichtung der Juden, um die Reinheit und Herrschaft der "Arier" zu sichern. Dabei mündeten ältere aus dem Spätmittelalter überkommene und christlich-religiös motivierte antijudaistische Stereotype in den neuen, scheinwissenschaftlichen Rassismus ein. Sie rstärkten damit seine Resonanz bei einem Publikum, das ähnlich alte Vorurteile mit Wissenschaftsglauben und sozialen Ängsten verband.

Imperialismus und Kolonialismus

Einstweilen blieben die sozialdarwinistischen und rassenantisemitischen Entwürfe noch Gedankenkonstruktionen. Aber die Leserschaft einschlägiger Publizisten wie Marr und Chamberlain, die die antisemitischen Schmähungen mit kulturpessimistischen Visionen verbanden, nahm zu. Derartige Autoren machten den Antisemitismus unter einem bürgerlichen Publikum ebenso gesellschaftsfähig wie die Aufnahme antisemitischer Forderungen in das Programm der Deutschkonservativen Partei (1892) und in die Satzungen von Interessen- und Agitationsverbänden (Alldeutsche, Bund der Landwirte) den Antisemitismus allmählich politikfähig machte. Der Haß auf alles Fremde und der Antisemitismus waren im ausgehenden 19. Jahrhundert überall in Europa auch in den Nationalismus eingegangen, besonders aber in Deutschland und Italien.

Die Wendung des Nationalismus zum radikalen Imperialismus, der dann auch in der Weltanschauung Hitlers eine zentrale Rolle spielen sollte, hatte in Europa um die Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt und sich mit der Zuspitzung der sozialen Konflikte in den sich entfaltenden Industriegesellschaften beschleunigt. Der überkommene Nationalismus verband sich mit machtstaatlichen und imperialen Tendenzen zu einer nationalistischen Sendungsideologie. Der neue Nationalismus rechtfertigte nicht nur die nationalen Machtansprüche in Übersee, sondern präsentierte sich als Instrument der Abwehr und Ausgrenzung im Inneren: Gegen das sozialistische und internationalistische Proletariat ebenso wie gegen die "goldene Internationale des Bankkapitals", das vor allem in jüdischer Hand gesehen wurde. Das Gegenmodell eines "nationalen Sozialismus" verhieß nationale Geschlossenheit statt Klassenkampf, bedeutete Mobilisierung nach außen statt Verbrüderung über die Grenzen.

Der Ablenkung von inneren Spannungen nach außen diente das imperialistische Moment im neuen Nationalismus. Der Kolonialgedanke faszinierte nationale Agitationsvereine, die ihre Anhänger im Bürgertum, weniger bei Unternehmen fanden. Kolonialträume trieben das nationale Lager auch noch in der Weimarer Republik um, als die wenigen deutschen Kolonien, die ökonomisch zudem nicht profitabel waren, durch den Versailler Vertrag abgetreten werden mußten. Um so faszinierender wirkte dann der Mitteleuropagedanke, der sich durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands mit den südost-europäischen Staaten einen gesicherten Rohstoff- und Absatzmarkt erhoffte.

Rassegedanken

Im Mittelpunkt von Hitlers Geschichtsdenken standen die Begriffe "Volk" und "Rasse", die weitgehend identisch verwandt wurden. Völker und Rassen galten ihm als in sich abgeschlossene Arten; jede Vermischung war ein Verstoß gegen die Natur und ein Grund für den Verfall. Zwischen den Rassen und Völkern aber herrsche das Gesetz des ewigen Kampfes. Der Lebenskampf als Gesetz der Geschichte gelte vor allem der Selbsterhaltung. Die Funktion solcher rassentheoretischer und sozialdarwinistischer Gedanken war eindeutig:Sie dienten der Rechtfertigung innerer Abwehr und außenpolitischer Expansion.

Bei dem Kampf um die Selbsterhaltung stießen die Völker, und damit verbindet sich die Rassenlehre mit dem Raumgedanken, an die Grenzen des Raumes. Der Widerspruch zwischen der Begrenztheit des Raumes und dem unbedingten Erhaltungstrieb der Völker war für Hitler Ursache für den "ewigen Kampf um den Raum". Hitler meinte, als Grundgesetz der Geschichte erkannt zu haben: "Lebenskampf der Völker" um "Lebensraum". Zugleich war damit sein Rassen- wie sein Raumeroberungsprogramm begründet. In seiner zutiefst inhumanen naturalistisch-biologistischen Weltsicht war auch der Gedanke der "Rassenzüchtung" des Menschen angelegt.

