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1.9.2012

Walt Disney Company

Umsatz 2011: $ 40,893 Mrd. (€ 29,377 Mrd.)

Zur Walt Disney Company gehören unter anderem die Walt Disney Filmstudios und deren Tochterunternehmen Touchstone, der Comic- und Filmverlag Marvel Entertainment und mit ABC einer der drei größten Fernsehsender der USA und zahlreiche Spartenkanäle.
Walt Disney and Pixar Animation Studio chief creative officer John Lasseter is silhouetted while a movie preview plays during his keynote address at the International Consumer Electronics Show Thursday, Jan. 8, 2009, in Las Vegas. (ddp images/AP Photo/ Ronda Churchill)Zur Walt Disney Company gehören unter anderem die Walt Disney Filmstudios und die Pixar Animation Studios. (© picture-alliance/AP)

Überblick

Die Walt Disney Company ist derzeit der zweitgrößte Medien- und Unterhaltungskonzern der Welt. Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem die Walt Disney Filmstudios und deren Tochterunternehmen Touchstone, das auch für den internationalen Fernsehmarkt produziert, der Comic- und Filmverlag Marvel Entertainment und mit ABC (American Broadcasting Company) einer der drei größten Fernsehsender der USA, zahlreiche Spartenkanäle wie Disney Channel, Disney XD und Playhouse Disney, der amerikanische Sportkanal ESPN sowie in Deutschland 50 Prozent am Familiensender Super RTL und darüber hinaus die Disneyland-Themenparks.

Basisdaten

Hauptsitz: 500 South Buena Vista Street
Burbank, CA 91521, USA
Telefon: 001-818-560-1000
Telefax: 001-818-560-1930
Internet: http://corporate.disney.go.com/

Branche: Film, Free-TV/Pay-TV-Sender, TV-Produktion, Rechtehandel, TV-Sendestationen, Video/DVD, Radio, Games, Tonträger, Multimedia, Internet-Services, Buchverlage, Zeitschriften, Merchandising, Freizeitparks, Hotels
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.10. - 30.09.
Gründungsjahr: 1923 (Disney Brothers Cartoon Studio), 1986 (Walt Disney Company)


Geschäftsführung

Robert A. Iger, President and Chief Executive Officer, The Walt Disney Company


Corporate
  • Alan Braverman, Senior Executive Vice President, General Counsel and Secretary, The Walt Disney Company
  • Ronald L. Iden, Senior Vice President, Global Security
  • Kevin Mayer, Executive Vice President, Corporate Strategy, Business Development and Technology Group, The Walt Disney Company
  • Christine M. McCarthy, Executive Vice President, Corporate Finance and Real Estate and Treasurer, The Walt Disney Company
  • Zenia Mucha, Executive Vice President, Corporate Communications, The Walt Disney Company
  • Preston Padden, Executive Vice President, Worldwide Government Relations
  • Jayne Parker, Executive Vice President and Chief Human Resources Officer
  • James A. Rasulo, Senior Executive Vice President and Chief Financial Officer, The Walt Disney Company
  • Brent Woodford, Senior Vice President, Planning and Control, The Walt Disney Company

Business Unit
  • Alan F. Horn, Chairman The Walt Disney Studios
  • Thomas O. Staggs, Chairman Walt Disney Parks and Resorts Worldwide
  • Anne M. Sweeney, Co-Chairman Disney Media Networks, President Disney ABC Television Group
  • John D. Skipper, Co-Chairman Disney Media Networks, President ESPN Inc.
  • George W. Bodenheimer, Executive Chairman ESPN Inc.
  • Robert A. Chapek, President Disney Consumer Products
  • Andy Bird, Chairman Walt Disney International
  • John Pleasants, Co-President Disney Interactive Media Group
  • James A. Pitaro, Co-President Disney Interactive Media Group

Aufsichtsrat:
  • Susan Arnold, former President, Procter & Gamble
  • Robert W. Matschullat, former CEO The Clorox Company
  • Fred Langhammer, The Estee Lauder Companies Inc.
  • John E. Pepper, Jr., Underground Railroad Freedom Center
  • John S. Chen, Sybase Inc.
  • Aylwin B. Lewis, former President, Potbelly Sandwich Works
  • Sheryl Sandberg, Facebook
  • Judith L. Estrin, JLABS, LLC
  • Monica C. Lozano, ImpreMedia, LLC
  • Orin C. Smith, former President, Starbucks Corporation
  • Robert A. Iger, Walt Disney Company

Gesellschafter: Steve Jobs Estate (Apple Inc.) (ca. 7%), Familie Walt Disney (ca. 5%), Sid Richardson Bass/Lee Marshall Bass/Perry Richardson Bass (zusammen ca. 4%), Berkshire Hathaway, Capital Group Inc., Disney-Management (u.a. Michael Eisner und Thomas S. Murphy, ca. 2%), Rest Streubesitz.

Geschichte und Profil

Alles begann 1923 in einem Hinterzimmer in Hollywood, wo der 21-jährige Walter („Walt“) Elias Disney mit seinem Bruder Roy das Disney Brothers Cartoon-Studio gründete. Bereits drei Jahre später hatte das Unternehmen ein eigenes Studio auf der Hyperion Avenue und wurde in Walt Disney-Studio umbenannt. 1928 brachte Disney seinen ersten Mickey Mouse-Cartoon „Steamboat Willie“ in die Kinos, gleichzeitig einer der ersten Tonfilme. Die Maus war die zentrale Figur für die Entwicklung einer der stärksten Marken im weltweiten Mediengeschäft und Ausgangspunkt für die umfangreichen Merchandising-Geschäfte des Disney-Konzerns. Animierte Spielfilme wie „Schneewittchen“ oder „Bambi“ wurden große Kinoerfolge und machten weitere Figuren populär, die im Einzelhandel oder in Vergnügungsparks vermarktet werden konnten. Das erste Disneyland öffnete 1955 in Kalifornien seine Pforten. Im Fernsehen konnte sich Disney seit den 50er Jahren mit der wöchentlichen Show "Disneyland“ beim landesweiten Network ABC und mit dem „Mickey Mouse Club" etablieren.

