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20.9.2012 | Von:
Julia Frohn

Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften 1945–1961

In den Jahren 1945–1961 existierten – trotz "Zeitschriftenbooms" und genuiner deutsch-deutschen Ambitionen – kaum Magazine in gesamtdeutscher Ausrichtung. Anhand der Beispielpublikationen "Ost und West" und "Das Buch von Drüben" wird dieser Zeitschriftentypus illustriert und im politisch-kulturellen Kontext analysiert.
Im vergleichsweise kurzen Zeitraum zwischen 1945 und 1961 war der Begriff "Zeitschrift" unterschiedlich konnotiert: Da unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein akuter Mangel an Papier und Druckutensilien herrschte, waren weder für die buchstäbliche "Illustrierte" noch für viele wissenschaftlich-fachliche Magazine Ressourcen vorhanden. So dominierten den Markt vor allem politisch-kulturelle Inhalte, verknüpft mit literarischen Beiträgen, die häufig mit nur mäßigen gestalterischen Ansprüchen als Standard der Bezeichnung "Zeitschrift" verstanden wurden, bis dank zunehmender Papierressourcen und Druckmöglichkeiten auch andere Formate entstehen konnten. Vor allem oppositionelle Schriftsteller aus der Zeit des Nationalsozialismus, in Deutschland wie im Exil, sowie Stimmen der jüngeren Nachkriegsgeneration suchten nach Publikationsmöglichkeiten. Deshalb wird in der Forschung häufig von einem regelrechten Zeitschriftenboom gesprochen, der jedoch im statistischen Vergleich an Wucht verliert. In den vier Jahren vom Kriegsende bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten stieg die Anzahl der lizenzierten Magazine im gesamtdeutschen Gebiet von 661 auf 1.537, was trotz des Anscheins einer beachtlichen Entwicklung letztlich kaum mehr als ein Viertel der in den ersten Kriegsjahren erschienenen Zeitschriften ausmachte.[1]

In den Jahren zwischen 1950 und 1960 wurden in ununterbrochener Folge 223 Zeitschriften, die sich durch einen explizit literarischen Anteil auszeichneten, herausgegeben.[2] Bei den bis heute relevanten variierte die Auflagenhöhe dabei von 4.000 ("Merkur") bis zu 40.000 ("Sinn und Form"), wobei sich die Masse jener Druckerzeugnisse rückblickend in drei Kategorien einordnen lässt:
  1. Zeitschriften, die vornehmlich als Medium zur Meinungsbildung und -beeinflussung fungierten: Zwar war die direkte Zugehörigkeit nicht immer gekennzeichnet, dennoch dienten diverse Inhalte und Beiträge oft evidenter Propaganda oder sollten über Vorgänge innerhalb der Dachorganisation bzw. Partei informieren. Hierzu gehörten zum Beispiel "Der Monat" auf West- und "Die Einheit" auf Ostseite.
  2. Druckschriften, die literarisch, kulturell und politisch zu informieren suchten und dabei (wenn auch zum Teil politisch gefärbt) auf inhaltliche Unabhängigkeit bedacht waren: Trotz konkreter lokaler Zugehörigkeit in Ost wie West wurde vereinzelt der individuelle Dialog mit dem jeweils anderen "Drüben" gesucht, dennoch waren die deutsch-deutschen Ambitionen dieser Blätter häufig gering, was sowohl mangelndes subjektives Interesse als auch staatliche Intervention zum Grund haben konnte.[3]
  3. Zeitschriften, die – unterschiedlich motiviert – der Ost-West-Vermittlung dienen sollten: Dieser bisher kaum wissenschaftlich untersuchte Typus war der seltenste unter den Nachkriegszeitschriften, weil er unmittelbar politischen Schwankungen unterworfen und damit die auch ökonomisch unsicherste Magazinart war.
Obwohl seit der Vereinigung beider deutschen Staaten zunehmend Arbeiten über den deutsch-deutschen Literaturdialog entstanden sind,[4] ist eine umfassende Analyse der deutsch-deutschen Zeitschriften noch immer Desiderat sowohl in der Buch- als auch in der Literaturwissenschaft. Deshalb soll die letztgenannte Publikationsform im Folgenden knapp vorgestellt und im politisch-kulturellen Kontext untersucht werden. Dabei dienen zwei Publikationsorgane – die von Alfred Kantorowicz herausgegebene Zeitschrift "Ost und West" sowie die deutsch-deutsche Rezensionszeitschrift "Das Buch von Drüben" – als Fallbeispiele, mittels derer auch andere gesamtdeutsche Zeitschriftenunternehmen exemplifiziert werden. Ausschlaggebend für die Auswahl war, dass "Ost und West" bereits einen festen Platz in der deutschen Nachkriegsliteraturgeschichte einnimmt, "Das Buch von Drüben" indes weitgehend unbekannt geblieben ist. Gegenstandsverwandte Aspekte, wie die Verbreitungspraxis in "Ost und West", die Problematik der jeweiligen Postzeitungslisten und die Rezeption von Zeitschriften aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands müssen ausgespart bleiben, gehören jedoch ebenfalls zu den Sachverhalten, deren Untersuchung noch aussteht.

