kulturelle Bildung

20.5.2011 | Von:
Eckart Liebau
Ernst Wagner

UNESCO und die kulturelle Bildung

Die Seoul-Agenda

Die Konferenz in Seoul endete nicht nur mit der Einladung der kolumbianischen Regierung zu einer nächsten Weltkonferenz nach Bogota. Die für Weltkonferenzen ungewöhnlich kurzen Abstände zeigen die Dynamik des Felds. Am Ende der Konferenz wurde auch eine "Seoul-Agenda" vorgestellt, die auf wenigen Seiten die Position der UNESCO zur kulturellen Bildung beschreibt und Forderungen ableitet. Die "Seoul-Agenda - Entwicklungsziele für Kulturelle Bildung" appelliert an die UNESCO-Mitgliedsstaaten, die Zivilgesellschaften, Organisationen und Communities, die vorgeschlagenen Ziele, Strategien und Aktionsfelder umzusetzen. Dies sei dringend nötig, um das ganze Potenzial guter kultureller Bildung für die notwendige Erneuerung der Bildungssysteme einzusetzen, um entscheidende soziale und kulturelle Ziele für alle und in allen Altersstufen zu erreichen. Dementsprechend fordert die Seoul-Agenda das Erreichen von drei Zielen:
  1. sicherzustellen, dass kulturelle Bildung konzeptionell wie bei der tatsächlichen Durchführung hohen Standards folgt;
  2. sicherzustellen, dass alle Menschen Zugang zu einer solchen kulturellen Bildung haben und so die Grundlage für die qualitative Erneuerung von Bildungssystemen gelegt wird;
  3. kulturelle Bildung zur Lösung heutiger sozialer und kultureller Herausforderungen zu nutzen.
Im Oktober 2010 hat der Exekutivrat der UNESCO einstimmig beschlossen, den Mitgliedsstaaten die Umsetzung der Seoul-Agenda zu empfehlen. Mit einem ersten Ansatz zu einem weltweiten Monitoring dieser Umsetzung bekommt die Empfehlung nun auch einen entscheidenden Impuls zur Umsetzung in Deutschland und weltweit. Die Initiative, ein solches weltweites Monitoringsystem für kulturelle Bildung auf die Beine zu stellen, wurde bereits in Seoul von deutschen Teilnehmern eingebracht. Die Einladung zu einem ersten Treffen der UNESCO-Lehrstühle und UNESCO-Observatories sowie von Experten und Forschern erfolgte für Mai 2011 nach Deutschland; sie zielt auf die Einrichtung eines internationalen Expertenrates zur Vorbereitung eines entsprechenden weltweiten Monitoring-Systems zur kulturellen Bildung.

Die UNESCO Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen Die deutsche Regierung hat 2007 das "Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" ratifiziert. Kulturelle Bildung wird auch in diesem Dokument deutlich angesprochen: Die beigetretenen Staaten verpflichten sich, das Verständnis für kulturelle Vielfalt in der Öffentlichkeit ihres Landes u. a. durch Bildungsprogramme zu fördern (Artikel 10 der Konvention). 2009 erarbeiteten Experten der Bundesweiten Koalition Kulturelle Vielfalt ein "Weißbuch" zu diesem Übereinkommen, das auch ein Kapitel zur kulturellen Bildung beinhaltet. Hauptkritikpunkt dort war (und ist) das Fehlen einer zwischen den Ressorts und den Ebenen abgestimmten Strategie zur Umsetzung des Übereinkommens. Die kulturelle Bildung in Deutschland kann, gerade in diesem sensiblen Feld, nicht in der Phase einzelner Leuchtturmprojekte, deren Erfahrungen nicht generalisiert werden können, stecken bleiben.

Der Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen stellt für die kulturelle Bildung und für alle Akteure, die in diesem Feld aktiv sind, eine positive und produktive Herausforderung dar, kulturelle Bildungsaktivitäten systematisch neu zu fokussieren. Dann kann kulturelle Bildung dazu beitragen, Menschen jeden Alters in ihrem Leben in einer globalisierten Welt unterstützend zu begleiten, in der sich kulturelle Bewegungen wie gegenseitige Beeinflussungen, Spannungen, Konflikte, Übernahmen und die Bildung von Hybridkulturen immens beschleunigt haben. Auch deshalb haben sich wichtige Akteure zusammen getan, um die Initiative zu einem Modellversuch "Kulturelle Bildung im Zeitalter der Globalisierung" (kubig) auf den Weg zu bringen. Bei diesem wird es darum gehen, systematisch Möglichkeiten zu entwickeln, wie sich kulturelle Bildung neu definieren muss, wenn die Globalisierung in Deutschland als Migrationsgesellschaft angekommen ist und wenn andererseits kulturelle Bildung an den Grenzen des Nationalstaats nicht Halt macht. Und es geht darum, Qualitätsstandards in diesem Bereich zu finden.

Das Thema kulturelle Bildung bei der UNESCO ist eine Erfolgsgeschichte, so meint auch Max Fuchs: "Eine 'Weltgemeinschaft Kulturelle Bildung' hat sich formell konstituiert, gemeinsame Interessen, Probleme und Aufgaben wurden definiert, Kontakte wurden geknüpft und man hat auch für die deutsche Debatte einen qualifizierten Referenzrahmen gefunden, der die Bewertung der eigenen Ansätze erleichtert."

Quellen

Deutsche UNESCO-Kommission, UNESCO today – No 1/2010; Arts Education for All: What Experts in Germany are Saying; www.unesco.de/uh1-2010.html [Stand: 15. 05. 2010]

Max Fuchs, Rückenwind für die Kulturelle Bildung, 2006 (http://www.bkj-remscheid.de/index.php?id=255) [Stand: 15. 05. 2010]

Seoul Agenda: Goals for the Development of Arts Education: http://portal.unesco.org/culture/en/ev.php-URL_ID=41117&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html [Stand: 15. 05. 2010]

Kulturelle Vielfalt gestalten. Handlungsempfehlungen aus der Zivilgesellschaft zur Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen (2005) in und durch Deutschland. Weißbuch. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission, 2009.

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