Dossierbild: Verbotene Spiele

7.8.2007 | Von:
Armin Laschet

Prüfpraxis muss weiter entwickelt werden

Schon heute ist die Unabhängigkeit der USK gewährleistet. Auch die Alterskennzeichnung ist angemessen. In die Arbeit der USK müssen aber stetig neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft einfließen.

Die USK wird derzeit als gemeinnützige Gesellschaft zwischen dem Wirtschaftsverband BIU und den Bundesländern neu aufgestellt, nachdem ihr unter anderem vorgeworfen wurde, ihre Unabhängigkeit von der Wirtschaft sei nicht eindeutig genug. Reicht diese Umorganisation?

Foto: MGFFIFoto: MGFFI
Richtig ist, dass der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) eine Veränderung der Trägerschaft der USK angekündigt hat. Konkrete Gespräche zwischen dem BIU und den Bundesländern gibt es allerdings noch nicht. Diese Initiative ist auch keine Folge von Vorwürfen, die der USK einen Mangel an Unabhängigkeit von der Wirtschaft vorwerfen. Sie ergibt sich vielmehr aus der vom Hans-Bredow-Institut analysierten Intransparenz. Meines Erachtens muss auch öffentlich klarer erkennbar sein, dass die Selbstkontrolle USK eine Selbstkontrolle der Wirtschaft ist – gleichzeitig aber in ihren einzelnen Entscheidungen von den Unternehmen unabhängig agiert. Fest steht: Auch heute ist die Unabhängigkeit der Entscheidungen bereits gewährleistet. Für die Zukunft muss aber auch von außen klarer erkennbar sein, wer wofür bei der Alterskennzeichnung steht beziehungsweise Verantwortung trägt. So müssen die folgenden Aspekte klar werden:

  • Die Entscheidungen für die Altersfreigaben fußen auf der Entscheidungsfindung in gesellschaftlich plural besetzten Gremien.

  • Die endgültige Verantwortung für Entscheidungen sowie deren öffentliche Kommunikation ist Sache der Obersten Landesjugendbehörden.

  • Die organisatorische Sicherstellung der Durchführung von Prüfungen sowie die Kommunikation von allgemeinen Belangen der Selbstkontrolle ist Sache der durch die Wirtschaft mit dieser Aufgabe betrauten Struktur.



Intransparente Prüfkriterien, uneinheitliche Qualität der Gutachten, zu niedrige Alterseinstufungen, nicht immer optimale Abstimmung mit der Prüfung durch die BPjM lauteten weitere Vorwürfe an die USK. Muss die jetzige Begutachtungspraxis geändert werden?

Die Prüfpraxis muss immer weiter entwickelt werden. Wir gewinnen neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft, und diese müssen Eingang finden in die Spruchpraxis. Das Gutachten des Hans-Bredow-Instituts ist ein Fingerzeig für den Weiterentwicklungsbedarf. Konkret wird man die bereits begonnene und gut funktionierende Kooperation mit der Bundesprüfstelle weiter verbessern müssen. Auch bei der Qualifizierung der Gutachten sind wir bereits auf einem guten Weg. Was den Vorwurf zu niedriger Alterskennzeichnungen betrifft, so kann ich diesen nicht nachvollziehen. Es wird uns bescheinigt, dass die Alterskennzeichen angemessen sind.

Neben den USK-Einstufungen finden sich oft auch die Alterskennzeichnungen des europäischen PEGI und des amerikanischen ESRB auf Spielepackungen - was beim Einkauf potentiell verwirrt. Einige Prüfer meinen zudem, die jetzigen USK-Altersstufen (ab 0, ab 6, ab 12, ab 16, ab 18) seien nicht fein genug. Muss die Alterskennzeichnung reformiert werden?

Die Spiele der großen Anbieter, die den Markt dominieren, weisen lediglich das bekannte Alterskennzeichen auf. Es gibt jedoch auch Beispiele, die mehrere Kennzeichen aufweisen. Es ist deshalb wichtig, dass die Alterskennzeichnung der Jugendminister deutlich größer und besser erkennbar platziert wird. Hierzu gibt es bereits eine Diskussion zwischen den Jugendministerien der Länder. Ob eine Veränderung der Altersgruppen erfolgt, ist derzeit schwierig zu bewerten. Man darf nicht vergessen, dass die Altersgruppen nicht nur für Spiele, sondern auch für Filme gelten. Wir in Nordrhein-Westfalen möchten deshalb die Ergebnisse der Gesamtevaluation des Jugendschutzes abwarten. Sie sollten Anfang Oktober vorliegen.

Wie soll die Umsetzung der Indizierungen und USK-Einstufungen im Handel gewährleistet werden?

Das Einhalten der einerseits mit den Indizierungen und andererseits mit den Altersfreigaben der Länder verbundenen Einschränkungen des Handels ist zunächst einmal durch den Handel selbst zu gewährleisten. Dafür gibt es klare Regeln, die beachtet werden müssen. Die Debatte über den Vollzug der Regeln zeigt, dass es offensichtlich Kontrolldefizite gibt. Hier sind die zuständigen Kontrollbehörden gefordert, stärker auf die Einhaltung der Regelung zu achten. In erster Linie sind dies die Ordnungsämter der Kommunen, die für die Aufsicht im Internet zuständigen Landesmedienanstalten sowie die Polizei. Ich kann hier nur appellieren, dass die betroffenen Behörden ihre Verantwortung in dem Maße annehmen, wie es sachlich erforderlich ist.

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