Garant für die nahtlose Verwertungskette des Disney-Konzerns ist die starke Marke Disney. Bereits unter Gründer Walt Disney wurde eine starke Markenphilosophie entwickelt. „Onkel Walt“, der auf einer Farm in Missouri in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, liebte die heile, puritanische Welt, die ihm nicht vergönnt gewesen war. Entsprechend schuf er die Marke Disney, die sehr auf der Reinheit der Produkte beruhte und zu einem amerikanischen Mythos wurde. Erotische Freizügigkeiten und Gewaltdarstellungen galten als Tabu in Disney-Produktionen, die als „Filme für die ganze Familie" Erfolg hatten. Bis zu seinem Tod 1966 hatte Walt Disney das Unternehmen durch seinen Ideenreichtum geprägt. Später hemmte jedoch der stets präsente „Geist Walts" die Entwicklung Disneys. Eine Modernisierung wurde lange Zeit verpasst, unter Schauspielern und Autoren galt Disney als verstaubt und altmodisch. Vielversprechende Projekte wie Spielbergs „E.T.“ wurden abgelehnt, stattdessen erfolglose Filme nach bekanntem Strickmuster produziert. Das Unternehmen geriet ins Schlingern.

So durchlief der Disney-Konzern in den 80er Jahren eine tiefe Krise. Der Aktienkurs fiel tief und eine feindliche Übernahme mit anschließendem Ausverkauf drohte. Doch konnte die Disney-Spitze 1984 den texanischen Immobilienmogul Sid Bass für Investitionen in den maroden Konzern gewinnen. Mit dem „Team Disney“, dem neuen Management um Michael Eisner (ehemals Paramount) und Frank Wells (ehemals Warner Bros.), begann, verbunden mit einem Wiederaufblühen des Filmstudios, die Modernisierung des Unternehmens. Die Walt Disney Company expandierte zur heutigen Größe. Ein entscheidender Schritt war die 19-Milliarden-Dollar-Übernahme der Capital Cities/ABC-Gruppe 1997, die dem Disney-Konzern die Kontrolle über zahlreiche TV-Sender sicherte, darunter das landesweite Network ABC und der Sport-Kabelsender ESPN.

Seit der legendären Rettung des Disney-Konzerns 1984 prägte vor allem CEO Michael Eisner die Entwicklung. Mit Eifer und eigenwilligen Management-Methoden führte Eisner Disney aus dem Tal der Bedeutungslosigkeit und machte es erneut zum Powerhouse der Entertainment-Industrie. Doch in den letzten Jahren seiner Amtszeit kämpfte Disney vergeblich gegen sinkende Gewinne. Hinzu kamen Management-Fehler wie etwa die miserable Planung des Prestige-Objekts Eurodisney. In die Kritik geriet Eisner zudem wegen seines selbstgefälligen Umgangs mit kreativen Produktionspartnern wie Miramax und Pixar. Das ehemals unabhängige Studio Miramax war 1993 von Disney übernommen worden und für Oscar-prämierte Erfolge wie „Shakespeare in Love“ und die Klassiker von Quentin Tarantino verantwortlich. Das damals zum Apple-Konzern gehörige Animationsstudio „Pixar“ produzierte Kassenschlager wie „Toy Story“, deren Vertrieb Disney übernahm. Ende 2004 kam es zur Revolte unter den Aktionären, angeführt vom Disney-Neffen Roy E. Disney. Verbissen kämpfte Eisner um seinen Verbleib im Amt, musste aber nachgeben und nach über 20 Jahren an der Konzernspitze als Chairman und später auch als CEO abtreten.

Als Eisners Nachfolger wurde mit Robert Iger im März 2005 ein Disney-Insider der Öffentlichkeit vorgestellt. Der ehemalige Wettermann und TV-Manager hatte sich seine Sporen bei ABC verdient und bei Disney emporgearbeitet, zuletzt als COO an der Seite von Michael Eisner. Kritiker sprachen deshalb von ihm als „more of the same“, doch die bisherige Bilanz spricht für Iger, der bestens mit der sehr speziellen Disney-Unternehmenskultur vertraut ist. Iger gilt als smarter, zurückhaltender Business-Mann, der sein Unternehmen eher team- und konsensorientiert leitet, als autokratisch zu regieren.

Igers erste Amtshandlung bestand darin, auf Versöhnungskurs mit dem Pixar-Chef Steve Jobs zu gehen und mit ihm gemeinsam Strategien zu entwickeln. So wurde unter Igers Führung Pixar Ende Januar 2006 Teil der Walt Disney Company. Durch die Fusion mit Pixar wurde Steve Jobs, dem Pixar zu 50,1 Prozent gehörte, mit ca. 7 Prozent stärkster privater Anteilseigner am Disney-Konzern. Er erhielt zudem einen Platz im Aufsichtsrat. Daraus resultiert eine enge Kooperation Disneys mit dem Apple-Konzern. Dies wirkt sich insbesondere auf das Angebot von Apples "iTunes-Store" aus, der auch über ein breites Angebot an Videos und Filmen der Disney-Studios verfügt. Laut Analysten-Meinung ergänzen sich beide Firmen hervorragend; Disney produziere die Inhalte, Apple die Werkzeuge, um die Inhalte zu erzeugen und zu vertreiben.

Deshalb trifft der Tod von Steve Jobs am 5. Oktober 2011 auch Disney hart. Seine visonären Ideen werden beiden Konzernen mit Sicherheit fehlen. Die Anteile von Jobs an Disney wurden an eine Stiftung überschrieben, die von seiner Witwe, Larene Powell Jobs, geleitet wird. Doch die enge Verzahnung der beiden Medienriesen geht weiter: Im November 2011 gab Apple bekannt, dass Steve Jobs Platz im Aufsichtsrat ausgerechnet mit Bob Iger neu besetzt wird. Der Disney-Boss deckte sich zudem gleich mal mit Apple-Aktien im Wert von einer Million Dollar ein.

Igers Gesamstrategie steht vor allem dafür, die Kernmarke "Walt Disney" zu stärken: So wurde Disneys weltweiter Filmverleih "Buena Vista International" im Herbst 2007 in "Walt Disney Studios Motion Pictures " umbenannt, da man „sämtliche Handelsmarken vereinheitlichen möchte“. Das Produkt Disney wird in den Vordergrund gerückt, alle Geschäftsbereiche sollen stärker zusammengeführt und zu einem Vermarktungszyklus über alle Vertriebsstufen hinweg gebündelt werden. Dazu zählt eine enge Verzahnung mit der Handelssparte "Consumer Products". Was nicht zum Kerngeschäft gehört, wurde verkauft, wie die lange Zeit so erfolgreiche Arthouse-Tochter Miramax.

Doch auch die Ära Iger wird bald enden: Zwar wurde sein Vertrag als CEO bis 2016 verlängert. Für diesen Zeitpunkt kündigte Iger aber bereits seinen Rücktritt aus dem operativen Geschäft an.

