Beleuchteter Reichstag
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20.9.2012 | Von:
Carmen Laux

Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen

Reclams Kampf um seine Westautoren

Im geteilten Deutschland der Nachkriegszeit war die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu seinen Westautoren eine der schwierigsten Aufgaben für den Verleger Ernst Reclam. Die zum Teil sehr emotionalen Schriftwechsel zeugen von der schweren Zwangslage des Verlags, von unüberbrückbaren Gegensätzen und nicht wiedergutzumachenden Zerwürfnissen.

"Es ist tief bedauerlich, daß die Zonengrenzen nicht nur
die Körper und Sachen im Raume trennen, sondern auch geeignet sind,
die Gemüter zu scheiden und die alten und herzlichen Beziehungen
zwischen Autor und Verleger zu zerschneiden […]."[1]

Ernst Reclam, April 1947



Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann in Leipzig, der einstigen Welthauptstadt des Buches, der Aufbau über Trümmern. Die Luftangriffe der Jahre 1943 und 1944 hatten insbesondere das Grafische Viertel schwer getroffen: Viele Druckerei- und Verlagshäuser waren zum Teil vollständig zerstört und unzählige Tonnen Papiervorräte vernichtet worden. Riesige Bücherbestände, die nicht rechtzeitig ausgelagert worden waren, waren zu Asche verbrannt. Nach Kriegsende schließlich führte die kurzzeitige amerikanische Besatzung dazu, dass die Buchstadt einige ihrer wichtigsten Strukturen und Verlage an die westlichen Besatzungszonen verlor: Insel, Thieme, Brockhaus, Breitkopf & Härtel sowie die Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung nahmen die Einladung der Amerikaner an und entsandten leitende Angestellte in Richtung Wiesbaden.[2]
Ernst ReclamErnst Reclam (1876–1953). Kohlezeichnung von Karl Stratil, Leipzig 1948. (© Reclam Verlag)
Auch Ernst Reclam, damals Leiter des weltberühmten Verlags, hatte ein solches Angebot bekommen, schlug es aber aus, um stattdessen am Wiederaufbau des Leipziger Buchhandels mitzuwirken. Er unterstrich dieses Vorhaben, indem er im Mai 1946 erster Vorsteher des wieder zugelassenen Börsenvereins der deutschen Buchhändler wurde und dieses Amt bis Anfang 1948 bekleidete.[3]

Trotz seines Engagements sah sich jedoch auch Ernst Reclam in den Nachkriegswirren vor zahlreiche Schwierigkeiten gestellt. Nach langen und zermürbenden Auseinandersetzungen erhielt er zwar im März 1946 die Lizenz zur Wiederaufnahme der Produktion, doch die Papiervorräte blieben knapp und nur ein geringer Teil davon wurde für privat geführte Altverlage wie Reclam freigegeben. Hinzu kam, dass Reclam im Zuge der Demontagen zur Wiedergutmachung im Winter 1946 den größten Teil seiner technischen Anlagen verlor.[4] Was übrig geblieben war, wurde durch die Aufträge der Besatzungsmacht in Anspruch genommen, sodass der Verlag nur noch über äußerst beschränkte Produktionsmöglichkeiten im eigenen Haus verfügte – selbst, wenn es Papier zum Drucken gegeben hätte.[5] Doch die Unberechenbarkeit der damaligen Zensurbehörde, des Kulturellen Beirats (KB), machte es Reclam und den übrigen Privatverlagen äußerst schwer, langfristig und ökonomisch ein Programm zu planen. Dabei erwies sich die Zusammenarbeit mit den Stammautoren aus den westlichen Besatzungszonen von Anfang an als besonders schwerwiegendes Problem. Während dem Verlag durch die Zensur die Hände gebunden waren, verlangten seine Autoren Neuauflagen ihrer Werke. In vielen Fällen war die Rückforderung der Verlagsrechte die logische Folge. Die rechtliche Grundlage hierfür bildete der Paragraph 17 des Verlagsrechtsgesetzes aus dem Jahre 1901, wonach der Verfasser seinem Verleger eine angemessene Frist setzen konnte, innerhalb derer er eine Neuauflage produzieren müsse. Falls der Verleger bis zum Ablauf dieser Frist sein Verlagsrecht nicht ausübte, konnte der Verfasser von seinem Vertrag zurücktreten.[6]

Um dieses Problem zu umgehen, kam Ernst Reclam seinen Autoren oftmals so weit entgegen, dass er sich zu einer westlichen Lizenzausgabe bereit erklärte, falls die Druckgenehmigung in Leipzig nicht zu erlangen war. Diese Strategie hatte den Vorteil, dass Reclam mithilfe seiner 1947 gegründeten Stuttgarter Zweigstelle die Autoren weiterhin an sein Haus binden konnte und die Werknutzungsrechte nicht an einen anderen Verlag verlor. Für die Betroffenen allerdings war es nicht immer angenehm, mit ihren Bitten nach Stuttgart verwiesen zu werden, da der dortige Geschäftsführer Gotthold Müller sie mit Verweis auf Papiermangel und begrenzte Herstellungsmöglichkeiten oft abermals vertrösten musste. Der Garten-Schriftsteller Karl Foerster bezeichnete diese Praxis unverblümt als "Stuttgarter Verschleppungsgewohnheit".[7]

Um die Gründe zu verstehen, die viele Westautoren bewegten, ihre Verträge mit Reclam zu lösen, kommt man nicht umhin, sich die Gesamtsituation des Schriftstellers im Ostdeutschland der Nachkriegszeit vor Augen zu führen: Zensur und Papierzuteilung lähmten die Verlage, sodass sie dem Drängen ihrer Autoren auf Neuherausgabe ihrer Bücher nur in den seltensten Fällen nachgeben konnten. Immer wieder mussten Werke mit Verweis auf den Kulturellen Beirat abgelehnt werden. An den Schweizer Autor Leo Kobilinski-Ellig schrieb Ernst Reclam beispielsweise: "Ich glaube auch kaum, daß irgendein Werk, das Sie, soweit ich Ihre Einstellung kenne, schreiben werden, hier zum Druck zugelassen wird."[8] Manchmal kam eine reale oder angenommene politische Belastung hinzu, ein Thema, auf das viele Autoren empfindlich reagierten. Reclams langjährige Romanautorin Toni Rothmund beispielsweise sah sich durch die Frage nach einer NSDAP-Mitgliedschaft veranlasst, einen Rechtsanwalt mit der Lösung ihrer Verlagsverträge zu beauftragen.[9] Auch Fritz Merseberg, designierter Bearbeiter des Bremer-Schraderschen "Handlexikons der Musik", zeigte sich entrüstet und blieb seinem Verleger die Antwort auf diese Frage schuldig. Sie erinnere ihn an die Nazi-Zeit, als Ernst Reclam mit ihm über den Beitritt in die Reichsschrifttumskammer verhandelt und ihn gefragt habe, ob er rein "arischer" Abstammung sei.[10] Sowohl Rothmund als auch Merseberg waren tatsächlich Parteigenossen gewesen, womit eine Druckgenehmigung durch den Kulturellen Beirat praktisch ausgeschlossen war.

