Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.
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20.4.2005 | Von:
Kirsten Schulz

Auszüge aus den Verhörprotokollen von Hans Scholl

Februar 1943

Die Gestapo verhörte Hans Scholl nach seiner Verhaftung. Erst leugnete er, mit den Flugblättern etwas zu tun zu haben, doch dann legte er ein Geständnis ab.

Einleitung

Hans Scholl, Frankreichfeldzug 1940.Hans Scholl, Frankreichfeldzug 1940. (© Weiße Rose Stiftung e.V.)
Hans Scholl wurde am 18. Februar 1943 gemeinsam mit seiner Schwester Sophie in der Universität festgenommen und anschließend in der Münchner Staatspolizeileitstelle von dem Kriminalbeamten Anton Mahler vernommen. Zunächst ging es um Fragen zu seiner Person: Lebenslauf, Familie, politische Einstellung, Kriegsdienst, finanzielle Situation sowie Angaben zu Freunden und Bekannten. Auf die Frage, wie er zum Staat stehe, antwortete er, dass er Soldat sei, sich als solcher fühle und auch seine Pflicht erfülle.

Hans Scholl erklärte, er sei am Vormittag in die Universität gegangen, um seine Freundin Gisela Schertling nach ihrer Vorlesung zu treffen. Alexander Schmorell bezeichnete er als "einzigen" Freund, auf Nachfrage Willi Graf als Bekannten, den er aber nur selten sehe. Scholl leugnete, die Flugblätter hergestellt und verteilt zu haben. Der leere Koffer gehöre seiner Schwester. Sie hätte an diesem Tag nach Ulm reisen wollen und den Koffer vermutlich für saubere Wäsche und Nahrungsmittel mitgenommen. Scholls eigene Aktenmappe sei leer gewesen, weil er vorgehabt hätte, Tonpfeifen zu kaufen.

Die Flugblätter habe er durch Zufall in der Universität gesehen. Er habe eines aufgehoben, eingesteckt, aber nicht gelesen. Er habe nicht gesehen, dass seine Schwester Flugblätter vom zweiten Stock hinuntergestoßen habe, sondern lediglich den Aufprall gehört. "Wenn sie es tatsächlich getan hat, so kann ich es durchaus verstehen, denn derartige Scherze liegen in ihrer Natur." Er habe das Flugblatt erst nach seiner Festnahme gelesen und denke zu dessen Inhalt, "wie ich als Soldat zu denken habe". Nach seiner Festnahme habe er Gisela Schertling in der Menge erkannt und ihr zugerufen, sie möge nach Hause gehen und Alex sagen, er solle nicht auf ihn warten, da er vermutete, dass sein Freund ihn besuchen werde.

Den zerrissenen Brief – ein Manuskript von Christoph Probst – den man bei ihm gefunden hatte, habe er morgens unfrankiert und ohne Absender im Briefkasten gefunden. Er habe ihn überflogen und dann zerrissen. Eine stilistische Ähnlichkeit zwischen diesem Brief und dem Flugblatt "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" könne er nicht erkennen. Hans Scholl sagte aus, er habe in letzter Zeit weder große Mengen Briefmarken noch Umschläge und Briefpapier gekauft. Auch einen Vervielfältigungsapparat besitze er nicht und er würde nur selten eine Schreibmaschine benutzen. Auf den Hinweis, dass seine Schwester dazu andere Angaben gemacht habe, sagte Hans Scholl: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Schwester Aussagen macht, die nicht den Tatsachen entsprechen."

Nach einer Hausdurchsuchung war die Beweislage jedoch so erdrückend, dass Hans Scholl ein Geständnis ablegte.

Auszüge aus den Verhörprotokollen, Teil I

(...)
Nachdem nun mir die in meinem Schreibtisch vorgefundenen Briefe usw. vorgelegt wurden, unter denen sich ein Briefumschlag mit 140 8 Pfg. Briefmarken befanden und ich wiederholt und eingehend zur Wahrheitsangabe ermahnt wurde, bin ich nun bereit, die volle Wahrheit zu sagen. Meine bisherigen Angaben stimmen nur teilweise und ich will nun eine zusammenhängende Darstellung meiner Tätigkeit geben. Im einzelnen möchte ich folgendes angeben:

"Ich erkläre ausdrücklich, dass Frl. Gisela Schärtling mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Nachdem ich geglaubt hatte, dass die militärische Lage nach der Niederlage an der Ostfront und dem ungeheuren Anwachsen der militärischen Macht Englands und Amerikas eine siegreiche Beendigung des Krieges unsererseits unmöglich sei, gelangte ich nach vielen qualvollen Überlegungen zu der Ansicht, dass es nur noch ein Mittel zur Erhaltung der europäischen Idee gebe, nämlich die Verkürzung des Krieges. Andererseits war mir die Behandlung der von uns besetzten Gebiete und Völker ein Greuel. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass nach diesen Methoden der Herrschaft eine friedliche Aufbauarbeit in Europa möglich sein wird. Aus solchen Erwägungen heraus, wuchs in mir die Skepsis gegen diesen Staat und weil ich bestrebt sein wollte, als Staatsbürger dem Schicksal meines Staates nicht gleichgültig gegenüber zu stehen, entschloss ich mich, nicht nur in Gedanken, sondern auch in der Tat meine Gesinnung zu zeigen. So kam ich auf die Idee Flugblätter zu verfassen und zu verfertigen.

Das erste Flugblatt war das mit der Überschrift "Aufruf an alle Deutsche!" das zweite war das mit dem Aufruf an die Studenten. Der Text stammt von mir. Den Text verfaßte ich allein zuhause in meinem Zimmer. Den Entwurf habe ich mit der Hand geschrieben und anschließend vernichtet. Ich hatte zunächst mir eine Schreibmaschine geliehen, die mir Alexander Schmorell beschaffte. Von wem Schmorell diese Maschine hatte, weiß ich nicht. Es war eine Remington-Reiseschreibmaschine mit versenkbarem Typenkorb. Die Matrizen habe ich im Schreibwarengeschäft Kauth und Bullinger, Dienerstraße, gekauft. Es war ein voller Karton mit glaublich 10 Stück. Bei der Fa. Beyerle, Sendlingerstraße habe ich mir einen Vervielfältigungsapparat. Marke unbekannt, für 240,-- RM gekauft. Dieser Apparat befindet sich jetzt im Keller meines Freundes Eickemayr Manfred in München, Leopoldstr. 38/Ateliergebäude.

Letzterer befindet sich seit Weihnachten 1942 in Krakau als Architekt bei der Gouvernementsregierung. Der jetzige Wohnungsinhaber ist der Maler Wilhelm Geyer, aus Ulm, welcher z.Zt. hier bei der Fa. Mayer Glasfenster malt. Geyer weiß von der ganzen Sache absolut nichts. Er fährt jeden Sonntag bis Dienstag nach Hause und überläßt mir für diese Zeit seine Wohnungs- und Kellerschlüssel. Den Vervielfältigungsapparat habe ich vor etwa 5 Tagen in diesen Keller gebracht. Der Apparat ist dort leicht zu finden. Die Vervielfältigung habe ich in meiner Wohnung allein gemacht. Alles, was zur Vervielfältigung dient, habe ich selbst besorgt, auch das Saugpapier, nur die Briefumschläge habe ich mir durch andere Personen besorgen lassen. Meine Schwester Sophie, dann die Gisela, Alex Schmorell und Willi Graf haben mir die Briefumschläge besorgt.

