Dossierbild: Verbotene Spiele

28.8.2007 | Von:
empty-biographie

Transkript: Wie gut ist die USK?

Transkript der Userkommentare

frosch: Hallo alle.

Alexander Groppler: Hi frosch.

mtheg: yoyo.

Beretta: Tach.

Kami: Servus aus Bayern.

ATM: Guten Tag aus Köln, der Hauptstadt des eSport

gamester: Hi. Köln, Hauptstadt des E-Sport? Warum?

frosch: Wie wollen Sie denn die Eltern motivieren?

Patrick_Portz: Guten Tag (da bin ich, fast verpennt ^^).

ATM: Weil hier a) das erste Friday Night Game stattgefunden hat, b) die erste CPL, c) der Veranstalter Turtle Entertainment sitzt, d) das Team SK-Gaming und e) Veranstaltungsort der WCG 2008

Patrick_Portz: Altersfreigaben an sich sind zu tolerieren, dass eigentliche Problem ergibt sich ja aus Beschlagnahmungen und Indizierungen. Das heißt: Wenn die Nicht-Erteilung eines USK-Kennzeichens nicht schon fast zwangsläufig zu einer Indizierung führen würde, wäre die Hälfte des Problems gelöst.

Patrick_Portz: Die andere Hälfte des Problems ist, dass sich die Altersfreigaben wohl nicht am Durchschnittsspieler orientieren (egal, was das Hans-Bredow-Institut (HBI) behauptet) und die Altersfreigaben viel zu grob sind.

Patrick_Portz: Die großen Ketten wie Saturn und Media Markt haben das definitiv. Einfach mal in den nächsten Laden und nachfragen. Optische Warnsignale erscheinen dann auf dem Kassendisplay.

Beretta: ...oder besser gesagt, in fast ALLEN europäischen Ländern außer Deutschland und Großbritannien.

Alexander Groppler: Ich habe noch keine Kassensysteme gesehen. Nur unmotivierte Verkäuferinnen, die sich von fadenscheinigen Ausreden ablenken lassen. Soll ich dann immer gleich zum örtlichen Jugendamt rennen?

Kami: Und wieso hat nur Deutschland Probleme damit, die PEGI einzuführen? In allen anderen Ländern klappt das einwandfrei und die Gewalt ist bestimmt auch nicht höher.

Alexander Groppler: Da funktioniert die Kontrolle online (beim Verkauf) ja meist besser!... Raubkopien ausgeschlossen.

Patrick_Portz: Dass der Staat per Grundgesetz den Jugendschutz wahrnimmt, ist nicht gleichbedeutend mit der aktuellen Art und Weise, wie er es tut. Wenn in der BRD PEGI eingesetzt würde (meinetwegen als verpflichtende Kennzeichnung), wäre dem Schutzauftrag doch Genüge getan.

Patrick_Portz: Bitte: Nicht WIR in Deutschland haben zu Gewalt in Spielen ein anderes Verhältnis als der Rest Europas, sondern die Gremien der USK, FSK, BPjM et cetera. Hier kann nicht von einem gesellschaftlichen Konsens gesprochen werden, die Perspektive der betroffenen Spieler reflektiert dies garantiert nicht!

Peacemaker: Ist diese Wertvorstellung nicht aber geheuchelt, wenn man sie nur auf PC-Spiele anwendet?

Patrick_Portz: Ich wiederhole: Nicht WIR sondern die Prüfgremien. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, da sind WIR-Argumente unangebracht, zumal die Prüfurteile ja offensichtlich an der Wahrnehmung der betroffenen Spieler vorbeigehen, das alleine führt das WIR-Argument ad absurdum.

Beretta: ...tja, leider beruft man sich auch beim Thema mediale Gewaltdarstellungen mal wieder auf unsere historische Vorbelastung. Kann es sein, dass es ohne den ständigen Hinweise darauf hierzulande 50 Prozent weniger Grundgesetzbürokratie geben würde?

Patrick_Portz: Wer definiert diese Wertvorstellungen in einer pluralistischen Gesellschaft? Die USK-Gremien? Dieser Wertekonsenz muss sich auch messen lassen, darf nicht nur gemutmaßt werden. Im Endeffekt hilft hier nur der kleinste gemeinsame Nenner, das Grundgesetz... und aus diesem ergibt sich nicht, dass der deutsche. Jugendschutz restriktiver sein sollte als im Rest Europas.

Galli: Ich glaube auch nicht, dass die Hersteller bzgl. der Altersfreigabe verantwortungsloser als der Staat wären. Das, Herr Spieler, ist also kein Argument, die PEGI abzulehnen.

Beretta: ...mal wieder zeigt sich: Die ganze Debatte ist eine Debatte zwischen Jungen und Alten. Wer von den unter-40jährigen hält denn bitteschön historische Faktoren als relevant für Medienschutzmaßnahmen?

Beretta: Herr Spieler: Gehen Altersfreigaben nicht sowieso am Ziel vorbei, während Reifefreigaben viel angebrachter wären?