Ernst Reclam legte also auch weiterhin äußerste Vorsicht an den Tag, wenn es um die Auswahl der Werke ging, die dem Kulturellen Beirat vorzulegen waren. Das Wenige, das er an Werken lebender Autoren einreichte, wurde durch die zahlreichen Ablehnungen des Beirates weiter dezimiert. Dabei waren die teilweise völlig absurden Begründungen hierfür, die oft persönliche Geschmacksurteile enthielten, wenig geeignet, die in den Jahren nach 1945 schwer ringenden Autoren zu besänftigen. Felix Genzmer, Herausgeber und Übersetzer aus dem Alt- und Angelsächsischen, fasste gegenüber Ernst Reclam die frustrierende Situation des Nachkriegsautors folgendermaßen zusammen: "Sie werden sich denken können, wie niederdrückend es ist, wenn man an so und so vielen Stellen Manuskripte liegen hat, die längst, einige schon seit Jahren, angenommen sind, zum Teil sogar schon gesetzt und gematert sind, aber nicht gedruckt werden. Man kann dabei wirklich die Lust verlieren, überhaupt noch etwas zu schreiben."[11]

Tatsächlich waren die häufig kritisierten langen Bearbeitungszeiten im Kulturellen Beirat und die zeitraubenden Verhandlungen um Papier verantwortlich dafür, dass zahlreiche, besonders ältere Autoren des Wartens leid wurden. "Sie können von mir als 76-jährigen alten Herrn nun nicht verlangen, daß ich noch jahrelang auf das Wiedererscheinen meiner Bücher warten soll",[12] schrieb Karl Foerster, während Toni Rothmund beklagte: "Ich werde am 2. Oktober 70 Jahre alt und sehe mein Lebenswerk, das bei Ihnen doch in so guten Händen lag, einfach durch die Kriegsereignisse lebendig begraben."[13] Der fast 80-jährige Pädagoge Otto Anthes befürchtete sogar zu sterben, ehe sein Lübeck-Roman in der Ostzone erscheinen könne, weshalb er ihn in einem Hamburger Verlag unterbrachte.[14]

Waren alle vorgenannten Schwierigkeiten umschifft und das Buch endlich erschienen, stellte sich die Frage, wie im Westen lebende Autoren für ihre Arbeit entlohnt werden konnten. Ohne auf die sich mehrmals ändernden Bestimmungen über sogenannte Westzonenkonten genauer einzugehen, kann festgehalten werden, dass es den Verlagen äußerst schwer gemacht wurde, ihren Westautoren das ihnen zustehende Honorar zukommen zu lassen. Eine Auszahlung in Westmark kam dabei zunächst überhaupt nicht in Frage. So zeigte sich der Naturheilkundler und Reclam-Stammautor Alfred Brauchle im Dezember 1950 empört über die Schwierigkeiten bei der Honorarüberweisung: "Ich bedaure aufrichtig, dass ich mit nichts anderem als mit Bestimmungen abgespeist werde und dass es offenbar in der DDR nicht mehr so viel mitfühlende Menschlichkeit gibt, einem in Not befindlichen Mitglied der Familie, dem die Überweisung zu Weihnachten zugesagt worden ist, einen Betrag von DM 100 […] rasch zu überweisen."[15] – Diese Probleme stellten sich nicht nur den Autoren aus den westlichen Besatzungszonen und später der Bundesrepublik, sondern insbesondere auch ausländischen Schriftstellern. Für Gunnar Gunnarsson aus Island beispielsweise war bis Mai 1947 eine Summe von über 9.000 Reichsmark bei Reclam aufgelaufen, an die er bis zur Lösung seiner Beziehungen zu dem Verlag im Jahr 1955 nicht herankam.[16]

Bis 1953 musste sich Reclam mit rund 50 Autoren aus den westlichen Besatzungszonen bzw. der Bundesrepublik bezüglich der Rückgabe von Verlagsrechten, der Willkür der Zensur, der Zwangslage des Verlages und der schwierigen Honorarbedingungen auseinandersetzen. Zahlreiche Autoren und Werke wechselten zu Reclam Stuttgart oder zu anderen westdeutschen Verlagen, darunter neben Gunnarsson auch Eugen Diesel, Herbert Tjadens, Theo Herrle, Moritz Jahn und der "Erfolgsautor der 'Inneren Emigration'"[17], Werner Bergengruen. Die in den Verlagsakten erhaltenen umfangreichen und zum Teil sehr emotionalen Schriftwechsel vermitteln einen guten Eindruck von den Nöten sowohl des Reclam Verlages als auch seiner Autoren in den Nachkriegsjahren. Die folgenden Beispiele sollen dies illustrieren.

1. "Geben Sie meine Bücher frei": Der Fall Hans Künkel

Kaum hatte sich Ernst Reclam im Frühjahr 1947 von der niederdrückenden Demontage erholt, sah er sich neuen Ärgernissen gegenüber: Sein in Wolfenbüttel lebender Autor Hans Künkel forderte die Verlagsrechte seiner sechs bisher bei Reclam erschienenen Werke zurück:
Hans Künkel: Niklas von CuesDie Erstausgabe des Niklas von Cues von Hans Künkel, Leipzig 1936. (© Reclam Verlag)
"Schicksal und Liebe des Niklas von Cues", "Anna Leun", "Laszlo", "Ein Arzt sucht seinen Weg", "Die arge Ursula" und das Drama "Kaiphas". Auslöser hierfür war ein Missverständnis zwischen Verlag und Autor, das an dieser Stelle nicht von Belang ist, das Künkel aber den Beweis für "die Schwierigkeit einer Verständigung und ersprießlichen Zusammenarbeit über die Zonengrenze hinweg" lieferte.[18] Er stützte seine Rückgabeforderung darauf, dass seit Kriegsende keines seiner Bücher wieder erschienen war und dass Ernst Reclam ihm auch im Dezember 1946 keine Zusage für baldige Neuauflagen hatte geben können. Zweifellos ist diese zögernde Haltung Reclams auf die Demontagearbeiten zurückzuführen, die zu diesem Zeitpunkt in vollem Gange waren und kaum Hoffnung auf eine baldige Weiterführung der Verlagsarbeit zuließen. Ob Künkel hiervon wusste, ist ungewiss. Jedenfalls lehnte er von vornherein auch die Möglichkeit einer Lizenznahme ab: Er wollte seine Verbindung zum Reclam Verlag vollständig lösen.

Ernst Reclam zeigte sich von diesem Verhalten schwer enttäuscht, doch erwartungsgemäß wies er eine Abtretung der Verlagsrechte entschieden zurück.[19] Fortan entwickelte sich die Auseinandersetzung zunehmend ins Persönliche. Künkel fand angesichts seiner aktuellen Honorarabrechnung heraus, dass sein Guthaben bei Reclam in den letzten Jahren auf über 7.000 DM angewachsen war.[20] Die Einnahmen aus den Jahren 1945 und 1946 seien ihm vertragswidrig verschwiegen worden, was ihn nach Kriegsende glauben ließ, er sei mittellos, und ihn gezwungen habe, sein Grundstück in Harburg "sehr zur Unzeit und mit großem Schaden [zu] verkaufen."[21] Durch diese Angelegenheit sei er vom Verlag nicht nur wirtschaftlich geschädigt worden, sondern es sei auch "menschlich etwas zerrissen."[22] All dies teilte er Ernst Reclam jedoch zunächst nicht persönlich mit, sondern vermittelt durch den ehemaligen Leipziger Lektor Konrad Nußbächer.

