Kein Fortschritt ohne Bewegung
Soviel Gender wie heute war noch nie
Gender Mainstreaming ist eine politische Strategie, die auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Entscheidungsprozessen zielt. Dabei stehen neue Instrumente sowie klassische Frauenförderungsmaßnahmen zur Verfügung.
Gender - das Wort wird mittlerweile in den unterschiedlichsten Zusammenhängen benutzt. Gegendert werden Unternehmens-Strategien und Marketing-Konzepte, genauso wie Sprache und Gesetze (in Inhalt und Form). Es gilt: "Soviel Gender wie heute war noch nie." (Meuser /Neusüß 2004) Gender drängt in den Mainstream.
Die Bundesregierung Deutschland hat Gender-Mainstreaming bereits 1999 als Leitgedanken in das Regierungsprogramm aufgenommen. Eine treibende Kraft und ein wichtiges Referenzsystem für nationale Umsetzungsprozesse stellt die EU dar, welche 1997 im Amsterdamer Vertrag Gender Mainstreaming offiziell als verbindliche Richtlinie für alle Mitgliedsstaaten zum Ziel der EU-Politik gemacht hat.
Zwischen gleichstellungspolitischen Normen, ihrer öffentlichen Rhetorik und den jeweiligen gesellschaftlichen Praxen klafft jedoch nach wie vor eine große Lücke. Zahlreiche Frauen sind immer noch von Gewalt betroffen. Die Topetagen der Wirtschaft sind weitesgehend frauenfrei, Lohndiskriminierung und Vereinbarkeitsproblematik für Frauen Realität. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Männer, die erzieherische und pflegerische Aufgaben übernehmen nur sehr langsam.
Gender Mainstreaming ist eine gleichstellungspolitische Strategie, an der sich Hoffnungen, Kritiken und Fragen aus verschiedenen Richtungen entzünden. Manche feministischen AkteurInnen und TheoretikerInnen fragen sich, ob das noch etwas mit Feminismus zu tun habe und vermissen dessen spezifischen Impetus einer grundlegenden und umfassenden Gesellschaftsveränderung. Andere wiederum vermuten, es handele sich bei Gender Mainstreaming um ein Konzept, das sich "Bürokraten in Brüssel" ausgedacht hätten und das allenfalls zu einer "Gleichstellung light" tauge. Viele hoffen aber auch, dass Gleichstellung endlich Breitenthema wird. Diese Hoffnung war bereits Triebkraft internationaler Frauenbewegungen, die das Thema auf die Politikagenda setzten, wo es Eingang in die Aktionsplattform der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking fand. Die Geschichte von Gender Mainstreaming ist also auch eine Geschichte sozialer Bewegungen.