Aus diesen vermeintlichen Gesetzen der Geschichte ergab sich für Hitler als Aufgabe der Politik: "Politik ist die Kunst der Durchführung des Lebenskampfes eines Volkes um sein irdisches Dasein. Außenpolitik ist die Kunst, einem Volk den jeweils notwendigen Lebensraum in Größe und Güte zu sichern. Innenpolitik ist die Kunst, einem Volk den dafür notwendigen Machteinsatz in Form seines Rassenwertes und seiner Zahl zu erhalten." Das waren Schlagworte, die vom Parteiführer Hitler vielfach wiederholt wurden, die zwar nicht die einzelnen Schritte und Instrumente seiner Machtpolitik ankündigten, wohl aber deren Fernziele angaben. Bevölkerungspolitik und Rassenpolitik wurden damit in einen gleichsam dialektischen Zusammenhang gebracht, der an einem vorindustriellen Konzept von Raum, Rasse und Ernährung orientiert war. Jedes Anwachsen der Bevölkerungszahl führte danach zu einer Verknappung des Raumes und damit zum Lebensraumkrieg. Umgekehrt würde ein Stagnieren oder Sinken der Bevölkerungszahl die anderen Völker stärker werden lassen und zum Verlust von Lebensraum führen.

Antisemitismus

Alle Vorgänge in der modernen Welt, die Hitler beunruhigten, wurden auf die Juden zurückgeführt. "Nichts ist mehr verankert, nichts mehr wurzelt in unserem Innern. Alles ist äußerlich, flieht an uns vorbei. Unruhig und hastig wird das Denken unseres Volkes. Das ganze Leben wird vollständig zerrissen." Das waren Ängste vor der Moderne, die auf einen "Schuldigen" zurückgeführt wurden; das war eine ideologische Kampfansage an den gesamten emanzipatorischen Prozeß der Neuzeit. Die Juden wurden für den historischen Wandel verantwortlich gemacht und ebenso universal verstand Hitler seine historische Mission. Mit dem deutschen und dem jüdischen Volk standen sich im Urteil des Rassenideologen zwei Grundprinzipien der Geschichte gegenüber: Das deutsche Volk sei das typische "Raumvolk", das jüdische Volk sei immer ein "raumloses" Volk, ein Volk ohne Staat mit festen Grenzen, unfähig zur festen Staatsbildung.

Die Juden waren für Hitler auch Urheber und Träger der politischen Prinzipien der Gegenwart, durch die er die natürlichen Lebensformen der "Rassen" bedroht sah. Sein Haß galt darum vor allem dem Internationalismus, dem Pazifismus und der Demokratie. Sie stünden im Gegensatz zu den von ihm für positiv gehaltenen Werten des Nationalismus, des Heroismus und des Führerprinzips.

Sein Haß gegen Internationalismus, Pazifismus und die Gleichheit der Menschen und Völker mündete in die Kampfansage an Marxismus und Kommunismus, die seit der Revolution von 1917/18 in Rußland nicht nur für Hitler einen festen Bestandteil des eigenen ideologischen Bedrohungs- und Abwehrszenarios ausmachten. Im Kommunismus sah Hitler die radikalste und letzte Angriffswaffe des Judentums im Kampf um die Herrschaft über die ganze Welt. Wenn der Kommunismus nach Meinung Hitlers nichts anderes war als der erneute Versuch der Juden, "ihre alten Träume der Weltherrschaft zu verwirklichen", dann war nicht nur das Ziel des nationalsozialistischen Angriffs erkennbar, sondern auch die daraus abgeleitete Verpflichtung der Nation zum "Selbsterhaltungskampf". Es charakterisiert den Ideologen und Propagandisten, daß er seine eigenen verborgenen Ziele dem Gegner unterstellte und seine Eroberungspläne darum als Verteidigungsmaßnahme zu rechtfertigen versuchte.

