Frauenfußballerinnen

4.9.2007 | Von:

Damenfußball, Straßenfußball: der weibliche Kick bis zum DFB-Verbot im Juli 1955

DFB gegen Damenfußball

Doch der DFB lehnt Damenfußball "aus grundsätzlichen Erwägungen und ästhetischen Gründen" ab. DFB-Jugendobmann Prof. Dr. Zimmermann erklärt: "Der Damenfußball würde doch grundsätzliche Dinge berühren und nicht ohne Regeländerungen auskommen (leichterer Ball, Rempeln usw.). Fußball wäre kein echter Kampfsport mehr. Organisatorisch gibt es wohl kaum eine geschlossenere Sportart als den Fußball – vielleicht, weil keine Frauen dabei sind...". (Kicker, 9.5.1955)

DFB-Präsident Peco Bauwens bei der Übergabe der Meisterschale 1953 an Kaiserlauten. 1955 verbietet der DFB seinen Vereinen den Frauenfußball. (Foto: AP)Kein Freund des Damenfußballs, DFB-Präsident Peco Bauwens 1953 bei der Überreichung der Meisterschale an Kaiserslautern (Foto: AP) (© AP)
Auch DFB-Präsident Dr. Peco Bauwens ist davon überzeugt, dass "Fußball kein Frauensport" ist. Er hält Damenfußball in Deutschland für indiskutabel und argumentiert dabei auch `sportplatzorganisatorisch´: "Wir werden uns mit dieser Angelegenheit nie ernsthaft beschäftigen. Das ist keine Sache für den DFB./../Wenn in einigen Städten ein Dutzend Frauen zusammenkommen und einen Fußballklub gründen, ist das ihre Angelegenheit. Es bleibt aber immer die Frage offen, wo diese Mannschaften spielen wollen. Die Sportplatznot in den größeren Städten zwingt die Vereine ohnehin bereits, ihre Jugendspiele vorwiegend auf samstags zu verlegen." Er verweist ferner darauf, daß Fußball "genügend Gefahren der Verletzungen" mit sich bringt und mithin "Frauen nur Sportarten ausüben (sollten), die keine nennenswerten Nachteile mit sich bringen" - wie Leichtathletik, Schwimmen oder Tennis. (Neue Ruhr Zeitung 7.5.1995)

Dennoch müssen sich die Vertreter des DFB mit der "Angelegenheit Damenfußball" befassen. Als aus Essen und Mönchengladbach Damenfußballspiele mit "erstaunlich hohen Zuschauerziffern" (3.000 bzw. 10.000 Zuschauer) vermeldet werden, gibt der Vorstand des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) kurzerhand folgende "amtliche Mitteilung" heraus: "Bevor nicht der Frage des Damen-Fußballs auf der DFB-Ebene endgültig geklärt und entschieden ist, ist es allen Vereinen untersagt, Damen-Fußballabteilungen zu bilden, ihre Plätze für solche Spiele herzugeben und irgendwelchen Personen zur Verfügung zu stellen". (NRZ 1955).

Platzsperre und Polizeiaufgebot gegen Fußballerinnen

Als Ende Juli 1955 die Kickerinnen vom DFC Duisburg-Hamborn und Gruga Essen auf dem bereits gemieteten Fußballplatz der Spvgg. Hamborn 90 gegeneinander antreten wollen, wird ihnen aufgrund des FVN-Beschlusses trotz Mietvertrages Platzverbot erteilt. Kurzhand ziehen die Fußballerinnen um und beginnen ihr Spiel auf dem Sportplatz des Kreisklassenvereins Hertha Hamborn. Wenig später betritt der 2. Vorsitzender der Hamborner Hertha zusammen mit einem "Schutzmann" den Platz und läßt das Spiel abbrechen. "Draußen stand für alle Fälle das Überfallkommando" berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung am 1.8.1955 über diese Posse, "es brauchte indessen nicht einzugreifen". Die Kickerinnen werden vom Sportplatz vertrieben. "Sie kickten nur 20 Minuten /.../ dann wurde der Damen-Fußball liquidiert" kommentiert die WAZ und stellt fest: "Es war diesmal nichts mit der Gleichberechtigung..." (Westdeutsche Allgemeine Zeitung., 1.8.1955).

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