BUNDESTAGSWAHL 2021 Mehr erfahren
Beleuchteter Reichstag

15.12.2020 | Von:
Jessica Jacoby
Sharon Adler

Jessica Jacoby: Lebenslanges Engagement für die Sichtbarkeit von Jüdinnen

Die 1954 geborene Filmjournalistin, Dokumentarfilmautorin und Mitherausgeberin der 1994 erschienenen Anthologie "Nach der Shoa geboren. Jüdische Frauen in Deutschland", Jessica Jacoby, gründete 1984 in West-Berlin mit anderen Frauen den lesbisch-feministischen "Schabbeskreis", der sich für die Präsenz und Wahrnehmung jüdischer Frauen in der neuen Frauenbewegung und mit Antisemitismus in feministischen Zusammenhängen auseinandersetzte.

Das Foto zeigt Jessica Jacoby. Im Hintergrund sieht man die frühere Kameratasche ihres Vaters Klaus (Claude) Jacoby. Berlin 2020Jessica Jacoby. Die Ledertasche im Hintergrund ist die frühere Kameratasche ihres Vaters Klaus (Claude) Jacoby. Berlin 2020 (© Sharon Adler/PIXELMEER 2020)

Das Interview mit Jessica Jacoby führte Sharon Adler für das Deutschland Archiv.

Biographischer Background und schwieriges Erbe. Kindheit und Jugend in Deutschland

Jessica Jacobys Großeltern väterlicherseits waren Arthur und Ella Jacoby (geborene Rosenthal), die 1941 ins Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk deportiert und dort ermordet wurden. Am 28. August 2014 wurden zwei Stolpersteine in der Venloer Straße 11a in Düsseldorf verlegt. Dies war ihr letzter freiwillig gewählter Wohnort[1] , bevor sie gezwungen wurden, in das "Judenhaus" in der Rochusstraße umzuziehen. Jessica Jacoby hat das Kaddisch[2] gesagt.

Ihr Vater Klaus (Claude) kehrte Anfang der 1950er Jahre aus dem Exil in den USA, wohin er 1938 geflüchtet war, zurück nach Deutschland. Hier arbeitete er weiterhin als Journalist und Fotograf. Jessica Jacobys Mutter ist Susanne Körber, die Tochter von Veit Harlan, der mit dem NS-Propagandafilm "Jud Süß" zur Vertreibung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden Europas aufrief. Deren Mutter war die Schauspielerin Hilde Körber, die von 1951 bis zu ihrem Tod 1969 die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin leitete. Jessica Jacoby hat sich mit den Kontinuitäten der NS-Ideologie in Nachkriegsfilmen u.a. in Vorträgen auseinandergesetzt.

Sharon Adler: Deine jüdischen Großeltern wurden von den Nazis entrechtet und ermordet, während dein nichtjüdischer Großvater mit den Nazis paktierte und durch sie profitierte. Wie hat das deine Kindheit geprägt?

Jessica Jacoby: Die Beschäftigung mit meinem nichtjüdischen Großvater Veit Harlan habe ich als Erwachsene über seine Filme gemacht. Darüber gibt es viel Material und es wurde öffentlich und kontrovers darüber diskutiert. Das ist der große Kontrast in meiner Familie, der prominente Teil auf der einen Seite, und auf der anderen Seite meine jüdischen Großeltern, von denen es nur zwei Fotos an der Wand gab. Das, was ich von ihnen wusste, war, dass sie umgebracht worden sind. Mehr wusste ich nicht.
Das Foto zeigt die Familie Jacoby im Strandkorb. Rosch ha Schanah Karte von 1921 Arthur, Ella geborene Rosenthal und ihre Kinder Inge und Klaus.Familie Jacoby im Strandkorb. Rosch ha Schanah Karte von 1921 Arthur, Ella geborene Rosenthal und ihre Kinder Inge und Klaus. (© Privat (Jessica Jacoby))
Meine Eltern haben sich in Berlin kennengelernt, als mein Vater - damals Zivilangestellter des "Information Bulletin for the American Forces in Germany" ein Interview und eine Fotosession mit meiner Großmutter gemacht hat. Sie hat in der NS-Zeit zwar keinen offenen Widerstand geleistet, aber versucht, "Reichsfluchtsteuer" für jüdische Kollegen zu sammeln. Er kam nur nach Deutschland zurück, um herauszufinden, was mit seinen Eltern geschehen war.

Sharon Adler: Wusste deine Mutter davon, habt ihr euch als Tochter und Mutter dazu ausgetauscht?

Jessica Jacoby: Ja. Aber meine Mutter hat sich nicht ernsthaft mit den Filmen ihres Vaters auseinandergesetzt, hat auch „Jud Süß“ nicht gesehen. Sie wollte sich distanzieren, wurde aber immer mit dieser Geschichte verbunden. Im Gegensatz zu ihr hat ihre Schwester bis zuletzt immer sein Wirken für Goebbels verteidigt. Als Kind habe ich das als Minenfeld erlebt.

Sharon Adler: Im Film "Harlan – Im Schatten von Jud Süss"[3] äußerst du dich zu dieser beladenen Familiengeschichte. Was war deine Strategie, damit umzugehen?

Jessica Jacoby: Gute Frage. Ich habe das nicht als eine in Täter und Opfer gespaltene Familie erlebt, denn eine gemeinsame Familie gab es in der NS-Zeit und danach ja nicht. Das waren zwei verschiedene Welten. Für mich spielte nur meine Großmutter eine Rolle. Ich habe sie sehr geliebt und umgekehrt auch. Meine Mutter und Oma habe ich den Deutschen nie zugerechnet.

Kindheit und Jugend in West-Berlin

Sharon Adler: Welche Erinnerung hast du an die Zeit als Schülerin der John F. Kennedy Schule (JFKS)[4] in Berlin-Zehlendorf?

