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Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.

20.4.2005 | Von:

Auszüge aus den Verhörprotokollen von Sophie Scholl

Februar 1943

Auszüge aus den Verhörprotokollen, Teil II

Frage: Seit wann kennen Sie den San. Feldw, Willi Graf, in welchem Verhältnis standen Sie zu ihm und in welcher Weise war dieser an der Flugblattaktion beteiligt? Sie haben sich zu dieser Frage bei Ihrer früheren Vernehmung schon einmal kurz geäussert, es ist jedoch der dringende Verdacht gegeben, dass Sie gerade in diesem Punkte, aus welchen Gründen sei dahingestellt, noch nicht die volle Wahrheit gesagt haben.

Antwort: Feldwebel Graf habe ich erstmals gesehen und vielleicht auch kurz gesprochen, als mein Bruder Hans Scholl Mitte Juli 1942 zusammen mit der Studentenkomp. nach Russland abgestellt wurde. Zur Verabschiedung von meinem Bruder begab ich mich zum Ostbahnhof, wo mir Graf durch meinen Bruder vorgestellt wurde. Ob ich mich bei dieser Gelegenheit mit Graf unterhielt weiss ich heute nicht mehr. Graf hab ich dann erst wiedergesehen, nachdem er Mitte November 1942, wie auch die übrigen Angehörigen der Studentenkomp., aus Russland zurückgekommen war und sich wieder in München aufhielt. Die zweite Begegnung mit ihm erfolgte meines Wissens Anfang Dezember 1942, gelegentlich eines Konzert´s, wo weiss ich nicht mehr.

Bis Ende Juli 1942 wohnte ich in München, Mandelstr. 1/I b. Berrsche. Ich habe diese Wohnung aufgegeben, weil mir das zur Verfügung stehende Zimmer zu klein war. Andere Gründe die mich zu einem Wohnungswechsel veranlasst hätten, waren nicht gegeben, schliesslich nur noch, dass ich nach einer Gelegenheit suchte, mit meinem Bruder in ein und derselben Wohnung unterzukommen. Ich erwähne ausdrücklich, dass um die damalige Zeit von einer etwaigen Propaganda gegen den heutigen Staat zwischen meinem Bruder und mir in keiner Weise die Rede war. Um wieder auf mein früheres Zimmer im Hause Mandelstr. 1 zurückzukommen, muss ich noch hinzufügen, dass Graf nach sein Rückkunft aus Russland ein Zimmer suchte und ihn mein Bruder auf mein früheres Zimmer Mandelstr. 1, aufmerksam machte, das um diese Zeit noch frei war, weil die Vermieterin eine weitere Vermietung gar nicht mehr beabsichtigte. Graf hat dieses Zimmer dann auch bekommen, wo er bis zum Schluss wohnte. Auch die Schwester des Graf, die Studentin Anneliese Graf, kam Anfang Januar bei der Familie Berrsche in Untermiete.

Willi Graf kam in der Zeit von Anfang Dez. 42 bis zuletzt ungefähr 10 – 12 x zu einem kürzeren oder längeren Besuch zu meinem Bruder und mir nach Franz-Josef-Str. 13. Es handelte sich meistens um kürzere Besuche und nur 4 oder 5 x hielt er sich in den Abendstunden länger als eine Stunde, höchstens bis 2 ½ Stunden auf. Ich erkläre ausdrücklich, dass Graf an der von meinem Bruder und mir, unter Mitbeteiligung des Schmorell, durchgeführten Propagandatätigkeit (Abfassung, Herstellung und Verbreitung von Flugblätter) in keiner Weise aktiv tätig war. Auch haben mein Bruder und ich es gemieden, andere Personen in diese Angelegenheit einzuweihen, dies schon aus Sicherheitsgründen, nicht zuletzt aber um andere Menschen bezw. Freunde und Bekannte nicht auch mit zu belasten.