Reclam trafen die persönlichen Anschuldigungen Künkels sehr, wie aus seinen Briefen an Nußbächer hervorgeht: "Es ist ja auch direkt abstoßend, wie er Sie und Herrn [Gotthold] Müller mit Liebe und Hochschätzung behandelt, während sein 'Vertrauen in die Geschäftsführung des Verlages zusammengebrochen ist', womit er mich meint, weil es ihm aus irgendwelchen Gründen besser passt, zu einem anderen Verleger überzuschwenken. […] Mir ist es äußerst dégoutant, wenn ein Mann, der früher freundschaftlich tat, plötzlich so umschwenkt, ohne wirklich stichhaltigen Grund."[23] – "Selbstverständlich werde ich nicht darauf eingehen, die Verlagswerke, die wir von ihm haben, freizugeben. Wenn er seine Neuproduktion woanders erscheinen lassen will [Künkel hatte einen Optionsvertrag mit Reclam abgeschlossen], so werden wir wohl diesen ungetreuen Autor nicht halten können. Was er bei uns zu leiden hat, ist mir allerdings nicht klar."[24]

Nußbächer versuchte, beschwichtigend einzugreifen. Allerdings konnte auch er das Ausmaß von Künkels Gekränktheit nicht nachvollziehen: Es sei ihm "unbegreiflich, warum und wieso in Ihnen eine solche Erbitterung […] gegen den Verlag entstanden ist, der jedenfalls viele Jahre hindurch sein Bestes getan hat […], um Ihr dichterisches Werk zu fördern", schrieb er an Künkel und erinnerte ihn daran, dass auch der Verlag mannigfaltige Schwierigkeiten zu erdulden gehabt hatte – "da muss doch auch der Autor dieses Verlags Gerechtigkeit walten lassen!"[25] Jedenfalls sehe er in den mitgeteilten Fakten keine zureichende Erklärung für eine solche Entfremdung und hoffe auf eine baldige Beilegung des Streits. Doch Nußbächers Appell sollte sich als "verlorne Liebesmüh"[26] erweisen: Künkel zeigte keine Einsicht und berief sich im September 1947 schließlich auf Paragraph 17 des Verlagsrechtsgesetzes, um von seinen Verträgen zurückzutreten.[27] Hierauf erklärte ihm Reclam, dass das Gesetz in diesem Fall kaum Anwendung finden könne, da von drei Werken Künkels noch Vorräte vorhanden seien.[28]

Für einige Zeit trat daraufhin Ruhe ein, bis Künkel Ende Dezember 1947 den Verlag dringend aufforderte, seine Bücher auch dem westlichen Buchhandel zugänglich zu machen. Da sein Hauptarbeitsgebiet in den Westzonen liege, sei dort das Bedürfnis nach seinen Werken weitaus größer als in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Mit dem Appell: "Ich werde durch Sie des Ertrages und der Auswirkung der Hauptarbeiten meines Lebens beraubt",[29] schloss er seinen Brief. Die Prokuristin Hildegard Böttcher, die das Schreiben an Stelle des auf Geschäftsreise weilenden Ernst Reclam beantwortete, erklärte sich tatsächlich zu einem großen Zugeständnis bereit: Künftig sollten aus dem Westen eingehende Bestellungen von Künkels Werken ausgeführt werden. Sie bat den Autor gleichzeitig, dieses Entgegenkommen besonders anzuerkennen, da hierdurch eine starke Belastung der gesamten Auslieferung zu erwarten sei, wenn die West-Buchhändler wieder anfingen, nach Reclams Universal-Bibliothek und den übrigen Verlagswerken zu fragen.[30]

Doch auch nach diesem Entgegenkommen gab Künkel seinen Kampf um die Verlagsrechte seiner Bücher nicht auf und verlegte sich nun aufs Flehen. Er sei in finanzieller Not, sehe sich des Erfolges seiner Lebensarbeit beraubt und müsse seine Zeit zum Geldverdienen statt zum Schreiben verwenden: "Ein Verlagshaus steht vor der Tür, das sofort bereit ist, meinen 'Niklas' für die Westzone zu drucken, wodurch ich meine Freiheit mit einem Schlage wieder hätte. Ich habe bis jetzt 'Nein' gesagt. […] Aber ich möchte nun doch von Ihnen als dem Chef des alten Hauses persönlich hören, dass Sie wirklich bereit sind, meinem künstlerischen Schaffen die Lebensader abzuschneiden […], dass Sie lieber mein schriftstellerisches Lebenswerk der Vergangenheit und Zukunft knicken wollen, als auf einen finanziellen Vorteil zu verzichten, der übrigens für Sie und Ihr Haus nicht greifbar ist. […] Geben Sie meine Bücher frei. Ich bitte Sie darum bei allem, was uns verbunden hat, aber auch bei dem guten Geist Ihres alten Verlagshauses, das durch so lange Zeiten einer der ersten Förderer der deutschen Dichtung war."[31]

Ernst Reclam ließ sich hiervon kaum beeindrucken: Die von Künkel erhobenen Vorwürfe seien gegenstandslos, er wolle ihm nichts dergleichen antun und die Verlagsrechte werde er nicht freigeben, da noch immer genügend Vorräte seiner Werke vorhanden seien und nun endlich auch eine Auslieferung nach Westdeutschland erfolge.[32] Im August 1948, nachdem Künkel wiederholt auf eine Neuauflage seiner Werke gedrängt hatte, war ihm endlich Erfolg beschieden: Gotthold Müller hatte sich zu einer Neuauflage des "Niklas von Cues" in Stuttgart entschlossen. Doch auch hierbei gab es einen Wermutstropfen, wie Künkel einige Zeit später Ernst Reclam berichtete: "Ob ich mit dem Verlage Reclam Verlag G.m.b.H. Stuttgart zu einem Abschluß komme, steht noch dahin. Ich darf wohl mitteilen, daß die Art, mit der dieser Verlag mir bisher entgegengetreten ist, mir neuartig erscheint und keine Grundlage für eine dauernde Verbindung verspricht. Auch die Art der heutigen Mitteilung ist befremdend, und recht anders, als mir bisher vom Verlag Phil. Reclam in Leipzig und Eugen Diederichs, Jena, geschrieben wurde. Es erweckt fast den Anschein, als wenn Herr Müller die Meinung hätte, das Verlagsrecht über meine Bücher zu besitzen."[33]

Tatsächlich traf bereits vier Tage später ein weiterer Brief Künkels ein. Hierin setzte er Ernst Reclam davon in Kenntnis, dass sein "Niklas von Cues", "Ein Arzt sucht seinen Weg" und "Laszlo" demnächst im Braunschweiger Vieweg Verlag erscheinen würden. Da Vieweg inzwischen bereits zwei Werke aus seiner Feder herausgebracht habe, wolle er nun seine Bücher in einem Verlag vereinen. Künkel sprach gleichzeitig die Hoffnung aus, "daß Sie meine jetzige endgültige Entscheidung nicht als eine persönliche Unfreundlichkeit, sondern als die Konsequenz einer Entwicklung auffassen, die wir rückwärts zu revidieren nicht mehr imstande sind."[34]

Wie zu erwarten, hielt Ernst Reclam weiterhin an den Verlagsrechten fest: "Verlagsverträge sind zweiseitige Verträge, die nicht ohne Grund von der einen Seite gelöst werden können",[35] beharrte er. Da Reclam Stuttgart zur Ausnutzung der Lizenzen für den Westen gegründet worden sei, habe Künkel keine Veranlassung, sich einen anderen Verlag zu suchen.