Alfred Kantorowicz' "Ost und West"

Alfred KantorowiczAlfred Kantorowicz erinnert am 10. Mai 1947 vor der Berliner Universität an die Bücherverbrennung von 1933 (© Bundesarchiv, Bild 183-S75711; Foto: Heinscher)
Am 12. Februar 1947 stellte Alfred Kantorowicz zwei im Inhalt beinahe identische Anträge: einen in englischer Sprache zu Händen des General Robert A. McClure, den zweiten an Oberst Sergej Tjulpanow, beide Leiter der jeweiligen Propaganda- und Informations-Abteilung in der amerikanischen und sowjetischen Militärverwaltung. Die Anträge enthielten die Bitte um Lizenz für eine "unabhängige deutsche Monatsschrift, […] die unter dem Titel 'Ost und West' eine Freistatt geistiger Aussprache werden" und nicht als "Organ oder das Sprachrohr einer der Besatzungsmächte […] oder irgendeiner der deutschen Parteien" fungieren sollte.[5] Einkalkulierend, dass die Lizenzierung durch nur eine Besatzungsmacht eine unmittelbare Stigmatisierung mit sich brächte und dass jeder Lizenzstempel einem Propagandaverdikt gleichkäme, sah Kantorowicz den einzigen Weg für eine "friedliche Brücke" jenseits des "Schlachtfelde[s] parteipolitischer Polemiken"[6] in der Mehrfachlizenzierung. Da jedoch die Lizenzvergabe durch die Amerikaner scheiterte[7], wurde"Ost und West" schließlich unter sowjetischem Vorzeichen herausgegeben, bis finanzielle Schwierigkeiten und ein Beschluss des SED-Zentralkomitees der Zeitschrift nach nur zweieinhalbjährigem
"Ost und West"Die fünfte Ausgabe der Zeitschrift "Ost und West", November 1947 (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Bestehen ein Ende setzten.

Rückblickend muss das Projekt als einziger ernstzunehmender Versuch gewertet werden, sich längerfristig publizistisch gegen die politisch-kulturelle Demarkationslinie auszusprechen und dabei Literatur als indirekte Stütze der Argumentation zu nutzen. Dass es sich bei dem proklamierten deutsch-deutschen Ansatz nicht um politische Rhetorik handelte, illustriert die facettenreiche Liste der Autoren, die der in der Nachkriegszeit öffentlich ausgetragenen Schriftstellerdebatte über politische Zugehörigkeit, Generationsfragen und innere versus De-facto-Emigration trotzte: Texte von unter anderem Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Stephan Hermlin, Ricarda Huch, Peter Huchel, Erich Kästner, Alfred Kurella, Elisabeth Langgässer, Heinrich und Thomas Mann, Theodor Plivier, Kurt Tucholsky, Günther Weisenborn und Arnold Zweig wurden in"Ost und West" veröffentlicht, was den Titelzusatz " mit Akzent auf dem und"[8] durchaus legitimierte.

Mit der Zuspitzung des innerdeutschen Konflikts zeichnete sich jedoch ein zeitnahes, beinahe zwangsläufiges Scheitern der Zeitschrift am realpolitischen Geschehen ab. Im November 1948 kündigte der Großteil West-Berliner und westdeutscher Beteiligter ihre Mitarbeit an der Zeitschrift auf, "manche mit Ausflüchten,
"Ost und West"Die fünfte Ausgabe der Zeitschrift "Ost und West", November 1947, Heftrücken (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
andere mit dem offenen Eingeständnis, sie fürchteten Misshelligkeiten und materielle Nachteile, wenn sie weiter für eine sowjetisch lizenzierte Zeitschrift schrieben."[9] Die dadurch eklatant gewordene Diskrepanz zwischen ursprünglicher Intention und realer Sachlage führte zum endgültigen Urteil des seit Ende 1949 selbstständig agierenden ZK der SED; nach eingehender Beratung mit der sowjetischen Militärverwaltung wurde die Einstellung der Zeitschrift beschlossen.[10] Dass das Zeitschriftenwesen der Nachkriegsjahre weithin Spiegel und Sprachrohr politischer Intentionen war und dass veränderte ideologische Zielstellungen – vor allem in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR – massiven Einfluss auf Buch- und Presselandschaft hatten, beweisen die Gründe, die seitens der SED zur Liquidierung der Zeitschrift angeführt wurden: "Als die Zeitschrift gegründet wurde, stand die Frage des Verhältnisses zwischen Ost- und Westdeutschland anders als heute. Damals kämpften wir um die Verhinderung der Spaltung und damals war das Programm [der] Zeitschrift eine wesentliche Hilfe für unseren Kampf."[11] Da nach der Neugründung zweier unabhängiger deutscher Staaten dieses Ziel obsolet geworden war, gab es keine weitere Existenzgrundlage der Zeitschrift.

Protestbriefe, etwa von Gustav Seitz und Heinrich Mann, Beileidsbekundungen von Lion Feuchtwanger und Walter von Molo sowie zahlreiche Lesermeinungen aus Ost und West[12] änderten nichts an dem Grundproblem, dass die Zeitschrift aufgrund des politischen Wandels ihrem ursprünglichen Anliegen nicht mehr folgen konnte und so zum Scheitern verurteilt war. Dass allerdings Kantorowicz, der sich – seinem Tagebuch zufolge – keinem der beiden Systeme in ihrer praktischen Umsetzung zugehörig fühlte, die letzte Ausgabe der Zeitschrift nicht nutzte, um ideologisch ungefärbte Inhalte nach eigenen Vorlieben zu veröffentlichen, wirkt zunächst überraschend. Anstelle von kritischen Worten gegen die Einstellung der Zeitschrift verfasste er eine Huldigung zu Stalins Geburtstag und brachte uneingeschränkte Freude darüber zum Ausdruck, "dass der Versuch, einen Nationalitätenstaat auf der Grundlage des Sozialismus zu bilden, vollauf geglückt"[13] sei. Außerdem wurden im Schlusswort nicht etwa die SED-Funktionäre, gegen die Kantorowicz erstaunlich undifferenziert in seinem Tagebuch polemisierte,[14] sondern die westdeutschen Machthaber, die die "alten, vorhitlerischen gesellschaftlichen Bedingungen wiederherzustellen" trachteten[15], angeklagt. Wenngleich der wahrheitsgemäße Vorwurf gegen restaurative Tendenzen in der jungen Bundesrepublik nicht zu kritisieren ist, so verblüfft doch die fehlende Offensivität gegenüber der DDR-Staatsmacht, wie sie zum Beispiel Peter Huchel mit der legendären letzten Ausgabe von "Sinn und Form" unter seiner Führung praktizierte.[16] Bei einer offenen Kritik am System jedoch hätte Kantorowicz nach dem Ende von "Ost und West" die bis dahin gediehenen Privilegien eingebüßt und mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Lehrstuhl am literaturwissenschaftlichen Institut der Humboldt-Universität erhalten. Diesen Umständen muss bei einer retrospektive Verurteilung von Kantorowicz' Handlungsweisen Beachtung geschenkt werden, um die Diskrepanz zwischen intellektuellem Anspruch und faktischer Repression zu illustrieren und leichtfertigen Schuldzuweisungen vorzubeugen.

