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9.3.2011 | Von:

Sozialistische Landwirtschaft

Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft
bis zur Vollkollektivierung


Runnwerth: Entwicklung der bäuerlichen LandwirtschaftRunnwerth: Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft (© Books on Demand)
Erhard Runnwerth, eher einer kleineren "Großbauern"-Wirtschaft in der Altmark entstammend, hat aus der Sicht des praktizierenden Landwirtes die Tragik der Geschichte der Bauern in der SBZ/DDR seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur völligen Kollektivierung beschrieben. Er schildert, dass er als sogenannter Großbauernsohn 1955 keine Oberschule besuchen durfte, aber nach Abschluss der Zwangskollektivierung 1960 zum Landwirtschaftsstudium zugelassen wurde, da die 19 345 neuen LPG erheblichen Bedarf an qualifiziertem Leitungspersonal hatten.

In seiner Schilderung der landwirtschaftlichen Situation in der SBZ hätte Runnwerth die Zahlenangaben über Mangel an Vieh und Betriebsmitteln kritischer beleuchten müssen. Allerdings macht er im Abschnitt über die Bodenreform deutlich, dass die neuen Machthaber, vorläufig noch die Besatzungsmacht und in ihrem Gefolge deutsche Kommunisten, nach ideologischen Vorgaben aus dem Lande Lenins und Stalins handelten, indem sie die Grundlagen für die Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln schufen. Schon in dieser Phase verschlechterte sich die Lage der "Großbauern", während zugleich ein breit angelegtes uneffektives Kleinbauerntum geschaffen wurde, das nicht in der Lage war, die Agrarfrage zu lösen.

Sehr detailliert und ausführlich geht Runnwerth auf die bestehenden Rechtsgrundlagen des angestrebten Sozialisierungsprozesses ein und stellt das System der Pflichtablieferungen sowie die differenzierten Betriebserlöse dar. Auch herrschte das Primat der Ideologie gegenüber der Ökonomie, weshalb die Volksernährung in der SBZ/DDR nur mit größeren Mühen und Verzögerungen gegenüber den westdeutschen Besatzungszonen bzw. der BRD gesichert werden konnte.

Interessant und wichtig sind hier insbesondere die Darstellungen von Produktivität, Erlösen und Kosten bzw. betrieblichem Reineinkommen. Dabei schnitten die Mittelbauern am besten ab, waren die Kleinbauern mit willkürlich geschaffenen uneffektiven Betriebsgrößen im Nachteil und wurden die "Großbauern" willkürlich wirtschaftlich und politisch diskriminiert. Letzteres führte zu zahllosen Betriebsaufgaben, Fluchten in den Westen und Devastierung, deren Folgen die ab 1952 gegründeten schwachen LPG auch noch zu verkraften hatten.

Dabei weitet Runnwerth den Blick auf die sozialistische Agrarentwicklung in der DDR, der oft auf Bodenreform und Zwangskollektivierung fixiert bleibt, auf den ausbleibenden ökonomischen Erfolg der kollektiven Betriebe und belegt ihn mit konkreten Zahlen.

Unreflektiert hingegen bleibt beim Autor der Begriff Genossenschaften. Das spricht dafür, dass auch er sich in gewissem Maße mit den Tatsachen nach 1960 abfindet, als das LPG-Modell neben den Volkseigenen Gütern (VEG) als die einzig zulässige Betriebsform seinen "sozialistischen Gang" gehen musste.

Verdienstvoll aber ist, was bei Runnwerth in Berichten über "Großbauern" zu lesen ist, die in Schauprozessen über "Wirtschaftsverbrechen" zu Zuchtausstrafen verurteilt wurden und – aus Haus und Hof, Dorf und Landkreis vertrieben – in den Westen fliehen mussten. Das ist umso bedeutsamer, als es bis heute in den östlichen Bundesländern Bestrebungen gibt, solche Vorfälle zu vertuschen und den Begriff Zwangskollektivierung in Frage zu stellen.


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