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1.9.2012

Walt Disney Company

Umsatz 2011: $ 40,893 Mrd. (€ 29,377 Mrd.)

Engagement in Deutschland/Europa

In Deutschland ist Disney neben der Lizenzierung seiner Charaktere für verschiedenste Produkte vor allem im Zeitschriftenmarkt für Kinder und Jugendliche präsent. Die Egmont-Mediengruppe, die zu den führenden Medienholdings in Skandinavien zählt, verfügt über ein umfangreiches Lizenzabkommen mit Disney und veröffentlicht über die Deutschland-Tochter Egmont-Ehapa sämtliche Disney-Comics und Zeitschriften, darunter das Micky-Maus-Magazin - welches in 2011 seinen 60. Geburtstag feierte - und die Lustigen Taschenbücher.

Auch im deutschen Fernsehmarkt ist Disney seit Jahren aktiv. Gemeinsam mit der zu Bertelsmann zählenden RTL-Gruppe betreibt Disney in Deutschland seit 1995 den Kinder- und Familiensender Super RTL. Beide Partner halten je 50%.Obwohl Super RTL in seiner Zielgruppe der 3- bis 13-Jährigen mit dem Neustart von Nickelodeon in Deutschland im Jahr 2005 Konkurrenz bekommen hat, bleibt der Sender mit und 30% Marktführer in seiner Zielgruppe.

Weiterhin ist Disney über eine 50%-Beteiligung an der Tele-München Fernsehen GmbH & Co Medienbeteiligungs-KG mit rund 31,5% an dem Sender RTL 2 beteiligt. Seit 1999 läuft auf Premiere/Sky ein deutscher Ableger des weltweit erfolgreichen Disney-Channel. Ebenfalls über Sky, diverse Kabelanbieter und auch über Satellit ist in Deutschland der Sender Disney XD zu empfangen. Die Deutsche Telekom, die bereits seit einiger Zeit Disney-Kinofilme über ihren Video-on-Demand-Service Videoload anbietet, überträgt auf ihrer VDSL-Plattform "Entertain" auch die Sender „Disney Channel“, „Disney Cinemagic", "Disney XD" und „Playhouse Disney“, sowie die beiden ESPN-Angebote "Classic" und "America". "ESPN America" in HD bleibt dagegen exklusiv bei Sky. Auch beim IPTV-Angebot von Vodafone in Deutschland ist Disney zukünftig mit "XD" und "Playhouse" vertreten, auch eine Filmdatenbank mit ABC-Serien wie "Lost" wird dort verfügbar sein.

Massiv ausgebaut wird die Kooperation mit RTL. Die Bertelsmann-Tochter hat sich ein umfangreiches Serienpaket von Disney/ABC gesichert und dabei den ärgsten Konkurrenten für den deutschen Markt, ProSiebenSat 1 im Bieterkampf ausgestochen. Angeblich zahlt RTL über 100 Millionen Dollar für den 3-Jahres-Deal, der Spielfilme sämtlicher Disney-Studios und auch einzelne Serienformate umfasst. Auch der neue RTL-Spartensender "Nitro" wurde sich mit Disney einig: Ab sofort kommt auch das deutsche Fernsehpublikum in den Genuss der preisgekrönten US-Comedyserie "Modern Family". Zusätzlich sicherte sich die RTL-Tochter "Freemantle Media" einen First-Look-Deal für Fernsehrechte von Eigenproduktionen des Online-Joint-Ventures "Hulu". Die innovative Online-Plsttform wird zunehmend wichtiger für den deutschen Markt, auch wenn sie hierzulande bislang gar nicht empfangen werden kann: Kürzlich sicherte sich die Constantin Film das Recht, ausgewählte europäische Erfolge wie "Die Päpstin" oder "Effi Briest" über "Hulu" in den USA zu vertreiben.

Mit der Pro-7-Mediathek "Maxdome" wurde eine umfangreiche Kooperation vereinbart. Hinzu kommt: Die ProSiebenSat.1-Tochter Red Arrow Entertainment Group konnte ihre Gameshow "You deserve it" an ABC lizensieren.

Auch in anderen europäischen Ländern hat Disney Abkommen mit Sendern und Telekommunikationsanbietern über den On-Demand-Vertrieb von Spielfilmen und Serien abgeschlossen, dazu zählen die spanische Telefonica, die britische BBC und Frankreichs TF1. In Spanien sendet der Disney Channel, der bislang in Europa ausschließlich als PAY-TV-Sender vermarktet wird, demnächst webefinanziert, als frei empfangbares Programm. Gleiches gilt für den türkischen Ableger.

ESPN expandiert auch in Deutschland weiter: Über diverse Kabel- und IPTV-Anbieter ist Disney mit "ESPN Classic Sport" und "ESPN America" vertreten. Auf "Sky-Deutschland" läuft seit Herbst 2010 "ESPN America" als Zusatzangebot in HD.

Die Größe des deutschprachigen Kinomarkts rechtfertigt scheinbar eine weiterhin sehr eigenständige Strategie der Kinosparte in München. So kündigte Deutschland Chef Thomas Menne im Juli 2011 das verstärkte Einsteigen in deutsche Koproduktionen und den Verleih deutscher Filme an, wie man es früher bereits sehr erfolgreich u.a. bei "Knockin`on haevens door" praktizierte. Vier bis sechs heimische Produktionen sollen zukünfitig pro Jahr bei Disney in Deutschland Platz haben. Um flexibel in der Stoffauswahl zu bleiben, wird auch weiterhin das Label "Buena Vista" genutzt, sowohl als lokale Produktionsfirma, als auch als Vertriebsmarke für die Kooperation mit dem RTL Verleih Universum. Los geht es mit den neuen Eigenproduktionen im August 2012 mit der Beziehungskomödie "Frisch gepresst" nach dem Bestseller-Roman von Susanne Fröhlich und in Koproduktion mit Renate Ziegler.

Bald enden wird die im Dezember 2009 begonnene Tätigkeit der deutschen Home Entertainment-Sparte Disneys als Vertriebspartner der ARD mit der Auswertung mehrerer Folgen der legendären Krimiserie TATORT - im April 2012 erscheinen die vorerst letzten DVD-Boxen.

Disneys Wachstumsaktivitäten in Europa sind ansonsten verstärkt auf Osteuropa ausgerichtet. So ging der Disney Channel Anfang Dezember 2009 auch in Polen auf Sendung. Auch im russischen Markt konnte Disney weiter Fuß fassen. So konnten Abkommen über die Ausstrahlung von Filmen und Serien mit den Sendern St. Petersburg TV, TV3 Russia, NTV, Ren TV und Channel One abgeschlossen werden. Auch der "Disney Channel" startet demnächst im landesweiten, russischen Fernsehen. Disneys Engagement in Europa ist jedoch keineswegs eine Einbahnstraße: So kündigte ABC an, eine US-Version der deutschen "Wetten dass...?"-Show zu entwickeln.


Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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