Ambitionen deutsch-deutscher Zeitschriften nach 1949

Trotz Währungsreformen und Staatengründung blieb die Situation der literarischen Zeitschriften zwischen 1949 und 1961 weitgehend ungeordnet. Bis auf die explizit politisch agitierenden Organe wurden in der Bundesrepublik Blätter mit programmatischer Verengung tendenziell vermieden – zu sehr noch klangen die Töne totalitärer, nationalsozialistischer Propaganda in den Köpfen von Herausgebern und Verlegern nach. So setzten nicht wenige literarische Zeitschriften in der Dekade vor dem Mauerbau betont auf Unparteilichkeit und Pluralität; ästhetische Inhalte mit anspruchsvollen Texten dominierten den kulturellen Zeitschriftenmarkt, der neben dem aufblühenden populistischen weiterhin bestand. In der DDR nahm die staatliche Lenkung des Zeitschriftenwesens sukzessive zu, die Zentralisierung des buchhändlerischen Gewerbes wurde paradoxerweise unter dem offiziösen Protest gegen die Spaltung Deutschlands durchgeführt. Literarische Zeitschriften wurden einerseits kulturpolitischen Institutionen unterstellt,[17] andererseits sollten sie programmatisch die "friedliche und demokratische Wiedervereinigung Deutschlands", die unter sozialistischem Vorzeichen Anfang der Fünfzigerjahre erklärtes Ziel der DDR-Politik waren, redaktionell vorantreiben.[18] Es fällt auf, dass trotz vereinzelter deutsch-deutscher Bemühungen in beiden Republiken kein einziges literarisches Blatt in ausdrücklicher Ost-West-Unität für einen breiten Leserkreis entwickelt wurde – der antikommunistischen Politik Westdeutschlands wäre zu dieser Zeit ein solches Organ eher zuwider gelaufen, aber auch seitens der DDR wurde trotz verschiedener Ansätze vorerst kein derartiges Projekt realisiert.

Dem Kiepenheuer-Verlagsarchiv in Leipzig zufolge gab es schon 1949 erste Ambitionen, im Kiepenheuer-Verlag eine Literaturzeitschrift in deutsch-deutscher Synopse herauszugeben. Ein freier Mitarbeiter, Klaus Hermann, monierte den fehlenden "Überblick über die gesamtdeutsche künstlerische und literarische Produktion" und warnte vor dem baldigen "Verfall der kritischen Maßstäbe beim Publikum und auch bereits bei einem Teil der Intelligenz." Während es Hermann zufolge in Westdeutschland genüge, derartige Verfallssymptome zu registrieren, sei es in der DDR eine "politische Frage ersten Ranges, ihnen entgegenzuwirken." Wie bei so vielen seitens der DDR gesteuerten deutsch-deutschen Projekten sollte der Fokus des Magazins, für das eine Auflage von 6.000 Exemplaren ins Auge gefasst wurde, jedoch nicht auf künstlerischer Vielfalt, sondern auf "Bevorzugung einer formal klaren und gestalteten Kunst" liegen, um "beim Publikum klare Gesinnung und Gesittung im Leninschen Sinne" zu wecken. Die "gesamtdeutsche Basis" wurde "durch Heranziehung westdeutscher Autoren (vor allem sozialkritische und friedensfördernde Literatur und Kunst)" angestrebt, um die "Darstellung der sich formenden neuen gesellschaftlichen Ordnung der DDR gegenüber Westdeutschland" zu ermöglichen. Trotz konkreter Gestaltungs- und Vermarktungsanregungen für das Magazin, das sich zum Ziel setzen sollte, "konsequent an der Entwicklung der unterentwickelten Leser" zu arbeiten, kam das Projekt jedoch nie über dieses Exposé hinaus.[19]