Geschäftsfelder

Fernsehen: Disney ist mit der "Disney-ABC-Television Group" einer der weltweit führenden Produzenten von Fernsehformaten und Betreiber des "ABC Televison Network". Auch die "Disney-Channel-Gruppe" und der ebenfalls global operierende Sportsender "ESPN" zählen zu diesem Netzwerk.

Die ABC-Serie "Lost" ist laut eigenen Angaben die sich am schnellsten verkaufende TV-Serie aller Zeiten, und auch die Erlebnisse der “Desperate Housewives” sind ein weltweiter Hit. Beide Erfolgsformate sind jedoch inzwischen in die Jahre gekommen: In den USA ist die letzte Staffel von "Lost" bereits im TV gezeigt worden und auch die "Desperate Housewives" enden 2012 mit der achten Staffel. Dafür lebt die Kultserie mit Eva Longoria und Co. in anderer Form weiter: Momentan entsteht eine eigene lokale Adaption für den südamerikanischen und den türkischen Markt. Von den Langzeitserien ABCs ist nur noch "Grey´s Anatomy" weiterhin in Produktion.

Doch neue Erfolgsserien können sich etablieren: Etwa das Rachedrama "Revenge“ - eine zweite Staffel wurde im Mai 2012 bestellt - und allen voran das auf Motiven von klassischen Märchen beruhende "Once upon a time“. In dem innovativen Serienformat - in Deutschland ab September auf Super-RTL zu sehen - werden etliche bekannte Märchenfiguren wie Schneewittchen oder Rumpelstilzchen in Gegenwartmillieus übertragen. Gespannt darf man auch auf das in Entwicklung befindliche Serienprojekt "Hulk“ von Guillermo del Toro sein.

Zwei umstrittene Serien musste ABC auch aufgrund öffentlichen Drucks wieder einstellen: Die Comedy "Work it“ über zwei Männer, die für einen Job in Frauenkleider schlüpfen, rief die "Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD)“ auf den Plan und zahlreiche christliche Organisationen opponierten heftig gegen die Dramedy "Good Christian Belles“ über eine Witwe, die versucht in ihrer alten Heimatstadt wieder Fuß zu fassen. Im der Literaturvorlage heißt die Serie „Good Christain Bitches“ - doch nur in Skandinavien und in Australien traute sich ABC unter diesem Titel das Format auszustrahlen.

Im Herbst 2012 gehen gleich zehn neue ABC-Serien ins Quotenrennen, darunter sehr ambitionierte Projekte wie der potentielle "Housewives"-Nachfolger "Mistresses“ über das wilde Leben von vier Freundinnen in den End20igern und das Mysterieformat "666 Park Avenue“.

Auch bei den Kinderprogrammen gibt es Veränderungen. Seit Anfang 2011 greift "Disney Junior" die amerikanischen Marktkonkurrenten "Nick Jr." und "PBS Kids" an. Gemeinsam mit den Partnersendern Disney Channel, Disney XD,, Radio Disney sowie den Kinder-Webseiten des Konzern hat man sich darauf verständigt, Werbung für ungesundes Essen zu verbieten. Von 2015 an dürften nur noch Lebensmittel auf den Kanälen Disneys beworben werden, die bestimmte Nährwertstandards erfüllten.

Das "ESPN-Netzwerk" wird weiter ausgebaut. Dazu zählt mit "espnW.com" die Einrichtung einer eigenen Webseite für Frauen, auf der zur Hälfte über Frauensport berichtet wird und die auch eine starke Personality-Berichterstattung beinhaltet. ESPN ist inzwischen mit 47 internationalen Sendern das größte Sportmediennetzwerk der Welt. Im Internet werden zahlreiche Sportereignisse über „WatchESPN“ ausgestrahlt. Darüber hinaus erhalten bestimmte Breitbandkabelkunden durch den Online-Streaming-Dienst "ESPN3" einen eigenständigen Sportkanal im Netz mit ausgewähltem Live-Content. Der Dienst ist seit November 2010 auch über die Xbox zu empfangen.

Die Konzentration auf die Kernmarken "ABC", "ESPN" und "Disney" im Fernsehsektor geht weiter: Der von Disney betriebene Channel "SOAP NET" soll 2012 eingestellt werden, aufgrund langfristiger Verträge mit Kabelnetzanbietern läuft er jedoch zunächst auf unbestimmte Zeit weiter. Eine stärkere Rolle wird jedoch zukünftig der Marke "Marvel" zufallen: Im Juni 2010 gründete der Disney-Ableger eine eigene Fernsehdivision, im März 2012 startete ein großer Marvel-Trickfilmblock auf "Disney XD".

Auch das Newssegment soll wieder an Bedeutung gewinnen: Gemeinsam mit dem Partner Univision Communications plant ABC einen 24-Stunden-Newskanal für US-Bürger lateinamerikanischer Abstammung.

Film: Die Anzahl seiner eigenen Filmproduktionen hat Disney nach zahlreichen Flops in der Ägide des ehemaligen Studiochefs Dick Cook vor allem im Spielfilmbereich in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren. Man setzt in erster Linie auf die bewährten Marken „Marvel“ und „Pixar“.

Das Erwachsenen-Label Touchstone Pictures dient nur noch als Vertriebsarm für den 2009 geschlossenen, langfristigen Vertriebsdeal (Disney erhält entsprechende Verleihgebühren) mit Dreamworks Pictures. Disney verleiht jedoch keine Animationsfilme aus dem Studio des in Ungnade von Disney geschiedenen Dreamworks-Trickfilmchefs Jeffrey Katzenberg, jedoch die Highlights aus dem Spielfilmbereich unter Steven Spielbergs Verantwortung. Das anspruchsvolle Drama "The Help" über die Rolle von afroamerikanischen Hausmädchen in den Südstaaten in den 60er Jahren wurde dabei ein echter Überraschungserfolg - drei Wochen an der Spitze der US-Kinocharts plus ein Oscar für die beste Nebendarstellerin Octavia Spencer. Gespannt sein darf man in 2012 auf das Biopic "Lincoln" und das Action-Spekatakel "Robocalypse", bei dem Steven Spielberg selbst Regie führt.

Im Mittelpunkt der Filmsparte stehen inzwischen die seit 2010 von Disney verantworteten Marvel Studios. Einige Neuproduktionen wie "The Amazing Spiderman" werden aufgrund längerfristiger Verträge noch von anderen Studios produziert und distribuiert. Die mega erfolgreichen "The Avengers" wurden jedoch bereits von Disney selbst verliehen. Zahlreiche Fortsetzungen von Erfolgstiteln sind in Vorbereitung, darunter "Captain America - The Winter Soldier ", "Thor - The Dark Wold" und „Iron Man 3“. Marvel Studio Boss Kevin Feige gilt inzwischen als der starke Mann in Disneys Filmsparte.

