Beleuchteter Reichstag

18.5.2011 | Von:
Ingrid Sonntag

Die Freie Akademie der Künste in Leipzig 1992–2003

Nur aus einer Prägung des sächsischen Kulturraumes hervorgegangen?

Wirklich eine "Arbeitsakademie"


Ab September 1992 trat die Freie Akademie der Künste mit Ausstellungen und Veranstaltungen an die Öffentlichkeit: Hartwig Ebersbach (Doppelausstellung mit Armin Sandig "Szenenwechsel"), Heinz Czechowski (als Kurator des Lesungsprojekts "Die andere sächsische Dichterschule"), Peter Konwitschny mit dem ersten "Akademietreff" über "Oper – ein geschlossenes System?" und Klaus Staeck (Ausstellung "Flagge zeigen!" im Februar 1993).

Die Mitglieder verstanden sich als Mittler für die europäische Verständigung im kontroversen Diskurs und stellten dafür ihre Verbindungen zur Verfügung.[11] Im März 1993 besuchte Vitautas Landsbergis, erster Präsident des unabhängigen Litauens, auf Einladung der Akademie durch Heinz Czechowski (und auf Vermittlung von Antanas Gailius) die Stadt. Mit einer Doppel-Veranstaltung während des "Leipziger literarischen Herbstes" verschaffte die Akademie dem Politiker und dem Musikwissenschaftler Landsbergis ein Podium.

Zugleich beruhte das Programm auf dem Konsens, Künstler aus der "anderen" Kultur wie Durs Grünbein, Barbara Köhler, Lutz Seiler und Ivan Wernisch einzubeziehen. Diese gehörten ebenso zu den ersten Gästen wie der tschechische Lyriker und Politiker Jiří Gruša, der Bürgerrechtler Konrad Weiss oder der Leipziger Stadtjugendpfarrer Klaus Kaden. In der Freien Akademie begegneten einander erstmals die Dichter und Brecht/Huchel-Übersetzer Michael Hamburger (England) und Ludvík Kundera (Tschechien).

Veranstaltung der Reihe "Kulturort Mitte Europa" mit George Tabori und Wend Kässens (Redakteur und Publizist, r.).
Foto/©: Andreas Birkigt.Veranstaltung der Reihe "Kulturort Mitte Europa" mit George Tabori und Wend Kässens (Redakteur und Publizist, r.). (© Freie Akademie der Künste zu Leipzig / Andreas Birkigt.)
Bedeutend und wegweisend waren die Akademie-Projekte der Jahre 1993–1996, die sich mit dem europäischen Aspekt des Falls des Eisernen Vorhangs beschäftigten: unter anderem die Redenreihen zum "Kulturort Mitte Europa". Der Sinn für Internationalität und Diskurs bei der Wahl der Redner war augenfällig – Christo, George Tabori, Milan Uhde (Parlamentspräsident der ČSR) und Lars Gustafsson, Werner Söllner und Georges-Arthur Goldschmidt, mit Uwe Kolbe, Katja Lange-Müller, Heinz Czechowski, Wolfgang Hegewald und Fritz Rudolf Fries – und andere mehr. Ebenso wichtig: Am 8. Mai 1995 ein Gedenkkonzert (auf Anregung der Freien Akademie) in der Leipziger Oper zum 50. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, im November 1995 anlässlich des Gedenkens an die Pogrome von 1938 eine Festveranstaltung zum Erscheinen der Tagebücher von Victor Klemperer und gemeinsam mit der Leipziger Messe GmbH zur Buchmesse 1996 die Festveranstaltung "Eine Brücke aus Worten und Klängen" mit Günter Grass, Tadeusz Różewicz, Bert Papenfuß-Gorek und Detlef Opitz, in der Moderation von Gerhard Wolf.


Fußnoten

11.
Vgl. FAK, Satzung, § 2, Archiv FAK.

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