Zwei Jahre später, im Juni 1951, entwarf der "Deutsche Schriftsteller-Verband im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" einen "Plan für die Arbeit in Westdeutschland und Westberlin", der neben einer Intensivierung der Beziehungen zum westdeutschen "Schutzverband Deutscher Autoren" auch die Gründung eines "Herausgeberkollegiums [einer] gesamtdeutschen Literaturzeitschrift"[20] vorsah. Neben Johannes R. Becher, Bertolt Brecht und Anna Seghers sollten unter anderen Hermann Hesse, Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin und Hans Henny Jahnn als Mitherausgeber gewonnen werden. Die Mitarbeit von Becher und Brecht, die (wie auch später bei den sogenannten "Donnerstags-Gesprächen"[21]) häufiger gemeinsam auf deutsch-deutscher Ebene agierten und schon während des Krieges kooperativ an Literaturzeitschriften wie "Das Wort" oder "Internationale Literatur" gearbeitet hatten, hätte – im Sinne der Becherschen Formel "Deutsche an einen Tisch" – eine relative Balance zwischen den beiden Seiten gewährleistet und möglicherweise dazu geführt, dass die Zeitschrift trotz Zugehörigkeit zum Schriftstellerverband nicht massiv propagandistisch agiert hätte. Die kollektive Herausgeberschaft mit Hesse und Döblin wäre zudem Beleg und vielleicht sogar Garant für einen ernstzunehmenden Dialog gewesen, wobei schon hier die Realitätsferne des Vorhabens offenbar wird: Hesse war schon 1951 von der Publikationspraxis in der DDR enttäuscht, die ein Jahr später im Raubdruck von "Unterm Rad" und "Peter Camenzind" kulminierte,[22] und auch Döblin, dem die Perspektive eines vereinten Deutschlands verbindlich geblieben war, frustrierte die Einengung durch den vorherrschenden Dogmatismus zunehmend, bis er 1953 seine Hoffnungen aufgab und Deutschland endgültig verließ.

Wie sehr diese Gründe den Ausschlag für das Scheitern des Vorhabens gaben, mag dahingestellt bleiben. Als maßgeblicher Grund trat hinzu: Für die westdeutsche Ausgabe der Zeitschrift wurden 30.000 DM West als Minimalfonds benötigt.[23] Selbst wenn diese Hürde noch zu nehmen gewesen wäre – auf Dauer war nicht daran zu denken, dass sich die proklamierte kulturpolitische Offenheit gegenüber den westdeutschen Autoren aufrecht erhalten ließ. Längst zogen sich tiefe Gräben durch das literarische Feld, diesseits und jenseits der immer wirksamer werdenden Trennlinie zwischen "Ost und West".

Ein erneut verlagsgesteuerter Vorstoß zur Gründung eines gesamtdeutschen Literaturmagazins, der bisher keine Beachtung in der Forschung fand, ging vom Verlag der Nation (VdN) aus. Seit den Weltjugendspielen 1951 in Ost-Berlin war der VdN von staatlicher Seite angehalten worden, westdeutsche Autorinnen und Autoren für das eigene Programm zu gewinnen;[24] im Zusammenhang mit dieser westdeutschen Ausrichtung wurde er Ende 1955 vom Amt für Literatur und Verlagswesen zur "Schaffung einer gesamtdeutschen Zeitschrift für das Lesepublikum" angewiesen.[25] Nachdem jedoch auch dieses Projekt keine Umsetzung fand, sollte einem Treffen zwischen dem Münchner Verleger C. A. Weber, Günter Hofé (zu dieser Zeit Erster stellvertretender Vorsteher des Leipziger Börsenvereins der Deutschen Buchhändler und Leiter des VdN) und Clemens Seifert, dem Leiter des Hauptreferats Literaturaustausch im Ministerium für Kultur,[26] ein weiterer, allerdings anders konzipierter Vorstoß folgen. Gegenstand der Unterredung im Mai 1957 war die Herausgabe einer Literatur-Korrespondenz, die, ausschließlich für Westdeutschland bestimmt, nur DDR-Literatur empfehlen bzw. rezensieren sollte. Das Vorhaben war bereits im Vorfeld autorisiert worden, sodass eine "grundsätzliche Zustimmung aller interessierten Stellen" vorlag. Die Deutsche Buch-Export und -Import GmbH, der VdN, die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel und der zu dieser Zeit existierende Interzonenausschuss beim Leipziger Börsenverein sollten an Planung und Umsetzung des Projektes beteiligt sein, das letztlich durch C. A. Weber und die "Deutsche Woche" im Seeverlag, München, herausgegeben werden sollte. Ziel war es, die Zeitschrift mit dem vorgesehenen Titel "Die Rezension. Korrespondenz zur Förderung des innerdeutschen Literaturaustauschs" "in erster Linie den Kultur-Redaktionen der westdeutschen Tagespresse und literarischen westdeutschen Zeitschriften" zuzustellen und "diese zur Anforderung und Besprechung von Belegstücken anzuregen."[27] Da jedoch zeitgleich eine andere, ähnlich konzipierte Zeitschrift in ungleich stärkerer deutsch-deutscher Ausrichtung herausgeben wurde, blieb es auch hier bei der verständig erwogenen, aber nicht realisierten Idee.

"Das Buch von Drüben"

Stattdessen war es das Rezensionsorgan "Das Buch von Drüben", das schließlich nach allen Bemühungen um eine derartige Literaturzeitschrift tatsächlich verwirklicht wurde. Angeregt durch einen Dialog, der vom Gesamtdeutschen Buchhändler- und Verlegerforum[28] auf der Leipziger Buchmesse 1956 initiiert wurde, entstand zum Ende desselben Jahres in Kooperation der Ost-Berliner
Lucie GroszerDie Verlegerin Lucie Groszer signiert Bücher und Poster, Berlin, 7. September 1978 (© Bundesarchiv, Bild 183-T0907-0035; Foto: Gabriele Senft)
Verlegerin Lucie Groszer, die sich in vielen buchhändlerischen Organisationen der Nachkriegszeit engagierte und als Vorstandsmitglied des Gesamtberliner Buchhändler- und Verlegervereinigung eine Dauerfahrtgenehmigung nach West-Berlin besaß,[29] und dem Hamburger Werbeberater und Verleger Eduard Wildhagen die Zeitschrift "Das Buch von Drüben". Sinn des Blattes war es, Literatur aus der DDR von BRD-Rezensenten sowie Bücher aus der BRD von DDR-Kritikern auf paritätischer Basis besprechen zu lassen. Vor allem die deutsch-deutsche Herausgeberschaft des auf 10.000 Exemplare angelegten Magazins sollte Vorurteilen bezüglich einseitiger und politischer Ausrichtung entgegenwirken. In der ersten (undatierten) Ausgabe vom Juni 1957 heißt es im Vorwort der Herausgeber: "Es gehörte stets zu den vornehmsten Aufgaben des Buchhandels, die Erfordernisse der Zeit erkannt und nach ihnen gehandelt zu haben. Auch heute gibt es für uns Buchhändler und Verleger eine derart vordringliche Aufgabe: dafür zu sorgen, dass wir uns nicht völlig auseinanderleben. Hierin sieht die Zeitschrift ihre vermittelnde Tätigkeit: durch gegenseitige Buchbesprechungen soll dem Sortimenter eine Sicherheit gegeben werden, dass er sich für das Buch von drüben einsetzen kann."[30]

