Beleuchteter Reichstag

18.5.2011 | Von:
Sebastian Lindner

Mauerblümchen Kulturabkommen

Ein "Mauerblümchen"


Das Kulturabkommen war eines der letzten Folgeabkommen aus dem Grundlagenvertrag. Fast kam es zu spät, um Wirkung zu entfalten. Es war zweifellos ein wichtiger Beitrag zur Verständigung und weiteren Entspannung zwischen Deutschland West und Deutschland Ost.

Im März 1989 zog das Innerdeutsche Ministerium ein Fazit der Arbeit mit dem Kulturabkommen. Sehr offen heißt es dort unter anderem: "Unkenntnis des jeweils anderen: Trennung spürbar [...] Man versteht einander in den jeweils internen Schwierigkeiten nur nach einer Lernzeit.

Kritik [am Kulturaustausch]: Von der Orthodoxie bis zu den Alternativen. Den einen geht der Austausch zu weit (eigene Identität relativiert), den anderen geht er nicht weit genug (nur staatlich genehmigte Kunst beider Seiten). [...] Wichtig: Es handelt sich um eine Lernzeit [...] Hoffnung, daß auch in der DDR Glasnost/Perestroika in absehbarer Zeit eine freiere Kommunikation ermöglichten."[19]

Der Zeitraum bis zum Ende der DDR war aus heutiger Sicht dann tatsächlich absehbar, lag aber im März 1989 noch außerhalb der Vorstellungskraft der am Kulturaustausch Beteiligten auf beiden Seiten.

So war das Kulturabkommen, vielleicht auch der Kulturaustausch zwischen den beiden deutschen Staaten wohl nicht mehr als ein "Mauerblümchen": Es nutzte schmale Spalten in der Mauer, blühte hie und da in seiner Nische, genoss mal mehr und meist weniger Beachtung, aber mehr als ein zartes Pflänzchen wurde daraus nicht. Die Wurzeln des Blümchens Kulturabkommen waren nicht stark genug, den Riss in der Mauer komplett aufzusprengen. Der eine oder andere Stein wurde gelockert und erleichterte vielleicht den Durchbruch im Herbst 1989. Aber der kulturelle Austausch war eben nur ein Faktor unter vielen und nicht der letztlich auschlaggebende.


Fußnoten

19.
Vermerk, 13.3.1989, BArch B 137/16987.

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

Mehr lesen

NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei, Betriebskampfgruppen und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen, Demokratie und Reisefreiheit eintraten - und sich mit Kerzen, Worten und Zivilcourage gegen die Staatsmacht durchsetzten. Ein filmischer Überblick.

Jetzt ansehen

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

Mehr lesen

Deutschlandarchiv bei Twitter

Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

Mehr lesen

Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

Mehr lesen

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen

Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

Mehr lesen

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

Mehr lesen auf bpb.de

Der Tag in der Geschichte

  • 29. März 1949
    Auf Anordnung der DWK sind Arbeitsausschüsse für Technische Arbeitsnormen (TAN) zu schaffen; werden sie nicht eingehalten, so ist das Leistungssoll nicht erfüllt. Bereits am 23. 9. 1948 hatte die DWK die Wirtschaftsstrafverordnung erlassen, die Verstöße gegen... Weiter
  • 29. März 1983
    Der 10. Bundestag konstituiert sich und wählt Helmut Kohl (CDU-Vorsitzender) zum Bundeskanzler (271 gegen 214 Stimmen, eine Enthaltung). Weiter