Jessica Jacoby: Die JFKS hatte viele ambivalente Seiten, aber, und das war für mich ganz wichtig, ich habe da das erste Mal etwas Positives, Aufbauendes über das Judentum und auch etwas Hebräisch gelernt und hatte jüdischen Religionsunterricht. Es gab in meiner Klasse drei jüdische Mädchen, die meine Freundinnen wurden. Und Mitschüler und Mitschülerinnen aus unterschiedlichen Ländern. Da hatte ich das erste Mal ein Zugehörigkeitsgefühl. Meine Lehrerin war Ora Guttmann[5] , eine ganz tolle Frau.

Sharon Adler: War Ora Guttmann ein weibliches jüdisches Role Model für dich?

Jessica Jacoby: Ora hat für mich Stärke verkörpert, Selbstbewusstsein, Charme und Humor. Sie hatte so eine Strahlkraft. Das Thema der weiblichen Stärke stand auch bei uns zuhause im Vordergrund.

Sharon Adler: Du warst eine junge Frau, als eine Reihe von Anschlägen auf jüdische und auf israelische Menschen und Einrichtungen der Jüdischen Gemeinden verübt wurde. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Jessica Jacoby: Das hat mich schockiert. Ich hatte einen nichtjüdischen Freund, und dass er nicht schockiert war, hat mich sehr getroffen. Bis heute noch präsent für mich ist der Brandanschlag 1982[6] auf das Mifgash Israel in der Nachodstraße, wohin wir damals als Clique von Jugendlichen immer gegangen sind. Das war unsere Kneipe, die ausgebrannt ist. Wir waren alle total entsetzt.

Sharon Adler: Warst du im jüdischen Jugendzentrum aktiv?

Jessica Jacoby: Ja, ich war im Jugendzentrum und in der Zionistischen Jugend, der ZjD[7] . Ich habe vieles in positiver Erinnerung. Wir haben eine Zeitung herausgegeben, Schalom Dialoge hieß sie. Hier traf ich auf andere jüdische Jugendliche. Aus dieser Zeit stammen zwei meiner engsten Freundschaften, Sabine Spier und André Goldstein. Alle, auch wenn wir erst später darüber geredet haben, hatten einen schwer traumatisierten Hintergrund. Alle waren entweder die Kinder von Remigranten, von U-Booten[8] oder von Eltern, die aus dem KZ kamen.

Der lesbisch-feministische Schabbeskreis

Sharon Adler: 1984 hast du mit anderen Frauen den "Schabbeskreis“ gegründet. Wie und wodurch genau kam es dazu?

Jessica Jacoby: Als ich an der FU im Lesbenreferat war, habe ich die Frauen-Sommer-Uni mitorganisiert und fand, dass Jüdinnen und Jüdisches fehlten. Insgesamt gab es wenig Interesse, jüdische Frauen sichtbar zu machen. Nur eine einzige Veranstaltung, über Charlotte Wolff[9] , aber die ging auf meine und Claudia Schoppmanns Initiative zurück. Ich habe dann im Lestra[10] eine Veranstaltung über jüdische Frauen gemacht. Zu meiner Überraschung kamen zwei jüdische und viele nichtjüdische Frauen, und es wurde lebhaft diskutiert. Weil von mehreren Frauen der Wunsch kam, an dem Thema weiterzumachen, boten wir daraufhin eine wöchentliche Runde an. Da das freitags war, habe ich immer eine Challa[11] , eine Flasche Wein oder Traubensaft, und zwei Kerzenhalter mitgebracht. Durch das Kerzenanzünden durch mich oder die anderen jüdischen Frauen wollte ich den Schabbat einleiten und eine bestimmte Atmosphäre erzeugen, auch wenn ich keine fromme Jüdin bin. Das kam total gut an. Es gab zwar immer eine gewisse Fluktuation, aber auch einen harten Kern. Das hat sich fünf Jahre lang bewährt. Es gab einfach ein sehr starkes Wir-Gefühl.

Sharon Adler: Wer gehörte zum inneren Kern der Gruppe?

Jessica Jacoby: Das waren die jüdischen Frauen Cathy Gelbin, Maria Bader, Wendy Henry und ich. Ein nichtjüdisches Gründungsmitglied war Gotlinde Magiriba Lwanga, später kamen noch Kate Sturge, Mary Petters, und Gülşen Aktaş dazu. Zum erweiterten Schabbeskreis zählten eine Frau mit amerikanisch-französischem Hintergrund, die sich nach ihrem Großvater Jacob nannte, sowie die Schweizerin Rivka Jaussi, die nun schon seit längerem in Israel lebt. Rivka war als einzige von uns orthodox orientiert. Durch unsere englischen Mitglieder war Karen Adler, deren Eltern aus NS-Deutschland geflohen waren, eine Zeitlang bei uns.

Sharon Adler: Was waren eure Themen im Schabbeskreis?

Jessica Jacoby: Frauen und Judentum kann vieles beinhalten, beispielsweise die Veränderung der sozialen Rolle von Frauen in Deutschland. Wir haben aber auch Texte von amerikanischen Jüdinnen gelesen. Darunter von Susannah Heschel[12] , die besuchsweise dabei war und durch die wir viele Anregungen für unsere Arbeit erhielten. Oder Texte von Glückel von Hameln[13] oder über die Moid von Schitomir, eine chassidische Predigerin aus Polen, die im 19. Jahrhundert sehr bekannt war. Sie war nicht etwa die Frau eines Rabbiners, sondern eine unverheiratete Frau, die eine große Menge an Unterstützer_innen hatte, die ihr zuhörten. Diese verschiedenen Facetten von jüdischen Frauenbiografien – auch vor dem 20. Jahrhundert – fanden wir unglaublich spannend.

Zum anderen ging es auch um die Auseinandersetzung innerhalb der Frauenbewegung oder um Theologie, beziehungsweise um antisemitische Klischees. Den Namen "Lesbisch-feministischer Schabbeskreis"[14] haben wir uns auf der Lesbenwoche gegeben. Was dazu führte, dass wir auch über Berlin hinaus ein hohes Maß an Bekanntheit gewonnen haben und nicht nur jüdische, sondern auch nichtjüdische Frauen dazu kamen.