Zudem sollte die Zeitschrift durch Erläuterungen "der wichtigsten Bestimmungen des Interzonenhandels" helfen, die vorherrschenden wirtschaftlichen Unsicherheiten des innerdeutschen Buchverkehrs zu bereinigen und die beschränkten Möglichkeiten im Austausch belletristischer Literatur Mitte der Fünfzigerjahre zu erweitern. Dass zumindest von Seiten der Rezensenten und Herausgeber vornehmlich kommunikative und im Literaturaustausch begründete Motive vorherrschten, ist kaum zu bezweifeln: Der namhafteste Ost-Rezensent, Johannes Bobrowski, der dank seiner Lektorentätigkeit im Altberliner Verlag Lucie Groszer[31] an der Entwicklung der Zeitschrift beteiligt war, drängte in seinen Buchbesprechungen darauf, dass die jeweiligen Druckerzeugnisse "in ganz Deutschland weiteste Verbreitung finden" sollten,[32] und argumentierte in den immerhin vier bis sechs Rezensionen, die pro Ausgabe von ihm stammten, zwar im Sinne einer eher realistischen Literatur, jedoch nicht anhand ideologisch-politischer Phrasen. Zudem ermutigte er, wie zum Beispiel in der Kritik zur dritten Folge des deutsch-deutschen Lyrikanthologie-Projektes "Das Gedicht. Jahrbuch zeitgenössischer Lyrik" (Hamburg 1956), zu Formenreichtum und Diversitätsdenken und statuierte: "Mir scheint es nicht wichtig, Maßstäbe der Qualität nach Ost und West festzustellen. Bemerkenswerter ist, dass hier die oft zitierten Unterschiede in der Thematik und in den Formen nicht auf eine angeblich gangbare Mitte abgemäßigt wurden, sondern ihnen – im gegebenen Rahmen – 'das Wort erteilt' wurde. Es erweist sich da, dass die jungen Lyriker aus der DDR keineswegs schablonenhaft und 'unmodern' erscheinen."[33]

Neben Johannes Bobrowski waren unter anderem von ostdeutscher Seite Alfred Könner, Ehm Welk, Lieselotte Welskopf-Henrich und Lucie Großer selbst, von westdeutscher Kurt Sandner, Lu Märten und Eduard Wildhagen als Rezensenten für die Zeitschrift tätig. Im heute wohl – dank der Prominenz von Rezensent und Rezensiertem –
Johannes Bobrowski und Günter GrassJohannes Bobrowski (l.) und Günter Grass (r.) im Streitgespräch auf dem Lyrikerforum in der Westberliner Akademie der Künste am 6. Mai 1965 (© Bundesarchiv, Bild 183-D0206-0045-001 / Fotograf: o.A.)
bemerkenswertesten Beitrag der Zeitschrift behandelte Bobrowski "Die Vorzüge der Wildhühner" von Günter Grass (1956) und stellte fest: "Zweifellos sind diese Gedichte, eine erste Veröffentlichung, interessant, weil hier auf eine gewisse, in den letzten Jahren in der Lyrik Westdeutschlands erfolgreich gewordene, ein wenig parfümierte, unverbindliche Melodik verzichtet wird. Grass setzt seine Bilder recht hart ein. Freilich scheint mir das einstweilen doch weniger auf Konzentration zu deuten als auf eine vorhandene 'kunstgewerbliche' Neigung, – ein Spiel, dem sich die Sprache nicht sehr gefügig zeigt. Auf jeden Fall ist Grass aber eine Begabung, auf die man achten sollte. Ein Gedicht wie 'Vogelflug' ist entschieden mehr als ein Versprechen. Er wird sich noch wandeln, das steht in den Gedichten, deutlicher noch in den vier Seiten Prosa 'Fünf Vögel' und in den Zeichnungen […]."[34]

Vor dem Hintergrund, dass Grass in der DDR erst 1984 mit fast 30-jähriger Verzögerung publiziert werden konnte (1984 erschien "Katz und Maus" in der Reihe "Spektrum" des Verlages Volk und Welt, erst 1987 wurde "Die Blechtrommel" in der DDR publiziert), erscheint dieser Beitrag Bobrowskis beinahe unwirklich, demonstriert jedoch die Neugierde und Offenheit gegenüber der westdeutschen Literatur, die unter Schriftstellern der DDR vorherrschte.