Ich versichere wiederholt, dass Willi Graf und dessen Schwester Anneliese weder durch mich, noch in meinem Beisein von meinem Bruder Hans, nicht einmal andeutungsweise, von unserer Propagandatätigkeit unterrichtet wurde. Richtig ist dagegen, dass wir (mein Bruder und ich) mit Graf offen und frei Tagesfragen oder die politische bezw. militärische Lage besprachen. Graf hat unsere Meinung, dass wir den Krieg nicht gewinnen könnten und sich dadurch die heutige Regierungsform nach einem Zusammenbruch automatisch ändern müsse und auch ändern werde, weitgehendst geteilt. Oft haben wir uns auch über allgemeine Fragen unterhalten, zwischendurch jedoch auch über Politik, philosophische oder theologischen Fragen.

Einmal erinnere ich mich, haben wir uns eingehend mit der Frage befasst, ob die christliche und nationalsozialistische Weltanschauung miteinander in Einklang gebracht werden könnten. Nach einer längeren Debatte waren wir schließlich der übereinstimmenden Meinung, dass der christliche Mensch Gott mehr als dem Staat verantwortlich sein. Ein andermal wurde zwischen uns (mein Bruder, Graf und mir) ausgehend von den heutigen Kriegsereignissen, die Frage erörtert, ob der Mensch, besonders aber der christliche Mensch, der an die Gebote Gottes gebunden ist, töten dürfe, wie dies von den Soldaten an der Front verlangt wird. Hier kamen wir zu dem Ergebnis, dass auch der christliche Mensch im Kampf gegen den Feind töten dürfe, weil der Kämpfer nicht als Einzelperson für sein Tun verantwortlich sei, denn er handle ja als unselbständiges Glied einer übergeordneten Macht. Solche und ähnliche Themen wurden gemeinsam mit Graf des öfteren besprochen, wobei ich feststellen konnte, dass im allgemeinen unsere Meinung übereinstimmte.

Nach dem Umfang und der verhältnismäßig grossen Zahl von Flugblättern die fast gleichzeitig an verschiedenen Orten Süddeutschlands auftauchten, konnte man als Uneingeweihter zweifellos der Meinung sein, es handle sich um eine grössere Organisation, die diese Propaganda planmäßig betreibe. Wenn wir die Flugblätter z.B. in Wien, Salzburg, Linz, Augsburg und Stuttgart an dort wohnende Adressaten an Ort und Stelle bei der Post aufgaben, dann geschah dies nicht nur aus Ersparnisgründen, sondern wir wollten dadurch den Eindruck erwecken, als befände sich an Ort und Stelle eine Organisation, die sich in ihrer Propaganda gegen den heutigen Staat wendet. Der Gedanke durch dieses Vorgehen von München, d.h. den Ort unserer Tätigkeit, abzulenken, lag uns dabei vollkommen fern.

Mit meinem Bruder hab ich auch einmal darüber gesprochen, dieses Thema wurde sogar öfters behandelt, dass die Gestapo nach dem Auftauchen der Flugblätter, insbesondere fast gleichzeitig an verschiedenen Orten und der verhältnismäßig großen Zahl, der Meinung sein wird, dass hier eine grössere Organisation am Werk sein wird. Wir haben uns über diese Irreführung sogar öfters lustig gemacht, und zwar, hauptsächlich dann, wenn mein Bruder und ich zu später Nachstunde einmal etwa 6000 Flugblätter herstellten. Die gesamten, von uns zur Verbreitung gebrachten Flugblätter, wurden einzig und allein durch meinen Bruder und mich in 2 verschiedenen Nächten hergestellt. Im ersten Falle handelte es sich um etwa oder annähernd 6000 Flugblätter mit der Überschrift: "Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland" und der Überschrift "Aufruf an alle Deutsche!", die entweder in der Nacht vom 21./22. oder 22./23.1.43 hergestellt wurden. Auf einem Teil dieser Flugblätter, die textlich alle gleich sind, fehlt lediglich die Überschrift "Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland"; dies kam daher, dass die Matrize während unserer Arbeit oben abriss und an der Abrisstelle verklebt werden musste, wodurch die Überschrift nicht mehr auf den Abzügen erschien, weil sie verklebt war.