Der neue Disney-Filmstudioboss Alan Horn, der im Juni 2012 den glücklosen Rich Ross ablöste und sämtliche Disney-Filmsparten bereichsübergreifend verantwortet, wird sich vor allem auf die Wiederbelebung der Disney-Studios und auf die Verträge mit unabhängigen Produzenten wie Jerry Bruckheimer konzentrieren.

Internet: Mit einer großangelegten Internetoffensive will der Konzern das World Wide Web umfassend als Vertriebskanal ausbauen und dadurch das Fundament für zukünftiges Wachstum legen. Die Stärkung der digitalen Aktivitäten steht im Vordergrund der neuen strategischen Ausrichtung unter Iger.

Alle Aktivitäten sind in der "Disney Interactive Media Group" gebündelt. Der Internetauftritt Disneys soll zu einer Art "MySpace für Kids" weiterentwickelt werden und als "Haustür zur Disney-Welt" fungieren. Die neu gestaltete Website soll künftig mit einem komplexen Videoplayer ausgestattet werden, über den Games und Filme gekauft und gemietet werden können.

Mit dem Kauf der populären Online-Community "Club Penguin" verstärkte Disney sein Internet-Engagement weiter. Die Kinder-affine Plattform verfügte im Herbst 2007 über 700.000 Mitglieder. Ca. 6 USD pro Monat kostet es, in einer von Pinguinen bevölkerten schneebedeckten virtuellen Welt zu chatten oder Games zu spielen. Die Ende 2005 gestartete Website ist bislang vor allem in Kanada, den USA und Großbritannien populär, doch Disney will mit dem Angebot auch in andere Regionen vorstoßen.

Disney plant eine großangelegte Einkaufstour im Internet, einige interessante Start-Up-Unternehmen sollen übernommen werden. Mit der konzerneigenen Investmentfirma "Steamboat Ventures" - benannt nach dem ersten Micky-Maus-Cartoon - will Disney noch stärker in den Bereich Neue Medien investieren.

Doch die Internet-Sparte entwickelt sich bislang nicht wie gewünscht, der zuständige CEO Steve Wadsworth musste kürzlich seinen Hand nehmen. Die Sparte hatte zuletzt zwar den Umsatz gehalten, war allerdings mit einem Minus von 65 Millionen US-Dollar tief in die roten Zahlen geraten.

Der Turnaround soll jedoch schnell erfolgen, der Internetbereich wird stärker denn je aufgerüstet. Neue Verantwortungsträger sollen den Onlinebereich massiv aufwerten: Der ehemalige Yahoo!-Manager James Pitaro übernimmt die Leitung des Online-Segments, in dem alle Webauftritte gebündelt sind. Statt Millionensummen für klassische TV-Spots auszugeben, soll der neue Leiter der Home Entertainment-Sparte, Bob Chapek, zielgerichtete Marketingkampagnen in den sozialen Netzwerken initiieren.

Die sozialen Netzwerke rücken damit endgültig an die Spitze der Digitalstrategie Disneys, zuletzt etablierte man sogar ein eigenes Ticketing-System für "Toy Story 3" auf Facebook. Außerdem rückt John Pleasants, der Direktor der erst kürzlich übernommenen Onlinespielefirma Playdom, in die Geschäftsführung ein.

Themenparks: Die Themenparks tragen rund 30 Prozent zum Umsatz des Konzerns bei und sind besonders konjunkturabhängig. So bedroht die derzeitige Konsumflaute in den USA auch die Vergnügungsparks. 2007 schrumpften die Gesamtbesucherzahlen in Kalifornien bereits um ein Prozent.

Die Anlage in Hongkong macht ebenfalls weiter Sorgen. Bei dem dortigen Park handelt es sich um ein Joint Venture mit der chinesischen Regierung, die mit 1,74 Millionen Dollar an Disneyland Hongkong beteiligt ist. Im April 2006 gab es dort heftige Proteste der Gewerkschaften, die zu lange Arbeitszeiten der Beschäftigten kritisierten und höhere Löhne einforderten. Trotz solcher Startschwierigkeiten ist das angekündigte Vorhaben eines weiteren Parks in Shanghai nicht gefährdet. In der Millionen-Metropole entsteht der sechste Vergnügungspark des Konzerns. Nach einem fünfzehnjährigen Tauziehen billigte die chinesische Zentralregierung den Bau des Vergnügungsparks. Der Park soll bis 2014 fertig gestellt sein.

Sorgen bereitet jedoch wie fast ständig seit der Eröffnung"Disneyland Paris". Die Pläne einer neuen, nach ökologischen Kriterien gestalteten Parkanlage sind immer noch auf Eis gelegt, dennoch bleibt der Vergnügungspark pünktlich zu seinem 20. Geburtstag 2012 das meistbesuchte Touristenziel Europas.

Disney plant dennoch auf internationaler Ebene seine Aktivitäten im Bereich Themenparks weiter auszubauen. Disney hat Melbourne (Australien) und Johor in Indonesien als mögliche Park- Standorte ins Auge gefasst. Für die kommende Jahre kündigte der Konzern nun die "größte Erweiterung seiner Geschichte" sowohl für Anaheim als auch für Orlando an. Zu den neuen Attraktionen für den Park in Florida zählt seit Mai 2011 eine Star Wars-Simulation in 3D. All dies in den Schatten stellen wird aber wohl die sensationelleste Ankündigung: Im September 2011 verkündete Disney eine Partnerschaft mit James Cameron. In Florida soll eine eigene Themenwelt rund um seinen Mega-Blockbuster "Avatar" entstehen, die laut Cameron die "derzeitigen Grenzen von technischer Innovation und experimenteller Erzählung sprengen" soll.

Ein besonders spannendes Projekt entsteht gerade in Dubai. Das indische Filmstudio „Yash Raj Films”, mit dem Disney ein Joint-Venture im Bereich Zeichentrickfilme betreibt, will gemeinsam mir der ortsansässigen “Dubai Infinity Holdings“ einen Themenpark in Dubai errichten. Sicherlich nicht ohne das Know-How von Disney.

Der Konzern plant, sein unter der Marke "Disney Cruise Line" in Eigenregie durchgeführtes und bislang sehr erfolgreiches Kreuzfahrtgeschäft weiter auszuweiten und für diesen Zweck, neben den bereits operierenden Luxuslinern „Disney Magic“ und „Disney Wonder“, weitere Schiffe in Dienst zu stellen und neue Reiseziele anzupeilen. Seit 2007 ist die "Disney Magic" bereits im Mittelmeer unterwegs, Ende 2012 ging die in Deutschland (Papenburg) gebaute "Disney Dream" auf hohe See in Richtung Bahamas. Das neueste Flaggschiff der Disney Cruise Line, die Disney Fantasy, wird im Januar 2012 aus der Papenburger Meyer Werft ausgedockt.

