LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Comcast/NBCUniversal, LLC

Umsatz 2011: $ 55,842 Mrd. (€ 40,116 Mrd.)

Geschichte und Profil

Geschichte und Profil Comcast

Innerhalb von etwa 40 Jahren baute die Roberts-Familie einen kleinen Kabelnetzanbieter mit 1.200 Kunden in Tupelo/Mississippi zum weltweit größten Kabelkonzern aus. 1969, sechs Jahre nach dem Einstieg in die Kabelbranche, gründete Ralph Roberts das Unternehmen Comcast ("COMmunication"/ "broadCAST"). Von Beginn an wuchs der Konzern vor allem durch eine aggressive Akquisitionsstrategie. Im Zuge des Kabelbooms der 1970er Jahre erwarb die Firma mehrere Regionalnetze, in den 1980ern folgte die Übernahme größerer Konkurrenten, 1986 verdoppelte Comcast seine Kundenzahl auf 1,2 Millionen durch den Anteilsankauf der Group W Cable, und 1988 erwarb die Firma 50 Prozent an Storer Communications und erreichte damit 2 Millionen Kunden.

1990 übernahm Ralph J. Roberts Sohn Brian die Konzernleitung, investierte in Glasfasertechnologie und forcierte die Diversifizierung in Richtung Programmproduktion. 1995 sicherte sich Comcast durch einen viel beachteten 1,4-Milliarden-Dollar-Deal gemeinsam mit TCI 57 Prozent der Anteile am Teleshopping-Sender QVC, 1997 erfolgte (als Jointventure mit der Walt Disney Corp.) die Übernahme einer Kontrollmehrheit am Kabelkanal E! Entertainment. 1999 kam es zum Wettstreit um den Kabelrivalen MediaOne, der damaligen Nummer Vier im Geschäft. Ende März verkündete Comcast schon die Fusion mit MediaOne, als die Telefongesellschaft AT&T mit einer 58-Milliarden-Gegenofferte auf den Plan trat. Schließlich musste Comcast sein Angebot zurückziehen, konnte dafür aber im Gegenzug zwei Millionen Kabelhaushalte von AT&T für rund neun Milliarden Dollar übernehmen.

Bereits 2001 bot sich der Roberts-Familie eine Gelegenheit zur Revanche, als AT&T den Verkauf seines Kabelgeschäfts in Aussicht stellte – ein Geschäftsbereich, der erst 1999 mit dem Kauf der Pionier-Firma Tele-Communications Inc. (TCI) entstanden war. Deren Vorstandsvorsitzender John C. Malone hatte seit 1984 rund 150 Firmen übernommen und zugleich neue TV-Kanäle gestartet. Nachdem Malone 1999 lange einen Käufer gesucht hatte, ging TCI im Zuge eines 44-Milliarden-Dollar-Geschäfts in AT&T Broadband auf. AT&T-Chef Michael Armstrong investierte weitere 100 Milliarden Dollar in die Kabelnetze, bis die Investoren die Geduld verloren und der Aktienkurs unter Druck geriet. 2001 ließ der überschuldete Telefonriese dann verlauten, seine Kabelsparte wieder abstoßen zu wollen. Ein hitziges Bietergefecht begann. Neben Comcast bewarben sich auch AOL Time Warner (Time Warner in der Mediendatenbank) und Cox Communications um AT&T Broadband und seine damals über 13 Millionen Kunden. Mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme startete Comcast recht unglücklich ins Rennen. Später hatte Brian Roberts aber einen mächtigen Verbündeten. Microsoft half mit einem Milliardenbetrag aus, vor allem um einen Sieg des Erzrivalen im Breitband-Business, Time Warner, zu verhindern. Kurz vor Weihnachten 2001 fiel die Entscheidung. Zum Preis von 47 Milliarden Dollar in Aktien und der Übernahme von 25 Milliarden Dollar Schulden erhielt Comcast den Zuschlag.