Sharon Adler: 1985 wart ihr mit dem Schabbeskreis auf der 1. Berliner Lesbenwoche vertreten. Wie wurdet ihr wahrgenommen?

Jessica Jacoby: Obwohl nicht alle der Frauen jüdisch waren, wurden wir als Gruppe von Jüdinnen wahrgenommen. Die Meinung war, dass sie sonst nicht so offensiv in ihrem Engagement für eine größere Sichtbarkeit von Jüdinnen auftreten würden. Unterstellt wurde uns auch, dass wir religiös wären, obwohl keine von uns fromm war. Daraus hat sich später eine merkwürdige Art von Identity Politics entwickelt, wo es weniger um Individuen ging, sondern um eine bestimmte Art von Klischee.

Sharon Adler: Wart ihr darauf vorbereitet, hattet ihr das erwartet?

Jessica Jacoby: Teils, teils. Ich habe innerhalb der Frauenbewegung und als Kind und Jugendliche schon sehr früh Ausgrenzung erlebt. Von daher hat mich das nicht besonders überrascht. Aber für die nichtjüdischen Schabbeskreis-Frauen war das eher schockierend.

Sharon Adler: 1986, auf der 2. Berliner Lesbenwoche, habt ihr das Thema "Juden als feministisches Feindbild" auf die Agenda gesetzt. Wie wurde darauf reagiert?

Jessica Jacoby: Um das Klischee sichtbar zu machen, dass wir Frauen als Männer wahrgenommen wurden, haben wir uns Bärte angeklebt. Dabei ging es uns um die Projektion von Männlichkeit auf jüdische Frauen. Das war für die meisten sehr schockierend und löste Irritationen aus.

Die Anthologie "Nach der Shoa geboren – Jüdische Frauen in Deutschland". Herausgegeben von Jessica Jacoby, Claudia Schoppmann und Wendy Henry

Das Foto zeigt das Buch "Nach der Shoa geboren - Jüdische Frauen in Deutschland.Das Buch "Nach der Shoa geboren - Jüdische Frauen in Deutschland. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2020)
Sharon Adler: Wodurch entstand der Gedanke, dieses Buch[15] zu machen?

Jessica Jacoby: Erwachsen und entstanden ist die Idee aus unserer Schabbeskreis-Arbeit, wo wir uns mit jüdischen Frauenbiografien beschäftigt haben. Außerdem wollten wir die Brüche in den Biografien der Zweiten Generation in den Mittelpunkt stellen. Claudia hatte sehr viel publizistische Erfahrung und hat aus einem Riesen-Konvolut an ganz unterschiedlichen Texten ein Buch gemacht. Das ist ihr Verdienst! Was mich damals inspirierte, war das Buch "Nice Jewish Girls. A Lesbian Anthology“[16] aus den USA.

Sharon Adler: Was war euch als Herausgeberinnen und den Autorinnen besonders wichtig? Welche Themen sollten sichtbar werden?

Jessica Jacoby: Wir wollten die weibliche Seite vom Judentum sichtbar machen. Wir wollten ganz klar ein Zeichen dagegensetzen, dass Judentum immer nur mit bärtigen Männern assoziiert wird. Im Buch sind Frauen aus den verschiedensten Kontexten. So entstand die Idee, etwas über unsere Generation zu machen und auch darüber, wo sich die Wege ihrer weiblichen Mitglieder überkreuzen. Über Frauen, die nach Berlin gekommen sind, und über Frauen, die aus Deutschland weggegangen, aber in Berlin aufgewachsen sind. Diese Art von Bewegung hat mich sehr interessiert: Was treibt Frauen weg, und was zieht Frauen an in dieser Stadt? Wie haben ihre jeweiligen biografischen Hintergründe das mitgeprägt, wie erleben sie das Hiersein, oder wie kontrastieren sie mit dem Ort, wo sie hingegangen sind.

Sharon Adler: Im Buch beschreiben viele Autorinnen die Schwierigkeiten, sich auf das Leben "im Land der Täter" einzulassen. Gleichzeitig haben sie sich hier für Frauenrechte eingesetzt. Für dich ein Widerspruch?

Jessica Jacoby: Jein. Das transitäre Gefühl, auf gepackten Koffern zu sitzen, hat uns sehr lange begleitet. Ich denke mir, dass sich das teilweise verändert hat, aber teilweise war das auch ein Bürgerrecht auf Widerruf. Speziell in den letzten Jahren, wo wir ein verstärktes Auftreten von gewalttätigem Antisemitismus sehen, wird es reaktiviert. Nicht nur in Deutschland. In Frankreich, der größten kontinentalen jüdischen Gemeinschaft in Europa, ist es noch stärker, da wandern viele aus.

Sharon Adler: Thema vieler Beiträge im Buch ist die "Wiedervereinigung", womit Ängste vor dem Entstehen eines "Großdeutschen Reiches" verbunden wurden. Wie hast du das erlebt?

Jessica Jacoby: Mich hat das nicht gewundert. Ich hatte ein ähnlich mulmiges Gefühl. Bei mir war kein Funken Euphorie, sondern eine große Skepsis, eine Frage im Raum.

Jüdische Frauen und Lesben und ihre Auseinandersetzung innerhalb der Neuen Frauenbewegung, oder: der Widerstand gegen antisemitische Klischees

Sharon Adler: Wovon war dein jüdisch-feministisches Engagement geprägt?

