kulturelle Bildung

6.1.2010 | Von:
Dieter Smolka

PISA – Konsequenzen für Bildung und Schule

Lesekompetenz

Die deutschen Schülerinnen und Schüler konnten sich in diesem Bereich gegenüber der ersten PISA-Studie leicht um 7 Punkte auf 491 Punkte steigern, sie liegen jedoch etwas unter dem OECD-Durchschnitt (494 Punkte). An der Spitze der OECD-Staaten befinden sich Finnland (543), Südkorea (534) und Niederlande (513). [5] In Deutschland übertrifft die Lesekompetenz der Mädchen die der Jungen (Differenz: 42 Punkte). Im Bereich Lesen beträgt der Anteil von Jugendlichen auf bzw. unter der ersten Kompetenzstufe 22,3 Prozent. Das heißt, jeder fünfte Schüler verfügt über eine unzureichende Lesekompetenz. Der fünften und höchsten Stufe der Lesekompetenz zugeordnet sind immerhin 9,6 Prozent der Fünfzehnjährigen. Die Jugendlichen mit unzureichender Lesekompetenz bringen "schlechte Voraussetzungen für eine Bildungs- und Berufskarriere" [6] mit, betonen die PISA-Autoren.

Naturwissenschaftliche Kompetenz

Auf dem Feld der naturwissenschaftlichen Kompetenz haben sich die Schüler hierzulande verbessert. Im Vergleich zu PISA 2000 legten sie um 15 Punkte zu und erreichten immerhin 502 Punkte (OECD-Mittelwert: 500 Punkte). Die deutschen Schüler liegen damit in einem Mittelfeld, das von Schweden (506) bis zur Slowakischen Republik (495) reicht. An der Spitze der OECD-Staaten befinden sich wieder Finnland (548), Japan (548) und Südkorea (538). Bei einer Zuordnung der Schülerinnen und Schüler zu (nur für Deutschland errechneten) Kompetenzstufen liegt der Anteil auf bzw. unter der ersten Kompetenzstufe bei 23,6 Prozent. Das heißt, beinahe jeder vierte Jugendliche gehört im naturwissenschaftlichen Kompetenzbereich zur sogenannten Risikogruppe. Dieses Ergebnis "lässt noch nicht erkennen, dass die Jugend in Deutschland auf die zukünftigen Anforderungen angemessen vorbereitet ist, sei es im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb oder sei es für die Bewertung von technologischen Innovationen". [7]

Bei der Vorstellung der Schulleistungsstudie PISA-E-2006 am 18. November in Berlin zeigte sich eine teilweise erfreuliche Tendenz: In den Naturwissenschaften sind Deutschlands 15-Jährige besser als die meisten ihrer Altersgenossen in vergleichbaren Ländern. In 13 von 16 Bundesländern kamen die 2006 getesteten Schüler zu besseren Ergebnissen als der Durchschnitt der OECD-Staaten. Das sei, so sagte der Leiter des Konsortiums Manfred Prenzel, ein "Ergebnis, von dem man bisher nur träumen konnte". Besonders gut schnitten die Schüler in den neuen Bundesländern ab. Am besten waren die Sachsen, die damit die Bayern vom ersten Platz verdrängten. Auch international werden die sächsischen 15-Jährigen lediglich von ihren Altersgenossen im ewigen PISA-Siegerstaat Finnland übertroffen.

Dass beispielsweise Sachsen insbesondere in den Naturwissenschaften aufgeholt hat, kommt laut PISA-Studie nicht von ungefähr. Naturwissenschaften waren in den ostdeutschen Bundesländern immer hoch angesehen. Der Anteil der MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – am Unterricht liegt bei einem Drittel, das ist mehr als in den meisten anderen Bundesländern. Nahezu jeder zweite sächsische 15-Jährige (46 Prozent) hat vier und mehr Stunden naturwissenschaftlichen Unterricht pro Woche; auch das ist bundesweit Spitze. "Ohne eine gewisse Stundenanzahl geht es nicht", kommentierte Manfred Prenzel, "in weniger als zwei Stunden lässt sich vieles nicht vermitteln." Bundesweit allerdings muss mehr als jeder dritte 15-Jährige (36 Prozent) mit unter zwei Wochenstunden auskommen. [8]

Das Problem: Die naturwissenschaftlichen Fächer – insbesondere Chemie und Physik – sind ausgewiesene Mangelfächer. Auch Mathematik gehört dazu. Vergleichsweise wenige Lehramtsstudenten und Referendare sind in diesen Fächern vorhanden. Für die zukünftige Lehrerversorgung an den Schulen bedeutet dieser fachspezifische Lehrermangel erhebliche Engpässe bei der Unterrichtsverteilung und eine Minderung der Unterrichtsqualität. Auch "Seiteneinsteiger", die zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen [9] zurzeit händeringend gesucht werden, können diese strukturelle Minderung der Unterrichtsqualität auf absehbare Zeit nicht beheben.

Fußnoten

5.
Vgl. ebd., S. 93-109.
6.
Vgl. ebd., S. 109.
7.
Ebd., S. 143.
8.
Jeanette Goddar: "Gute Bildung braucht Zeit", in: Das Parlament, Nr. 48, 24.11.2008.
9.
Vgl. Website des NRW Schulministeriums: http://www.schulministerium.nrw.de (Stand: November 2009).
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