Alle zur Vervielfältigung nötigen Dinge hatte ich solange in der Wohnung, als ich sie benötigte. Ich hatte Sie nicht in andere Wohnungen verteilt. Das Saugpapier hatte ich in verschiedenen Geschäften eingekauft, und zwar in kleineren Mengen. Ich bekam sie ohne weiteres, vielleicht weil ich meist in Uniform gegangen bin. Zum Beispiel bei Kaut und Bullinger bekam ich auf einmal 2000 Stück Saugpapier, bei Baierle bekam ich etwa 3000, am Odeonsplatz, gegenüber dem Heller, bekam ich etwa 1000 Stück. Von dem Flugblatt "Aufruf an alle Deutschen" habe ich etwa 5000 Stück hergestellt; von dem "Kommilitonen" 2000 Stück. In einer mir augenblicklich nicht genau erinnerlichen Nacht Ende Januar 1943 habe ich im Stadtkern von München etwa 5000 Flugblätter "Aufruf an alle Deutschen" verteilt. Auch hierbei hat mir niemand geholfen. Ich habe diese Flugblätter in dem heute von mir mitgeführten Koffer und in meiner Aktenmappe verwahrt. Mit dem Auslegen der Flugblätter begann ich in Schwabing, die Straße kann ich nicht angeben, und zwar kurz nach 23 Uhr.

Ich bin auf Umwegen über die Schelling- und Theresienstraße in Richtung Maximiliansplatz und dann weiter Ritter-von-Epp-Platz, Kaufingerstraße, Stachus, Bahnhof, dann Kaufingerstraße wieder zurück, Marienplatz, die Gegend zum Sendlingertorplatz, die vom Sendlingertorplatz ausgehenden Seitenstrassen, runter zur Kanalstraße und allmählich wieder über Ludwigsstraße, Kaulbachstraße zurück nach Schwabing. Meine Schwester hat von dieser nächtlichen Zettelverteilung kein Wissen gehabt, weil ich vormachte, in der Frauenklinik Nachdienst verrichten zu müssen. Ich habe bei dieser Zettelherstellung und Verteilung vollständig allein gehandelt in der Annahme, dass ich so am sichersten sei.

Als etwa um den 10 Februar herum unsere Rückschläge im Osten bekannt wurden und sich infolgedessen die Stimmung innerhalb der Studentenschaft sehr verschlechterte, kam ich auf den Gedanken, dieser Situation gerecht zu werden und ein neues Flugblatt herauszugeben. Ich machte einen Entwurf mit der Überschrift "Studentinnen! Studenten!" und zog davon etwas 200 Stück ab. Dieses habe ich mit dem gleichen Vervielfältigungsapparat in meiner Wohnung getan. Ich konnte das ohne Wissen meiner Schwester erledigen, weil diese in dieser Woche verreist war.

Als ich von diesem ersten Flugblatt "Studentinnen! Studenten!" etwa 200 Stück abgezogen hatte, ist mir die Matrize abgerissen. Ich habe mich, um an der weiteren Herstellung von Flugblättern nicht behindert zu sein, entschlossen, den ganzen Text noch mal zu schreiben mit der Abweichung, dass ich als Überschrift "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" gewählt habe. Von diesem neuen Text habe ich etwa 2000 vervielfältigt. Als ich mit dieser Arbeit fertig war, habe ich etwa 800 Flugblätter (in weiße und andere Farben) in Briefumschläge gesteckt und diese an Hand eines Studentenverzeichnisses des Wintersemesters 1941/42 adressiert. Ich ging dann zum Postamt München 23, an der Leopoldstraße und kaufte dort auf einmal 1200 8 Pfg. Marken, die mir ein Postbeamter, der das Parteiabzeichen und einen Schnurrbart getragen hat, verabfolgt hat.

Mit diesen Marken habe ich die mir Adressen versehenen Flugblätter beklebt und zur Post getragen. Aufgegeben habe ich diese Briefe beim Postamt an der Veterinärstraße, an der Hauptpost, am Postamt in der Kaufingerstraße und beim Telegrafenamt am Hauptbahnhof. Geteilt habe ich die Postsendungen deshalb aufgegeben, weil ich damit an einem einzigen Postamt einerseits nicht auffallen und verhindern wollte, dass diese etwa nicht befördert werden sollten. Ich bleibe unter allen Umständen darauf bestehen, dass mir auch bei der Herstellung und Versendung dieser Flugblätter niemand behilflich war. Ich bin auch in diesem Falle von dem Gedanken ausgegangen, dass es am sichersten sei, wenn dritte Personen nicht ins Vertrauen gezogen würden. Die beiden Matrizen habe ich, nachdem ich mit dem Abziehen fertig war, verbrannt.

Nachdem ich mit der Versendung fertig war und mich davon überzeugen konnte, dass ich mit meinem Vorhaben keinen Erfolg hatte (ich habe mir selbst geschrieben und würde zumindest von Schmorell und Graf verständigt worden sein) kam ich auf den Gedanken, die noch übrigen Flugblätter selbst innerhalb der Studentenschaft bezw. Universität zu verteilen. Als meine Schwester am Sonntag, den 14.2.43 nach München zurückkam, habe ich ihr die von mir hergestellten Flugblätter gezeigt und festgestellt, dass sie mit dem Inhalt einverstanden war. Ich lies die noch übrigen Flugblätter bis zum Donnerstag den 18.2.1943 in meinem Schreibtisch liegen. An diesem Tage habe ich in den Morgenstunden die Verteilung der Flugblätter in der Universität besprochen, habe die Blätter in einen Koffer und die Aktenmappe verpackt und sind damit um ½ 11 Uhr gemeinschaftlich zur Universität gegangen. Dort angekommen wollte ich zunächst meine Schwester unten am Eingang warten lassen. Schließlich habe ich es aber doch für zweckmäßig gehalten mit meiner Schwester gemeinsam in der Universitätsgebäude hineinzugehen und dort die Verteilung der mitgebrachten Flugblätter vorzunehmen.

Wir gingen rechts den Gang entlang, die Treppe hoch und haben dann vor dem Hörsaal 201 80-100 Stück zerstreut abgelegt. Wir gingen dann den Gang herum. Unterwegs habe ich mich nach vorheriger Vergewisserung, ob ich nicht beobachtet werden, jeweils eine ähnliche Menge zerstreut abgelegt. Nachher gingen wir in Richtung Ausgang zur Amalienstraße, wo ich auf der Treppe, kurz vor der Ausgangstüre, einen grösseren Posten Flugblätter abgelegt habe. Ich kehrte mit meiner Schwester an dieser Stelle um und gingen wieder zum 1. Stock, wo ich ebenfalls stossweise Flugblätter ablegte. Wir gingen von da weg zum 2. Stock (linke Seite) wo ich über die Brüstung weg, den Rest meiner Flugblätter in den Lichthof geschüttet habe. Ich war damit noch kaum fertig, als ich die Beobachtung machte, daß der Hausmeister uns zum zweiten Stock folgen würde.