Wenn mir vorgehalten wird, dass zur Herstellung dieser Flugblätter mindestens 8 verschiedene Matrizen verwendet wurden, so muss ich dies zugeben, denn beim Herstellen der Abzüge ist uns die Matrize immer wieder zerrissen, musste verklebt und schliesslich wegen Unbrauchbarkeit neu geschrieben werden. Von der zweiten Art von Flugblättern wurden insgesamt rund 3000 hergestellt. Diese tragen die Überschriften "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" und "Deutsche Studentin! Deutscher Student!". Auch diese Flugblätter sind textlich vollkommen gleich, nur die Überschrift wurde einmal geändert. Diese Änderung ist darauf zurückzuführen, dass die Matrize nach der Herstellung von schätzungsweise etwas mehr als die Hälfte der Flugblätter vollkommen unbrauchbar war, von meinem Bruder neu geschrieben werden musste, welche Gelegenheit er dazu benützte die Überschrift zu ändern. Diese Herstellung erfolgte ebenfalls wieder durch meinen Bruder und mich, etwa in der Nacht von 4./5.2.43. Im ersteren Falle begannen wir etwa um 20 Uhr und waren um 3 oder 4 Uhr fertig und im zweiten Falle, arbeiteten wir ungefähr von 21 Uhr bis 1 Uhr.

Ich erwähnte dies alles so ausführlich um zu zeigen, dass die beim Herstellen der Flugblätter zu bewältigende Arbeit bei der uns zur Verfügung stehenden Einrichtung von meinem Bruder und mir ohne weiteres bewältigt werden konnte. Mehr Arbeit und Zeitaufwand als beim Vervielfältigen war notwendig, all die vielen Briefumschläge zu besorgen und zu adressieren. Lediglich beim Zukleben der Wurfsendungen war uns Schmorell am letzten Sonntag Abend (14.2.43) in soweit behilflich, als er die zusammengefalzten und mit einer Adresse versehenen Flugblätter auf der Rückseite mit braunem Klebestreifen verschloss. Eine andere Person als Schmorell hat bei dieser Arbeit nicht mitgewirkt, besonders auch Graf hatte damit nichts zu tun.

Ich erwähnte schon einmal, dass ich der Meinung bin, dass Graf den Umständen nach wissen oder vermuten musste, dass wir als Hersteller und Verbreiter dieser Flugblätter in Betracht kommen. Es ist dies allerdings nur eine Annahme von mir, denn sicher bin ich mir in diesem Punkte nicht. Mit aller Bestimmtheit kann ich jedoch sagen, dass er durch mich über unsere Tätigkeit in keiner Weise, nicht einmal andeutungsweise orientiert wurde.

Frage: In welchem Verhältnis stehen sie zu der Schwester des Willi Graf, Anneliese Graf, bezw. in welcher Weise steht sie im Zusammenhang mit Ihrer Propagandatätigkeit?

Antwort: Anneliese Graf habe ich erstmals gesehen, als ich im Dezember 1942 (es war zu Anfang des Monats) einen Koffer bei meiner früheren Wirtin, Frau Berrsche, abholte. Bei dieser Gelegenheit wurde mir die Graf von ihrem Bruder vorgestellt. Ich hab mich auch kurz mit ihr unterhalten, jedoch nur über Fragen ihres Studiums. Insgesamt bin ich 8-10 x mit der Anneliese Graf in Berührung gekommen. Unsere Unterhaltung bezog sich durchwegs auf literarische, musikalische oder andere Gebiete der Wissenschaft, niemals jedoch auf Politik. Die Graf halte ich, ohne mir ein abschliessendes Urteil erlauben zu wollen, für vollkommen unpolitisch. Ich bleibe nach wie vor darauf bestehen, dass die Anneliese Graf mit unserer propagandistischen Tätigkeit, dem Herstellen der Flugblätter, dem Besorgen oder Schreiben der Briefumschläge nicht das Geringste zu tun hatte. Ich bin sogar der festen Meinung, dass sie davon nicht einmal eine Ahnung hatte.

Frage: Bei Durchsuchung der Räume des Ateliers Eickemeyer, bezw. der Kellerräume desselben wurde u.a. eine Schablone zur Fertigung der Schrift "Nieder mit Hitler!" gefunden. Dabei befanden sich 1 Paar Handschuhe, Farbe und Pinsel etc. Was ist Ihnen über die Beschaffung der Schablone und des Zubehörs und über deren Verwendung bekannt?