Jessica Jacoby: Zum einen war das, was ich von Jüdischer Frauenbewegung aufnahm sehr von den USA geprägt. In Deutschland gab es nur einzelne jüdische Frauen, die sich als Feministinnen verstanden und sich in der nichtjüdischen Frauenbewegung engagiert haben. Zum anderen kommt mein feministisches Bewusstsein von meiner Mutter und meiner Oma. Die Verbindung meines Jüdisch-Seins und meinem Engagement für jüdische Themen mit dem Feminismus ist erst während meines Studiums entstanden. Das hing damit zusammen, dass ich anfangs die "Courage“[17] und Klassiker der Frauenbewegung wie "Häutungen" von Verena Stefan oder "Die Scham ist vorbei" von Anja Meulenbelt gelesen habe. Das waren nichtjüdische Autorinnen. In einem Soziologie-Seminar habe ich dann Claudia Schoppmann kennengelernt. Sie hatte ein starkes Interesse an den Themen jüdische Geschichte und Nationalsozialismus.

Sharon Adler: War das das erste Mal, dass du erlebt hast, dass sich eine nichtjüdische Frau für jüdische Themen interessiert hat?

Jessica Jacoby: Ja, ganz klar. Bei meinen vorherigen Beziehungen war das kein Thema. Da ging es immer nur um das Patriarchat und ob ich mich durch Männer unterdrückt fühle – was ich nicht bestätigen konnte. Denn in meiner Familie waren die Frauen die Starken. Meine Vorbilder waren Rosa Luxemburg, meine Tante Inge oder Ora Guttmann. Aber auch Marianne Awerbuch, die ich während meines Studiums bei der Judaistik kennengelernt hatte. Frauen, die mich durch ihre Stärke beeindruckt haben. Ich habe mich während des Studiums mit den verschiedenen Strömungen innerhalb der Frauenbewegung auseinandergesetzt. Was am Anfang meines Studiums eine Rolle spielte, war mein Coming-Out, das ich aber nicht in einen feministischen Kontext gestellt habe. Für mich waren Frauen- und Lesbenbewegung eins. Ich hatte deswegen von Anfang an heftige Auseinandersetzungen – gerade in der Lesbenszene.

Sharon Adler: Warum gab es kaum Berührungspunkte zwischen der nichtjüdischen und der jüdischen Frauen- und Lesbenszene?

Jessica Jacoby: Ich denke, weil es ein Bestreben nach Homogenisierung gab, in einer Bewegung, die eigentlich ziemlich zersplittert war. Diese ursprüngliche Einigkeit hat sich nicht sehr lange halten können, denn es gab die Polit-Frauen, die Spiri-Frauen, die Matriarchats-Anhängerinnen und noch mehr. Wir passten in keine dieser Richtungen hinein. Und mit Antisemitismus und Rassismus hätten sie als Frauen nichts zu tun, hieß es, aber wir kamen nun und erzählten denen, dass dem nicht so sei. Ich glaube, das war der Grund der Ablehnung. Wir haben ein bestimmtes Normenverständnis, was sich dort durchgesetzt hatte, gestört.

Sharon Adler: Wurdet ihr als Provokation empfunden?

Jessica Jacoby: Wir wollten uns einbringen, auch mit unserem jüdischen Hintergrund und unserem jüdischen Bewusstsein, aber die Ablehnung in der damaligen Zeit war durch die Mainstream-Frauenbewegung recht stark ausgeprägt. Jüdische Frauen wurden ausschließlich über ihre Religionszugehörigkeit definiert. Deswegen hatten wir auch so viel "Erfolg" bei Theologinnen. Die wollten immer ganz viel von uns wissen und haben uns von vornherein in die religiöse Ecke gesteckt. Das schwankte zwischen Ablehnung und Anbiederung. Nach dem Motto, dass Jesus schließlich auch Jude gewesen sei und die Ehebrecherinnen verteidigt habe. Das war immer vor dem Hintergrund des patriarchalen Judentums. Das sind uralte Denkformen. Ich behaupte mal, dass sich das in der Zwischenzeit ein bisschen verändert hat. Zumindest weist unser Auftritt[18] mit Lara Dämmig und Debora Antmann auf der feministischen Frauenwoche darauf hin, denn wir wurden sehr positiv aufgenommen.

Sharon Adler: Gab es in den 1980er Jahren eher einen Austausch zwischen der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland und der jüdischen Frauenbewegung in den USA?

Jessica Jacoby: Der Einfluss ging erstmal nur in eine Richtung. Wegen der kritischen Masse konnte sich in den USA viel früher eine Frauenbewegung bilden. Es fanden sich etliche amerikanische jüdische Frauen im Schabbeskreis, darunter die US-Amerikanerin Suzie Heschel, eine sehr exponierte feministische jüdische Theologin. Es kamen auch jüdische Frauen aus England nach Berlin. Teilweise, weil sie deutsch-jüdische Eltern oder Elternteile hatten. Das war auch Teil des Schabbeskreis-Geschehens, dass jüdische Frauen hierherkamen und in uns eine Anlaufstelle fanden. Meist aber nicht dauerhaft in Deutschland geblieben sind. Auch Daniela Thau[19] , die ich von den Schalom Dialogen her kannte, ging zum Studium ans Leo Baeck College nach England und wurde dort als erste Berliner Jüdin als Rabbinerin ordiniert. 1987 war ich mit einem Stipendium am Yivo - dem Institut für jüdische Forschung[20] in den USA, um meine Dissertation vorzubereiten. Ich wurde in erster Linie als deutsch wahrgenommen, nicht als jüdische Frau. Ich erinnere mich, dass Suzie Heschel mich immer sehr euphorisch vorstellte: "She's from Germany, and she's Jewish!" Das war meine Wahrnehmung von jüdisch-feministischer Szene in New York.

Die AG Frauen gegen Antisemitismus

Sharon: Nach dem Ende des Schabbeskreises formierte sich 1989 die Gruppe 'Frauen gegen Antisemitismus'[21] . Was war anders im Vergleich zum Schabbeskreis und aus welchen Kontexten kamen die Frauen?