Tatsächlich war ich mit meiner Schwester nur wenige Meter von der Abwurfstelle entfernt, als dieser Mann auf uns zu kam, uns die Festnahme ankündigte und uns auf den Kopf zusagte, dass wir soeben Flugblätter in den Lichthof geworfen hätten. Der von mir heute morgen nach meiner Festnahme zerrissene Zettel stammt von Christof Probst, wohnhaft in Innsbruck, Studen[ten]kompanie der Luftwaffe. Mit Probst unterhalte ich schon seit einigen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Ich habe ihm eines Tages den Vorschlag gemacht, er solle mir seine Gedanken zu den Tagesereignissen schriftlich formulieren. Es war dies nach Neujahr 1942/43, wo mich Probst in München besucht hat und wir dabei über diese Angelegenheit gesprochen haben, und zwar in meiner Wohnung. Schmorel[l], ich und Probst bilden schon seit Jahren einen Freundeskreis. Schmorel[l] war bei dieser letzten Zusammenkunft nicht dabei. Er weiß von dieser ganzen Sache nichts. Probst stand in politischer Hinsicht unter meinem Einfluß und wäre zweifellos ohne diesen nicht zu diesem Entschluß gekommen.

Ich habe mit diesem Eingeständnis deswegen solange zurückgehalten, weil die Ehefrau des Probst z.Zt. nach der Geburt des dritten Kindes mit Kindbettfieber darniederliegt. Dies hat er mir selbst gesagt, und zwar bei der letzten Zusammenkunft. Ich muß mich nun berichtigen, dass ich Probst den Auftrag mir seine Gedankengänge schriftlich auszuzeichnen, schon früher gegeben habe und daß er den von mir heute zerrissenen Zettel bei der letzten Zusammenkunft (Anfang Januar 1943) übergeben hat. Ich muß dazu ausdrücklich bemerken, dass ich zu Probst nichts davon gesagt habe, dass ich seine schriftliche Aufzeichnungen zur Herstellung von Flugblättern verwenden werde. Darüber habe ich auch mit ihm nicht gesprochen. Demnach nehme ich auch an, daß Probst über die von mir begangene Handlungsweise absolut im Unklaren war. Probst ist ein Jahr jünger wie ich und hat bis zum Jahre 1942 in München Medizin studiert. Er hat hier, Kaiserplatz 2 bei Kaminsky gewohnt.

Ich erkläre noch einmal, dass mir bei der Herstellung und Verbreitung der fraglichen Flugblätter niemand behilflich war. Ich muß auch nach Vorhalt der Angaben meiner Schwester Sophie darauf bestehen bleiben, daß sie lediglich am 18.2.43 gesehen hat, wie ich die Flugblätter in der Universität abgelegt habe. Alle weiteren Personen außer Probst sind nach meiner Meinung unschuldig. Die Briefumschlagbesorger haben den Zweck nicht gewußt.

Ich will abschließend aber auch noch angeben, daß ich meine Flugblätter nicht nur in München, sondern auch in anderen Städten des Reiches verbreitet habe. So bin ich Ende Januar 1943 von München aus mit etwa 1500 Flugblättern "Flugblätter der Widerstandsbewegung Deutschland", die ich vorher im einzelnen adressiert hatte, nach Salzburg gefahren und habe beim Bahnpostamt in Salzburg 100 bis 150 Briefsendungen mit den Flugblättern aufgegeben. Die Adressen habe ich hier im Deutschen Museum aus den auswärtigen Adressbüchern herausgeschrieben. Ich bin dabei wahllos vorgegangen. Was ich hinsichtlich dieser Reise nach Salzburg angegeben habe, entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe diese unwahren Angaben gemacht, um den mit mir befreundeten Schmorell und meine Schwester Sophie Scholl zu decken.

Nachdem mir nun aber vorgehalten wurde, dass diese Personen an der Verbreitung meiner Flugblätter beteiligt waren, will ich wahrheitsgetreue Angaben machen. Die Adressen hat außer mir auch noch Schmorell geschrieben. Beim Herausschreiben der Auswärtigen Adressen im Deutschen Museum waren mir Schmorell und meine Schwester behilflich. Schmorell ist Ende Januar 1943 in meinem Auftrage mit etwa 1500 Flugblättern der "Widerstandsbewegung in Deutschland" nach Salzburg, Linz und Wien gefahren und hat in diesen 3 Städten jeweils in der Nähe des Bahnhofes die Briefsendungen aufgegeben. In Linz wurden etwa 100 Personen, in Salzburg 100 bis 150 Personen und in Wien etwa 1000 Personen angeschrieben. Die restlichen etwa 250 Briefe hatten wir schon in München für Frankfurt/Main vorbereitet, die Schmorell in Wien zur Post gegeben hat. Die Fahrtkosten nach Wien haben wir gemeinschaftlich bestritten, ebenso die übrigen Auslagen für Porto, Papier, Abziehapparat usw.

Ich stelle auf Befragen ausdrücklich fest, daß andere Personen an der Finanzierung nicht beteiligt waren. Als Schmorell glaublich schon wieder von Wien zurück war, ist meine Schwester Sophie Scholl in meinem Auftrag mit etwa 1000 Flugblättern, die wir ebenfalls schon in München adressiert und frankiert hatten, nach Augsburg und Stuttgart gefahren. Für Augsburg waren etwa 200 Briefe und für Stuttgart etwa 800 Briefe vorbereitet, die meine Schwester in diesen Städten zur Post gegeben hat.

Als ich mich zur Herstellung und Verbreitung von Flugblättern entschlossen habe, war ich mir darüber im Klaren, daß eine solche Handlungsweise gegen den heutigen Staat gerichtet ist. Ich war der Überzeugung, daß ich aus innerem Antrieb handeln mußte und war der Meinung, dass diese innere Verpflichtung höher stand, als der Treueid, den ich als Soldat geleistet habe. Was ich damit auf mich nahm, wußte ich, ich habe auch damit gerechnet, dadurch mein Leben zu verlieren."

II A / So / Schm.
München, den 20. Febr. 1943

Auszüge aus den Verhörprotokollen, Teil II

Aus der Haft vorgeführt, machte Hans Scholl nach Ermahnung zur Wahrheitsangabe, folgende Angaben:

"Wenn ich heute darüber befragt werde, inwieweit die angeführten Personen, darunter meine Schwester Sophie Scholl, Gisela Schertling, Alexander Schmorell und Willy Graf, an der von mir begangenen Straftat beteiligt waren, so gebe ich folgendes an: Mein Schwester hat mir zwar Briefumschläge und Briefpapier besorgt, wußte aber nicht was ich damit vorgehabt habe. Das zu den Flugblättern verwendete Saugpapier habe ich in verschiedenen Geschäften gekauft. Das von meiner Schwester besorgte Papier war dazu gar nicht geeignet.