Künkel fühlte sich zwar weiterhin im Recht, wollte aber "der literarischen Welt nicht das Schauspiel eines Prozesses zwischen zwei so alten Verlagshäusern […] geben."[36] Für die Zusammenarbeit mit Stuttgart stellte er jedoch Bedingungen: Zum einen müsse der Verlag bindende Termine für Neuauflagen festlegen, "damit ich nicht das Neuerscheinen jedes einzelnen Werkes von neuem erkämpfen muß". Außerdem solle Gotthold Müller "sich mit seinem Autor auf einen Verkehrston […] stellen, wie er den Gepflogenheiten in einem so hervorragend geistigen Beruf entspricht." Damit war der für beide Seiten zweifellos nervenaufreibende Kampf ohne Gewinner beendet: In Stuttgart wurden Neuauflagen von "Anna Leun" und von "Niklas von Cues" (beide 1949) sowie zwei
Hans Künkel: ProphetenHans Künkels Propheten erscheint 1949 bei Reclam Stuttgart. 1959 wechselt das Werk zur Evangelischen Verlagsanstalt. (© Reclam Verlag)
neue Werke Künkels herausgebracht: "Propheten" (1949) und "Labyrinth der Welt" (1951). Nach Künkels Tod im Jahre 1956 sollte bis auf die beiden letztgenannten keines dieser Werke je wieder erscheinen: weder bei Reclam noch bei Vieweg oder einem anderen Verlag.

Am Beispiel Hans Künkels ist deutlich zu sehen, dass in den von Mangel geprägten Jahren nach dem Krieg nicht nur die Verleger um ihre Autoren kämpfen mussten, sondern umgekehrt auch die Autoren um Neuauflagen ihrer Bücher und letztlich ums Überleben. Mag es bei Künkel auch nicht um seine Existenz gegangen sein, so investierte er doch außerordentlich viel Energie in die Wiedererlangung seiner Verlagsrechte, um diese andernorts gewinnbringender einsetzen zu können. Hinzu kommt, dass in diesem Fall die Diskussion auf einer sehr persönlichen Ebene stattfand und stark durch die Gefühle und Eigenheiten der Beteiligten beeinflusst und geschürt wurde. Angesichts der großen Belastung, die diese Auseinandersetzung für Ernst Reclam bedeutete, erscheint es umso erstaunlicher, mit welcher Unnachgiebigkeit der 72-Jährige an seinen Verlagsrechten festhielt. Den Weg des geringsten Widerstandes war Reclam hierbei jedenfalls nicht gegangen.

2. Von Reclam zu Reclam: Ludwig Klages und die "Ursprünge der Seelenforschung"

Ludwig Klages: Ursprünge der SeelenforschungDrei Ausgaben, drei Ausstattungen: RUB Nr. 7514 bei Reclam Leipzig (1942), Reclam Stuttgart (1952) und in der neuen Gestaltung ab 1970. (© Reclam Verlag)
Eine recht aufreibende Auseinandersetzung hatte Ernst Reclam im Jahr 1947 auch mit dem Schweizer Philosophen und Graphologen Ludwig Klages bezüglich einer Neuauflage seines Werkes "Ursprünge der Seelenforschung" zu führen (Reclams Universalbibliothek Nr. 7.514).[37] Sie begann im Mai 1947, als Klages sich verärgert an den Verlag wandte: Bereits seit Januar habe er unbefriedigende Korrespondenzen mit der Firma Reclam & Cie. in Zürich geführt, die ihn zunächst einige Monate lang vertröstet und schließlich nach Leipzig verwiesen habe. Nun drängte er auf eine rasche Entscheidung über das Wiedererscheinen seines Buches.[38] Ernst Reclam klärte ihn zunächst darüber auf, dass Reclam & Cie. lediglich eine Schweizer Auslieferungsstelle des Verlages sei, und erinnerte daran, dass Klages seinen Vertrag schließlich mit der Leipziger Firma geschlossen habe.[39]

Obwohl Reclam zugleich ankündigte, sich um eine Druckgenehmigung für eine Neuauflage der "Ursprünge" zu bemühen, zeigte sich Klages nicht besänftigt: Er beschwerte sich über das mangelnde Engagement des Verlages, der seit Kriegsende nichts unternommen habe, um sein seinerzeit so lebhaft begrüßtes Bändchen wieder auf den Markt zu bringen, und erklärte, dass er sich mit der von Reclam geäußerten ungewissen Aussicht auf Neudruck nicht zufriedengeben könne: "Das mindeste, um was ich ersuchen muß, ist, daß Sie mich bevollmächtigen, die Lizenz […] einem dafür in Frage kommenden Verlage zu erteilen. Andernfalls würde ich ohne weitere Rücksichtnahme auf Verträge über mein Skriptum verfügen."[40]

Nun war es an Ernst Reclam, deutliche Worte zu finden: Offenbar wisse Klages nichts von den schwierigen Verhältnissen in Leipzig und der absoluten Abhängigkeit vom Kulturellen Beirat, was ihn jedoch keineswegs ermächtige, sich über vertragliche Abmachungen ohne Weiteres hinwegzusetzen. Eine Lizenz käme nur für den Reclam Verlag Stuttgart in Frage und Klages solle sich dorthin wenden.[41] An diesem Punkt der Auseinandersetzung wurde es dem Autor offenbar zu viel. Er erklärte: "Mein Briefwechsel mit dem Reclam-Verlag entbehrt nicht ganz der Komik. Reclam in Zürich verweist mich an Reclam in Leipzig, Reclam in Leipzig an Reclam in Stuttgart, und dieser würde mir vermutlich einen vierten Reclam-Verlag empfehlen. Den Rundgang gedenke ich jedoch nicht fortzusetzen".[42] Klages warf Reclam stattdessen vor, an dem Büchlein, auf das er seinerzeit viel Mühe verwendet habe, kein Interesse mehr zu haben. Gleichzeitig empörte er sich, dass Reclam ihm eine Lizenz verweigere: "Das hieße ja: Eine Neuausgabe verhindern wollen!" Er bestand auf dem "Recht des Autors an seinem geistigen Gut" und kündigte an, von seinem Vertrag zurückzutreten, sollte Reclam einer Lizenz nicht zustimmen. Er werde "nötigenfalls [s]einen Standpunkt vor jeder Instanz zu vertreten wissen".