Jessica Jacoby: Es waren mehrheitlich nichtjüdische Frauen, die da zusammenkamen. Die Initiatorin war Birgit Rommelspacher. Die jüdischen Frauen waren: Rivka Jaussi, Marguerite Marcus, Lara Dämmig und anfangs ich. Aber ich war nicht sehr lange dabei, weil ich dem Schabbeskreis nachgetrauert habe, da es dort eine sehr viel engere und persönlichere Bindung gab, die sich in keinster Weise wiederholen ließ. Das Thema in der Gruppe "Frauen gegen Antisemitismus" war ausschließlich Antisemitismus, was es beim Schabbeskreis nur teilweise war. Dadurch war für mich ein breites Themenspektrum weggefallen. Außerdem war es mir zu verschult und zu universitär. Wir haben zwar auch Texte gelesen, aber in der Gruppe kam es mir wie ein Uni-Seminar vor.

Sharon Adler: Was war der Unterschied zur Stiftung Zurückgeben, die 1994 gegründet wurde und in der du dich auch engagiert hast?

Jessica Jacoby: Das war sehr anders. Die Brücke zur Stiftung Zurückgeben[22] waren Birgit Rommelspacher und ihre Frau Ursula Wachendorfer. Sie kannten Hilde Schramm, die Geld von ihrem Vater geerbt hatte, der ein hoher NS-Funktionär war. Sie wollte dieses Geld jüdischen Frauen zugutekommen lassen. Ich wurde von Birgit und Uschi gefragt, ob ich als Ideengeberin mitmachen wollte. Ich hatte die Idee zu einem Gremium – bestehend aus ausschließlich jüdischen Frauen – das über die Vergabe der Gelder entscheiden sollte. Ich habe einige Frauen aus meiner jüdischen Szene angefragt, die das erste Entscheidungs-Gremium gründeten. Wir haben zusammen eine Satzung ausgearbeitet, die zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallen ist. Die Idee für den Namen "Stiftung Zurückgeben" hatte Marguerite Marcus, die sich dort lange engagiert hat.

Auseinandersetzung mit den Frauen als Täterinnen – ein Tabubruch

Sharon Adler: 1993 erschienen Beiträge, die sich mit der Mittäterinnenschaft von Frauen in der NS-Zeit beschäftigten. Dörthe Jung schreibt in ihrem Artikel "Abschied zu neuen Ufern – Frauenpolitik in der Krise": "Auch die alte Frauenbewegung hat sich gegenüber der Entwicklung zum Nationalsozialismus schweigend verhalten."[23] Wie wurde das von den nichtjüdischen Frauen aufgenommen?

Jessica Jacoby: Das war damals ein gewisser Tabubruch. Auch ich bin damals wahnsinnig angeeckt, als es um die alte Frauenbewegung ging. Insofern, dass Gertrud Bäumer und die konservativen Teile der deutschen Frauenbewegung ihre jüdischen Mitglieder und den Jüdischen Frauenbund ausgeschlossen haben. Das war etwas, was wir als Schabbeskreis thematisiert haben und was zu einem Aufruhr geführt hat. Insofern, als eine gängige Lesart Frauen qua Geschlecht die moralische Oberhoheit zuschrieb und den Nationalsozialismus als die Spitze des Patriarchats darstellte, was für ein großes Identifikationsbedürfnis mit der Mütter- und der Großmüttergeneration sprach. Wir als Schabbeskreis haben uns dagegen gewandt und ausgesprochen, dass die deutschen Frauen mitnichten nur Opfer waren, sondern dass sie auf verschiedensten Ebenen mitgemacht haben. Später gab es eine Studie über die weibliche SS-Gefolgschaft in Konzentrationslagern und von Christina Thürmer-Rohr die "Mittäter-These"[24] . Das war eine Umwälzung der idealisierenden Sicht auf Frauen und auf die alte Frauenbewegung in Deutschland, und erkannte an, dass Frauen in einem hohen Maße an diesem System partizipiert und davon profitiert haben.

Mit dem Schabbeskreis oder der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland[25] (ISD) um Katharina Oguntoye bildeten sich Frauengruppen, die nicht weiß, deutsch, christlich waren und das Monolithische und Monokulturelle ein ganzes Stück weit aufgebrochen haben. Das haben wir als Schabbeskreis wichtig und gut gefunden und waren solidarisch mit all den Frauen oder Minderheiten, die vorher übersehen wurden.

Die Dokumentarfilm-Trilogie "Roads" und "Roads to reconnection". Jessica Jacoby, Filmjournalistin und Dokumentarfilmautorin

Sharon Adler: Um das Schicksal deiner Großeltern vor dem Vergessen zu bewahren, hast du deren Briefe sowie Tagebuchaufzeichnungen deines Vaters mit Interviews von überlebenden Familienangehörigen verknüpft. Wann begann deine filmische Recherche-Reise und wohin hat sie dich geführt?

Das Foto zeigt Jessica Jacoby mit ihrem privaten Fotoalbum, Berlin 2020.Jessica Jacoby mit ihrem privaten Fotoalbum, Berlin 2020. (© Sharon Adler/PIXELMEER 2020)
Jessica Jacoby: Seit den ersten freien Wahlen in Südafrika 1994 war ich häufig dort bei meiner Tante Inge. Sie war neben Ora Guttmann ein Vorbild für mich. Eine sehr starke, unerschrockene und unkonventionelle Frau, zu der ich eine ganz enge Bindung hatte. Inge hatte ein Damenkränzchen, bestehend aus überwiegend älteren deutschen Jüdinnen, die sich regelmäßig getroffen, Karten gespielt und gequatscht haben. Ihre Freundschaft stammte aus der Zeit von 1939, als sie auf dem letzten Schiff nach Mosambik auf ihre Visa nach Südafrika gewartet haben. Das waren für mich sehr starke deutsche Jüdinnen, die sich alle durchgeboxt hatten. Englisch haben sie mit einem starken deutschen Akzent gesprochen. Inges Standardsatz war: "This is my niece. She speaks better English than us."