Ebenso verhält sich die Sache bei Gisela Schertling, dir mir im Februar 1943 etwa 10 Briefumschläge besorgt hat. Ich habe der Schertling kein Wort davon gesagt, daß ich diese Briefumschläge zur Versendung von staatsfeindlichen Flugblättern verwenden werden. Die Gründe, warum ich mich in dieser Beziehung ausgeschwiegen habe, habe ich bei meiner ersten Vernehmung schon angegeben. Ich bestreite nicht, zur Schertling gesagt zu haben, sie solle mir Briefumschläge besorgen. Den Zweck habe ich dabei nicht genannt. Auf diese Weise konnte und mußte sie annehmen, daß ich diese Briefumschläge zu privaten Zwecken verwenden werde.

Da ich die Schertling erst einige Wochen näher gekannt habe, konnte ich sie ja gar nicht in meine Pläne einweihen. Die Schertling ist vollkommen unschuldig. Über die Mitbeteiligung des Willy Graf kann ich ebenfalls nur angeben, dass er an meiner Straftat nicht beteiligt ist. Ich habe ihn zwar Ende Dezember 1942 oder im Januar 1943 darum angegangen, er möchte mir Briefumschläge und Papier besorgen, doch habe ich ihm gegenüber nichts von meinen Absichten erwähnt, weil ich, wie schon gesagt, allein arbeiten wollte, um nicht gefährdet zu werden.

Graf hat mir im Januar 1943 auch etwa 50 Briefumschläge besorgt, um die ich ihn angegangen habe. Ob er mir auch Briefpapier übergeben hat, weiß ich nicht mehr genau. Wenn ich erfahre, dass gegenwärtig fast immer nur Briefumschläge und ebenso viel Briefpapier in den Geschäften abgegeben werden, so wird wohl auch Graf neben den Briefumschlägen Briefpapier mitgekauft haben. Ich habe ihm alles bezahlt. Graf ist vollkommen unschuldig, denn ich habe ihm von meinem Tun und Treiben nichts gesagt, weil ich allein mit mir fertig werden wollte.

Ebenso verhält sich die Sache auch mit der Anneliese Graf, die in letzter Zeit einige Male mir ihrem Bruder in meine Wohnung gekommen ist. Ich kann mich, was diese beiden Personen anbelangt, sehr kurz fassen, wenn ich die Erklärung abgebe, dass beide unschuldig sind. Anders verhält sich die Sache mit Alexander Schmorell. Dieser ist schon seit vielen Jahren sozusagen mein Freund. Trotzdem habe ich ihm aber erst Ende Januar 1943 in meinen Plan eingeweiht. Zunächst habe ich ihn nur um Geld angegangen, ohne ihm zu sagen, zu welchem Zweck ich solches nötig habe. Schmorell hat mir Ende Januar und in der ersten Hälfte des Februar 1943 auf 3mal insgesamt etwa 500 RM. Übergeben. Eine Quittung habe ich dafür nicht geleistet. Ich habe es aber auch gemieden, Schmorell bei der Anfertigung meiner Flugblätter mithelfen zu lassen.

Ende Januar 1943 habe ich dann zu Schmorell gesagt, dass ich Flugblätter gedruckt habe und ich diese in mehreren Städten innerhalb des Reiches versenden möchte. Immerhin habe ich dem Schmorell dann auch nur den Inhalt meines Flugblattes angedeutet, d.h. ich habe es ihn nicht lesen lassen. Auf sein Begehren, ihn ein solches Flugblatt lesen zu lassen, habe ich ihm gesagt, dass ich die Sache gerne für mich behalten möchte. Damit gab es sich auch zufrieden. Wir gingen schließlich gemeinschaftlich in das Deutsche Museum und schreiben dort Adressen von auswärtigen Städten wie Salzburg, Linz/D., Wien, Frankfurt/M., Augsburg und Stuttgart heraus. Diese Adressen haben wir dann auf Briefumschläge geschrieben. Das geschah alles in meiner Wohnung, wo wir 2 allein waren. Als wir mit dieser Arbeit fertig waren(1500-2000 Exemplare), ist Schmorell auf seine eigenen Kosten über Salzburg nach Wien gefahren, um unterwegs und auch in Wien die versandbereiten Flugblätter der Post zu übergeben. Schmorell verpackte diese Briefsendungen in seinem Koffer.

Glaublich einen Tag später ist dann meine Schwester Sophie Scholl mit etwa 2000 versandbereiten Flugblättern über Augsburg nach Stuttgart gefahren, um dort die Flugblätter der Post zu übergeben."

In einer weiteren Vernehmung am 20. Februar 1943 beschrieb Hans Scholl seine Beziehung zu Prof. Karl Muth, dessen Bibliothek er eine Zeit lang sortiert hatte. Politik war demnach nie ein Thema, das gemeinsame Interesse sei vielmehr "literarischer Art" gewesen. Außerdem berichtete er über Treffen mit Prof. Kurt Huber, bei denen sie unter anderem Fragen zu seiner Leibnitz-Vorlesung besprochen hätten. Scholl charakterisierte Huber als "grosse(n) Nationalist(en)", der "stark antisemitisch" eingestellt sei und den Bolschewismus als "Zerstörer der europäischen Kultur" betrachte. Scholl gehe davon aus, dass Huber von seiner Widerstandsarbeit nichts wisse. Im folgenden beschrieb Scholl, wie er gemeinsam mit Alexander Schmorell im Februar 1943 nachts Freiheitsparolen an Häuserwände schrieb. Ferner machte er weitere Angaben zur Herstellung der Flugblätter.

(...) Nach meiner ersten Flugblattaktion, die in der Nacht vom 28./29.1.1943 in München durch mich und Schmorell durchgeführt wurde, konnte ich keine besondere Wirkung dieser Flugblätter feststellen. Ich habe von keiner Seite zu dieser Aktion einen Widerhall gefunden. Ich habe mir damals noch Gedanken gemacht, darüber welche Möglichkeiten der Propaganda mir noch gegeben sind. So kam ich auf die Idee, Anschriften an Hauswänden anzubringen. In den ersten Februartagen 1943 sagte ich zu Schmorell, dass wir nun durch Anbringen von Anschriften Propaganda machen würden. Ich gab ihm den Auftrag eine Schablone anzufertigen, die den Text "Nieder mit Hitler" trägt und gleichzeitig ein durchgestrichenes Hakenkreuz zeigt. Die Schablone wurde durch Schmorell in seiner Wohnung angefertigt. Ich selbst war nicht dabei.

Dies weiss ich deswegen, weil er es mir gesagt hat. Ebenso hat Schmorell Farbe und Pinsel besorgt. Ich weiss nicht, in welchen Geschäften er diese Sachen gekauft hat. Danach habe ich ihn nicht gefragt. Wenn nun die Ansicht besteht, dass die fragliche Schablone durch einen Fachmann angefertigt worden ist, so ist dies nicht richtig. Schmorell hat sehr gute handwerkliche Fähigkeiten und er hat diese Schablone bestimmt selbst angefertigt. Vorläufig hatten wir nicht die Absicht noch andere Schablonen mit ähnlichen Texten anzufertigen. Entsprechend einer Vereinbarung trafen sich Schmorell und ich am Abend des 3.2.1943 in meiner Wohnung. Dabei hat Schmorell die Schablone, Farbe und Pinsel mitgebracht.