Ernst Reclam bemühte sich, die Diskussion zu entschärfen: "In dem Briefwechsel mit dem Reclam-Verlag kann nur jemand eine Komik finden, der in der freien Schweiz lebt, fern von allen Schwierigkeiten, unter denen wir Deutschen leiden müssen. Wenn Sie sich gleich an die Stelle gewandt hätten, mit der Sie den Vertrag haben, nämlich an mich, so würde schon ein Teil der Komik weggefallen sein, den 4. Reclam-Verlag gibt es ja sowieso nicht."[43] Er äußerte zudem Zweifel, dass Reclam Stuttgart einen Neudruck der "Ursprünge" produzieren könne, "so lange nicht feststeht, ob ein Werk aus ihrer Feder in der dortigen Zone genehm ist". Auch der Kulturelle Beirat hatte mittlerweile seine Ablehnung gegen Klages überaus deutlich gemacht und von seinem Werk bereits bei Einreichung der Planung dringend abgeraten.[44] Obwohl Reclam seinem Autor angesichts dieser Umstände nun doch eine Lizenz für einen anderen Verlag anbot, sind die "Ursprünge der Seelenforschung" nie außerhalb Reclams erschienen. Für Leipzig allerdings war der Autor verloren: 1952 brachte Reclam Stuttgart schließlich doch eine Neuauflage des Bändchens heraus und druckte es bis 1970 noch zweimal nach. In der Stuttgarter Verlagsgeschichte wurde Klages im Rahmen der Reihe Philosophie besonders hervorgehoben.[45]

Am Fall Ludwig Klages lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie schwierig es selbst für einen Verlag mit einem so bedeutenden Namen wie Reclam sein konnte, unter Nachkriegsbedingungen den Wünschen seiner Autoren gerecht zu werden, und wie groß die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten des Verlegers und den Interessen des Autors war. Einen Kompromiss zwischen beiden zu finden, gelang selten und forderte vom Verleger ein hohes Maß sowohl an Einfühlungsvermögen, Gleichmut und diplomatischem Geschick als auch an Durchsetzungsvermögen und Stärke.

3. "Anklänge an die nationalsozialistische Sphäre": Die Werke Rudolf Huchs

Rudolf Huch: Hans der TräumerDie Erzählung Hans der Träumer von Rudolf Huch erschien 1925. Der Schutzumschlag war der Auftakt der jahrelangen engen Zusammenarbeit Reclams mit dem Leipziger Grafiker Karl Stratil. (© Reclam verlag)
Viel Fingerspitzengefühl musste Ernst Reclam auch im Falle von Rudolf Huch beweisen.[46] Es galt hier, den Vorstellungen der Zensurbehörde zu entsprechen und gleichzeitig die Erben eines bis dahin renommierten Autors nicht vor den Kopf zu stoßen. Rudolf Huch war im Januar 1943 verstorben, und so trat seine Tochter Liselotte im Frühjahr 1947 an den Verlag heran, um sich nach den Plänen für Neuauflagen der Werke ihres Vaters zu erkundigen. Die Erzählungen "Der tolle Halberstädter", "Hans der Träumer" und "Die beiden Ritterhelme" sowie die recht bekannten Romane "Der Herr Neveu und seine Mondgöttin" und "Brinkmeyers Abenteuer von ihm selbst erzählt" waren in der Mitte der 1920er-Jahre bei Reclam erschienen.

Auf Liselotte Huchs Anfrage reagierte Ernst Reclam äußerst verhalten: Es sei ungewiss, ob die Werke ihres Vaters in der SBZ überhaupt wieder aufgelegt werden dürften.[47] Immerhin war der heute weitgehend unbekannte Autor willentlich oder unwillentlich von den Nationalsozialisten herausgestellt worden und selbst auch Mitglied der NSDAP gewesen. Liselotte Huch zeigte sich erstaunt angesichts dieser abwartenden Haltung Reclams: In der britischen Zone fänden zurzeit "überall" Gedächtnisfeiern für ihren Vater statt. Sie fügte hinzu: "Es ist hier allgemein bekannt, daß mein Vater sehr stark antinationalsozialistisch eingestellt war und viel durch das Naziregime gelitten hat, worüber wir schriftliche Unterlagen in Menge haben. Sollte sich dort also die Sache zu Ungunsten meines Vaters entscheiden, darf ich Sie wohl bitten, uns sofort die Rechte an den Büchern zurückzugeben".[48]

Ernst Reclam schlug statt der Rückgabe der Verlagsrechte eine Lizenzausgabe bei Reclam Stuttgart oder einem anderen Verlag vor und versprach gleichzeitig, dass er bezüglich der Aussicht auf Genehmigung der Werke die "Fühler ausstrecken" werde.[49] Noch am gleichen Tag löste er dieses Versprechen ein, indem er an F. A. Unger vom Kulturellen Beirat schrieb. In diesem Brief beklagte er die sich häufenden Probleme mit abwandernden Westautoren, "die sich in unserer Zone nicht gedruckt sehen und die Verleger nicht nur um Lizenzen in den anderen Zonen, sondern vielfach um Rückgabe des Verlagsrechts angehen. Solche Anträge habe ich auch leider schon erhalten, aber bis jetzt versucht, diese Angriffe abzuschlagen. Dies geht aber auf die Dauer nicht. Ein Fall, der zwar noch nicht unangenehm geworden ist, es aber leicht werden kann, ist Rudolf Huch, dessen Tochter mit dem Wunsch, dass die Werke ihres Vaters wieder neu aufgelegt werden, an mich geschrieben hat."[50] Reclam schloss diesen Brief mit dem Hinweis, dass Huch in der britischen Zone zurzeit sehr herausgestellt werde, und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Beurteilung Huchs in der hiesigen Zone ähnlich positiv ausfallen werde.

Doch Reclam wurde enttäuscht: Einige Tage später teilte Unger ihm mit, "dass eine Einreichung dieser Werke nach meinen Informationen keinerlei Aussicht auf eine zustimmende Haltung des KB in sich birgt."[51] Dennoch ermutigte er Reclam, es auf einen Versuch ankommen zu lassen und die Druckgenehmigung für Huchs Werke zu beantragen, vorausgesetzt, es lägen eindeutige Beweise für dessen antifaschistische Haltung vor.

Im Mai 1947 wurden also "Brinkmeyers Abenteuer" und "Herr Neveu" beim Kulturellen Beirat eingereicht. Wie sich wenig später herausstellte, zeigte auch der Leiter des Referats Verlagswesen im KB, Lothar von Balluseck, wenig Begeisterung dafür: "Wir kennen die Erwägungen, die Sie zur Vorlage dieser beiden Werke veranlaßt haben, nicht. Vielleicht taten Sie es deshalb, weil die Möglichkeit der Abwanderung in die westlichen Zonen bestehe. Dennoch möchten wir Sie bitten, diese beiden Objekte zurückzuziehen. Rudolf Huch hat dem Nationalsozialismus doch wohl einigermaßen nahegestanden; möglich, dass er sich später von ihm zurückgezogen, möglich auch, dass er sich niemals vollständig mit ihm identifiziert hat – die Tatsache ist aber nicht zu leugnen, dass er innerhalb der literarischen nationalsozialistischen Propaganda als eine bedeutende Potenz gewertet worden ist und eine entsprechende Rolle gespielt hat. Es ist doch wohl notwendig, zunächst einmal alle Anklänge an die nationalsozialistische Sphäre […] zu vermeiden."[52]

Zwar bestätigte Ernst Reclam daraufhin, die beiden Werke nur vorgelegt zu haben, um die Verlagsrechte nicht zu verlieren, betonte aber: "Daß Huch von den Nationalsozialisten besonders herausgestellt wurde, weiß ich, nicht aber, daß er selbst nazistisch eingestellt gewesen ist."[53] Dennoch war es nun an ihm, Liselotte Huch mitzuteilen, dass eine Neuauflage der Bücher ihres Vaters in der SBZ nicht möglich sei. Er verwies sie an Reclam Stuttgart, schränkte jedoch gleichzeitig ein, dass auch dort die Chancen nicht zum Besten stünden.[54] Die Tochter erklärte sich mit dieser Lösung zunächst einverstanden.[55] Der Grundton dieser und der folgenden Korrespondenz mit ihr war im Gegensatz zu den Briefwechseln mit Ludwig Klages oder Hans Künkel ausgesprochen freundlich.