In dieser Zeit habe ich die Idee entwickelt, einen Film über dieses Damenkränzchen zu machen. Das ließ sich so nicht realisieren und hat sich etwas verschoben, so dass ich dann nicht nur etwas über meine Tante und ihre Geschichte, sondern auch über die meines Vaters machen wollte. Ich fing an zu recherchieren, was Inge mit ihren eigenen Erinnerungen unterstützte. Ich wollte auch diesen Recherche-Prozess filmen und damit nicht mehr allzu lange warten, da Inge damals schon 90 Jahre alt war. Dann habe ich privat Geld gesammelt und von der Stiftung Zurückgeben 1.000 Euro bekommen. Das Gros ist durch Spenden von Freundinnen zusammengekommen.

Durch den Südafrika-Kontext habe ich weitere Verwandte gefunden und in den USA, in Portugal und in den Niederlanden mit der Kamerafrau Petra Sattler gedreht. Was mich sehr gefreut hat, war eine Einladung zu Limmud Australia[26] in Sydney, wo ich meine drei Teile des Films zeigen konnte. Der erste Teil heißt "Roads". Teil zwei und drei heißen "Roads to reconnection", weil das auch die Recherche zeigt. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Kernfamilie: mit meinen Großeltern, mit meinen Eltern und mit Inge. Inge bekommt in dem zweiten Teil die zentrale Rolle. Im dritten Teil habe ich noch einen Cousin von meiner Tante und meinem Vater in Deutschland gefunden, Hans. Und die Geschichten meiner drei Großtanten, über die man auch einen eigenen Film machen könnte. Weil sie Beispiele für sehr selbstbewusste Frauen sind, besonders die jüngste, Else, die Feministin war und sich für das Frauenwahlrecht engagiert hat. Diese drei sehr jungen Schwestern hatten bis zur Flucht 1936 bzw. 1938 in Berlin den Modesalon "Geschwister Jacoby" gegenüber vom KaDeWe aufgebaut. Das war eine sehr große Familie. Insgesamt gab es neun Schwestern und zwei Söhne. Vier Schwestern und mein Großvater sind ermordet worden.

Würdiges Gedenken

Sharon Adler: Heute sind nur noch wenige Zeitzeug_innen am Leben und können berichten. Wie kann die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten werden?

Jessica Jacoby: Die Erinnerungen an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachzuhalten, entspricht meinem Selbstverständnis. In dem Kontext habe ich mich gefreut, dass die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf eine Kurzfassung meines Films "Roads", auf Düsseldorf bezogen, finanziert hat. Sie waren bereits sehr hilfreich bei der Recherche gewesen, als ich Stolpersteine für meine Großeltern an ihrer letzten freiwillig bezogenen Wohnung hatte verlegen lassen. Das war ein Geschenk, weil ich nun noch tiefer recherchieren konnte.
Das Foto zeigt die Filmemacherin Jessica Jacoby im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Sie erinnerte an den Pogrom vom 9. November 1938. Im Hintergrund sind Fotos ihrer jüdischen Familie zu sehen.Am 9. November 2018 redete die Filmemacherin Jessica Jacoby im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Sie erinnerte an den Pogrom vom 9. November 1938. Im Hintergrund sind Fotos ihrer jüdischen Familie zu sehen. (© picture-alliance/dpa)

In dem daraus entstandenen 15-Minüter waren ich und meine beiden Cousins, die zum Gedenktag am 9. November 2018 aus Südafrika respektive aus England kamen, mit einem Redebeitrag vertreten. Stellvertretend für die Jacobys, die es noch gibt, weil unsere Eltern zu dem Zeitpunkt nicht mehr gelebt haben. Es war ein sehr würdiges Gedenken mit einem Umzug von Schüler_innen verschiedener Altersgruppen, die großformatige Fotos von meinem Vater, Tante Inge und meinen Großeltern getragen haben. Das war sehr bewegend und sehr schön. Ich war während dieser Zeit an Schulen in Düsseldorf, die sehr positiv und lebhaft auf diesen Kurzfilm reagiert haben. Es gab immer ein gutes Gespräch. Es ist immer eine Sache der Vorbereitung, und da macht die Gedenkstätte mit den Schulen eine vorbildliche Arbeit. Meine Antwort auf die Frage, was wir tun können, um die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachzuhalten, ist mein Film.

Sharon Adler: Ein erschreckend großer Teil der Jugendlichen weiß heute nicht, wofür Auschwitz steht[27] . Wie kann es gelingen, mit ihnen über das Unrecht und die Entrechtung, die Verfolgung und Vertreibung ins Gespräch zu kommen?
Das Foto zeigt die letzte Karte von Arthur und Ella Jacoby vor ihrer Deportation nach Minsk an ihren Sohn Klaus (Claude).Die letzte Karte von Arthur und Ella Jacoby vor ihrer Deportation nach Minsk an ihren Sohn Klaus (Claude). (© Privat (Jessica Jacoby))


Jessica Jacoby: Ich möchte, dass die Schülerinnen und Schüler lebende Juden erleben. Und ich bin eine davon. Es ist etwas anderes, ob man persönlich in ein Gespräch geht oder ob man ein Buch liest oder einen Film sieht. Denn durch den Kontakt kann ich etwas rüberbringen. Die Zeitzeugen werden älter, sie sind um die neunzig Jahre alt und schaffen es zum Teil rein körperlich nicht mehr. Ich finde es toll, wenn sie noch an Schulen gehen, aber das wird nicht mehr lange möglich sein. Insofern sehe ich das als wichtige Verpflichtung und Aufgabe für unsere Generation. Es ist der Versuch einer Prävention, damit so etwas wie Ende August 2020 bei der rechtspopulistischen „Hygiene-Demo“ mit dem Hissen der Reichskriegsflagge vor dem Reichstagsgebäude nicht mehr passiert. Und solange man noch was dagegen tun kann, sollte man es tun.

Das Attentat auf die Synagoge von Halle im Oktober 2019 hat deutlich gemacht, wie aktiv diese Nazi-Szene ist. Und das liegt daran, dass der Verfassungsschutz auf dem rechten Auge blind war und ist. Er glaubte, dass von Gruppierungen wie der NPD oder den Republikanern keine große Gefahr ausging. Aber wir haben gesehen, dass die AfD zweistellige Wahlergebnisse einfährt und in den Parlamenten sitzt. Ich habe das auch in meiner Rede im Landtag von Nordrhein-Westfalen[28] erwähnt und finde die Entwicklung erschreckend.

