LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

News Corp. Ltd.

Umsatz 2011: $ 33,405 Mrd. (€ 23,998 Mrd.)

Geschichte und Profil

Die Wiege der News Corporation stand in Australien: Nach einem Studium in Oxford und – für die spätere Karriere wohl weitaus wichtiger – einem Job bei der Londoner "Daily Mail" als Junior Reporter, erbte der 21jährige Rupert Murdoch 1952 die angeschlagenen "Adelaide News" von seinem Vater Sir Keith Murdoch. Als wenig später der Verleger des übermächtigen Konkurrenztitels am Ort die "News" billig zu übernehmen gedachte, zeigte der junge Rupert zum ersten Mal die Zähne und wandte eine Taktik an, die er 40 Jahre später mit ähnlich durchschlagendem Erfolg am britischen Pressemarkt wiederholen sollte: Er senkte den Preis. Die Konkurrenz schlief, verlor scharenweise ihre Leser und musste wenig später ihrerseits an Murdoch verkaufen. 1964 gründete Murdoch die erste landesweite, australische Tageszeitung und startete 1968 in Großbritannien durch. Hier kaufte er zunächst die Massenblätter "News of the World" und "The Sun", die er zu populär-konservativen Sensationstiteln umbaute. Das Page-Three-Girl sorgte für Furore und dürfte einer der Gründe sein, warum Rupert, anders als sein eigentlich viel unbedeutender Vater Sir Keith, bis heute ohne Ritterschlag geblieben ist.

Im Jahr 1973, seit dem Kauf der "San Antonio Express News", mischte Murdoch zum ersten Mal auf dem US-Medienmarkt mit. Erster Höhepunkt der US-Karriere war 1976 die Übernahme der schwächelnden "New York Post", bei der Murdoch mit der "Sun"-Taktik in kurzer Zeit ebenfalls die Auflage erheblich steigern konnte. Erst 1979 schlug die offizielle Geburtsstunde der heutigen News Corporation, die noch heute von Sydney aus sämtliche Murdoch-Aktivitäten in aller Welt steuert und ihre jährlichen in Adelaide abhält. 1980 übernahm Murdoch mit der Londoner "Times" und der "Sunday Times" erstmals Qualitätsblätter von Weltformat, später kamen andere Zeitungen in Australien und den USA hinzu. Bis 1986 blieb News Corp. ein reiner Verlagsriese. Mit der Übernahme der Twentieth-Century-Fox-Filmstudios begab sich Murdoch erstmals auf audiovisuelles Terrain. Als Australo-Brite vom amerikanischen TV-Markt ausgeschlossen, schwor Murdoch 1986 den Eid auf die amerikanische Verfassung, kaufte sofort sechs lokale TV-Sender und bastelte daraus die Keimzelle für die erste landesweite TV-Network-Gründung seit 1948, Fox Broadcasting. 1989 ging in Großbritannien Europas erstes Satelliten-Fernsehen Sky Television auf Sendung. Nach 18 Monaten fusionierte Sky mit dem erfolglosen British Satellite Broadcasting zu BSkyB.

Trotz des Engagements auf dem Fernsehmarkt wuchs die News Corp. auch im Verlagsbereich weiter: Anfang der 1990er Jahre brachen die Unsummen verschlingenden TV-Aktivitäten News Corp. fast den Hals: Kurzfristig wurden 7,6 Milliarden Dollar Schulden fällig, einige Gläubigerbanken wurden nervös und verweigerten zunächst eine Umschuldung. News Corp., so Murdoch-Biograph William Shawcross, war nur noch Minuten von der Liquidation entfernt. Gerettet haben sollen Murdoch ausgerechnet die Einnahmen aus dem Weihnachts-Blockbuster seiner bislang eher erfolglosen Twentieth Century Fox: "Kevin allein zu Haus". Die Warnung kam allerdings an, News Corp. begrenzte die Neuverschuldung drastisch und sorgte für besseren Cash-Flow in Krisenzeiten. Murdoch war bald wieder obenauf und übernahm ab 1993 nach und nach den asiatischen Satelliten-Sender Star TV. Außerdem kaufte er sich 1994 zunächst mit einem 20-Prozent-Anteil bei der US-Senderkette New World Communications ein, die dafür ihre zehn Stationen dem Fox-Network anschloss. Anfang 1996 übernahm Murdoch New World komplett und startete seinen eigenen Nachrichtensender Fox News als Konkurrenz zu CNN. Seit Ende der 1990er Jahre arbeitete Murdoch an seinem wohl ambitioniertesten Plan: Sky Global soll die bestehenden Murdoch-Sender integrieren und zum weltweiten digitalen Satelliten-TV-Netz ausgebaut werden. Doch diesen Plan hat er vorläufig ad acta gelegt.