Trotz dieser Grass-Besprechung ließ die Zeitschrift bei der Berücksichtigung aller namhaften West-Verlage (Rowohlt, Suhrkamp, Luchterhand, Desch und sogar die in der DDR umstrittenen Bertelsmann und Kiepenheuer & Witsch) arrivierte Schriftsteller aus Westdeutschland vermissen. Stattdessen fanden sich im Konzept des Periodikums unter anderem neu aufgelegte deutsche und internationale Klassiker, unverfängliche Liebes- und Abenteuerromane, Lexika und Ratgeberbücher, populärwissenschaftliche Abhandlungen sowie Kinder- und Jugendliteratur, die aus dem jeweils anderen "Drüben" besprochen wurden. Überraschend ist, dass unter den aus DDR-Verlagen stammenden Neuerscheinungen (unter anderen von Heinrich Mann, Stefan Zweig, F. C. Weiskopf) keine ausgesprochen politischen Autoren vertreten waren, Namen wie Alexander Abusch, Johannes R. Becher, Günter Hofé, Ludwig Renn oder Erich Weinert sucht man vergeblich. Neutralität sollte nicht nur behauptet, sondern als Hauptanliegen demonstriert werden – eine Leistung, die von der westdeutschen Presse anerkannt wurde: "Sehen wir in Das Buch von Drüben, so scheint bei aller Notwendigkeit, politische Werke aussparen zu müssen, nicht die Absicht zu bestehen, in der unterhaltenden Literatur in die seichten Gewässer der Schnulzen auszuweichen", so "Die Welt". Im selben Artikel wurde freilich umgehend politisiert, indem der ausschließlich im Wechselverhältnis erlaubte Austausch Buch gegen Buch kritisiert und dabei spöttisch bemerkt wurde, dass "die westdeutsche Nachfrage nach Traktoren-Epik jedoch nie so hoch" gestiegen sei.[35] Dass die westdeutsche Presse[36] dem Projekt überhaupt Beachtung schenkte, ist umso erstaunlicher, als weder im Leipziger noch im Frankfurter Börsenblatt "Das Buch von Drüben" irgendeine Erwähnung fand.[37]

Trotz aller Indizien für ein politisch neutral gehaltenes Magazin eröffnet ein Blick in die internen Dokumente des Hauptreferats Literaturaustausch[38] beim Ministerium für Kultur den parteipolitischen Hintergrund. So war "die Werbung für die Literatur in der BRD in den Vordergrund zu stellen", da es "angesichts des mangelnden Bezugs der BRD aus der DDR – allein schon aus ökonomischen Gründen – unsinnig" wäre, "einen erhöhten Bedarf an Westliteratur in der DDR zu wecken."[39] Deshalb wurde die Zeitschrift nur sehr beschränkt mit ca. 500 Exemplaren in Ostdeutschland verbreitet, dennoch musste ein wenigstens augenscheinlich paritätischer Absatz gewährleistet sein, "um dem Vorwurf zu begegnen, dass sie bei uns [in der DDR] nicht erscheinen könne." Zudem trüge das Blatt lediglich "aus taktischen Gründen gesamtdeutschen Charakter".[40] Dabei käme es jedoch vor allem darauf an, "dem Buch von Drüben eine Massenauflage in Westdeutschland zu verschaffen[, um so] von dieser Seite her einen echten Bedarf an DDR-Literatur auszulösen."[41]

Während im Oktober 1957 – also bereits weit nach der Nivellierung des Neuen Kurses – "vom Standpunkt des HR-Literaturaustauschs die Herausgabe des Buch von Drüben weiterhin befürwortet" und dieselbe "nach wie vor für notwendig gehalten"[42] wurde, wies die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel am 22. Januar 1958 überraschend an, die Zeitschrift zu liquidieren. Da "die Gefahr der ideologischen Ko-Existenz" bei der Zeitschrift immer sehr nahe gelegen habe, "das Ergebnis der Arbeit dieser Blätter […] außerordentlich gering einzuschätzen" sei und "die Form der Zeitschrift einem überwundenen Stadium in der gesamtdeutschen Arbeit" angehöre, wurde sie mit unmittelbarer Wirkung nach nur vier Ausgaben eingestellt. Hinzu kam, wie der Verantwortliche der Abteilung Buchhandel an den Leiter der Hauptverwaltung Verlagswesen im Januar 1958 schrieb, dass die "Genossin Groszer, die bis dato sämtliche innerhalb der Deutschen Demokratischen Republik entstandenen Kosten über ihre Verlagsunkosten getragen hat, dazu nicht mehr in der Lage [sei] und eine Unterstützung in Höhe von 30.000,– DM gefordert" habe.[43]

Pläne für weitere Projekte, die nach der Einstellung des Rezensionsorgans dessen deutsch-deutschen Auftrag weiterführen sollten, sind bislang nicht bekannt. Der nach der Ungarnkrise 1956 zunehmend konsequenter verfolgte Kurs der Abschottung manifestierte sich schließlich im Mauerbau, mit dem vorerst ein Großteil der Einheitsambitionen zum Erliegen kam. Umso mehr überrascht es aus heutiger Sicht, dass selbst Ende des Jahres 1957 ein Projekt wie "Das Buch von Drüben" – das trotz parteipolitischen Hintergrundes dank seiner engagierten Mitarbeiter einem gesamtdeutschen Blick Geltung verschaffte – noch Unterstützung vom Ministerium fand, zu einer Zeit, in der sich die innerdeutsche SED-Politik auf eine eigene nationale Identität im Gegensatz zu einem vereinten Deutschland auszurichten begann.[44]