Hier gibt es die Vita von Jessica Jacoby >>

Zitierweise: "Jessica Jacoby: Lebenslanges Engagement für die Sichtbarkeit von Jüdinnen", Interview mit Jessica Jacoby in: Deutschland Archiv, 15.12.2020, Link: www.bpb.de/324440

Weitere Texte aus unserem Projekt "Jüdinnen in Deutschland nach 1945":

Interview mit Esther Jonas-Märtin: Rabbinerin und Publizistin aus Leipzig. Positionen und Perspektiven

Angelika Königseder und Juliane Wetzel: Die Frauen in den Lagern für jüdische Displaced Persons

Interview mit Shelly Kupferberg: Zwischen Chanukkia und Lametta - Enkelin von Jeckes, Tochter von Sabres - Leben zwischen Israel und (West-)Berlin

Porträt von Charlotte Misselwitz: "Inge Rapoport: 'Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.' Als Kinderärztin von Hamburg, über die USA in die DDR"

Interview mit Lala Süßkind: Die Unbestechliche, die Unermüdliche - Engagement für Frauen und Israel, gegen Antisemitismus und Homophobie

Sharon Adler: Jüdinnen in Deutschland nach 1945. Erinnerungen, Brüche, Perspektiven Teil I – Facetten jüdischer Frauenidentitäten – Beiträge, Interviews und Porträts

Sharon Adler: Jüdinnen in Deutschland nach 1945. Erinnerungen, Brüche, Perspektiven Teil II – Facetten jüdischer Frauenidentitäten – Beiträge, Interviews und Porträts

