Lokaljournalismus

5.9.2012 | Von:
Horst Röper

Wer hat die Macht?

Ökonomische Voraussetzungen und Herausforderungen

Entwicklung der Auflage und Titelzahl von Abonnementzeitungen - Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnenEntwicklung der Auflage und Titelzahl von Abonnementzeitungen - Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Bereits Mitte der 60er Jahre begann die sogenannte Pressekonzentration. Immer mehr vor allem kleinauflagige Lokalzeitungen wurden aus ökonomischen Gründen eingestellt oder verloren ihre verlegerische Eigenständigkeit, wenn sie von größeren Verlagen übernommen und in der Folge als deren Lokalausgaben verlegt wurden. Dieser Prozess hält immer noch an. Die Zahl der selbständigen Zeitungen geht weiterhin zurück.

Auswirkungen der Erlös- und Kostenstrukturen

Wichtigstes Medium für die lokale Information sind die regionalen Tageszeitungen geblieben.[2] Aber auf diesem Gebiet funktioniert der Markt nicht wie gewünscht. Statt einer Vielzahl von Zeitungen gibt es aus wirtschaftlichen Gründen vielfach nur ein sehr begrenztes Angebot von Zeitungen mit lokaler Information. Ein erheblicher Teil der Kosten von Verlagen sind so genannte Fixkosten. Unabhängig von der Auflage sind beispielsweise die Ausgaben für die Redaktion gleich hoch. Sinkt die Auflage, steigen die Kosten für die Herstellung jedes Exemplars. Sind die absoluten Auflagen gering, rutschen einzelne Lokalausgaben ins Minus. Zeitungsverlage sind daher fortlaufend bemüht, die Fixkosten zu senken. Dies betrifft alle Abteilungen und vor allem die Personalkosten. In den Redaktionen sind in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze von Redakteuren gestrichen worden (vgl. Tabelle). Zugleich wird versucht, durch neue Organisationsformen wie die Arbeit am Newsdesk und die Mehrfachverwertung journalistischer Produkte die Kosten zu senken. Berichte einer Lokalredaktion werden beispielsweise auch für andere Lokalausgaben genutzt. Korrespondentenberichte erscheinen nicht mehr nur in einer Zeitung sondern in mehreren. Und letztlich wird das Material der Zeitungsredaktion auch in anderen Medien eingesetzt, derzeit vor allem in Internet-Portalen, künftig vielleicht vermehrt für Apps oder andere mobile Nutzungen verwendet

Besteht keine Aussicht auf Besserung werden defizitäre Lokalausgaben eingestellt. Im Laufe der Jahre ist dadurch das Angebot an unterschiedlichen Zeitungen mit lokaler Information immer geringer geworden. Inzwischen gibt es in der Mehrzahl der Kreise und kreisfreien Städte nur noch jeweils eine Lokalzeitung.

Redakteure und Volontäre bei Tages- und Wochenzeitungen
Jahr Redakteure Volontäre
1993 10.545 1.412
1996 14.402 1.310
2000 15.306 1.378
2004 14.920 1.072
2008 14.469 1.228
2010 13.573 1.263
2011 12.966 1.128
Quelle: Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverleger e.V., Bonn

Damit sind große Risiken verbunden. Der Verleger der Monopolzeitung hat eine immense Machtfülle. Er entscheidet nicht nur über den Preis der Zeitung sondern auch über ihren Umfang und speziell über den Umfang des Lokalteils sowie über die Besetzung der Lokalredaktion. Zudem wird von ihm auch das jeweilige Berichtsgebiet bestimmt, also über welche Orte im jeweiligen Lokalteil berichtet wird. Er hat die Definitionshoheit über die Bestimmung, was lokal ist. Die jeweilige Lokalredaktion hat eine immense Verantwortung insbesondere in Bezug auf die Selektion ihrer Berichte: Das was nicht in der einzigen Lokalzeitung steht, hat für einen großen Teil der Bevölkerung nicht stattgefunden. Monopolzeitungen müssen sich daher insbesondere als Forum verstehen. Sie müssen offen sein für jeden. Das gilt gerade auch für die Lokalpolitik, wenn Bürgermeister oder Fraktionsvorsitzende für ihre Themen oft nur noch einen Ansprechpartner in der Redaktion haben. Auch für die Medien gilt, dass es positiv ist, wenn der Einfluss auf mehrere verteilt ist (Machtteilung). In den Monopolgebieten – die im Zuge der Pressekonzentration entstehen – ist dieser Grundsatz teilweise außer Kraft gesetzt.

Fußnoten

2.
Dieser alte Befund ist in 2011 durch eine Fallstudie des Hans Bredow Instituts für den sehr vielfältig besetzten Medienmarkt Berlin erneut belegt worden (noch unveröffentlicht). http://www.hans-bredow-institut.de
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Autor: Horst Röper für bpb.de
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