Aufgabe der Forschung ist und bleibt es daher, diese Widersprüche aufzuspüren und sie den etablierten Zäsuren der deutsch-deutschen Zeitgeschichte – 8. Mai 1945, 17. Juni 1953, Ungarnaufstand 1956, 13. August 1961 –, die scheinbar keine andere Interpretation der Literaturgeschichte zulassen, entgegenzusetzen. Dass diese Kleinstprojekte nur Bruchteile im Makrokosmos der innerdeutschen Beziehungen darstellen und dass eine kurzlebige, wenig beachtete Zeitschrift wie "Das Buch von Drüben" nicht die Relevanz von Organen wie "Sinn und Form" oder "Ost und West" hatte, versteht sich von selbst. Dennoch besitzen gerade solche Mosaikteilchen im deutsch-deutschen Forschungskontext Widerstandskraft gegen unreflektierte, schablonenhafte Zuordnungen und pauschalisierende Halbwahrheiten.
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Fußnoten

1.
Vgl. Anke-Marie Lohmeier, Zeitschriftenkultur in den Westzonen zwischen Kriegsende und Währungsreform, in: Günter Häntzschel (Hg.), Neue Perspektiven der deutschen Buchkultur in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, Wiesbaden 2003, S. 16: Zum Ende der Weimarer Republik existierten in Deutschland ca. 18.000 Zeitschriften, in den ersten Kriegsjahren noch knapp 5.000.
2.
Vgl. Adrian Hummel, Rezensionswesen der fünfziger Jahre, in: Häntzschel (Anm. 1), S. 87. – Das Folgende ebd., S. 101.
3.
Vgl. zu grenzüberschreitenden Ambitionen in literarischen Zeitschriften z.B.: Alexandra Birkert, Das Goldene Tor. Alfred Döblins Nachkriegszeitschrift, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 33 (1989), S. 261–294; Matthias Braun, Im Visier des MfS: "Sinn und Form" und "Neue Deutsche Literatur", in: Simone Barck u.a. (Hg.), Zwischen "Mosaik" und "Einheit", Berlin 1999, S. 360–366; Uwe Schoor, Vom "sowjetisch-trojanischen Panjepferd" zum "geheimen Journal der Nation". "Sinn und Form" bis 1962, in: ebd., S. 339–345; Graeme Cook, Literary Conversations. Hans Werner Richterʼs Role in the Literary Relations Between the Two German States, in: Rhys W. Williams et al. (eds.), German Writers and the Cold War 1945–61, Manchester 1992, S. 115–131; Stephen Parker, Peter Huchel and Sinn und Form. The German Academy of Arts and the Issue of German Cultural Unity, in: ebd., S. 132–158; Dennis Tate, Neue Deutsche Literatur: the Forum of the Divided Nation?, in: ebd., S. 47–64; Monika Estermann, Die Börsenvereine in Leipzig und Frankfurt – eine Problemskizze, in: Mark Lehmstedt/Siegfried Lokatis (Hg.), Das Loch in der Mauer, Wiesbaden 1997, S. 72–88; Martina Langermann, Westdeutsche Literatur in der NDL. Literaturen in Konkurrenz, in: ebd., S. 279–297; Susanne Krones, Akzente im Carl Hanser Verlag. Geschichte, Programm und Funktionswandel einer literarischen Zeitschrift 1954–2003, Göttingen 2009, S. 463–476.
4.
Dazu v. a. Roland Berbig (Hg.), Stille Post. Inoffizielle Schriftstellerkontakte zwischen West und Ost, Berlin 2005, sowie Lehmstedt/Lokatis (Anm. 3).
5.
Alfred Kantorowicz, Deutsches Tagebuch, München 1959, S. 165f.
6.
Barbara Baerns, "Ost und West": Eine Zeitschrift zwischen den Fronten. Zur politischen Funktion einer literarischen Zeitschrift in der Besatzungszeit (1945–1949), Münster 1968, S. 163.
7.
Zu den möglichen Gründen ebd., S. 217f, bzw. die ungleich polemischere Darstellung wegen Spionagevorwürfen durch die USA in: Kantorowicz (Anm. 5), S. 170–177, u. Ost und West 3 (1949) 12, S. 82–90.
8.
Ost und West 1 (1947) 1, S. 3.
9.
Kantorowicz (Anm. 5), S. 296.
10.
"Das Sekretariat hält die Zeitschriften 'Ost und West', 'Fuffzehn', 'Berliner Palette' und 'Roland von Berlin' für nicht notwendig und ersucht die sowjetische Militärverwaltung, die Papierzuteilungen für diese Zeitschriften einzustellen.": Reinschriftprotokoll der Sitzung des kleinen Sekretariats Nr. 60, Berlin 28.10.1949, BArch DY 30/J IV 2/3/60.
11.
Stefan Heymann vom ZK der SED an Alfred Kantorowicz, 1.11.1949, zit.: Baerns (Anm. 6), S. 179.
12.
Vgl. Ost und West 3 (1949) 12, S. 141–144.
13.
Ost und West 3 (1949) 12, S. 3.
14.
So bezeichnete er Becher nach dem ersten Wiedersehen in Berlin 1946 als "bösartigen Parteigeheimrat" mit "humorlosem Zynismus": Kantorowicz (Anm. 5), S. 144.
15.
Ost und West 3 (1949) 12, S. 96.
16.
Schon in der vorletzten Nummer unter seiner Herausgeberschaft Ende 1962, als seine Absetzung bereits abzusehen war, platzierte Huchel demonstrativ Ernst Fischers Essay "Franz Kafka" in der Zeitschrift und in der finalen Ausgabe "Entfremdung, Dekadenz und Realismus" von demselben, Essays von Hans Mayer und Werner Krauss sowie Arbeiten von Günter Eich, Paul Celan und Ilse Aichinger. Vgl. Parker (Anm. 3), S. 151.
