Zukunft Bildung

Redaktion am 28.05.2015

Interview: "Teilen ist das Fundament von Schule"

Natürlich wird an Schulen geteilt! Neben Pausenbroten auch Bildungswerkzeuge, -infrastruktur, Erfahrungen und Wissen. Aber wie organisieren Lehrende das Teilen? Welche (digitalen) Strukturen und Tools finden sie an den Schulen vor, welche nutzen und erarbeiten sie in Eigenregie? Lehrerin Regina Schulz gibt Einblick in Strukturbedingungen des Teilens am Lernort Schule.

Bunte SchulschließfächerSchulen sind Orte des Austauschs. Für "Unteilbares" gibt es Schließfächer. Lizenz: cc by/2.0/de (Hans Splinter / Flickr / Foto bearb.)

Werkstatt: Welche Rolle spielt das Teilen von Bildung an Ihrem Lernort bzw. in Ihrem Arbeitsbereich?

Regina Schulz: Teilen von Bildung ist das Fundament von Schule. Lernende und Lehrende teilen täglich Bildungswerkzeuge, -infrastruktur, Erfahrungen und Wissen. Nur durch Teilen kann sich Wissen vermehren und Innovationen angestoßen werden. Zu oft wird das vermeintliche Teilen von Bildung jedoch zum einseitigen Konsum: Lernende konsumieren Unterricht; Lehrende konsumieren didaktische und pädagogische Konzepte der Schulbuchverlage. Fokus soll hier das Teilen unter Lehrenden sein: Je innovativer und zeitaufwendiger die Erstellung der Unterrichtsmaterialien ist, desto geringer scheint die Motivation der Lehrenden, diese mit dem Kollegium zu teilen. Teilen wird so zu oft im vielseitigen Schulalltag zur Ausnahme.

Welche Regeln und (digitalen) Strukturen helfen Ihnen an Ihrem Lernort bzw. in Ihrem Arbeitsbereich beim Teilen?

Regina Schulz: Teilen im Kollegium geschieht vor allem auf zwei Ebenen: in persönlichen sozialen und beruflichen Netzwerken – jeweils analog und digital. Analog sind es die Fachschaften, die Jahrgangsteams, das KUR-Feedback, auch die papierenen Unterrichtsmaterialien in sämtlichen Ordnern der Büros. Digital wird der Austausch über Portale (z.B. ZUM-Wiki, segu-geschichte), Blogs (Übersicht hier), soziale Netzwerke (z.B. Twitters #edchatde) sowie Dropbox, Etherpads, Google Docs, Youtube organisiert. Gefiltert wird die Flut von Unterrichtsmaterialien durch persönliche Empfehlungen von befreundeten Lehrenden aus dem Kollegium.

Wie könnte eine ‚Kultur des Teilens‘ an Ihrem Lernort bzw. in Ihrem Arbeitsbereich weiter gefördert werden?

Regina Schulz: Die Förderung einer ‚Kultur des Teilens‘ ist im System Schule unbedingt notwendig. Nur durch langfristige Veränderungen in sämtlichen Bereichen und Ebenen können Lehrende von der Arbeitserleichterung durch das Teilen von Bildung profitieren. Folgende Voraussetzungen müssen im Kollegium geschaffen werden: Vertrauen, Teamarbeit, ein Wir-Gefühl. Dabei können bauliche, organisatorische und strukturelle Maßnahmen helfen. Lehrendenarbeits- und Fachschaftsräume, die Möglichkeit eines institutionalisierten Austauschs durch effektive Nutzung von Freistunden und Präsenztagen, der Aufbau einer ‚Feedback-Kultur’ durch Möglichkeiten des Teamteachings und der kollegialen Unterrichtsreflexion. Digitale Medien können den Auf- und Ausbau einer 'Kultur des Teilens' fördern - jedoch nur, wenn sie einen unkomplizierten Zugriff auf relevante Materialien ermöglichen und vorhandene Strukturen des Austauschs der Lehrenden integrieren. Die Entwicklung einer "Kultur" braucht Zeit, stete Schritte, positive Erfahrungen und Engagement. So können Lehrende von Konsumierenden zu Vorbildern der Partizipation werden. Und das Teilen im Schulalltag zum "Default" (Standard).

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Über unsere Interviewpartnerin:
Regina Schulz ist Lehrerin in Hamburg für die Fächer Englisch und Geschichte. Nach Ihrer Arbeit an der Jürgen-Fuhlendorf-Schule, die für das Lehrer-Kollegium iPads eingeführt hat, arbeitet sie nun am Gymnasium Grootmoor in Hamburg. Sie konzipierte bereits Seminare der politischen Bildung für Die Neue Gesellschaft Vereinigung für politische Bildung e.V. und interaktive Unterrichtsmaterialien für den bilingualen Geschichtsunterricht für dokumentARfilm. Ihre thematischen Arbeitsschwerpunkte sind US-amerikanische Geschichte und vergleichende Erziehungswissenschaften. Sie ist der festen Überzeugung, dass Schule sich weiter öffnen muss – gesellschaftlich und digital.

Dieses Interview ist ein Auszug aus dem Beitrag Kleines 3x3 des Teilens.

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