Nach der Mega-Fusion ordnete das Unternehmen seine Inhalte-Aktivitäten neu. Die QVC Gruppe wurde 2003 für 7,9 Milliarden Dollar an Liberty Media verkauft, dafür gingen mehrere Spartenkanäle on air: 2002 der Videospiele-Kanal G4, der dann 2004 durch das aufgekaufte Tech TV ergänzt wurde, TV One (2003), das auf die schwarze Bevölkerung abzielt und SportsNetChicago (2003). Zudem übernahm das Unternehmen 2003 alle Anteile am The Golf Channel. Dieses langsame Wachstum aber genügte dem Dealmaker Roberts nicht. 2004 präsentierte er einen verwegenen Plan, die feindliche Übernahme des Disney-Konzerns, dessen CEO Eisner 2003 unter heftigen Beschuss der Anteilseigner geraten war. Damit wäre Comcast dem Vorbild von Time Warner gefolgt, Inhalte und Infrastruktur zu kombinieren. Die 66 Milliarden-Dollar-Offerte wurde aber weder von Disneys Eignern noch den Comcast-Aktionären gebilligt, und Roberts musste im April kapitulieren. Als Sony im gleichen Jahr dann das Traditionsstudio MGM erwarb, war Comcast nur als Juniorpartner am Tisch. Für 300 Millionen Dollar sicherte sich der Konzern das Recht, Filme aus dem MGM-Studio-Katalog auf gemeinsamen Jointventure-Kanälen mit Sony in seinen Netzen anzubieten. Knapp ein Jahr nach der Disney-Attacke konnte Roberts dann doch eine Großfusion unter Dach und Fach bringen. Gemeinsam mit Time Warner kaufte Comcast im April 2005 Adelphia, die bankrotte Nummer Fünf in der amerikanischen Kabelbranche und gewann nochmals 1,8 Millionen Kunden hinzu – zu einem Preis von 3,5 Milliarden Dollar.

"Ralph Roberts ist ein harter Hund", so äußerte sich der schillernde TV-Entrepreneur Barry Diller, Chef der Interactive Corp., über den Comcast-Gründer. Diller hatte 1994 als QVC-Präsident die Übernahme des Shoppingsenders durch CBS geplant, nicht zuletzt, um selbst in der Hierarchie des großen Networks aufsteigen zu können. Doch er hatte die Rechnung ohne den Comcast-Gründer gemacht. Ralph Roberts war nicht bereit, seine Position als größter QVC-Aktionär aufzugeben und machte gemeinsam mit TCI ein erfolgreiches Gegenangebot.

Ralph Roberts, der Selfmade-Milliardär und Gentleman mit sanfter Stimme, kann sich heute zurücklehnen. Sein Sohn und Nachfolger Brian, der 1981 als Kabelinstallateur ins Unternehmen einstieg, kam schnell in der Firmenhierarchie voran. Obwohl er 1990 Präsident von Comcast wurde, erschien auch der Vater zu dieser Zeit noch täglich am Firmensitz. Das wurde von der Branche zunächst skeptisch beäugt. Mit dem Übertrag der Stimmrechtsaktien Ende 1997 galt der Wachwechsel an der Firmenspitze jedoch als vollzogen. Beobachter sprechen von einem reibungslosen Generationentransfer – trotz des enormen innerfamiliären Konfliktpotenzials, das Transaktionen dieser Größe bergen.

Es war Brian Roberts erster großer Coup, den zögerlichen Bill Gates davon zu überzeugen, dass das Fernsehkabel zukünftig für elektronische Inhalte die wichtigste Pipeline in die Wohnzimmer sein werde. Seitdem ist der gute Draht zu den Software-Leuten aus Redmond ein Schlüssel für den Comcast-Aufstieg. Gates investierte schon 1997 eine Milliarde Dollar in Comcast, und es war Microsoft-Vizepräsident Henry (Hank) P. Vigil, der Brian Roberts bei einem Business Lunch in Manhattan auf die Fährte von AT&T Broadband setzte. Auch bei dem Design der elektronischen Programmführer – wegen der Navigationsfunktion eines der Schlüsselangebote im digitalen Fernsehen – sicherte sich das Unternehmen 2004 die Unterstützung der Entwickler aus Redmond.