Fußnoten

1.
Alexander Schulte, Pogrom und Deportation: Die Familie Jacoby hat beides erlitten“, Westdeutsche Zeitung, 5.11.2018, https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/duesseldorfer-familie-hat-pogrom-und-deportation-erlebt_aid-34294069, zuletzt aufgerufen am 29.11.2020.
2.
Kaddisch (Hebräisch für „Heiligung“) ist ein Gebet, das sich mehrfach in der jüdischen Liturgie als Lobpreisung Gottes wiederfindet, und das vor allem zum Totengedenken gesagt wird, https://www.zentralratderjuden.de/judentum/riten-und-gebraeuche/tod-und-trauer-im-judentum/, zuletzt aufgerufen am 30.11.2020.
3.
Harlan – Im Schatten von Jud Süss, ein Film von Felix Moeller, Deutschland 2008. Rezension auf AVIVA-Berlin vom 23.04.2009, https://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Kunst%20+%20Kultur.php?id=1425007, und https://salzgeber.de/verbotenefilme, beide zuletzt aufgerufen am 9.11.2020.
4.
Die JFKS wurde „1960 als Deutsch-Amerikanische Gemeinschaftsschule gegründet, nach seiner Ermordung 1963 nach dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy benannt. (…)“, https://jfks.de/about-jfks/history/history-of-the-john-f-kennedy-school/, zuletzt aufgerufen am 26.11.2020.
5.
Ora Guttmann, geboren 1931 in Israel, lebt seit 1957 in Berlin, war die erste Iwrit- und Religionslehrerin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nach der Shoa. In den 1960er und 1970er Jahren setzte sie sich dafür ein, dass Mädchen Bat Mitzwa in der Synagoge Pestalozzistraße feiern dürfen. In den 1990er Jahren wurde Ora Guttmann als erste Frau in den Vorstand der Synagoge Pestalozzistraße gewählt und arbeitete an dem neuen Gebetbuch der Synagoge mit. „Sie war meine erste Liebe“, in: Jüdische Allgemeine, 4.03.2019, https://www.juedische-allgemeine.de/gemeinden/sie-war-meine-erste-liebe/, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
6.
Am 15.01.1982 wurde auf das jüdische Lokal in der Nachodstraße in Berlin-Wilmersdorf ein Bombenanschlag verübt. 14 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, darunter ein 14 Monate altes Mädchen, das wenige Tage später starb, siehe „16. Januar 1982“, in: Der Tagesspiegel, www.tagesspiegel.de/berlin/16-januar-1982/799080.html; Andreas Conrad, Berlin war schon mehrfach Ziel von Terroranschlägen, in: Der Tagesspiegel, 20.12.2016, www.tagesspiegel.de/politik/nach-dem-anschlag-vom-breitscheidplatz-berlin-war-schon-mehrfach-ziel-von-terroranschlaegen/19158346.html, zuletzt aufgerufen am 10.11.2020.
7.
Die Zionistische Jugend in Deutschland (ZJD) wurde am 22. Mai 1960 als "als zionistische, demokratische jüdische Jugendbewegung" und als eine selbständige Untergruppe der Weltorganisation HaBonim Dror gegründet, https://embassies.gov.il/berlin/Relations/Pages/Freundschaftsorganisationen.aspx, zuletzt aufgerufen am 10.11.2020.
8.
Als "U-Boote" wurden die Untergetauchten bezeichnet. Es waren Jüdinnen und Juden, die in der Illegalität versuchten, zu überleben.
9.
Charlotte Wolff wurde 1897 in Riesenburg (Westpreußen) geboren. Sie starb 1986 in London. Wolff war Ärztin, Sexualwissenschaftlerin und Schriftstellerin. Sie publizierte grundlegende Werke zur weiblichen Homosexualität. Mehr zu Charlotte Wolff: www.aviva-berlin.de/aviva/content_Women%20+%20Work.php?id=1419272, zuletzt aufgerufen am 19.11.2020.
10.
Der Schabbeskreis gründete sich 1984 nach dem Vortrag "Frauen, Lesben, Judentum" von Jessica Jacoby im autonomen Lesbentreff Lestra in Berlin, in dem sie über Frauen und Lesben im Judentum sprach. LESTRA steht für Lesben Treff und Auskunft, https://www.meta-katalog.eu/Record/bdb2126fmt.
11.
Challa heißt das geflochtene Weißbrot aus Hefeteig, das am Schabbat und an den Feiertagen von Jüdinnen und Juden gegessen wird.
12.
Susannah Heschel, 1956 in den USA geboren, war Hochschullehrerin und Autorin und ist durch ihre Veröffentlichungen zu religiösen und zu jüdischen Themen und zum Feminismus bekannt. Aktuell ist sie Professorin am Eli Black Lehrstuhl von Jewish Studies am Dartmouth College, https://jewish.dartmouth.edu/people/susannah-heschel, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
13.
Glückel von Hameln hat im 17. Jahrhundert gelebt und war eine deutsch-jüdische Kauffrau. Sie schrieb als erste Frau Deutschlands eine erhalten gebliebene bedeutende Autobiografie.
14.
Siehe Debora Antmann, lesbisch-feministischer Schabbeskreis, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv (2019): 1985 entstand der Name "lesbisch-feministischer Schabbeskreis", als die Frauen für ihre Vorstellung auf der Berliner Lesbenwoche einen Namen brauchten. Dieser definierte sich als eine lesbisch-feministische politische Gruppe, die sich bis 1989 für die Präsenz und Wahrnehmung jüdischer Frauen in der neuen Frauenbewegung einsetzte und mit Antisemitismus in feministischen Zusammenhängen beschäftigte, www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/lesbisch-feministischer-schabbeskreis, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
15.
Jessica Jacoby/Claudia Schoppmann/Wendy Henry (Hg.), Nach der Shoa geboren – Jüdische Frauen in Deutschland, Berlin 1994. Das Buch enthält Beiträge, Erinnerungen, autobiographische Berichte, Gedichte, Interviews und Tonbandprotokolle.
16.
Evelyn Torton Beck (ed.), Nice Jewish Girls: A Lesbian Anthology, USA 1982, Reprints 1984 u. 1989, https://jwa.org/people/beck-evelyn, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020; Susannah Heschel (ed.), On Being a Jewish Feminist, New York 1983, Reprints Boston 1984 und 1989.
17.
Chronologie der "Berliner Frauenzeitung Courage", siehe http://library.fes.de/courage/, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
18.
Zeitzeuginnengespräch "Politisches Engagement in der Frauenbewegung" am 5.12.2015 im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Facetten jüdischer Frauenidentitäten" von Bet Debora, https://www.bet-debora.net/de/aktivitaten/bet-debora-berlin/veranstaltungsreihe-2015/, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
19.
Rabbi Daniela Thau, www.liberaljudaism.org/who-we-are/whos-who/rabbi-daniela-thau/, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
20.
YIVO Institute for Jewish Research, https://www.yivo.org/inc.head.php, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
21.
Vgl. Debora Antmann, Vom Vergessen und Erinnern. Ein Portrait der AG ‚Frauen gegen Antisemitismus‘, in: Attia, Iman et al. (Hg.), Dominanzkultur reloaded: neue Texte zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und ihren Wechselwirkungen. Bielefeld 2015, www.meta-katalog.eu/Record/69071genderbib, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
22.
Stiftung Zurückgeben. Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft, 1994 gegründet, www.stiftung-zurueckgeben.de, zuletzt aufgerufen am 29.11.2020.
23.
Dörthe Jung, Abschied zu neuen Ufern: Frauenpolitik in der Krise, in: Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis, Jg. 16 (1993) Nr. 35, S. 47-53, Herausgegeben von Sozialwissenschaftliche Forschung & Praxis für Frauen e.V., www.genderopen.de/bitstream/handle/25595/845/Jung_35_93_Frauenpolitik%20in%20der%20Krise.pdf?sequence=1&isAllowed=y, zuletzt aufgerufen am 19.11.2020.
24.
Vgl. Christina Thürmer-Rohr, Mittäterschaft der Frau – Analyse zwischen Mitgefühl und Kälte, in: Mittäterschaft und Entdeckungslust, herausgegeben vom Studienschwerpunkt „Frauenforschung“ am Institut für Sozialpädagogik der TU Berlin. Berlin 1989, https://www.meta-katalog.eu/Record/12025spinnboden, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.
25.
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.), gegründet in den 1980er Jahren, http://isdonline.de, zuletzt aufgerufen am 29.11.2020.
26.
Limmud, hebräisch für lernen. Unter diesem Namen werden in der Tradition des gemeinschaftlichen jüdischen Studiums jährlich weltweit Festivals veranstaltet. Das erste Limmud-Festival fand 1980 in London statt, https://limmud.org/inside-limmud/history, zuletzt aufgerufen am 30.11.2020.
27.
Siehe Umfrage der Körber-Stiftung aus dem Jahr 2017: Vier von zehn Schüler*innen wissen nicht, wofür Auschwitz-Birkenau steht, www.koerber-stiftung.de/geschichtswettbewerb/news-detailseite/deutsche-wollen-aus-geschichte-lernen-1143, zuletzt aufgerufen 9.11.2020.
28.
Jessica Jacoby, Rede im Landtag von Nordrhein-Westfalen zur offiziellen Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Pogromnacht, 09.11.2018, www.landtag.nrw.de/home/aktuelles-presse/parlaments-tv/video.html?kid=335b3558-8e9e-4cec-9469-0000002191D4, ab Minute 41, zuletzt aufgerufen am 29.11.2020; „Wehret den Anfängen“, Interview mit Jessica Jacoby, in: Landtag Intern, 49. Jahrgang/17. Wahlperiode, Ausgabe 10 vom 20. 11.2018, S. 11, www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument?Id=ZLANIN1810|10|11, zuletzt aufgerufen am 29.11.2020.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Jessica Jacoby, Sharon Adler für Deutschlandarchiv/bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und der Autoren/-innen teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Deutschland Archiv