LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

Comcast/NBCUniversal, LLC

Umsatz 2011: $ 55,842 Mrd. (€ 40,116 Mrd.)

Aktuelle Entwicklung

Die letzten zwei Jahre wurden durch die Übernahme von NBC Universal bestimmt, die im Januar 2011 vollzogen wurde.

Mehr aktuelle Aufmerksamkeit erhielt Comcast für seine 32-prozentige Beteiligung am Videoportal Hulu. Zwar darf Comcast nicht direkt in das Management von Hulu eingreifen, hat die Federal Communications Commission verfügt. Doch wird die neue Vermarktungsplattform für TV-Inhalte weithin als ein Joint Venture von NBC, Disney und Rupert Murdochs News Corp. gesehen. Murdochs US-Sender der Fox-Gruppe liefern Programme zu, wenn auch zu imer wieder neu zu verhandelnden Bedingungen und nicht immer ohne Reibungsverluste. Disneys Sender ABC agiert da wesentlich geräuscharmer. Hulu-Chef Jason Kilar konnte schon im Herbst 2011 vermelden, dass er das fürs Jahresende selbst gesetzte Ziel von zwei Mio zahlenden Abonnenten erreicht hatte. Die Umsätze von 420 Mio Dollar aus Werbung und Premium-Abos belegen, dass ein neuer Kommunikationskanal im Internet profitabel gestaltet werden kann, was lange von Analysten und Medienkritikern bezweifelt wurde. Im Oktober 2011 scheiterten Verkaufsverhandlungen an unterschiedlichen Preisvorstellungen und Lizenzplänen. Einerseits verlangten die Hulu-Eigner einen Preis von mindestens zwei Milliarden Dollar, andererseits wollten sie die Rechte an ihren wertvollen TV-Inhalten nur befristet abgeben. Die Fernsehsender als die eigentlichen Rechteinhaber schreckte der Gedanke, die hochwertigen Serien für Jahre aus der Hand zu geben. Damit lagen die Verkaufspläne zum Ende des Jahres 2011 wieder in der Schublade.

Doch macht selbst Kilar deutlich, dass das Kerngeschäft im TV-Kabel liege. Der jüngste Vorstoß in Richtung neuer Geschäftsfelder ist die weltweite Vermarktung der Programme. Das Onlineportal schloss im März 2012 mit der TV-Vermarktungsfirma FremantleMedia einen Vertrag, der Eigenproduktionen wie "A Day in the Life" an Fernsehsender lizensiert. Damit wäre Hulu der erste Internetanbieter, dessen Inhalte den Weg zurück ins Fernsehen finden.

Neue Konkurrenz erwächst den TV-Sendern wie NBC durch die Online-Streamings von Amazon und Netflix, die in den USA sowohl Kinofilme als auch Serien on Demand anbieten. Comcast steht hier auf beiden Seiten, denn als Anbieter von Breitbandinternetdiensten muss der Konzern die Infrastruktur für die Videodienste zur Verfügung stellen. Die im Jahr 2011 erbittert geführte Debatte um die Gleichbehandlung aller Internetinhalte unter dem Stichwort Netzneutralität betraf sowohl den Kabelanbeter Comcast wie sein Beiboot Hulu als Nutznießer. Die Konkurrenz nutzt dies weidlich aus. Netflix-Gründer und Geschäftsführer Reed Hastings klagte öffentlich über Bandbreitenbeschränkungen, die er im Eigenversuch belegte. Wie könne es angehen, dass Comcast den Datenverbrauch der konzerneigenen Hulu-App nicht auf seinen gesamten Datenverbrauch anrechne, wies er auf Inkonistenzen im System hin. Damit unterscheide Comcast zwischen fremden Inhalten, die Datenverbrauch verursachten und eigenen, für die die Grenze nicht zum Tragen komme. Die Kommunikationsaufsicht beeilte sich zu versichern, dass sie das Thema genau ansehe. Comcast versuchte zu relativieren mit dem Hinweis, dass die Datenbegrenzung ab 250 Gigabyte 99 Prozent der Endkunden gar nicht betreffe. Die veranschlagte Datenmenge reiche für hunderte Stunden Stunden Videostreaming im Monat aus, schrieb das Unternehmen in seinem Blog.

Ein Gegengewicht könnten Vertriebspartnerschaften bilden wie die mit Microsoft für die Xbox, auf der seit März 2012 auch Comcasts On-Demand-Dienste zu sehen sind. Damit erweitert Comcast seine Kundenbasis in Richtung der 25 Mio Xbox Videokonsolen, die in amerikanischen Haushalten stehen. Diese entwicklen sich immer mehr zum Ersatz für die Set-Top-Box, nachdem auch Bezahlsender wie HBO ihre Programme direkt über diesen Weg anbieten.

Den Weg zum geräteübergreifenden Mediendienst hat Comcast mit seinem Dienst Xfinity Streampix beschritten. Es handelt sich im Wesentlichen um Video-on-Demand, das von zahlenden Abonnenten außer auf dem Fernseher auch auf PCs, Laptops, Tablet PCS wie dem iPad oder dem iPhone angesehen werden kann. Dieser Dienst soll im Lauf des Jahres 2012 auf die Xbox und Endgeräte mit Android-Betriebssystem ausgeweitet werden.



Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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