Die "Rassenpolitik" war schließlich auch letzte Begründung des außenpolitischen Programmes. Wie aus dem konventionellen Antisemiten ein radikaler Rassenideologe mit einem universellen "Heilungs"- und Vernichtungsanspruch geworden war, so hatte sich in wenigen Jahren der konventionelle außenpolitische Revisionist zum Ideologen der Lebensraumeroberung gewandelt, der nicht mehr nur eine Aufhebung des Versailler Vertragssystems anstrebte, sondern ganz im Sinne imperialistischen Denkens Raum für ein deutsches "Herrenrassen-Imperium" gewinnen wollte. Das freilich sollte nicht mehr in Übersee, sondern im europäischen Osten liegen.

Auch diese imperialistischen Elemente von Hitlers Weltanschauung waren im ideologisch-propagandistischen Weltbild der Deutschen nicht unbekannt. Die Forderung nach einer "Revision" des Vertrages von Versailles war in fast jeder bürgerlichen Parteiversammlung zu hören. Sie besaß eine große politische Integrationskraft, die sich gegen die Republik richten ließ. Wer sich ihr in propagandistisch erfolgreicher Weise bemächtigte, der konnte mit breiter Zustimmung rechnen. Dasselbe galt für altbekannte imperialistische Forderungen, vom Kolonialgedanken über das Mitteleuropakonzept bis hin zu Annexionsforderungen nach Osten.

Anti-Positionen

Um diesen weltanschaulichen Kern rankten sich weitere ideologische Anti-Positionen, wie sie sich in anderen nationalistischen und faschistischen Bewegungen der Zwischenkriegszeit auch fanden: Antimarxismus, Antiliberalismus, Antiparlamentarismus, Antikapitalismus und auch ein tendenzieller Antikonservativismus. Als Gegenbilder standen dem Elemente des neuen radikalen Nationalismus der Jahrhundertwende gegenüber: Ein völkischer Nationalismus, verbunden mit dem Konzept eines nationalen Sozialismus und einer nationalen Volksgemeinschaft unter Führung einer neuen politischen Elite. Diese sollte sich durch die Bereitschaft zum Glauben, zum Gehorsam und durch den Willen zur Tat bzw. zum Kampf auszeichnen.

Daneben stellte das Führerprinzip ein konstitutives Element für Ideologie und Organisation des Nationalsozialismus dar: Es war Gegenmodell zu Liberalismus und Demokratie und zugleich Legitimations- und Integrationsmittel für die Partei und ihre Anhänger. Der "Führer" hielt die widersprüchlichen Elemente der nationalsozialistischen Programmatik und Propaganda zusammen. Seine Rolle als Vermittler zwischen rivalisierenden Zielvorstellungen und als Interpret der wahren Lehre begründete Hitlers absolute Führungsstellung in der Partei.

Die nationalsozialistische Weltanschauung mit ihrem Anspruch auf Totalität muß bei der Erklärung von Hitlers Macht ernstgenommen werden, auch wenn sie kein Regierungsprogramm darstellte und Hitler jede programmatische Präzisierung und Ausgestaltung, die auf die Interessen einzelner sozialer Gruppen und politischer Fraktionen Rücksicht nahm, unterbunden hat. Eine Vermittlung zwischen verschiedenen Interessen sollte nicht durch ein Programm, sondern durch Propaganda und das Charisma des "Führers" stattfinden. Das ließ ihm genügend Raum, seine Allmacht zu demonstrieren, und suggerierte das Bild von (programmatischer) Geschlossenheit. Überdies ließen die teilweise sehr vagen und widersprüchlichen Zielvorstellungen, die innerhalb der nationalsozialistischen Führungsclique bestanden, taktische Anpassungsmanöver zu und erlaubten es Hitler, seine weltanschaulichen Kernvorstellungen unter geschickter Ausnutzung der jeweiligen politischen Konstellationen stufenweise zu realisieren. Denn Hitler hat nicht nur mit großer Hartnäckigkeit bis zu seinem Ende im Führerbunker der Reichskanzlei an seiner Weltanschauung festgehalten, sondern sie auch bei aller taktischen Flexibilität und Improvisation zur treibenden Kraft seiner Politik gemacht.


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