17.
Die verlagsinterne Zeitschrift "Aufbau" war ab 1949 kulturpolitische Monatsschrift im Sinne der SED, "Sinn und Form" unterstand ab 1950 der Akademie der Künste.
18.
Carsten Gansel, Parlament des Geistes. Literatur zwischen Hoffnung und Repression 1945–1961, Berlin 1996, S. 414.
19.
Sächs. Staatsarchiv Leipzig (SächsStAL), Bestand Kiepenheuer, 490.
20.
Gansel (Anm. 18), S. 390.
21.
Bei diesem Diskussionskreis, den der West-Berliner Arzt Ulrich Wallner zur Klärung deutschlandpolitischer Fragen mit Vertretern aus beiden Teilen des Landes frei für die Öffentlichkeit initiiert hatte, war Johannes R. Becher am 25.11.1954 überraschend und ohne Medienwirksamkeit aufgetreten. Eine Woche später standen sich in Anwesenheit von 50 westlichen Journalisten hochrangige Vertreter der jeweiligen Kulturpolitik im direkten Austausch gegenüber. Aus der Begegnung von Brecht, Becher, Wolfgang Harich, Ernst Bloch, Stephan Hermlin und Wilhelm Girnus mit Rudolf Schottlaender, Ernest Salter und Melvin Lasky ergab sich 1955 die Affäre um die fünf leere Seiten unter dem Namen Brechts in der Zeitschrift "Der Monat": Werner Hecht, Brecht-Chronik: 1898–1956, Frankfurt a. M. 1998, S. 1134.
22.
Vgl. Hesse an den Aufbau-Verlag im Mai 1952, in: Elmar Faber/Carsten Wurm (Hg.), "… und leiser Jubel zöge ein." Autoren- und Verlegerbriefe 1950–1959, Berlin 1992, S. 165.
23.
Gansel (Anm. 18), S. 391.
24.
Konzeptionen zur Entwicklung des Verlagsprofils 1959–1963, BArch DY 16/806.
25.
Amt für Literatur an Verlag der Nation, Betr. Literaturaustausch mit Westdeutschland, Berlin 31.12.1955, BArch DY 17/3062, Bd. 1.
26.
Aktennotiz, Betr. Literatur-Korrespondenz München, Unterredung im Verlag der Nation am 23.5.1957, ebd.
27.
SächsStAL, Bestand Börsenverein II, 1246.
28.
Auf der Leipziger Buchmesse 1956 wurde das "Forum" nach vielfachen Messeaussprachen zwischen Verlegern und Sortimentern aus beiden Hälften Deutschlands von 20 Verlegern und Buchhändlern aus Ost und West gegründet, um "den beiden Börsenvereinen und gegebenenfalls auch Regierungsstellen" Empfehlungen für die Beseitigung von Hindernissen im Literaturaustausch zu geben, die "Herausgabe eines paritätisch redigierten Informations- und Rezensionsblattes" anzuregen und die Wahrung und Pflege einer einheitlichen deutschen Nationalliteratur zu verwirklichen. Das Vorhaben scheiterte an den innerpolitischen Spannungen und den daraus resultierenden Schwierigkeiten einer konkreten und fruchtbaren Umsetzung: vgl. Bericht Innerdeutscher Handel mit Gegenständen des Buchhandels, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, Archiv des Frankfurter Börsenvereins W2/7 2820.
29.
Vgl. Brit Holland, Die privaten Kinder- und Jugendbuchverlage "Altberliner Verlag Lucie Groszer" und "Alfred Holz Verlag". In: Leipziger Jb. z. Buchgeschichte 12 (2003), S. 197f.
30.
Das Buch von Drüben (1957) 1, Vorwort.
31.
Johannes Bobrowski profilierte den Verlag zu einem der renommiertesten Kinder- und Jugendbuchverlage der DDR. Vgl. Holland (Anm. 29), S. 199.
32.
So z.B. Bobrowski über Frank Elgar, Robert Maillard, Picasso, in: Das Buch von Drüben (1957) 4, S. 17.
33.
Das Buch von Drüben (1957) 1, S. 7f.
34.
Das Buch von Drüben (1957) 3, S. 3.
35.
Zit.: Der neue Vertrieb (1957), S. 198.
36.
So – ungleich positiver – z.B. die "Wochenzeitung" in Düsseldorf, 5.9.1957: "Zweifellos schließt die Zeitschrift […] eine Lücke und trägt dem beiderseitigen Informationsaustausch Rechnung.", zit.: ebd.
37.
Vgl. Clemens Seifert an Hoffmann innerhalb des HR Literaturaustausch, Abt. Verlage, Betr. Leserzeitschrift: Das Buch von Drüben, 21.10.1957, BArch DR 1/1077.
38.
Vgl. zum Hauptreferat Literaturaustausch: Entwurf des Ministeriums für Kultur über die Aufgaben der gesamtdeutschen Arbeit auf dem Gebiet des Verlagswesens und des Buchhandels, Juli 1954, BArch DR 1/1079. Das HR unter Leitung von Clemens Seifert war derart ineffektiv, dass es alsbald wieder abgeschafft wurde.
39.
Seifert (Anm. 37).
40.
Junge (Abt. Buchhandel) an Böhm (Leiter der HV Verlagswesen), 22.1.1958, BArch DR 1/1077.
41.
Seifert (Anm. 37).
42.
Ebd.
43.
Junge (Anm. 40).
44.
Vgl. exemplarisch die Rede Klaus Gysis vor dem Börsenverein Leipzig, 11.7.1961, in: Protokoll der Gemeinsamen Sitzung Vorstand, Hauptausschuss, Verleger- und Sortimentsausschuss des Börsenvereins Leipzig, 11.7.1961, SächsStAL, Bestand Börsenverein II, 1612.

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