Dossierbild: Verbotene Spiele

7.8.2007 | Von:
Dr. Klaus Spieler

Staatlicher, freiwilliger und kultureller Schutz

Am Ende geht es um eine Bewertung, die mit Mehrheitsentscheidung im fünfköpfigen Prüfgremium getroffen wird. In der USK wirken insgesamt 55 Gutachterinnen und Gutachter mit. Jede Oberste Landesjugendbehörde hat das Recht, mindestens zwei zu benennen. Es ist gewollt, dass diese auch ihre jeweilige Fachlichkeit und Subjektivität in den Bewertungsvorgang einbringen.

Jährlich finden acht Fachtage statt, in denen die Gutachter sich über neue Ergebnisse u.a. der Wirkungsforschung und der Pädagogik informieren, aber auch über die Gutachten austauschen. Die USK stellt ihnen schon verschiedene Handreichungen zur Verfügung. Derzeit werden diese Handreichungen in Form eines Qualitätshandbuches zusammengefasst und weiterentwickelt. Trotzdem wird man die Qualität der Gutachten nicht völlig vereinheitlichen können.

Im Rahmen der Gutachterfortbildung fanden schon immer Veranstaltungen gemeinsam mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien statt. Neu ist, dass eine Beisitzerin und ein Beisitzer der Bundesprüfstelle als Gutachterin und Gutachter bei der USK mitarbeiten, was die Kriterienabstimmung auf der Arbeitsebene sehr erleichtern wird.

Neben den USK-Einstufungen finden sich oft auch die Alterskennzeichnungen des europäischen PEGI und des amerikanischen ESRB auf Spielepackungen - was beim Einkauf potentiell verwirrt. Einige Prüfer meinen zudem, die jetzigen USK-Altersstufen (ab 0, ab 6, ab 12, ab 16, ab 18) seien nicht fein genug. Muss die Alterskennzeichnung reformiert werden?

Jugendschutz ist nationalkulturell geprägt. Wir Deutschen haben eine besondere Sensibilität gegenüber dem medialen Umgang mit Krieg und Gewalt. Das hat auch etwas mit unserer Geschichte zu tun. Selbst unsere unmittelbaren europäischen Nachbarn haben dazu ein anderes Verhältnis. So unterscheiden sich die Altersempfehlungen von PEGI und ESRB in diesem Punkt sehr deutlich von den deutschen Altersfreigaben. Umgekehrt ist unser Umgang mit sexuellen Bezügen und schlechter Sprache entspannter. Gemeinsamkeiten gibt es eher gegenüber den verschiedenen Formen sozialer Diskriminierung.

Die Verwirrung resultiert also nicht bloß aus dem Nebeneinander verschiedener Altersratings. Die Altersempfehlungen und die Alterskennzeichen unterscheiden sich teilweise beträchtlich. Das ist eine ungute Situation. Eine gesetzliche vorgegebene Vergrößerung der USK-Kennzeichen könnte hier teilweise Abhilfe schaffen.

Auch das Problem der Altersstufen wird nicht befriedigend zu lösen sein. Für die Zehnjährigen werden beispielsweise nur Spiele freigegeben, die schon für die Sechsjährigen unbeeinträchtigend sind. Aber wenn ich das System weiter differenziere, wird es immer unübersichtlicher und unkontrollierbarer werden. Dazu kommt, dass es in den einzelnen Alterskohorten erhebliche Abweichungen vom Durchschnitt gibt, u.a. die großen geschlechterspezifischen Unterschiede in einzelnen Altersstufen. Konsequenterweise bedürfte es dann auch geschlechterspezifischer Kenzeichen.

Ob die bisherigen Altersstufen (0, 6, 12, 16) sinnvollerweise durch andere ersetzt werden könnten, wird gegenwärtig im Dialog mit der Wissenschaft geprüft. Aber: Spiele mit der Altersfreigabe "0" (Freigegeben ohne Altersbeschränkung) bis "12" werden in der Regel von Erwachsenen, auch für die Kinder, gekauft. Hier sollte es also eher darum gehen, deren Kompetenz zur Medienerziehung der Kinder und Jugendlichen zu stärken.

Wie soll die Umsetzung der Indizierungen und USK-Einstufungen im Handel gewährleistet werden?

Die Umsetzung der Indizierungen bedeutet, dass ein Medium in der Öffentlichkeit für Kinder und Jugendliche unsichtbar gemacht werden muss und dass es nicht im Wege des Versandhandels vertrieben werden darf. Das ist m.E. ausreichend gegeben.

Bei der altersgerechten Abgabe von Spielen im Handel gibt es noch Verbesserungsbedarf beispielsweise hinsichtlich elektronischer Warnsysteme an den Kassen und einer Verstärkung der Kontrolle durch Testkäufe. Wenn die Ordnungsbehörden deutlicher auf die Einhaltung des Gesetzes achten, hätte das auch eine symbolische Bedeutung. Eltern und Erzieher wird demonstriert, dass die Beachtung der Alterskennzeichen nicht unwesentlich ist.

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