Liselotte Huch nahm also Verbindung zu Stuttgart auf, musste jedoch im Herbst 1947 von Gotthold Müller erfahren, dass auch er vorläufig keine Möglichkeit sehe, die Werke ihres Vaters neu aufzulegen.[56] Zu diesem Zeitpunkt hoffte sie allerdings noch immer auf eine spätere Neuauflage oder zumindest auf eine Lizenz für den ebenfalls interessierten Löwen-Verlag in Braunschweig. Als sie ein Jahr lang nichts mehr von Müller gehört hatte, wandte sie sich mit etwas mehr Nachdruck nach Stuttgart: "Falls Sie nicht beabsichtigen, sich um die Werke zu kümmern, muß ich Schritte unternehmen, die Bücher frei zu bekommen, da sich mehrere andere Verlage ernstlich für meines Vaters Bücher interessieren."[57]

Die Antwort hierauf kam jedoch nicht aus Stuttgart, sondern wieder aus Leipzig. Hildegard Böttcher zeigte sich verständnisvoll und wiederholte bedauernd, dass Huch in der SBZ nicht tragbar sei und dass auch Reclam Stuttgart "zur Zeit nicht daran denken" könne, Neuauflagen herauszubringen: "Wenn Sie also der Meinung sind, daß Sie nicht länger warten können, sondern sich ernsthaft bei anderen Verlagen um die Neuherausgabe bemühen müssen, so bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihnen den Weg dazu freizugeben. Ich tue es außerordentlich ungern und hätte gern die Werke Ihres Vaters auch weiterhin betreut. Es liegt jedoch bei Ihnen, wie Sie sich entscheiden wollen."[58] – Weshalb Böttcher an dieser Stelle nicht auf die Möglichkeit einer Lizenzvergabe zurückgriff, bleibt unklar. Die Korrespondenz endete mit der Zusicherung Liselotte Huchs, dass sie gern die Bücher ihres Vaters bei Reclam gelassen hätte, dass sie jedoch einen Verlag finden müsse, der die Bücher auch herausbringen könne.[59]

Dieses Vorhaben scheint nicht geglückt zu sein, denn keines der bei Reclam erschienenen Werke Huchs wurde nach 1945 je wieder aufgelegt.[60] Dennoch ist der Fall Rudolf Huch ein geeignetes Beispiel dafür, wie politisch missliebige Autoren durch die Zensur gezwungen wurden, für ihre Bücher neue Verlage zu suchen.

4. Ein untreuer Autor? Herbert Tjadens



Im Frühjahr 1947 wurde Herbert Tjadens' Sammlung japanischer Erzählungen "Yoko und die Philosophen" zum Streitpunkt zwischen Autor und Verlag. Seit ihrem Ersterscheinen im Jahre 1939 hatte diese Anthologie bei Reclam bereits vier Auflagen erlebt.

Ende November 1946 bat Tjadens (1897–1981) erstmals um die Abtretung des Verlagsrechts für seine Novellensammlung. Da sich der Verlag zu diesem Zeitpunkt aufgrund der bereits angelaufenen Demontage des technischen Betriebes in einer Zwangslage befand, gab Ernst Reclam sein Einverständnis zu einer Lizenzerteilung an den Wolfgang Krüger Verlag in Hamburg. Dieser machte schnell deutlich, dass ihm "eine bloße Lizenz nicht besonders sympathisch"[61] sei und er deshalb einen Verkauf des Verlagsrechts vorzöge, zumal er mit Tjadens weitere Pläne habe. Auch Tjadens selbst bat Reclam im Interesse seines literarischen Namens nochmals um Abtretung der Rechte an Krüger, da eine bloße Lizenz für diesen "doch recht angesehenen Verlag nicht die richtige Lösung" sei.[62] Nachdem Anfang Februar 1947 die Demontage überstanden und der grafische Betrieb an Reclam zurückgegeben war, versuchte Ernst Reclam seinem Autor klarzumachen, dass er nun, nachdem die Zwangslage für den Verlag vorbei sei, das Bändchen lieber selbst herausbringen wolle: "Da es Ihnen ja nur daran liegen kann, eine Neuauflage des Novellenbändchens zu haben, und nicht etwa nur von meinem, doch auch einigermaßen angesehenen Verlag fortzugehen, um zu dem Wolfgang Krüger Verlag GmbH überzuschwenken, will ich versuchen, mein Verlagsrecht selbst auszunutzen und eine Druckerlaubnis für eine Auflage zu erhalten."[63] Gleichzeitig appellierte er an Tjadens' Verlagstreue und versicherte ihn seiner Wertschätzung.

Dem Krüger Verlag erklärte Reclam ebenfalls, dass unter den nun völlig veränderten Verhältnissen keine Notwendigkeit für eine Lizenzerteilung mehr bestehe,[64] vergewisserte sich aber noch am gleichen Tag bei seinem Rechtsberater Felix Büchner, ob die bereits gegebene Lizenzzusage unter diesen Umständen verpflichtend sei. Etwas resigniert schrieb er: "Tjadens ist kein verlagstreuer Autor, sondern einer von denen, die sich nicht scheuen, den Verlag zu wechseln, wenn ihnen ein Vorteil zu winken scheint. Er schreibt aber gut, und ich möchte seinen Novellenband auch nicht als Lizenzausgabe in einem anderen Verlag sehen, aus Prestigegründen, und weil aus der Lizenz leicht zwangsläufig eine Verlagsübertragung werden kann."[65]

Herbert Tjades: YokoSchutzumschlag der Leipziger Erstausgabe von Herbert Tjades Yoko (1939). Die Gestaltung wurde in den folgenden Stuttgarter Auflagen übernommen; lediglich die Einbandgestaltung wurde leicht verändert. (© Reclam Verlag)
Mit seinem Urteil über Tjadens sollte Reclam Recht behalten: Im Mai 1947 beteuerte der Autor zwar, dass er sich sehr über die Möglichkeit einer Neuauflage von "Yoko" bei Reclam freue und nie an ein bloßes Überschwenken zu Krüger gedacht habe. Gleichzeitig stellte er jedoch klar, dass er die Gewissheit haben müsse, "daß Sie mich im Maß ihres Vermögens so herausstellen, wie andere Verleger – vor allem Krüger – es tun."[66] Selbstverständlich werde er auf Reclams beschränktes Kontingent Rücksicht nehmen und "[w]enn ich dabei zu der Gewissheit komme, nicht stiefmütterlich behandelt zu werden, dann liegt mir nichts naher [!], als Ihrem Verlag treu zu bleiben[,] so wie Sie es wünschen".

Tatsächlich gelang es Ernst Reclam, beim Kulturellen Beirat eine Druckgenehmigung für "Yoko und die Philosophen" zu erlangen. Da die Genehmigung ohne Papierzuteilung erfolgte, konnte das Büchlein indes erst Anfang 1948 gedruckt werden. Doch es sollte die letzte Leipziger Ausgabe sein: Ein Jahr später erschien "Yoko" bei Reclam Stuttgart, zuletzt 1962 im Sigbert Mohn Verlag Gütersloh.