Publishing: Auch im Verlagssektor kann Disney eindrucksvolle Ergebnisse liefern. So hat sich "Disney Publishing Worldwide" zum wohl erfolgreichsten Kinderbuchverlag der Welt entwickelt. Seit dem Amtsantritt von Deborah Dugan als Präsidentin im Jahre 2002 hat der Verlag, der mit seinen Büchern und Magazinen jeden Monat laut eigenen Angaben mehr als hundert Millionen Leser erreicht, eine jährliche Wachstumsrate im zweistelligen Bereich erzielen können.

Games: Große Hoffnungen setzt Disney auf den Bereich Computerspiele. Auch wenn die wirtschaftliche Bedeutung für den Konzern noch nicht allzu hoch ist – der Jahresumsatz liegt momentan bei rund 500 Millionen Dollar -, rechnet man mit hohen Wachstumsraten. Disney hat deshalb in den letzten Jahren auch zahlreiche Entwicklungsstudios für Computerspiele übernommen bzw. neu gegründet. Hierzu zählen die Firmen Avalanche Software, Fall Line Studio und Junction Point Studios. Jüngster Coup ist die Übernahme des chinesischen Spieleentwicklers „Gamestar“. Die Gamesparte „Disney Interactive Studios“ beschäftigt inzwischen insgesamt über 700 Angestellte und verfügt über Büros in London, Brasilien, Hongkong, Japan, Kanada und den USA.

Während sich Disney lange Zeit nur darauf beschränkte, Kinoerfolge als Computerspiel zu adaptieren, werden nun auch verstärkt filmunabhängige Produktionen in Angriff genommen. Im Internet sollen verstärkt virtuelle Spielwelten, so genannte „Massively Multiplayer Online Games“ entstehen. Den Auftakt bildete, parallel zum weltweiten Filmstart von „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt", eine entsprechende virtuelle Piratenwelt.

Nachdem teure Konsolenspiele wie "Micky Epic" die Erwartungen an die Verkaufszahlen jedoch nicht annähernd erfüllen konnten, kam es zu einem Strategiewechsel. Zukünftig will man sich in erster Linie auf Download- und Social Network-Titel konzentrieren. Diese Neuausrichtung führt zunächst zu einem massiven Personalabbau. Das Entwickler-Studio Propaganda Games wurde ganz geschlossen, die eigenständige Entwicklersparte Fall Line Studio in die bestehende Firma Avalanche uberführt.

Auch „Epic Mickey“ erhält eine neue Chance: Aktuellen Berichten nach soll "Epic Mickey 2: The Power of Two" diesmal neben der Wii auch für die Playstation 3, die Xbox 360 und auch für den PC erscheinen. Offizieller US-Verkaufsstart ist der 26. September 2012. Weiter wurde bekannt, dass das neue Spiel starke Mu-sical-Züge tragen soll.

Die hohe strategische Bedeutung der Game-Sparte wird aber insbesondere durch den 800 Millionen Dollar schweren Kauf von "Playdom" überdeutlich. Der Spielentwickler nutzt für seine populären Online-Spiele insbesondere Facebook als Vertriebskanal. Die Übernahme scheint sich bereits auszuzahlen: Playdoms "Gardens of Time"war das meistgespielte Facebook-Game in 2011.

Weitere aktuelle Aquisitionen im Gamesbereich sind die auf Browser- und Mobile-Spiele ausgerichteten Firmen Gamesalad und Rocket Pack.

Doch auch im großen Stil wird expandiert: So kaufte man im Oktober 2011 die komlette Gaming-Sparte der bereits mit Disney verbandelten indischen Softwarefirma UTV-Software/Indiagames.

Zu dem aktuell ehrgeizigsten Projekt zählt "Disney Universe" - ein Multimedia-Action-Adventure mit zahlreichen Disney Charaktheren aus so unterschiedlichen Filmen wie "Lilo und Stich" oder "Tron" - für alle gängigen Konsolen so wie für Mac und PC.

Musical: Sehr erfolgreich ist Disney seit Jahren mit seiner Musicalsparte "Buena Vista Theatrical Productions". An Disney-Zeichentrickfilme angelehnte Produktionen wie "Die Schöne und das Biest" oder "Der König der Löwen" laufen seit Jahren erfolgreich am Broadway und international. Zu den neuesten Produktionen zählen "Tarzan" mit Songs von Phil Collins, "Arielle – The litte mermaid" und eine aktuelle Bühnenadaption von "Mary Poppins", sowie für verschiedene Altersgruppen konzipierte Aufführungen des Disney Channel-Hits "High School Musical". Der Soundtrack zum Musical ist 2006 das am meisten verkaufte Album in den Vereinigten Staaten gewesen. In Hamburg eröffnete im Herbst 2008 die Musicalversion des Trickfilms "Tarzan" mit Musik von Phil Collins. Von zahlreichen Unfällen der Darsteller wird bislang leider die erste Marvel-Broadway Inszenierung "Spider-Man Turn off the Dark" überschattet, ein Abbruch jedoch bislang ausgeschlossen.

Mobile Entertainment: Einen weiteren Geschäftszweig eröffnete Disney mit der Einführung von Disney Mobile. Seit Juni 2006 bietet der Konzern einen Mobilfunkdienst an, der Eltern Auskunft über das Telefonverhalten ihrer Kinder gibt. Zudem können die Eltern ihre Sprösslinge mit einem entsprechenden Zweittelefon via GPS orten und wissen so immer über deren Aufenthaltsort Bescheid. Einen ganz speziellen MP3-Player will die koreanische Firma Iriver – vorläufig nur in Asien - auf den Markt bringen. Das Abspielgerät soll die Form von Mickeys Kopf haben. Weitere, speziell an Kinder gerichtete Elektronik-Produkte sind angekündigt, darunter Lautsprechersysteme für den iPod und mehrere LCD-Fernseher.

Die Übernahme des kalifornischen iPhone-App-Entwicklers Tapulous zeigt, dass Disney auch diesen Vertriebskanal für sich erschließen will.

Der neue Fokus auf mobile Social Games scheint sich schon auszuzahlen: Mit der App “Where’s My Water?” hat Disney im Herbst 2011 einen echten Hit für den "itunesstore" produziert. Der Hauptdarsteller, Kroko das Krokodil, könnte der erste Disney-Held werden, der seinen Ursprung in einer Applikation hat.