Sein Meisterstück lieferte Roberts jedoch Übernahme von NBCUniversal ab. Die Regulierungsbehörde FCC gab im Januar 2011 grünes Licht, für 13,8 Milliarden das Film- und Fernsehunternehmen vom Mutterkonzern General Electric zu kaufen. Durch die Übernahme setzt sich die Konsolidierung des stark konzentrierten Mediensystems der Vereinigten Staaten weiter fort. Mit rund 23 Millionen Kabel- , 17 Millionen Internet- und acht Millionen Mobilkunden verfügt Comcast über einen landesweiten Marktanteil von 30 Prozent. Durch die Übernahme von NBC Universal kontrolliert das Unternehmen künftig unter anderem zusätzlich zwei TV-Senderketten, 26 Fernsehstationen, 20 Kabelkanäle und mehrere Fernseh- und Filmproduktionsfirmen (darunter auch die Universal Studios). Kritiker befürchten, Comcast könnte diese Marktmacht dazu benutzen, Preise zu erhöhen, konkurrierende Inhalteproduzenten vom eigenen Distributionsnetzwerk auszuschließen und so den Rest an Vielfalt, der noch im US-Fernsehen erkennbar ist, weiter zu verringern. Die Obama-Administration, die unter anderem mit dem Ziel angetreten war, der Konzentration im Mediensektor entgegen zu wirken, beugte sich dem Druck der Comcast-Lobbyisten. In den vergangenen zwei Jahr schüttete das Unternehmen mehr als 15 Millionen US-Dollar an Kongressabgeordnete aus. Insgesamt 78 ehemalige Regierungsmitglieder stehen gegenwärtig als Lobbyisten auf der Gehaltsliste von Comcast.


Geschichte und Profil NBCUniversal


Die US-Regierung hatte im Ersten Weltkrieg die gesamte Radio-Industrie unter staatliche Kontrolle gestellt. Dadurch lösten sich Patentstreitigkeiten und der Forschung flossen erhebliche finanzielle Mittel zu. Nach dem Krieg bat die Regierung General Electric, die Radiopatente zu nutzen und das Medium technisch weiterzuentwickeln. Die Folge war die Gründung von RCA. Für eine Millionen Dollar kaufte RCA dann 1926 den New Yorker Sender WEAF (Western Electric AT&T Fone) und einen Washingtoner Schwestersender. RCA begründete damit den Aufbau eines Sendernetzes, das sich über ganz Amerika erstreckte. General Electric beteiligte sich mit 30 Prozent, Westinghouse mit 20 Prozent. Die verbleibenden 50 Prozent gehörten RCA. Der Name der Senderkette war The National Broadcasting Company (NBC). Im Jahr 1932 wurde das Radio-Monopol von der Regierung zerschlagen. GE und Westinghouse mussten sich aus dem Kartell zurückziehen. Bis 1985 gehörte NBC zwischenzeitlich nur zu RCA.

NBC hatte bereits 1927, ein Jahr nach seiner Gründung, die erste landesweite Sendung ausgestrahlt. Nachdem sich NBC in den 30er Jahren als Radiogröße etablierte, gehörte das Unternehmen auch zu den Pionieren des Fernsehens. Erste Experimente unternahm NBC 1932 vom Empire State Building aus. 1941 erhielt NBC die erste lokale Lizenz zum Betrieb eines Fernsehprogramms im Bundesstaat New York. Die nächsten 15 Jahre verbrachte der Sender mit dem Aufbau eines landesweiten "Netzwerks" an Sendestationen im Wettlauf mit CBS und ABC. Quizshows, Talk-Sendungen und Nachrichten waren damals die wichtigsten Programmformate. Trotz Dauerbrennern wie der "Late Night Show" oder Hits wie "Bonanza" blieb NBC während der 60er Jahre in der Zuschauergunst aber stets hinter CBS. In den 70er Jahren zog auch ABC an NBC vorbei. Da es damals nur drei Programme gab, fand sich der einst führende Fernsehkanal plötzlich in der Rolle des abgeschlagenen Letzten. Dies änderte sich mit der "Cosby Show", die 1984 auf Sendung ging. Die Sitcom-Komödie mit Bill Cosby lockte regelmäßig Millionen vor die Bildschirme, Programme wie "Cheers" und "Miami Vice" taten das Übrige, um NBC zur Nummer Eins bei den Quoten zu machen.