Auch wenn die dargestellten Ereignisse weit weniger dramatisch anmuten als beispielsweise im Fall Hans Künkel, sind die Korrespondenzen mit Herbert Tjadens in den Jahren 1946–1948 sehr aufschlussreich, wenn es um die Themen Verlagstreue und Autorenbindung geht. Sie zeigen zudem anschaulich, wie wenig in den Nachkriegsjahren selbst der weltberühmte Name Reclam gelten konnte.

Fazit

Die Archivalien des Leipziger Reclam Verlages nach 1945 stellen eine wahre Fundgrube für Verlagshistoriker, Kunst-, Kultur und Literaturwissenschaftler dar. An den dargestellten Beispielen lässt sich bereits erkennen, wie hier Ökonomie-, Kultur-, Sozial- und Politikgeschichte ineinandergreifen, während die stellenweise Emotionalität der Schriftwechsel und die Schärfe der Auseinandersetzungen gleichzeitig Schlüsse auf Charakter und Persönlichkeit der Beteiligten zulassen. Anhand dieser Einzelschicksale wird die Verlagsgeschichte lebendig.

So begegnet Ernst Reclam seinen Autoren brieflich stets beherrscht, mit dem seiner Lebenserfahrung entsprechenden Gleichmut und der seiner Person anhaftenden Autorität. Schreibt er hingegen an Freunde oder langjährige Kollegen wie Konrad Nußbächer, treten Sorge und persönliche Betroffenheit stärker zutage. Zudem wird ersichtlich, dass der über 70-Jährige als Oberhaupt des Familienbetriebs schwer mit den Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte, die den Verlag nach 1945 trafen. Nach den verheerenden Bombardements während des Luftkrieges, der Kapitulation am 8. Mai 1945 und dem folgenden mühsamen Wiederaufbau des Betriebes musste Reclam schnell erkennen, dass es für einen Privatverlag wie seinen kaum mehr Platz in der neuen Wirklichkeit der SBZ gab. Mit dem Erhalt der Verlagslizenz und damit der Erlaubnis zur Neuproduktion im März 1946 konnte Reclam zunächst neue Hoffnung schöpfen. Dennoch musste er sich spätestens nach der Demontage seines grafischen Betriebes im Winter 1946/47 eingestehen, dass die Zukunft seines Verlages in Leipzig nicht sicher und seine Entscheidung, das Angebot der amerikanischen Besatzungsmacht auszuschlagen und am Standort Leipzig festzuhalten, falsch gewesen war. Die Anordnung der Demontage zeugte nicht nur von dem rigorosen Vorgehen gegen das private Eigentum, sondern vor allem von beispielloser Nichtachtung gegenüber einem der bekanntesten deutschen Verlage und dem Amt des Börsenvereinsvorstehers. So reifte in Ernst Reclam der Gedanke, sein Unternehmen auch in den drei Westzonen zu verankern – die massiven Schwierigkeiten bei der Erlangung von Druckgenehmigungen und Papier in der Ostzone sowie die zunehmenden Unzufriedenheit besonders der West-Autoren mögen zu dieser Entscheidung beigetragen haben.

Die Tatsache, dass der Verlag Philipp Reclam jun. ab April 1947 als Parallelverlag in Ost und West existierte, hat seine Entwicklung geprägt wie kein anderes Ereignis in der Verlagsgeschichte. Ernst Reclam geriet unter enormen Druck, wurde Wirtschaftsverbrechen beschuldigt und im Jahr 1948 zweimal verhaftet, bis er im Mai 1950 Leipzig für immer verließ. Für die Zusammenarbeit mit den im Westen ansässigen Autoren, die Reclam bis 1947 so viele Sorgen bereitet hatte, boten sich mit Hilfe der Stuttgarter Zweigstelle und des gegenseitigen Lizenzvertrages völlig neue Möglichkeiten: Wer in der Ostzone nicht gedruckt werden konnte, wurde an Gotthold Müller verwiesen, sodass die Verlagsrechte zumindest im Unternehmen blieben. Nach der Entzweiung des Stuttgarter und Leipziger Hauses in den frühen 1950er-Jahren[67] führte diese Praxis allerdings zu einem kaum abzuschätzenden Substanzverlust für den unter Treuhandschaft gestellten Betrieb in Leipzig. Die beiden Schwester- bzw. Parallelverlage in Leipzig und Stuttgart gingen fortan unterschiedliche Wege. In beispielhafter Weise sollte sich die getrennte Entwicklung in Ost- und Westdeutschland in diesen zwei Verlagshäusern gleichen Namens widerspiegeln.
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Fußnoten