Musik: Auch in diesem Sektor ist Disney mit mehreren Labels vertreten, eines davon ist Hollywood Records, das in den USA demnächst mit einem neuen CD-Standard auf den Markt gehen soll. Das neue Format "CD view plus" soll neben den herkömmlichen Audiotracks zusätzliche Datenbestandteile enthalten, die Inhalte wie Songtexte, Fotos und ähnliche Hintergrundinformationen auf den Alben bereitstellen. Riesige Erfolge auf dem amerikanischen Markt feierte seit Jahren das Disney-Label "Lyric Street Records", das sich auf Country-Musik spezialisiert hat. Auch dieses Speziallabel wurde jedoch aufgrund der Konzentration auf die Kernmarke Disneys inzwischen geschlossen, die kommerziell wichtigen Künstler wurden zur neu firmierten Disney Music Group transferiert.

Engagement in Deutschland/Europa

In Deutschland ist Disney neben der Lizenzierung seiner Charaktere für verschiedenste Produkte vor allem im Zeitschriftenmarkt für Kinder und Jugendliche präsent. Die Egmont-Mediengruppe, die zu den führenden Medienholdings in Skandinavien zählt, verfügt über ein umfangreiches Lizenzabkommen mit Disney und veröffentlicht über die Deutschland-Tochter Egmont-Ehapa sämtliche Disney-Comics und Zeitschriften, darunter das Micky-Maus-Magazin - welches in 2011 seinen 60. Geburtstag feierte - und die Lustigen Taschenbücher.

Auch im deutschen Fernsehmarkt ist Disney seit Jahren aktiv. Gemeinsam mit der zu Bertelsmann zählenden RTL-Gruppe betreibt Disney in Deutschland seit 1995 den Kinder- und Familiensender Super RTL. Beide Partner halten je 50%.Obwohl Super RTL in seiner Zielgruppe der 3- bis 13-Jährigen mit dem Neustart von Nickelodeon in Deutschland im Jahr 2005 Konkurrenz bekommen hat, bleibt der Sender mit und 30% Marktführer in seiner Zielgruppe.

Weiterhin ist Disney über eine 50%-Beteiligung an der Tele-München Fernsehen GmbH & Co Medienbeteiligungs-KG mit rund 31,5% an dem Sender RTL 2 beteiligt. Seit 1999 läuft auf Premiere/Sky ein deutscher Ableger des weltweit erfolgreichen Disney-Channel. Ebenfalls über Sky, diverse Kabelanbieter und auch über Satellit ist in Deutschland der Sender Disney XD zu empfangen. Die Deutsche Telekom, die bereits seit einiger Zeit Disney-Kinofilme über ihren Video-on-Demand-Service Videoload anbietet, überträgt auf ihrer VDSL-Plattform "Entertain" auch die Sender „Disney Channel“, „Disney Cinemagic", "Disney XD" und „Playhouse Disney“, sowie die beiden ESPN-Angebote "Classic" und "America". "ESPN America" in HD bleibt dagegen exklusiv bei Sky. Auch beim IPTV-Angebot von Vodafone in Deutschland ist Disney zukünftig mit "XD" und "Playhouse" vertreten, auch eine Filmdatenbank mit ABC-Serien wie "Lost" wird dort verfügbar sein.

Massiv ausgebaut wird die Kooperation mit RTL. Die Bertelsmann-Tochter hat sich ein umfangreiches Serienpaket von Disney/ABC gesichert und dabei den ärgsten Konkurrenten für den deutschen Markt, ProSiebenSat 1 im Bieterkampf ausgestochen. Angeblich zahlt RTL über 100 Millionen Dollar für den 3-Jahres-Deal, der Spielfilme sämtlicher Disney-Studios und auch einzelne Serienformate umfasst. Auch der neue RTL-Spartensender "Nitro" wurde sich mit Disney einig: Ab sofort kommt auch das deutsche Fernsehpublikum in den Genuss der preisgekrönten US-Comedyserie "Modern Family". Zusätzlich sicherte sich die RTL-Tochter "Freemantle Media" einen First-Look-Deal für Fernsehrechte von Eigenproduktionen des Online-Joint-Ventures "Hulu". Die innovative Online-Plsttform wird zunehmend wichtiger für den deutschen Markt, auch wenn sie hierzulande bislang gar nicht empfangen werden kann: Kürzlich sicherte sich die Constantin Film das Recht, ausgewählte europäische Erfolge wie "Die Päpstin" oder "Effi Briest" über "Hulu" in den USA zu vertreiben.

Mit der Pro-7-Mediathek "Maxdome" wurde eine umfangreiche Kooperation vereinbart. Hinzu kommt: Die ProSiebenSat.1-Tochter Red Arrow Entertainment Group konnte ihre Gameshow "You deserve it" an ABC lizensieren.

Auch in anderen europäischen Ländern hat Disney Abkommen mit Sendern und Telekommunikationsanbietern über den On-Demand-Vertrieb von Spielfilmen und Serien abgeschlossen, dazu zählen die spanische Telefonica, die britische BBC und Frankreichs TF1. In Spanien sendet der Disney Channel, der bislang in Europa ausschließlich als PAY-TV-Sender vermarktet wird, demnächst webefinanziert, als frei empfangbares Programm. Gleiches gilt für den türkischen Ableger.

ESPN expandiert auch in Deutschland weiter: Über diverse Kabel- und IPTV-Anbieter ist Disney mit "ESPN Classic Sport" und "ESPN America" vertreten. Auf "Sky-Deutschland" läuft seit Herbst 2010 "ESPN America" als Zusatzangebot in HD.

Die Größe des deutschprachigen Kinomarkts rechtfertigt scheinbar eine weiterhin sehr eigenständige Strategie der Kinosparte in München. So kündigte Deutschland Chef Thomas Menne im Juli 2011 das verstärkte Einsteigen in deutsche Koproduktionen und den Verleih deutscher Filme an, wie man es früher bereits sehr erfolgreich u.a. bei "Knockin`on haevens door" praktizierte. Vier bis sechs heimische Produktionen sollen zukünfitig pro Jahr bei Disney in Deutschland Platz haben. Um flexibel in der Stoffauswahl zu bleiben, wird auch weiterhin das Label "Buena Vista" genutzt, sowohl als lokale Produktionsfirma, als auch als Vertriebsmarke für die Kooperation mit dem RTL Verleih Universum. Los geht es mit den neuen Eigenproduktionen im August 2012 mit der Beziehungskomödie "Frisch gepresst" nach dem Bestseller-Roman von Susanne Fröhlich und in Koproduktion mit Renate Ziegler.

