Dossierbild: Verbotene Spiele

7.8.2007 | Von:
Alexander T. Müller

Eine Geisterdebatte

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Würde ein strengeres Gesetz alltägliche jugendliche Praktiken "kriminalisieren" und Jugendliche und Erwachsene weiter voneinander entfernen?

Es geht hier ja um eine Signalwirkung. Die Computerspieler und eSport-Begeisterten in Deutschland haben kein Vertrauen in die Politik und die Medien. Der Grund liegt auf der Hand. Das vorschnelle Verurteilen von einigen Spielen und die so genannte Killerspiel-Debatte rücken den ganzen Prozess doch schon in eine gewisse Richtung. Natürlich geht diese Stigmatisierung auf den Spieler über. Zudem glänzen einige Protagonisten in Ihren Aussagen leider mit fehlendem Wissen.

Das treibt den bereits vorhandenen Keil tiefer. Ich habe noch keinen der Agierenden auf einem "Intel-Friday-Night-Game" gesehen. Auf diesen Veranstaltungen spielen die besten Computerspieler Deutschlands um den wichtigsten Titel dieses Landes. Wenn man so will, die Bundesliga der Computerspiele. Hier wird unter anderem auch "Counter-Strike" gespielt. Wenn ich also über diese Spiele reden möchte, dann muss ich da gewesen sein. Ich muss verstehen, was 2.000 Jugendliche dazu bewegt, sich das Spiel von zehn Spielern anzuschauen und dafür Eintritt zu bezahlen.

Das gilt auch für Erziehungsberechtigte und Lehrer. Ich freue mich immer wieder, wenn auf solchen Veranstaltungen auch Eltern und sogar Großeltern mit anwesend sind, weil sie sich dafür interessieren, was ihren Sohn bzw. Enkel so fasziniert. Damit entsteht ein besseres Verständnis zwischen den Generationen und eine gute Grundlage für eine kritische Diskussion - falls gewünscht.

Ich glaube, wenn auch der eine oder andere Verantwortliche aus der Politik dort gewesen wäre, dann wären wir jetzt schon einen Schritt weiter. Man würde sich nicht voneinander entfernen, sondern man hätte eine echte Chance sich anzunähern.

Im Jahr 2008 finden die Olympischen Spiele der Computerspieler in Köln statt. Es wird Zeit, dass man sich dem Thema konstruktiv nähert und sich damit auseinandersetzt, was dort passiert. Das wichtigste Turnier auf dem Event wird "Counter-Strike" sein. Die Stadt Köln hat sich in einem regulären Auswahlprozess um diese Veranstaltung beworben.

Sehen Sie andere Maßnahmen, die ergänzend oder anstatt verschärfter Gesetze ergriffen werden müssten?

Für mich steht der Dialog im Vordergrund. Erst wenn der Dialog zwischen allen Beteiligten abgeschlossen ist, sind wir in der Lage weitere Maßnahmen zu diskutieren. Dieser Dialog sollte schnellstmöglich angestoßen werden.

Aufklärung statt radikales Verbot sollte hier der Leitfaden sein. Wir machen das bei uns hier in Köln im Kleinen. Wir laden die Schulen um uns herum ein mit uns zu diskutieren und sich auszutauschen. Wir wollen mit den Lehrern und den Eltern sprechen und ihnen unser Wissen mit auf den Weg geben. Genauso wollen wir aber ihre Argumente hören und in unsere Arbeit mit einfließen lassen. Man tut gut daran, solche Projekte auszuweiten und eventuell zu fördern. Ich lade gerne dazu ein. Wir haben hier in Köln die Räumlichkeiten, die technische Ausstattung und den Willen um voran zu gehen. Jeder interessierte Politiker, Redakteur, jeder Erziehungsberechtigte, jeder Lehrer oder auch einfach nur Interessierte kann sich melden. Wir geben unser Wissen rund um die Computerspiele und den eSport gerne weiter und wollen auch gerne andere Argumente hören. Nur so kann es gehen.

Es gilt, Erziehungsberechtigten und Lehrern Wissen an die Hand zu geben, welches sie befähigt, mit dem Thema Computerspiele umzugehen und den aktiven, informierten Dialog mit den Jugendlichen zu führen. Hier sehe ich auch die Politik in der Verantwortung. Das Thema wird an Bedeutung zunehmen, dem können wir uns nicht verwehren. Das haben Jugendbewegungen so an sich.

Eine von der Realität abgehobene Debatte mit der Forderung nach Verboten ist sicher ein eher unglücklicher Weg. Ich räume aber gerne ein, dass es sicher Verbote geben soll und muss. Denn nicht alle Titel sollten Jugendlichen zugänglich sein.

Dennoch: Als mündiger Bürger möchte ich entscheiden können, welchen Film ich im TV oder Kino sehe. Ich möchte mir die Musik anhören, die mir zusagt und ich möchte auch die Computerspiele spielen, die ich mag. Ich wehre mich gegen monokausale Argumentationsketten, ohne das Gesamtbild zu kennen, und wünsche mir auch für Computerspiele einen verantwortungsvollen Umgang aller Beteiligten mit der Thematik.

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