1985 kaufte General Electric für 6,3 Milliarden Dollar RCA und damit fiel NBC an das Gründungsunternehmen zurück. Der damalige GE-Chef Jack Welch setzte den Finanzexperten Bob Wright an die Spitze von NBC, der sich gleich mit einer Fülle von Kosteneinsparungsmaßnahmen unbeliebt machte. Anders als in den 1920er Jahren passte NBC nicht mehr zu GE, die das Medienunternehmen kaufte, weil sie auf Gewinn hofften – ebenso wie die Sparten Gesundheitstechnologie und Finanzdienstleistern, die ebenfalls nichts mit dem Kerngeschäft zu tun hatten. 1991 war NBC bei den Quoten wieder weit hinter ABC und CBS und viele rechneten damit, dass GE das Abenteuer Fernsehen bald beenden würde. Doch GE hielt an NBC und Wright fest. Mit neuen Serien wie „Seinfeld“, „Frazer“ und „Friends“ eroberte NBC 1996 die Marktführung wieder zurück und gab sie bis zur Fusion mit Universal nicht mehr ab. In den 90er Jahren startete NBC auch den Wirtschaftssender CNBC sowie ein Joint-Venture mit Microsoft, den progressiven Nachrichtensender MSNBC (2005 verkaufte Microsoft seine Anteile am Sender; 2012 die Anteile an der Online-Nachrichtenplattform MSNBC.com, die daraufhin in NBCNews.com umbenannt wurde).

Am 12. Mai 2004 lud NBC-Chef Bob Wright zu einer Pressekonferenz am Konzernsitz in der Radio City Music Hall im Herzen von New York City, um den Zusammenschluss seines Fernsehsenders mit den Universal Studios offiziell zu verkünden. Im Oktober 2003 hatte es der 61-jährige Wright geschafft, im Bieterverfahren um Universal Interessenten wie das Hollywoodstudio Metro-Goldwyn-Mayer sowie eine Investorengruppe rund um den früheren Universal-Eigentümer Edgar Bronfman Jr. auszustechen. Acht Monate später waren alle Verträge für die Gründung von NBC Universal unterschrieben. Mit diesem Schritt beendete NBC als letzte der drei großen Fernsehanstalten der USA seinen Status als autonome TV-Einrichtung. Während jedoch ABC und CBS in den Jahren zuvor von größeren Einheiten (Disney, Viacom) geschluckt wurden, behielt NBC nach seiner Fusion die Kontrolle. Es war NBC, das Universal kaufte, nicht umgekehrt. Der Verkäufer Vivendi bekam neben 3,3 Milliarden Dollar Bargeld lediglich eine Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent am gemeinsamen Konzern.

Universal ist deutlich älter als NBC. Die Firma taucht 1912 zum ersten Mal auf als neuer Name für die Kinokette und Filmproduktionsgruppe des deutschen US-Immigranten Carl Lämmle. Der ehrgeizige Württemberger hatte sechs Jahre zuvor sein erstes Kino in Chicago eröffnet und expandierte zügig. Dass Lämmle sein Geschäft auf die Kinofilmproduktion erweiterte, hatte allerdings weniger mit Leidenschaft als vielmehr mit einer Protestaktion zu tun. Nachdem sich der Jungunternehmer den ungünstigen Konditionen des Filmverleihkartells der Edison Gruppe nicht beugen wollte, wurden seine Kinos nicht mehr beliefert. Um weiter Filme zeigen zu können, gab es nur einen Weg: Lämmle musste selbst produzieren. Dazu kaufte er 1911 das Nestor Studio in Hollywood. Universal spezialisierte sich anfangs vor allem auf Horrorfilme und machte Lämmle zum wichtiges Mitspieler der US-Filmproduktion. Frankenstein, Dracula, die Mumie, das Phantom der Oper, sie alle wurden zu Klassikern des Studios.

In den Geschäftsberichten von General Electric erschien der Medienriese als eine von elf Geschäftssparten, die Fernseh- und Film-Manager mussten sich in ihren wirtschaftlichen Leistungen folglich mit "Schwesterfirmen" aus so unterschiedlichen Bereichen wie der Medizintechnik oder der Triebwerkherstellung messen. Wichtigster Garant für ein eher bescheidenes, zurückhaltendes Agieren in der Branche der Eitelkeiten war Langzeitchef Bob Wright. Der Finanzfachmann stand über zwanzig Jahren an der Spitze von NBC. Keiner seiner Branchenkollegen konnte auf eine ähnlich lange Amtszeit zurückblicken. Die Öffentlichkeitsarbeit überließ Wright allerdings in der Regel seinem Programmchef Jeffrey Zucker. Zucker war es auch, der 2009 gemeinsam mit Comcasts CEO Brian Roberts die Übernahme von NBC Universal einfädelte, die Anfang 2011 in die Tat umgesetzt wurde.


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