Kurz nach Mitternacht verliessen wir mit diesen Dingen meine Wohnung in der Absicht an jeder geeigneten Stelle einen Abdruck unserer Schablone anzubringen. In dieser Nacht benützten wir schwarze Teerfarbe. Welchen Weg wir gegangen sind, weiss ich nicht mehr. Wir hatten keinen festen Plan an welchen Häusern bezw. welchen Stellen wir die Schrift anbringen wollten. Wir haben nur den Verputz jeweils abgetastet, ob er zur Anbringung einer Schrift geeignet ist. Es war ursprünglich nicht einmal geplant, an der Universität eine Hetzschrift anzubringen. Auf diesen Gedanken sind erst auf dem Rückweg gekommen und zwar zu einem Zeitpunkt, als unsere Aktion als abgeschlossen betrachtet wurde. Dort haben wir dann allerdings zahlreiche Anschriften angebracht. An allen mir eben genannten Gebäuden haben Schmorell und ich die Anschriften angebracht, doch ist es nicht richtig, dass wir auch am Braunen Haus die Schmiererei anbrachten.

Es handelt sich hierbei um ein Haus der Reichsleitung, die Straße weiß ich nicht, jedenfalls sind wir von der Kaufingerstraße nach links abgebogen. Ich entsinne mich genau, dass wir die Anschrift auf einem Schild anbrachten, auf dem wir "Reichsleitung" gelesen hatten. Wie oft wir diese Anschrift insgesamt angebracht haben, weiss ich nicht mehr. Am nächsten Tage konnte ich feststellen, dass die Schrift an einem Absperrbalken Ecke Ludwig- von der Tannstraße noch vorhanden war. Auch in der Ludwigstrasse habe ich gesehen, dass verschiedene Anschriften überklebt worden waren. Zu dem Anbringen der Schriften haben wir von 0.30-3.30 Uhr gebraucht. In dieser Nacht ist der Mond um 3.30 Uhr aufgegangen, anfangs hat es etwas geregnet und ich kann nicht sagen, dass es in dieser Nacht besonders hell war. Schmorell hat nach der Aktion in meiner Wohnung geschlafen. Meine Schwester Sofie Scholl hatte bestimmt keine Kenntnis von dieser Aktion. Sie war bereits im Bett als wir die Wohnung verliessen. Ich hatte ihr gesagt, dass ich zur Geburtenhilfe in die Frauenklinik an der Maistrasse gehen werde.

Während der Aktion trugen Schmorell und ich Zivilkleidung. Ich möchte ausdrücklich erklären, dass meine Schwester auch die Schablone, die Farben und die Pinsel nicht gesehen hat, da Schmorell diese Sachen verpackt mitgebracht hat. In dieser Nacht habe ich auch rechts und links des Einganges zur Universität mit der gleichen schwarzen Teerfarbe, aber ohne Verwendung einer Schablone mit ziemlich großen Buchstaben viermal das Wort "Freiheit" angebracht. Schmorell ist dabei neben mir gestanden und hat dabei nicht geholfen. Während Schmorell und ich die Anschriften angebracht haben, hat niemand Schmiere gestanden, weil ich dies für völlig überflüssig gehalten habe. Vorweg nehmen möchte ich gleich, dass ich nur mit schwarzer Teerfarbe, mit grüner Lackfarbe gearbeitet habe. Mit weißer Kreide oder sonstigen Farbstiften haben wir nicht gearbeitet. Auch haben wir nur die Texte "Freiheit" und "Nieder mit Hitler" verwendet. Falls andere Schmierereien in letzter Zeit in München angebracht wurden, stammten sie nicht von Schmorell und mir. Ich würde dies heute ohne weiteres zugeben.

Am 8.2.1943 verließ ich mit Schmorell um 23.30 Uhr meine Wohnung. Wir hatten vor, an der Universität neuerlich eine Anschrift anzubringen. Wir haben dann unter Verwendung von grüner Lackfarbe an der Universität mehrere Abdrücke gemacht, und zwar von der bereits bekannten Schablone. Ausserdem habe ich das Wort "Freiheit" fünfmal an der Wand und auf der Freitreppe angebracht. Auch hier habe ich keine Schablone verwendet. Schmorell hat mir dabei zugesehen. An anderen Stellen haben wir in dieser Nacht keinerlei Anschriften angebracht. Auch von dieser Aktion hatte meine Schwester Sophie Scholl keine Kenntnis, da wir sie mit dieser Sache nicht vertraut gemacht haben. Ich wollte sie mir dieser Sache nicht belasten. Bei dem mir eben vorgezeigten Papier mit dem Aufdruck "Nieder mit Hitler" usw. handelt es sich um einen Probedruck, den ich angefertigt und in der Nacht vom 3./4.2.1943 in der Ludwigstraße angefertigt habe.

Die in der Nacht vom 3./4.2.1943 am Haus der Dresdner Bank mit roter Schrift angebrachten Worte "Nieder mit Hitler" stammen nicht von Schmorell und mir. Die am 8.2.1943 entdeckte Aufschrift "Nieder mit Hitler" am Anwesen Herzog-Spital-Str. 15 wurde wohl von Schmorell und mir angebracht, doch bestimmt aber schon in der Nacht vom 3./4.2.1943. Ich kann mich genau entsinnen, dass wir in dieser Nacht in der Herzog-Spital-Str. waren, nicht aber in der Nacht vom 7./8.2.1943. In der Nacht vom 7./8.2.1943 war es sehr mondhell, sodass uns der am gegenüberliegenden Gebäude befindliche Posten, falls dort nacht überhaupt einer steht, hätte beobachten können.

In der Nacht vom 15./16.2.1943 haben wir auf dem Rückweg am Telegrafenamt, wo wir den letzten Rest unserer Flugblätter in den Briefschalter geworfen hatten, einige Anschriften mittels Schablone "Nieder mit Hitler" angebracht. Wir verwendeten schwarze Teerfarbe. Es handelt sich hierbei um die gleiche Farbe, wie wir sie bei der ersten Aktion verwendeten. Die Aufdrucke haben wir in den [von] mir eben genannten Strassen bezw. Häusern (siehe Vermerk vom 16.2.1943) angebracht. Bei der Firma Hugendubel haben wir an der Wand zwischen zwei Schaufenstern ohne Schablone die beiden Anschriften angebracht "Nieder mit Hitler" und "Massenmörder Hitler". Schmorell hat die erste und ich die zweite Anschrift angebracht. Auch in dieser Nacht war es sehr hell. Posten hatten wir auch hierbei nicht aufgestellt. Auch in diesem Falle war meine Schwester zuhause und sie wusste nur, dass wir beide die Flugschriften zur Post brachten.

Bei dem Anbringen der Aufschriften und beim Verteilen der Flugschriften haben Schmorell und ich nie eine Schusswaffe oder eine sonstige Verteidigungswaffe bei uns geführt. Wir hatten vereinbart, dass wir sofort davonlaufen würden, falls wir durch die Polizei oder eine andere Person angehalten werden sollten. Wir waren der Ansicht, dass dies jedenfalls besser sei als eine Knallerei zu veranstalten.