1.
Ernst Reclam an Hans Künkel, 11.4.1947, Reclam Archiv Leipzig (RAL), Akte 3.
2.
Vgl. zur Geschichte des Verlagswesens nach 1945: Ernst Umlauff, Der Wiederaufbau des Buchhandels. Beiträge zur Geschichte des Büchermarktes in Westdeutschland nach 1945, Frankfurt a. M. 1978; Jean Mortier, Ein Buchmarkt mit neuen Strukturen. Zur Verlagspolitik und Buchplanung in der SBZ 1945–1949, in: Klaus R. Scherpe (Hg.), Frühe DDR-Literatur. Traditionen, Institutionen, Tendenzen, Hamburg/Berlin 1988, S. 62–80; Karlheinz Selle, Zur Geschichte des Verlagswesens der Deutschen Demokratischen Republik. Ein Abriss der Entwicklung des Buchverlagswesens 1945–1970, in: Karl-Heinz Kalhöfer/Helmut Rötzsch (Hg.), Beiträge zur Geschichte des Buchwesens, Bd. 5, Leipzig 1972, S. 16–72.
3.
Vgl. Niederschrift über die Sitzung des Vorstandes des Börsenvereins am 21.1.1948, SächsStAL, 21766, Börsenverein Leipzig II, Nr. 1480, Bl. 11.
4.
Vgl. Arno Wilsdorf, Demontage-Bericht, 28.1.1947, RAL, Akte 139.
5.
Vgl. zur Geschichte von Reclam Leipzig nach 1945 allgemein: Dietrich Bode, Reclam. 125 Jahre Universal-Bibliothek 1867–1992, Stuttgart 1992; ders., Reclam: Daten, Bilder und Dokumente zur Verlagsgeschichte. 1828–2003, Stuttgart 2003; Heinfried Henniger (Red.), Autoren, Verleger, Bücher. Ein Almanach, Leipzig 1985; Hans Marquardt (Hg.), 100 Jahre Reclams Universal-Bibliothek 1867–1967. Beiträge zur Verlagsgeschichte, Leipzig 1967; Elvira Pradel, "An der Fortsetzung dieser Sammlung wird unausgesetzt gearbeitet." 120 Jahre Reclams Universal-Bibliothek, in: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (L) 50 (1987), S. 903–906.
6.
. Kurt Runge, Urheber- und Verlagsrecht. Systematische Darstellung unter Berücksichtigung des internationalen Urheberrechts, der Urheberrechtsreform und der Nachkriegslage, Bonn 1948, S. 824.
7.
Karl Foerster an Reclam, 3.7.1950, RAL, Akte 14.
8.
Ernst Reclam an Leo Kobilinski-Ellig, 3.4.1947, RAL, Akte 3.
9.
Vgl. Korrespondenz zwischen Toni Rothmund und Ernst Reclam, 27.6.–7.7.1947, RAL, Akte 5.
10.
Vgl. Fritz Merseberg an Ernst Reclam, 22.1.1947, RAL, Akte 4.
11.
Felix Genzmer an Ernst Reclam, 10.8.1949, RAL, Akte 22.
12.
Karl Foerster an Hildegard ("Herr") Böttcher, 15.6.1950, RAL, Akte 14.
13.
Toni Rothmund an Ernst Reclam, 15.6.1947, RAL, Akte 5.
14.
Vgl. Korrespondenz zwischen Otto Anthes und Ernst Reclam, 12.2.1947–24.5.1948, RAL, Akte 20.
15.
Alfred Brauchle an Hildegard Böttcher, 19.12.1950, RAL, Akte 14.
16.
Vgl. Gunnar Gunnarsson an Reclam Leipzig, 20.12.1955, RAL, Akte 76.
17.
Siegfried Lokatis, Hanseatische Verlagsanstalt. Politisches Buchmarketing im "Dritten Reich", Frankfurt a. M. 1992, S. 96.
18.
Hans Künkel an Ernst Reclam, 19.3.1947, RAL, Akte 3.
19.
Vgl. Ernst Reclam an Hans Künkel, 11.4.1947, ebd.
20.
Vgl. Honorarabrechnung an Hans Künkel, 11.4.1947, ebd.
21.
Hans Künkel an Gotthold Müller, 17.6.1947, ebd.
22.
Hans Künkel an Konrad Nußbächer, 11.5.1947, ebd.
23.
Ernst Reclam an Konrad Nußbächer, 24.5.1947, ebd.
24.
Ernst Reclam an Konrad Nußbächer, 23.5.1947, RAL, Akte 4.
25.
Konrad Nußbächer an Hans Künkel, 11.6.1947, RAL, Akte 3.
26.
Konrad Nußbächer an Ernst Reclam, 2.7.1947, ebd.
27.
Vgl. Hans Künkel an Reclam Leipzig, 24.9.1947, ebd.
28.
Vgl. Ernst Reclam an Hans Künkel, 3.10.1947, ebd.
29.
Hans Künkel an Reclam Leipzig, 29.12.1947, ebd.
30.
Vgl. Hildegard Böttcher an Hans Künkel, 13.1.1948, ebd.
31.
Hans Künkel an Ernst Reclam, 24.1.1948, ebd.
32.
Vgl. Ernst Reclam an Hans Künkel, 30.1.1948, ebd.
33.
Hans Künkel an Ernst Reclam, 10.8.1948, ebd.
34.
Hans Künkel an Ernst Reclam, 14.8.1948, ebd.
35.
Ernst Reclam an Hans Künkel, 20.8.1948, ebd.
36.
Dieses und die beiden folgenden Zitate: Hans Künkel an Ernst Reclam, 22.9.1948, ebd.
37.
Zu Klages vgl. u.a. Michael Großheim, Ludwig Klages und die Phänomenologie, Berlin 1994; ders. (Hg.), Perspektiven der Lebensphilosophie: Zum 125. Geburtstag von Ludwig Klages, Bonn 1999; Steffi Hammer (Hg.), Widersacher oder Wegbereiter? Ludwig Klages und die Moderne, Heidelberg 1992; Hans Eggert Schröder, Ludwig Klages – Die Geschichte seines Lebens, in: Franz Tenigl (Hg.), Ludwig Klages: Sämtliche Werke, Bd. Suppl. 1, Bonn 1966.
38.
Vgl. Ludwig Klages an Ernst Reclam, 5.5.1947, RAL, Akte 3.
39.
Vgl. Ernst Reclam an Ludwig Klages, 16.5.1947, ebd.
40.
Ludwig Klages an Ernst Reclam, 28.5.1947, ebd.
41.
Vgl. Ernst Reclam an Ludwig Klages, 13.6.1947, ebd.
42.
Dieses und die folgenden Zitate: Ludwig Klages an Ernst Reclam, 16.7.1947, ebd.
43.
Dieses und das folgende Zitat: Ernst Reclam an Ludwig Klages, 29.7.1947, ebd.
44.
Vgl. Käthe Barth an Ernst Reclam, 12.6.1947, RAL, Akte 21.
45.
Vgl. Annemarie Meiner, Reclam. Geschichte eines Verlages, Stuttgart 1958, S. 75.
46.
Zu Rudolf Huch vgl. ders., Mein Weg. Lebenserinnerungen, Zeulenroda 1937; Christian Jenssen, Rudolf Huch, Bayreuth 1943; Ewald Lüpke, Gruß an Rudolf Huch. Zum 80. Geburtstag, 28.2.1942, Braunschweig 1942; Ernst Sander, Rudolf Huch. Der Dichter und das Werk, Braunschweig 1922.
47.
Vgl. Ernst Reclam an Liselotte Huch, 15.3.1947, RAL, Akte 2.
48.
Liselotte Huch an Ernst Reclam, 23.3.1947, ebd.
49.
Ernst Reclam an Liselotte Huch, 11.4.1947, ebd.
50.
Ernst Reclam an F. A. Unger, Sekretariatsleiter des KB, 11.4.1947, RAL, Akte 43. Das Folgende ebd.
51.
F.A. Unger an Ernst Reclam, 19.4.1947, ebd. Das Folgende ebd.
52.
KB (Lothar v. Balluseck) an Ernst Reclam, 19.5.1947, ebd.
53.
Ernst Reclam an den KB (Lothar v. Balluseck), 23.5.1947, ebd.
54.
Vgl. Ernst Reclam an Liselotte Huch, 26.7.1947, RAL, Akte 2.
55.
Vgl. Liselotte Huch an Ernst Reclam, 20.7.1947, ebd.
56.
Vgl. Liselotte Huch an Ernst Reclam, 8.9.1947, ebd.
57.
Liselotte Huch an Gotthold Müller, 19.8.1948, RAL, Akte 22.
58.
Hildegard Böttcher an Liselotte Huch, 27.10.1948, ebd.
59.
Vgl. Liselotte Huch an Ernst Reclam, 4.11.1948, ebd.
60.
Eine Ausnahme bildet "Der tolle Halberstädter", der 1961 in der Literarischen Vereinigung Braunschweig erneut erschien. Allerdings war dieses Werk von Anfang an bei verschiedenen Verlagen untergebracht gewesen (Morawe & Scheffelt, Velhagen & Klasing).
61.
Wolfgang Krüger Verlag an Reclam Leipzig, 15.1.1947, RAL, Akte 6.
62.
Herbert Tjadens an Ernst Reclam, 27.1.1947, ebd.
63.
Ernst Reclam an Herbert Tjadens, 5.2.1947, ebd.
64.
Vgl. Ernst Reclam an Wolfgang Krüger Verlag, 4.2.1947, ebd.
65.
Ernst Reclam an Dr. Felix Büchner, 4.2.1947, ebd.
66.
Herbert Tjadens an Ernst Reclam, 13.5.1947, ebd. Das Folgende ebd.
67.
Vgl. dazu Anke Schüler, Zwei Namen, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart, http://www.bpb.de/139840.

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