Antwort: Die mir vorgezeigte Schablone sehe ich jetzt zum ersten Mal, von deren Vorhandensein war mir bisher nicht das Geringste bekannt. Im Zusammenhang mit dieser Frage erinnere ich mich nun, vor etwa drei Wochen auf dem Schreibtisch meines Bruders kleine etwa 6 bis 8 mm breite Blechstreifen vorgefunden zu haben, über deren Herkunft ich mir damals keine Vorstellung machen konnte. Weil ich mir weiter nichts dabei dachte, habe ich meinen Bruder nicht darüber befragt, wo diese Blechstreifen hergekommen seien. Nachdem ich aber nun diese Schablone gesehen habe, bin ich der Meinung, dass es sich bei diesen Blechstreifen um die Buchstabenausschnitte der in Frage stehenden Schablone waren. Auch bei diesen Blechstreifen handelte es sich um Weissblech von der Art, der mit vorgezeigten Schablone.

Im Laufe unserer propagandistischen Tätigkeit haben wir vornehmlich in der letzten Zeit den Gedanken erwogen, uns mit Flugblättern an die Studenten zu wenden, weil wir die Auffassung vertraten, dass die meisten der Studenten revolutionär und begeisterungsfähig sind, sich vor allem aber etwas zu unternehmen getrauen. Wenn ich in diesem Zusammenhang von revolutionären spreche, dann ist das nicht so aufzufassen, als seien die Studenten in Revolutionsstimmung gegen den heutigen Staat, was ja keinesfalls zutrifft. Jedenfalls habe ich meinem Bruder bei Erwägung dieser Gedanken den Vorschlag gemacht, man solle an der Universität und deren Umgebung Farbaufschriften anbringen, welche Aufschriften zeigen sollten, dass noch Kräfte vorhanden seien, die gegen den heutigen Staat arbeiten. Bestimmte Vorschläge textlicher Art habe ich meinem Bruder nicht gemacht. Mein Bruder gab mir auf meinen Vorschlag hin zur Antwort, wir wollten uns vorerst einmal an die Verbreitung von Flugblättern halten, die Wirkung abwarten und sehen, was man weiter unternehme. Nebenbei erwähnte mein Bruder, wenn man Aufschriften anbringen wolle, müsse man zuerst Farbe herbeischaffen, was jedenfalls einige Schwierigkeiten bereiten würde, da heute Farbe schwer zu bekommen ist.

Als ich am Donnerstag, den 4.2.43 gegen 10 Uhr zur Universität kam, um dort bei Professor Huber die Vorlesung zu besuchen, sah ich, dass an der rechten Seite des Eingangs zur Universität zweimal in großer Schrift das Wort "Freiheit" angeschrieben war. Ferner sah ich, dass verschiedene Stellen an Häusern in der Ludwigstrasse mit weissem Papier überklebt waren. An einer Stelle haben Strassenpassanten ein solches Papier weggerissen, worauf ich mich davon überzeugen konnte, dass jedenfalls mittels Schablone die Aufschrift "Nieder mit Hitler" und ein mit zwei Strichen durchkreuztes Hakenkreuz aufgemalt war. Als ich nach der Vorlesung nach Hause kam, gab ich meinem Bruder von meinen Wahrnehmungen Kenntnis. Mein Bruder war über meine Mitteilung nicht überrascht, hat sie als interessante Neuigkeit hingenommen und sogleich die Frage an mich gerichtet, ob die Aufschrift schon weggemacht sei oder nicht und wie diese Aufschrift von den Studenten aufgenommen worden sei. Ich erzählte meinem Bruder, dass zahlreiche Putzfrauen damit beschäftigt seien die Aufschrift abzuwaschen, was aber einige Schwierigkeiten verursachte. Bezüglich der Studenten sagte ich einige hätten die Aufschrift als eine "Schweinerei" bezeichnet, während andere darüber gelacht hätten.