Vermutlich am 24.1.1943, eventl. auch ein oder zwei Tage vorher habe ich beim Postamt 23, 2000 8 Pfg. und auf dem Hauptpostamt 2000 8 Pfg. und 300 12 Pfg. Briefmarken gekauft. Diese Briefmarken waren für die nach Salzburg, Linz, Wien, Augsburg, Stuttgart und Frankfurt/Main zu versendenden Flugblätter bestimmt. Die Flugblätter nach Frankfurt/Main haben wir deswegen nicht in München zur Post gegeben, um die Polizei dadurch irre zu führen. Wir hatten uns errechnet, dass eine Frankierung mit 12 Pfg. billiger kommt, als wenn einer von uns mit der Bahn dorthin gefahren wäre, weshalb sie durch Schmorell in Wien zur Post gegeben wurden. Wie bereits angegeben, habe ich am 16.2.1943 beim Postamt 23 an der Leopoldstraße weitere 1200 8 Pfg. Briefmarken gekauft, die zur Frankierung der Schrift "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" verwendet wurden.

Die zum Schreiben der Flugschriften verwendete Remingtonmaschine bekam ich Anfang Januar 1943 von Schmorell, den ich ersucht hatte, mir eine Maschine zur besorgen. Zum Besorgen der Maschine benötigte er höchstens eine Woche. Ich kann mich nicht erinnern, dass er mir gesagt hätte, von wem oder woher er die Maschine habe; und ich habe ihn auch gar nicht danach gefragt. Ich glaube nicht, dass er eine Maschine in Besitz hatte, da er soweit ich mich erinnere, sagte, er glaube er werde mir eine besorgen können.

Von der Flugschrift "Weisse Rose" habe ich zum erstenmal durch den Dichter Dr. Schwarz in Solln erfahren. Dieser hat es anonym durch die Post zugeschickt bekommen und hat es nachdem er es enthalten hatte, bei der Geheimen Staatspolizei abgeliefert. An den Inhalt des Flugblattes kann ich mich im einzelnen nicht mehr erinnern. Es handelt sich jedenfalls um das erste Flugblatt, falls er ein zweites zugestellt erhalten hat. Ich wusste bisher nicht, dass er auch ein zweites bekommen haben soll. Von einem Kollegen Jörgen Wittenstein, z.Zt. Studentenkompanie, Bergmannschule, habe ich von der Verbreitung dieses Flugblatts gehört. So viel ich weiß, hat mein Kollege Hubert Furtwängler, z.Zt. Studentenkompanie Bergmannschule, auch von diesem Blatt gehört. Wenn mir nun vorgehalten wird, dass mir durch die Studentin Traude Lafrans, Steinsdorfstr. 7, in München wohnhaft ein solches Flugblatt in der Universität gezeigt wurde, so mag das wohl richtig sein, doch kann ich mich augenblicklich nicht daran erinnern. Es mag auch sein, dass ich dieses Flugblatt zusammen mit anderen Personen auf einem Gang der Universität gelesen habe; doch weiß ich auch das heute nicht mehr.

Auf dem Vorhalt, dass die Flugblätter "Die weiße Rose" und die Flugblätter der Widerstandbewegung "Aufruf an alle Deutsche" und "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" auf denselben Verfasser schliessen lassen, weil einmal die beiden Flugblätter auf ein und derselben Schreibmaschine geschrieben worden sind, zum anderen, weil die politische Konzeption aller Flugblätter übereinstimmt und sich daraus zwingend der Schluss ergibt, dass der Beschuldigte auch das Flugblatt der "Weißen Rose" verfasst hat, erklärt er sich bereit, zu diesem Punkt ein offenes und umfassende Geständnis abzulegen.

Auszüge aus den Verhörprotokollen, Teil III

Ich bin der Ansicht, dass in Deutschland in der Zeit von 1918-1933 und vor allem 1933 nicht zu sehr die Masse des Deutschen Volkes politisch versagt hat, sondern gerade diejenige Schicht, eines Staates, der ein Volk politisch führen sollte, die Intelligenz. Obgleich sich in Deutschland an Gelehrten- und Spezialistentum auf allen Gebieten des geistigen Lebens zu voller Blüte entwickelte, waren gerade diese Menschen nicht in der Lage, die einfachsten politischen Fragen richtig zu beantworten. Nur aus diesem Grunde ist es erklärlich, dass Massenbewegungen mit ihren einfachen Parolen jede tiefere Gedankenarbeit übertönen konnten. Ich empfand, dass es höchste Zeit war, diesen Teil des Bürgertums auf seine staatspolitische Pflichten aufs Ernsteste hinzuweisen. Hätte die aussenpolitische Entwicklung zunächst noch friedlichere Bahnen verfolgt, so wäre ich sicher nicht vor die Alternative gestellt worden: Soll ich Hochverrat begehen oder nicht? Sondern ich hätte versucht, innerhalb dieses Staates die positiven Kräfte derart zu mobilisieren, dass sie im Laufe der Zeit alles Negative überflügelt hätten und zu einem Staatswesen übergeleitet hätten, welches erstrebenswert geworden wäre.

Den Vervielfältigungsapparat besorgte ich mir kurz vor der Herausgabe des ersten Blattes und zwar bei der Firma Beierle. Es war ein Greif-Vervielfätiger mit Handabzug für 32 RM. Papier und Matrizen habe ich mir – soweit ich mich erinnern kann – bei der Fa. Kaut und Bullinger besorgt. Die Schreibmaschine hat mit Alexander Schmorell verschafft, ohne dass er aber von meinem Vorhaben etwas gewusst hatte. Wo er die Schreibmaschine herhatte, weiss ich nicht. Ich kann zu diesem Punkt auch auf nochmaligen Vorhalt keine anderen Angaben machen. Der Entwurf des Flugblattes – wie auch seine Ausführung und Verschickung – stammt von mir. Ich habe diese Arbeit in meinem damaligen Zimmerchen am Athenerplatz 4 ausgeführt. Ich habe damals allein gewohnt, d.h. meine Schwester studierte noch nicht in München. Ich habe von jedem Flugblatt der "Weißen Rose" etwa 100 Stück hergestellt, in Briefumschläge verschlossen und an ganz bestimmte – aus dem Telefonbuch Münchens – ausgewählte Adressen versandt.

Im ganzen erschienen vier verschiedene, nummerierte (I-IV) Auflagen. Der Gesichtspunkt nach welchem ich die Adressen auswählte, erklärt sich aus dem Motiv meiner Handlung. Ich wollte die intelligentere Schicht aufrufen und wandte mich daher hauptsächlich an Akademiker usw. Auch an einige Münchner Wirte habe ich diese Blätter adressiert. Ich wollte dadurch erreichen, dass sie populär werden, denn ich hoffte, dass die Wirte es an ihre Gäste weitererzählen würden. Das benutzte Telefonbuch habe ich mir zu diesem Zwecke neu besorgt. Ich habe es beim Umzug vernichtet. Ich habe mir die Namen – wie es auch einem der Flugblätter angegeben ist – nicht notiert und daher kommt es auch, dass nicht alle Abonnenten gleichmäßig beliefert wurden, obwohl dies ursprünglich in meiner Absicht gelegen war.