Patrick_Portz: Wenn ein Elfjähriger ein Spiel kaufen möchte, kann er (außer über die Eltern) legal nur ein Spiel ab sechs erwerben. Spiele ab sechs Jahren sollen aber die Spanne von Sechs- Zwölfjährigen erfassen, orientieren sich dabei aber nur an den Sechsjährigen, das ist doch absurd.

frosch: @Beretta: Im Prinzip gebe ich dir da recht. Aber wie will man überprüfen, welcher 14- oder 16jähriger oder auch 18jährige reif für welches Spiel ist?

Alexander Groppler: Die Frage ist ja, wie und wer könnte solche Vorgaben transparent erschaffen und dann auf einem aktuellen Stand halten?

Beretta: @frosch: Gute Frage. Aber genauso kann man ja fragen, was Alterskennzeichen bringen sollen, wenn die Geeignetheit eines Spiels mit dem Alter des Spielers gar nichts zu tun hat. Dann könnte man auch Freigaben nach aktueller Wetterlage machen...

Patrick_Portz: Das heißt: Also ist die USK in ihrer verpflichtenden Funktion nur legitim, weil Medienkompetenz noch keine "Fähigkeit" ist, die die ganze Gesellschaft durchdrungen hat? Müssen wir vielleicht so lange warten, bis es nur noch Generationen gibt, die mit Computerspielen groß geworden sind?

Peacemaker: Und muss kreativ werden, um an entsprechende Spiele zu kommen...

Peacemaker: Aber durch die aktuelle Politik sprechen Sie den über 18 Jährigen doch genau diese Kompetenzen ab.

Patrick_Portz: Wenn jemand "durchdreht", ist das doch ohnehin ein pathologischer Fall. Wir dürfen uns nicht an pathologischen Fällen orientieren (und selbst bei denen ist der Medieneinfluss quasi nonexistent, wird nur gemutmaßt).

Peacemaker: Und ich kann deswegen auch mit 99 noch nicht die selben Spiele kaufen wie meine europäischen Nachbarn.

Patrick_Portz: Doch, natürlich geht es um Erwachsenenspiele. Es ist fatal, im Sinne des vermeintlichen Wohls der "Kinder" sämtliche Medien auf ein Kinderniveau zu stutzen!

Alexander Groppler: Korrektur: Jeder darf indizierte Spiele ab einem Alter von 18 spielen! Frau Griefahn meint sicher beschlagnahmte Spiele. Hoffentlich nur ein "Vertipper". Fiel mir aber doch unangenehm auf!

frosch: @Griefahn: Na, wie beruhigend. Gelte ich bei Filmen also auch nicht als mündiger Bürger, oder wie?

Patrick_Portz: Was um so absurder wird, wenn ich daran denke, nur fünf Minuten fahren zu müssen, um mir dann in Holland im Supermarkt Manhunt kaufen zu können.

Galli: Indizierte Medien werden auch aus dem Leben vieler Erwachsener (wie mir) wirksam ferngehalten, da die großen Ketten solche Artikel aus Angst vor Repressalien erst gar nicht im Sortiment haben und kleine Läden nicht jeder in der Umgebung hat, vor allen Dingen, wenn man auf dem Land lebt. Ein Verkäufer einer solchen Kette erzählte mir mal, das sich der Aufwand für den Verkauf indizierter Artikel einfach nicht lohnt, da die Behörden zu viele Forderungen an einen solchen Verkauf stellen. Sind nicht bei Indizierungen die Hürden für den Verkauf an Erwachsene zu hoch geworden?

Alexander Groppler: Finden Sie nicht auch, dass gerade die Industrievertreter in dieser Diskussion wichtig wäre? Immerhin unterwerfen die sich ja einer manchmal wirklich peinlichen Selbstzensur, nur um ihre Produkte in Deutschland an den Mann bringen zu können.

Beretta: Herr Spieler: Was heißt denn bitteschön "unnötige Elemente"? Schon mal was von "Atmosphäre" gehört?

Patrick_Portz: Das heißt: Selbst wenn die Gutachten einsehbar sind, handelt es sich doch nur um verschiedenen Individuen auf Basis ihrer Subjektiviät ausgehandelte Prüfurteile. Warum sollten diese akzeptiert werden? Jeder kann eine Meinung haben, warum sollte die der USK besser sein als die eines x-beliebigen anderen oder ihrer EU-Pendants?

Patrick_Portz: Unnötig sind Elemente nie, zumal es sich bei Spielen um Kunstwerke handelt. Man sagt ja auch nicht, dass bei diesem oder jenem Bild ein Pinselstrich "unnötig" sei.

MagZero: Jugendschutz hört mit Erreichen des 18. Lebensjahres auf, basta! Kontrollen so scharf anzusetzen, dass Schnitte in Medien, die ausschließlich vollmündigen Bürgern zugänglich sind/sein sollten, zwanghaft sind, darf in einem freien Land einfach nicht sein! Genauso wie ich entscheiden kann, welches Bier und wieviel davon ich kaufen kann, möchte ich es auch bei Computerspielen handhaben. Ein Staat, der im Namen des Jugendschutzes die Vollmündigkeit aller Erwachsenen einschränkt, ist inkompetent!