Am Abend vor diesem Vorfall hat mein Bruder bereits beim Abendessen etwa um 7 Uhr (19 Uhr) gesagt, er müsse noch zur Frauenklinik zu einer Entbindung. Nach dem Abendessen begaben sich mein Bruder, meine Schwester Elisabeth, die sich damals vorübergehend bei uns aufhielt und ich zum Bayerischen Hof, wo wir einem Konzert beiwohnten. Nach dem Konzert begleitete uns unser Bruder nach Hause und ging nach ½ Stunde, etwa 11 (23 Uhr) in seiner alltäglichen Kleidung von zu Hause weg. Ob er eine Aktenmappe oder ein anderes Beförderungsmittel mitgenommen hat, weiss ich nicht. Auch kann ich nicht angeben, wann mein Bruder in jener Nacht (3./4.2.43) nach Hause kam. Ich habe ihn erst wieder gesehen, als ich am nächsten Vormittag aus dem Bett aufstand. Ob wir am Vortage Herrenbesuch hatten, weiß ich nicht mehr genau, glaube dies aber nicht.

Frage: In ihrer Wohnung wurde ein Notizbuch (Notenheft) gefunden, in welchem eine grössere Anzahl von Adressen und anderer Aufzeichnungen befinden. Was haben Sie dazu anzugeben?

Antwort: Die Zeichen und Zahlen auf der ersten Seite dieses Notizbuches enthalten Ausgaben (geldlicher Art) die ich für persönliche Dinge und die Beschaffung von Papier, Briefumschläge, Briefmarken etc. zur Herstellung der Flugblätter und deren Versand aufgewendet habe. Die nunmehr rot unterstrichenen Zeichen und Zahlen beziehen sich auf Ausgaben für Zwecke der Propaganda. Die Gesamtsumme beläuft sich auf RM 385,--, soweit es meine Aufstellung betrifft, bezw. soweit überhaupt von mir etwas aufgeschrieben wurde. Hier möchte ich erwähnen, dass in dem soeben festgestellten Betrag nur ein Teil unserer Gesamtausgaben für Zwecke der politischen Propaganda enthalten sind. Unsere Gesamtausgaben dürften sich nach meiner Schätzung auf etwa RM 800,-- bis 1000,-- belaufen, einschliesslich der Bahnfahrten.

Dieses Notizbuch enthält ferner 272 Adressen von Personen in Augsburg und 14 Adressen von Personen in München. Diese Adressen habe ich selbst aus Adressbüchern (Jahrgang ist mir nicht bekannt) die im Deutschen Museum ausliegen, herausgeschrieben. Die Adressaten von Augsburg erhielten bis auf etwa 12 Propagandabriefe der sogenannten "Widerstandsbewegung in Deutschland". Nur Personen, deren Anschrift ich beim Schreiben der Adresse nicht mehr gut lesen konnte, habe ich ausgelassen, dies waren ungefähr 12. Die Münchner Adressaten, die in diesem Buch verzeichnet sind, erhielten überhaupt keine Briefe.

Frage: In Ihrer Wohnung wurde auch ein Verzeichnis der Studenten der Universität München für das Winterseminar 1941/42 vorgefunden. Wie kamen Sie zu diesem Verzeichnis und in welcher Weise haben Sie davon Gebrauch gemacht?

Antwort: Dieses Verzeichnis hat mein Bruder am letzten Sonntag (14.2.43) bei Vorbereitung von Propagandabriefen mit der Überschrift "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" oder "Deutsche Studenten! Deutsche Studentin!" beigebracht. Ob mein Bruder dieses Verzeichnis schon früher im Besitz hatte, weiss ich nicht. Jedenfalls haben wir aus diesem Verzeichnis und zwar wahllos etwa 1500 Adressen von Studenten herausgeschrieben, die auf dem Postwege mit den erwähnten Propagandaschriften versorgt wurden.

Frage: U.a. wurden auch Angehörige von Studentenkompanien mit Propagandabriefen ihrer Art versorgt. Woher hatten Sie diese Adressen und wer hat sie geschrieben?

Antwort: Mir ist nur bekannt, dass verschiedene Angehörige der in der Bergmannschule untergebrachten Studentenkompanie Propagandabriefe von uns erhielten. Die Adressen hat mein Bruder, der dieser Kompanie angehört, geschrieben. Wieviel Briefe an Angehörige der Studentenkompanie hinausgingen, weiss ich nicht. Auch vermag ich nicht anzugeben, ob auch Angehörige anderer Studentenkompanien mit solchen Briefen bedacht wurden. An die Front wurden meines Wissens, ich kann das sogar bestimmt sagen, keine Briefe mit Flugblättern geschickt.


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