Bald enden wird die im Dezember 2009 begonnene Tätigkeit der deutschen Home Entertainment-Sparte Disneys als Vertriebspartner der ARD mit der Auswertung mehrerer Folgen der legendären Krimiserie TATORT - im April 2012 erscheinen die vorerst letzten DVD-Boxen.

Disneys Wachstumsaktivitäten in Europa sind ansonsten verstärkt auf Osteuropa ausgerichtet. So ging der Disney Channel Anfang Dezember 2009 auch in Polen auf Sendung. Auch im russischen Markt konnte Disney weiter Fuß fassen. So konnten Abkommen über die Ausstrahlung von Filmen und Serien mit den Sendern St. Petersburg TV, TV3 Russia, NTV, Ren TV und Channel One abgeschlossen werden. Auch der "Disney Channel" startet demnächst im landesweiten, russischen Fernsehen. Disneys Engagement in Europa ist jedoch keineswegs eine Einbahnstraße: So kündigte ABC an, eine US-Version der deutschen "Wetten dass...?"-Show zu entwickeln.

Engagement in Asien

Disneys Expansionsstrategie gilt vor allem dem asiatischen Markt. Bereits 2003 eröffnete Disney gemeinsam mit dem Unternehmen NTT in Japan einen Download-Dienst für Breitbandinhalte, der mittlerweile über rund 8 Millionen Abonnenten verfügt. Einen ähnlichen Dienst betreibt das Unternehmen seit 2005 auch mit einem lokalen Partner in Taiwan. Vertriebsabkommen über Inhalte für Mobilfunkdienste existieren mittlerweile in 13 lokalen Märkten in der Pazifikregion, darunter China, Thailand und Korea. Praktisch sämtliche der derzeit rund 700 Millionen Mobilfunknutzer in der Region haben somit Zugang zu Disneys Inhalten.

Die japanische Konzerntochter Disneys will gemeinsam mit dem drittgrößten japanischen Mobilfunkbetreiber Softbank einen eigenen Mobilfunkservice anbieten und bei der Entwicklung von Geräten, Diensten und Inhalten mit den Japanern zusammenarbeiten. Jüngst brachte man ein auf Android basierendes Smartphone auf den Markt.

Insbesondere der chinesische Markt gestaltet sich aufgrund der dortigen Restriktionen für ausländische Investitionen jedoch weiter schwierig, Fortschritte können jedoch auch hier vermeldet werden. Disney kündigte im April 2012 ein neues Joint Venture mit der staatlichen China Animation Group und dem Internet-Provider Tencent an. Ziel der Kooperation sei es, den chinesischen Animationsfilm auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu bringen. Unter der Bezeichnung "Animation Creative Research and Development Cooperation" will man lokale Talente ausbilden und chinesische Geschichten und Franchises internationalem Standards anpassen. In einem weiteren Abkommen sicherte sich Disney die Rechte an der beliebtesten chinesischen Zeichentrickserie, "Pleasant Goat and Big Big Wolf", die zukünftig auf Disney-Sendern in der Asien-Pazifik-Region ausgestrahlt werden soll.

Ein bedeutender Schritt war auch der Kinostart von Disneys erster in und für China produzierter Filmproduktion "The Magic Gourd". "Wir wollen als chinesische Walt Disney Company wahrgenommen werden und nicht als bloßer Walt Disney Ableger in China“, so der Managing Director von Disney Greater China, Stanley Cheung. Disney erweiterte außerdem seine erfolgreiche Teenie-Film-Reihe "High School Musical" auf China. 2010 erschien eine neue Version eigens für das Land der Mitte mit chinesischen Schauspielern.

Schwierigkeiten gibt es jedoch weiterhin mit einheimischen Produktionsstätten in China, die für Disney Spielzeug und andere Konsumartikel produzieren. Die Vorwürfe von NGOs sind massiv: Überstunden sollen nicht vorschriftsgemäß bezahlt werden, die Arbeitszeiten seien länger als gesetzlich erlaubt und für Wohnheimplätze und Kantinenessen soll mehr Geld vom Lohn abgezogen werden als angekündigt.

Das Sportnetzwerk ESPN zuieht sich zunächst aus dem asiatischen Raum zurück: Wie das Unternehmen im Juni 2012 erklärte, übernimmt News Corp. den 50 Prozent Anteil von ESPN an ESPN STAR Sports (ESS), welches mit Sitz in Singapur insgesamt 17 Kanäle im asiatischen Raum betreibt. Dafür will ESPN International stärker in Lateinamerika expandieren, so Disney-Boss Iger in einem Statement zu dem Asien-Deal.

Besonderes Augenmerk hat Disney in letzter Zeit auch dem indischen Markt gewidmet. Millionen von indischen Haushalten empfangen bereits den Disney Channel über Kabel und Satellit. Nun wird auch ein indischer Ableger des Nachrichtenkanals "ABC News" in Kooperation mit dem landesweiten digitalen Infrastrukturbetreiber "Dish TV" auf Sendung gehen. Disney übernahm 2006 den erfolgreichen Kinderkanal "Hungama" für 30,5 Mio. Dollar von dem heimischen Medienunternehmen "United Home Entertainment". Im Rahmen dieser Transaktion hat sich Disney auch für 14 Mio. Dollar zu 14,9 Prozent an dem größten integrierten Medienkonzerns Indien, der "UTV Software Communications", beteiligt - laut Presseberichten vom Juli 2011 plant Disney nun sogar eine Komplettübernahme. Auch eine groß angelegte Partnerschaft mit dem indischen Medienriesen "Reliance" ist laut Informationen der FT in Vorbereitung.

Der neueste Coup: Mit der "Rotana Media Group", die im Nahen Osten und in Nordafrika zu den größten Medienanbietern zählt, wurde ein umfangreicher Output-Deal abgeschlossen.

Aktuelle Entwicklung

Die Partnerschaft zwischen Disney und Apple wird weiter ausgebaut. Bereits seit 2005 bietet Apples Onlineshop iTunes in den USA aktuelle Serien-Hits, Filme und Shows von Disney über den eigenen Store an, seit 2009 auch in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern. Auch bei "Apple TV" ist Disney in den USA mit ABC-Serien zum Preis von 0,99 Cent pro Episode von Anfang an mit am Start. Disney ist auch der erste große Partner bei Apples neuem Werbeprogramm "iAd" für das "iPad". Die geschaltete Werbung für "Tron" bietet zahlreiche Multimedia-Inhalte, darunter Clips aus dem Soundtrack und eine umfangreiche Film-Vorschau.