Beretta: Mein Vorschlag: Auf alle Spiele Content Descriptors (wie bei PEGI und ESRB) draufmachen, Altersfreigabe weglassen und Eltern selbst entscheiden lassen, ob ein Spiel für ein bestimmtes Kind geeignet ist. Frau Griefahn: Warum sind die Gesellschaften von 16 anderen europäischen Ländern medienkompetent genug, nur Deutschland nicht?

frosch: Ja, das frag ich mich auch gerade. Wir sind halt alle blöd hier und haben es nur noch nicht gemerkt...

Alexander Groppler: Wir kennen diese Auswirkungen bislang noch nicht einmal konkret. Wie soll da ein adäquater Schutz überhaupt möglich sein? Auf psychisch labile Personen wirken sich gegebenfalls. auch die RTL-Nachrichten aus... aber die werden nicht extra geprüft.

Beretta: @Griefahn: Ich sage ja, daher Reifefreigaben oder meinetwegen "Intelligenzfreigaben". Zur Verwendung dieses Begriffs haben wir dann ja aber wohl wieder ein historisch vorbelastetes Verhältnis...

Patrick_Portz: Groppler? Von BiR? Ein Traum, den der Rest Europas (mit einigen Ausnahmen/Einschränkungen) aktiv lebt!

Alexander Groppler: Ja genau, der von BiR.

MagZero: Diese Kinder werden zu einer Straftat angestiftet. Ansonsten ist die Idee stärkere Kontrollen statt mehr Verbote der richtige Weg.

Patrick_Portz: Das ist aber das gute Recht der Eltern und soll unangetastet bleiben!

Beretta: Ein wünschenswertes Szenario wäre, dass der Computer nicht im Kinderzimmer steht.

Patrick_Portz: Ist das nicht absurd, Kinder und Jugendliche zu ihrem eigenen und auch gesellschaftlichem Nachteil Spitzelarbeit ausführen zu lassen, damit sie weniger Nutzungskompetenzen zugewiesen bekommen? Welcher Heranwachsende lässt sich denn dafür instrumentalisieren (naja, obwohl.. wenn genügend Geld im Spiel ist)... das ist traurig.

Alexander Groppler: Ist eine wirkungsvolle Hilfe für die Eltern, zum Beispiel durch intensive "Beschulung" der Medienkompetenz sehr teuer? Ist vielleicht nicht auch eine Verbotsdiskussion aus ökonomischen Gründen ganz hilfreich? Immerhin muss man die Urteile der USK ja auch als Elternteil einordnen können um zu entscheiden, was für mein Kind passend und zumutbar ist.

Beretta: Frau Griefahn: Wer soll die Prüfung von Online-Spielen dann bitte bezahlen?

Alexander Groppler: Selbst wenn die USK optimal arbeitet, scheitert es ja doch zumeist spätestens in vielen Elternhäusern, die oft nicht einmal die Alterkennzeichen kennen!

ATM: Frage: Kann man überhaupt ernsthaft versuchen das Internet zu reglementieren? Im Prinzip ist es doch so, dass alle Verbote/Regularien nach kurzer Zeit ausgehebelt werden. Gerade die Musik- und Filmindustrie hat dies schmerzlich erfahren. Muss die Herangehensweise an das Internet nicht eine ganz andere sein, weg von Verboten und dem Versuch diese umzusetzen, hin zu Aufklärung der Erziehungsberechtigten/Aufsichtspersonen?

Beretta: Um mal Henry Jenkins zu zitieren: "Wenn Kinder nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden könnten, wären sie dümmer als Affen." Könnte das im Fall der Fälle vielleicht doch wieder an den Eltern liegen?

Beretta: @Griefahn: Die Spiele-Hersteller, die auf .com-Seiten veröffentlichen? Aha.

Alexander Groppler: Wäre Präventionsarbeit im Elternhaus eigentlich eine erweiterte Aufgabe der USK oder der Bundesregierung?

Beretta: Warum gibt es eigentlich keinen Elternführerschein?

Beretta: Im europäischen Umland gibt es keine Nation mit MEHR Reglementierungen.

Beretta: Aus den Jugendschutzbestimmungen auf die Häufigkeit von Gewaltdelikten zu schließen, hat ja schon Pfeiffer'sche Qualitäten...

Beretta: @Griefahn: Fragen sie doch mal die Schulministerien, warum sie kein entsprechendes Fach in den Lehrplan aufnehmen.

Patrick_Portz: Ja, die Diskussion wird unter Spielern geführt, ganz definitiv. Aber mit anderen Schwerpunkten, hier ist nämlich das Thema Zensur unter Spielern dominant, was in der Debatte öffentlicher Art nie vorkommt.


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