Ich habe bei der Versendung der späteren Ausgabe die Leute nicht mehr so genau im Gedächtnis gehabt. Die Leute, die ich angeschrieben habe, sind mir größtenteils unbekannt. Darunter befinden sich jedoch einige wenige Professoren, die ich von den Vorlesungen her kenne und zwei oder drei persönliche Bekannte. Von den Bekannten fallen mir jetzt nur zwei ein, nämlich der Gastwirt Josef Poschenrieder in Tölz, den ich aber nur als Wirt kenne und der Dichter Hermann Claudius mit dessen Tochter Ursula ich längere Zeit befreundet war. Claudius wollte ich mit diesem Blatt ärgern, weil er nationalsozialistisch gesinnt ist. Mir ist bekannt, daß es vor längerer Zeit in München im Rahmen der Kdf-Veranstaltungen aus eigenen Werken gelesen hat, doch weiß ich nichts davon, daß er vor Studenten ebenfalls aus eigenen Werken lesen sollte. Jedenfalls habe ich ihn dazu nicht aufgefordert.

Über den Gesundheitszustand des Claudius bin ich unterrichtet. Mit dem Dichter Benno v. Mechow, wohnhaft in Brandenburg hatte ich kurz nach dem Frankreichfeldzug einen kurzen Briefwechsel über eine Novelle von ihm, die um diese Zeit in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht wurde. Den Titel kann ich augenblicklich nicht angeben. Eben fällt er mir ein, er lautet: Novelle auf Sizilien. Weiter habe ich in Tölz den Dr. med. vet. Josef Schneider, dort Bahnhofstr. 13 wohnhaft kurz kennen gelernt und sandte ihm ein Flugblatt der Ausgabe I, II und III zu. An das Polizeipräsidium München habe ich keine solchen Flugblätter geschickt. Wenn mir gesagt wird, die Postsendung wäre unter "Einschreiben" gelaufen, so kann ich nur sagen, daß ich es ganz bestimmt nicht gemacht habe. Ich vermute, daß sich ein von mir Angeschriebener auf diese Weise der Schriften entledigt hat.

Auf den Namen Franz Monheim in Aachen bin ich gekommen, weil ich seinen Sohn in einem Lazarett kennen gelernt hatte. Ich habe auch nach Zell bei Ruhpolding einigemale Schriften geschickt. Die Empfänger sind entweder Besitzer von Cafes oder Krämereien, die ich während meiner dortigen Aufenthalte kennen lernte. Durch meine Abberufung nach Rußland am 20.7.1942 wurde ich an der Herausgabe weiterer solcher Schriften gehindert. Ob ich andernfalls weiterhin solche Schriften hergestellt und verbreitet hätte weiß ich nicht mehr, weil ich damals schon im Zweifel war, ob dies der rechte Weg sei.

Den zum Herstellen dieser Schriften benützten Abziehapparat habe ich an die Fa. Bayerle wieder verkauft. Glaublich habe ich dafür 15,-- oder 20.–RM bekommen. Die Schreibmaschine habe ich an Alexander Schmorell zurückgegeben. Auf Befragen betone ich nochmals, daß Schmorell mit der Herstellung und Verbreitung dieser Schriften nichts zu tun hatte und davon auch nichts wußte. Er hat zwar von diesen Flugblättern später erfahren, nicht aber durch mich, sondern von anderen Studenten. Ich habe mich wohlweislich gehütet, anderen Studenten zu sagen, dass ich der Hersteller und Verbreiter dieser Flugblätter bin und ich habe auch anderen Studenten oder Außenstehenden diese Flugblätter nicht gezeigt. Meine Schwestern, übrigens alle Familienangehörigen wußten von dieser meiner Tätigkeit gar nichts.

Mit der mir eben vorgezeigten Schrift "Sieg um jeden Preis" habe ich nichts zu tun. Ich will damit sagen, daß ich von deren Herstellung und Verbreitung nie etwas gehört habe. Ich würde es nun jedenfalls zugeben, wenn ich auch diese Schrift hergestellt und verbreitet hätte. Ebenso verhält es sich mit der mir eben vorgezeigten Schrift "30.1.1933 – 10 Jahre Natinalsozialismus! – 30.1.1943" von deren Existenz ich bisher nichts gewußt habe. Zu den Bayerischen Motoren-Werken in München habe ich keinerlei Beziehungen, war noch nie in diesem Betrieb und kenne von dort keinen Arbeiter oder Angestellten. Ich habe bei irgendeiner Unterhaltung erfahren, daß die Predigten des Bischofs von Münster, Graf von Galen, vervielfältigt und verbreitet worden sind. Ich weiß heute bestimmt nicht mehr, bei welcher Gelegenheit und wann ich davon hörte. Ein Exemplar dieser Schrift ist mir aber nie zu Gesicht gekommen.

Auf Befragen erkläre ich ausdrücklich, daß ich außer den von mir jetzt zugegebenen Schmier- oder Propagandaaktionen weitere nicht ausgeführt habe. Ich habe nie Plakate oder dergleichen mit irgendwelchen Vermerken versehen. Von einer angeblich in München stattgefundenen V-Propaganda habe ich nichts gehört und stehe damit auch in keinerlei Zusammenhang. Zurückkommend auf meine Schrift "Die weiße Rose" möchte ich auf Befragen, warum ich diesem Flugblatt gerade diese Überschrift gegeben habe, folgendes erklären: Der Name "die Weiße Rose" ist willkürlich gewählt. Ich ging von der Voraussetzung aus, daß in einer schlagkräftigen Propaganda gewisse fest Begriffe da sein müssen, die an und für sich nichts besagen, einen guten Klang haben, hinter denen aber ein Programm steht. Es kann sein, dass ich gefühlsmäßig diesen Namen gewählt habe, weil ich damals unmittelbar unter dem Eindruck der spanischen Romanzen von Brentano "Die Rosa Blanca" gestanden habe. Zu der "Weißen Rose" der englischen Geschichte bestehen keine Beziehungen. Daß früher einmal eine Mädchenorganisation unter diesem Namen bestanden hat, wußte ich gar nicht. Die Flugblätter, welche mit Maschine geschrieben und inhaltlich mit der "Weissen Rose" identisch sind, stammen nicht von mir.

Von dem Gedanken, eine schlagkräftige Organisation zu schaffen, bin ich bald wieder abgekommen, weil ein solches Unternehmen nicht zeitgegeben ist. Ich hatte diesen Gedanken im Anfang des Januar 1943 nur ganz flüchtig gefaßt. Ich habe darüber mit niemanden gesprochen und es ist nicht der geringste Versuch zur Bildung einer solchen Organisation unternommen worden.

Bei dem Vervielfältigungsapparat den ich bei der Aktion im Januar und Februar 1943 im Dezember 1942 bei der Fa. Bayerle gekauft habe, handelt es sich um einen gebrauchte "Roto Preziosa-Apparat", Fabr.-Nr. 13101. Er kostete 240,-- RM. Er wurde zusammen von Schmorell und mir bezahlt, da mir Schmorell etwas 500,-- RM zur Verfügung stellte. Beim Einkauf desselben befand ich mich in Uniform (Feldwebel) und auf die Frage des Geschäftsinhabers, zu welchem Zweck ich diesen benötige, erklärte ich kurz für studentische Zwecke. Beim Anbringen der Schriften "Nieder mit Hitler" haben Schmorell und ich abgewechselt. Es hat also Schmorell eine Zeitlang den Farbkübel getragen und ich habe den Pinsel gehabt und umgekehrt.

