Beleuchteter Reichstag

15.8.2011 | Von:
Richard E. Schneider

Ein (Wieder-)Aufbau unter ungewissen Vorzeichen

Die Gründungsgeschichte der Max-Planck-Gesellschaft

Im Rahmen ihrer Reeducation-Politik setzten die Alliierten auf einen kompletten Um- bzw. Neuaufbau der deutschen Wissenschaft. Betroffen davon war auch die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, aus der 1946 unter der Ägide von Otto Hahn die Max-Planck-Gesellschaft hervorging.

Eine Zäsur für die deutsche Wissenschaft?


Das 1930 gegründete KW-Institut für Metallforschung, Stuttgart, an dem seit 1936 nach dem Historiker Helmut Maier kriegswichtige Forschung betrieben wurde, nach Kriegsende. Es dauerte mehrere Jahre, bis dieses Institut wieder nutzbar war.KW-Institut für Metallforschung (© Max-Planck-Gesellschaft.)
Das 1930 gegründete KW-Institut für Metallforschung, Stuttgart, an dem seit 1936 nach dem Historiker Helmut Maier kriegswichtige Forschung betrieben wurde, nach Kriegsende. Es dauerte mehrere Jahre, bis dieses Institut wieder nutzbar war.

So klar und deutlich die historische Zäsur zwischen NS-Befürwortern und NS-Gegnern in der deutschen Wissenschaft nach den Wünschen der Alliierten nach Kriegsende 1945 gemacht werden sollte, konnte sie nicht erfolgen. Vielmehr wurde die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) vor 1945 ebenso wie die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) nach 1946 von einigen wenigen herausragenden Forscherpersönlichkeiten entscheidend geprägt. Die Besatzungsmächte waren sich in Bezug auf die Behandlung einzelner KWG-Forscher nach 1945 nicht einig.

Als am 8. Mai 1945 die Waffen in Deutschland schwiegen, bot sich dem Betrachter ein Bild der Verwüstung. Nicht nur die meisten Großstädte lagen in Trümmern, auch die wissenschaftlichen Institute, in den Kriegsjahren oft Ziel von Bombenangriffen, waren größtenteils zerstört. Die vorrückenden alliierten Truppen hatten mit Spezialmissionen wie ALSOS wichtige Wissenschaftler – vor allem aus der Atomphysik – gefangen zu nehmen, zu verhören sowie auf Affinitäten zur NS-Ideologie bzw. zum Machtapparat der Nazis zu überprüfen. Auch mehrere Forscher der damaligen wissenschaftlichen Spitzenorganisation Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gerieten in Kriegsgefangenschaft, andere kamen ins Gefängnis oder wurden ihrer Ämter enthoben.


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