Disney wird sich jedoch keineswegs auf eine digitale Verkaufsplattform beschränken: "Das Geschäft mit Apple ist in keiner Weise exklusiv", betont Iger, wie auch der On-Demand-Deal mit Comcast und Disneys eigenen Internetdownloadangebote zeigen.

Dies wird durch einen im Januar 2012 abgeschlossenen Mega-Deal mit dem größten Kabelnetzbetreiber der USA überdeutlich: Comcast und Disney einigten sich auf einen Vertrag über zehn Jahre. Aus diesem geht hervor, dass Comcast künftig seine 20 Millionen Kunden mit Inhalten der Disney-Fernsehsender auf verschiedensten Endgeräten wie Hybridfernsehgeräten aber auch Tablet-PCs versorgen kann.

Auch über die X-Box von Microsoft sind seit November 2006 Filme und Serien von Disney in den USA zu sehen. Disney kündigte darüber hinaus weitere, werbefinanzierte, freie Downloads bestimmter Filme über die eigene Webseite an. Auch mit dem in den USA ungemein populären Film-Streamingdienst "Netflix" und mit dem Amazon-Konkurrenten Lovefilm ist Disney eine umfangreiche Partnerschaft eingegangen. Bei Google Play ist Disney zumindest in Großbritannien mit dabei.

Die offensive Digitalstrategie zeigt sich auch im Einstieg Disneys 2009 bei der in den USA ungemein populären Streaming-Plattform „Hulu“. Weitere Gesellschafter dort sind NBC Universal, News Corp. und Providence Equity Partners." Nachdem sich die Filmstudios vor einigen Monaten noch von "Hulu" trennen wollten, wird der Kanal nun massiv mit eigenen Formaten ausgebaut: Dazu zählen die Drama-Serie "Battleground", die Doku "A day in the life" (von "Supersize me" Regisseur Morgan Spurlock) und "Up to Speed" von Richard Linklater.

Im November 2011 hat Disney einen umfangreichen Content-Deal mit der Google-Tochterfirma YouTube abgeschlossen. Die geplanten Themen-Kanäle sollen vor allem aus Sneak Previews und speziell für das Internet gedrehten Kurzfilmen bestehen. Hinzu kommt der Verkauf von Filmen, die Produktion eines eigenen Serien-Formats und die Integration von User-Generated-Content.

Pixar ist weiter sehr erfolgreich: Schon jetzt gilt Toy Story 3 als der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten, auch "Cars2" war sehr erfolgeich, verschlang jedoch auch hohe Marketingkosten.

Seit 2010 ist Marvel nun bereits Teil von Disney. Strategisch macht der Deal für Disney sicherlich Sinn, da man sich seit geraumer Zeit – in jüngster Zeit insbesondere mit dem Neustart von „Disney XD“ – in Richtung actionreicherer Unterhaltung orientiert. Die Filmstudios werden dazu immer stärker auf die Marvel-Charaktere ausgerichtet - 2012/2013 stehen zahlreiche Premieren wie "The Avengers" oder "The Amazing Spiderman" bevor.

Disney setzt in Zukunft weiter auf das Thema 3-D. So schnitt das 3-D-Remake des Science Fiction Klassikers "Tron" sehr erfolgreich ab. Auch die 3-D-Wiederaufführung von "König der Löwen" erwies sich als so erfolgreich, dass Disney weitere Klassiker wie "Die Schöne und das Biest" in der neuen Technik präsentieren wird.

Im TV-Geschäft scheint Disney erfolgreicher denn je zu sein: Populäre ABC-Serien wie "Legend of the Seeker" oder "Criminal Minds" lassen sich blendend ins Ausland verkaufen - der Sportsender ESPN ist auf stetigem Wachstumskurs.

Disney Chef Iger setzt somit vor allem auf neue Technologien, die den umfangreichen Content Disneys im Verbund mit massiven Marketingkampagnen über alle gängigen Vertriebswege effektiv verbreiten: Egal ob mobil, in sozialen Netzwerken oder auf neuartigen TV-Geräten. Bei den Filmen dreht sich zwar alles vermehrt um Markenware und Franchises - dies lassen auch die neuen Fortsetzungsfilme wie "Monster University"oder die Fortführung der Tempelritter-Reihe mit Nicolas Cage in der Hauptrolle vermuten - aber die Produktpalette Disneys ist gerade durch die neuen Marvel-Superhelden so breit, dass man sicherlich nicht zum reinen "Corporate Hollywood" mutieren wird.

Doch ausgerechnet "Walt Disney Pictures" befindet sich in einer veritablen Krise. Während die "Marvel Studios" und "Pixar" reichlich Gewinne produzieren, gelingt es dem klassischen Disney-Filmstudio einfach nicht, neben "Fluch der Karibik" ein weiteres Movie-Franchise zu etablieren. Weder "Prince of Persia", noch "G-Force" oder jüngst "John Carter" (auch wenn die ursprünglich prognostizierten Verluste aufgrund des großen Erfolges des Filmes in wichtiger werdenden Märkten wie China und Russland abgemildert werden können) erfüllten auch nur annähernd die Erwartungen an den Kinokassen. Konsequenzen blieben nicht aus: Vor allem wegen des desaströsen US-Einspielergebnisses kostete "John Carter" den Kopf des Disney-Filmstudio-Chefs Rich Ross.

Abhilfe soll nun der neue Filmstudioboss Alan Horn schaffen. Der Veteran - der zuletzt bei Warner lauter Disney-affinen Projekten wie "Harry Potter“ oder "Batman“ zu großen Erfolgen verhalf, will mit sechs bis acht Filmen pro Jahr (inklusive Live-Action) den Disney Studios neues Leben einhauchen - die Marvel und Pixar-Veröffentlichungen kommen unabhängig davon dazu. Zunächst einmal übernimmt er zahlreiche Projekte seines Vorgängers wie die Märchen-Neuverfilmung "Maleficent“ mit Angela Jolie oder das Westernremake "The Lone Ranger“ mit Johnny Depp. Ob der Kurs des nicht durchgängig funktionierenden "Franchise-Management" weiter beibehalten wird, ist noch völlig offen.

Neben dem klassischen Film- und Fernsehgeschäft rücken andere Bereiche in den Vordergrund, wie z.B. die Sportvermarktung oder das Onlinebusiness.

Eine traurige Nachricht erreichte das Studio jedoch im Oktober 2011 mit dem Tod des visionären Aufsichtsratsmitglieds Steve Jobs. Im Abspann von "John Carter" - an dem das Pixar-Studio wesentlich beteiligt war - wird dem großen Visionär mit einem Nachruf gedacht.

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