An Soldaten, die sich an der Front befinden, habe ich keine von mir hergestellten Schriften geschickt. Aus grundsätzlichen Erwägungen habe ich davon Abstand genommen, weil ich die psychologische Verfassung eines Frontsoldaten durch eigene Erfahrung kenne und der Überzeugung bin, dass man an der Front nicht mit solchen Dingen kommen darf. Bei den literarischen Briefen, die ich geschrieben habe, handelt es sich um einen Rundbrief mit dem Titel: "Das Windlicht". Diese Briefe wurden an einen ehemaligen Ulmer Freundeskreis, der jetzt durch den Krieg auseinandergerissen worden ist, versandt, um auf diese Weise eine geistige Brücke zu schlagen. Er war unpolitischer Art und steht mit den Flugblättern in keinem Zusammenhang. Der Rundbrief enthielt in einem Heft mehrere Aufsätze von meiner Schwester Inge Scholl, Otto Aicher und mir verfaßt. Von den Empfängern sind mir augenblicklich folgende Namen m Gedächtnis:
Oberfeldwebel Ernst Reden, gefallen
Hauptmann Fritz Hartnagel (Stalingrad)
Gefreiter Werner Scholl (Bruder) und
Gefreiter Wilhelm Habermann.
Glaublich wurden diese Rundbriefe nur an 8 Mann versandt.
Diese Briefe sind im Frühjahr 1942 in Ulm von meiner Schwester Inge Scholl geschrieben worden.

An der Studentenkundgebung im Deutschen Museum in München, in deren Anschluß es zu einer Demonstration gekommen ist, habe ich entgegen einem Befehl meines Truppenteils (Studentenkomp.) nicht teilgenommen, weil mich die Rede des Gauleiters nicht interessierte. Ich war auch nicht Teilnehmender der erwähnten Demonstration und habe davon erst am folgenden Tage durch verschiedene Studenten erfahren. Im Hauptpostamt habe ich nie die Flugblätter ausgelegt, insbesondere hatte ich dabei nie einen Zusammenstoß mit einem Wehrmachtsangehörigen. Ich kenne auch niemand, der nach der Beschreibung in Frage kommen könnte. Die in meiner Wohnung vorgefundene 08-Pistole habe ich nie bei meinen nächtlichen Aktionen mitgeführt. Diese habe ich mir in Rußland organisiert.

In einem ersten Verhör am 21. Februar 1943 ging es um Scholls Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein und um Bekannte und Freunde. Er wurde zu verschiedenen Briefen und ihren Inhalt befragt, die er erhalten hatte. Unter anderem handelte es sich dabei um einen Brief von seiner Kommilitonin und ehemaligen Freundin Traute Lafrenz sowie um einen von Prof. Karl Muth, in dem er sich offenbar kritisch über einen Fliegerangriff auf München geäußert hatte. Scholl betonte, dass Muth ihn in keiner Weise beeinflusst oder gar zu seiner Tätigkeit gegen das Regime ermutigt habe. Am selben Tag wurde er nochmals vernommen:

Geheime Staatspolizei
Staatspolizeileitstelle München
II A Sondk./Ma
München, den 21. Feb. 1943

Weiter vernommen mach der led. Student cand. med. Hans Fritz Scholl, geb. 22.9.1918 in Ingersheim, folgende Angaben

Nach Vorzeigung des Abschnittes eines Posteinlieferungsscheines wonach am 30.6.42 an die Fa. Franz Baier in München, Sendlingerstr. 49, ein Betrag von RM 36,-- einbezahlt und ich neuerdings zur Wahrheitsangabe ermahnt wurde, will ich nun auch hinsichtlich der Herstellung und Verbreitung der Flugblätter "Die Weisse Rose" die volle Wahrheit sagen. Bei meiner letzten Vernehmung habe ich erklärt, dass ich diese Schriften allein hergestellt und verbreitet habe. Dies ist nicht richtig, denn auch dabei war mir Schmorell behilflich. Ich will nun die Sache zusammenhängend schildern:

Den Entwurf haben wir in gemeinschaftlicher Arbeit gefertigt. Die erste Anregung hierzu ging von mir aus. Schmorell hat sich sofort zur Mitarbeit bereit erklärt. Das erste Blatt habe ich entworfen. Das zweite Blatt stammt zur Hälfte von mir, den zweiten Teil von "Nicht über die Judenfrage..." an, hat Schmorell verfaßt. Vom dritten Blatt habe ich den ersten Teil bis "höher und immer höher...", Schmorell den Rest verfasst. Der vierte Teil stammt ganz von mir. Wir haben zu unseren Ausführungen keine Quellen gebraucht. Den Abziehapparat, Marke Greif, habe ich bei der Fa. Baier gekauft. Er kostete nicht RM 32,-- sondern 36,-- RM. Dieser Apparat wurde in die Wohnung von Schmorell verbracht; ob wir beide ihn dorthin beförderten weiss ich heute nicht mehr. Auch kann ich nicht sagen, ob wir oder ich allein diesen zunächst in mein Zimmer verbrachte. Jedenfalls wurden die Flugblätter "Die Weisse Rose", und zwar Teil I bis IV jeweils im Zimmer des Schmorell von beiden gemeinschaftlich angefertigt. Die Schreibmaschine, Marke Remington, hat Schmorell von einem seiner Bekannten geliehen, von wem weiss ich nicht mehr genau, aber ich glaube, er hat einmal den Namen eines mit ihm befreundeten Chemikers (Michl mit Vorname) welcher in seiner unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, genannt.

Von "Michl" weiss ich nur, aber auch nicht genau, dass er ein Klassenkamerad von Schmorell war. Ich habe ihn einmal nur ganz flüchtig bei Schmorells gesehen und ich will ihn heute nicht wieder erkennen. Das zum anfertigen der insgesamt etwa 400 Stück Flugblätter benötigten Papier, sowie die Briefumschläge und Briefmarken hat Schmorell besorgt. Die Abzüge haben wir gemeinsam hergestellt, ebenso wurden die Anschriften abwechslungsweise auf der fraglichen Remington-Maschine gemacht. Die Adressen haben wir jeweils aus dem Telefonbuch des Schmorell (Vater) entnommen. Meines Erinnerns war diese Telefonbuch aus dem Jahre 1942. Dies nehme ich an, weil Schmorell sicher die neueste Ausgabe besass. Die Flugschriften haben wir jeweils bei verschiedenen Postämtern eingeworfen. Die Angehörigen des Alexander Schmorell haben von dem Unternehmen nichts bemerkt. Es ist nie einer seiner Angehörigen in das Zimmer gekommen, wenn wir dort gearbeitet haben.

Wenn mir vorgehalten wird, dass ich mit den Herstellern und Verbreitern der Schrift "Grundsätzlicher Befehl" vom 11.1.1940, herausgegeben vom "Der Generalbevollmächtigte des Führers im geheimen Auftrag in Obersalzberg" am 24.2.42 in irgend einer Beziehung stehe, so habe ich dazu zu erklären: Ich kenne diese Sache nicht und habe noch nie von ihr gehört. Ich kann mir nicht denken, von wem sie ausgegangen ist.

Quelle: Bundesarchiv Berlin, ZC 13267, Bd. 2
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