Am 31. Juli 2007 gab die Verleger-Familie Bancroft bekannt, sie habe sich dafür entschieden, Rupert Murdochs Offerte für den Kauf des Zeitungsunternehmens Dow Jones anzunehmen, das auch das renommierte "Wall Street Journal" herausgibt. Um die Bedenken einiger Mitglieder der Eigentümerfamilie auszuräumen, Murdoch könnte zu viel Einfluss auf die redaktionelle Unabhängigkeit der Publikationen des Verlages nehmen, wurden Erklärungen abgegeben und Versicherungen unterzeichnet, die eine zu starke Einflussnahme seitens des News Corp. Chefs verhindern sollen. Ein prominent besetztes Aufsichtsgremium sollte außerdem die journalistische Unabhängigkeit überwachen und schützen. Knapp drei Jahre nach der Übernahme haben sich die Befürchtungen der Kritiker jedoch bewahrheitet (siehe Geschäftsfelder).

Im Sommer 2011 trennte sich News Corp. wieder von der Social Community MySpace. Das ehemalige Start-Up wurde 2005 für 580 Millionen US-Dollar übernommen. Damals noch das größte soziale Netzwerk der Welt, fantasierte Murdoch davon, MySpace irgendwann für sechs Milliarden wieder weiterzuverkaufen. Nachdem aufgrund von technischen Schwachstellen, internen Führungskämpfen und Managementfehlern die User in Strömen zu Konkurrent Facebook abwanderten, verlor auch Murdoch das Interesse am Unternehmen. Im Juli 2011 wurde Myspace für 35 Millionen US-Dollar an ein Konsortium bestehend aus dem Onlinewerbevermarkter Specific Media sowie dem Popstar Justin Timberlake verkauft.

Für den größten Skandal der Unternehmensgeschichte sorgte ein 2011 in seiner Gänze bekannt gewordener Abhör-Skandal beim Boulevard-Blatt "News of the World". Die Zeitung engagierte seit 1998 Privatdetektive, die sich in die Mobiltelefone von britischen Prominenten einhackten, um an deren vertrauliche Informationen zu gelangen. Diverse Opfer der Abhöraktionen einigten sich außergerichtlich mit News International gegen die Zahlungen hoher Summen. "News of the World"-Reporter Clive Goodman und Privatdetektiv Glenn Mulcaire mussten Haftstrafen absitzen, weil sie die Mailboxes der königlichen Familie abgehört hatten. Sie erhielten laut Presseberichten hohe Zahlungen von Schweigegeld von News Corp. (ebenso wie korrupte Londoner Polizisten), damit sie über die auch bei anderen Reporten der "News" weitverbreitete Praxis des Mobiltelefon-Hackings kein Wort verlieren. Der ehemalige Chefredakteur Andy Coulson will von den Bespitzelungen während seiner Amtszeit nichts gewusst, geschweige denn sie angeordnet haben. Er war Kommunikationsberater des neuen Premiers David Cameron, ehe er im Zuge der Affäre Anfang 2011 von seinem Amt zurücktrat. Im Juli 2011 kam zudem heraus, dass die "News of the World" sich 2002 in das Mobiltelefon des vermissten und später ermordeten Teenagers Milly Dowler und ihrer Familie hackte und so die Polizeiermittlungen systematisch behinderte. Aufgrund des enormen öffentlichen Drucks entschlossen sich Murdoch und Sohn James zu einem radikalen Schritt. Sie stellten die 150 Jahre alte Zeitung ein.



Dossier

Medienpolitik

Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

Mehr lesen