LED-Fernseher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin

1.9.2012

News Corp. Ltd.

Umsatz 2011: $ 33,405 Mrd. (€ 23,998 Mrd.)

Management

Keith Rupert Murdoch
Das Geheimnis von Rupert Murdochs Erfolg liegt laut Biograph William Shawcross, darin, dass er die Instinkte eines Glücksspielers mit puritanischer Disziplin kombiniert. Als "Apostel der globalen Kommunikation" erreicht er mit seinen Fernsehsendern, Zeitungen und Magazinen eine Reichweite von 4,7 Milliarden Menschen oder drei Viertel der Weltbevölkerung.

Ein Blick auf die Literatur über den Aufstieg von Murdoch lässt zwei entgegengesetzte Strömungen erkennen. Manche Autoren, darunter Michael Wolff, Autor der neuesten Murdoch-Biographie, argumentieren, Murdoch sei in seinem Herzen immer noch der Reporter geblieben, der er zu Beginn seiner Karriere als Lokalredakteur einer australischen Zeitung war. Murdoch, so Wolf, würde journalistische Ideale wie stete Neugier und eigenständige Recherche hochhalten und sei auf diese Weise zu einem der erfolgreichsten Medienunternehmer der Welt avanciert.

Andere Journalisten behaupten das Gegenteil. Für Autor Bruce Page sind alle News Corp.-Blätter "Pseudo-Zeitungen", die mit einer "Kitsch-Ideologie" und vorgeheuchelter Anti-Establishment-Rhetorik angereichert werden. Robert Greenwald hat mit seiner Dokumentation "Outfoxed" gezeigt, wie "Fox News" Berichterstattung und Kommentar vermischt, Rufmordkampagnen gegen liberale Politiker und Aktivisten initiiert und die permanente Propagierung rechter Ideologien als "fair and balanced" verkauft. Für Greenwald ist klar: Rupert Murdoch führt einen Krieg gegen seriösen Journalismus.

Bei dem von Murdoch selbst gezeichneten Bild eines Mannes aus kleinen Verhältnissen, der im Auftrag des Subproletariats gegen elitäre Zirkel und die herrschenden Machtverhältnisse zu Felde zieht, sind Zweifel angebracht. Seine Familie war Teil der post-kolonialen Oberschicht Australiens. Die Eltern Murdochs schickten den Sohn auf die Eliteuniversität Oxford. Im Verlauf seiner Karriere suchte er stets den Kontakt zu den obersten politischen Führungsriegen. Legendär sind in diesem Zusammenhang die Besuche von Margaret Thatcher in den Redaktionsräumen der britischen "Sun", wo sie mit Murdoch Whiskey trank.

Es ist umstritten, wo genau man Murdoch auf dem politischen Koordinatenkreuz verorten kann. Seine Allianzen zu politischen Machthabern wirken beliebig. Unter den von ihm favorisierten Politikern, zu denen er in der Vergangenheit zwecks Verbesserung der medienpolitischen Rahmenbedingungen die Nähe gesucht hat, sind Persönlichkeiten wie Margaret Thatcher, Tony Blair, John Major, Ronald Reagan und Deng Xiaoping. Seinem Vater gegenüber soll er in seiner Jugend erwähnt haben, er halte Lenin für einen großen Denker. Während "Fox News" im Wahljahr 2008 durch eine besonders rassistische Berichterstattung über Afroamerikaner auffiel, die sich insbesondere gegen Barack Obama und seine als "angry black women" bezeichnete Gattin richtete, spendete Rupert Murdoch hohe Beträge an den demokratischen Kandidaten und plante, dass seine "New York Post" ein offizielles "endorsement" Obamas abdrucken sollte. Nach heftigen Protest von Fox News-Chef Roger Ailes druckte die "Post" am Ende jedoch ein "endorsement" für John McCain.

Spätestens mit Murdochs 75. Geburtstag im März 2006 schlug die Nachfolgediskussion Wellen. Auch wenn derzeit nirgends zu erkennen ist, dass ein innerfamiliärer Führungswechsel bevorsteht oder auch nur vorbereitet wird, macht Medienmogul Murdoch keinen Hehl daraus, dass es ihm am liebsten wäre, wenn eines seiner sechs Kinder irgendwann einmal die Geschicke des "Familienunternehmens" lenken würde. Wer nach seinem Abtreten die Führung übernehmen wird, blieb bis dato allerdings im Dunkeln, auch weil sein ältester Sohn Lachlan Murdoch Ende Juli 2005 überraschend von allen operativen Ämtern zurücktrat und nach Australien zurückkehrte. Allerdings bleibt er dem Aufsichtsrat der News Corp. noch als Direktor erhalten.

James Murdoch
Weil zwei der Töchter noch Kleinkinder sind (Grace Helen und Chloé) und Tochter Prudence aus erster Ehe mit Patricia Booker sich nie für das Unternehmen interessiert hat, bleibt als favorisierter Thronfolger aus der Murdoch-Familie (vorerst) nur der jüngste Sohn James. Der 38-jährige war Vorstandschef bei BSkyB, dem digitalen Bezahlfernsehen in Großbritannien. Er machte BSkyB zu einem der erfolgreichsten kommerziellen Fernsehsender im Vereinten Königreich. Die Zahl der Abonnenten stieg unter seiner Leitung auf zehn Millionen, ehe er zusätzlich Europa-, bzw. Asien-Chef von News Corp. wurde. Jüngst gewann er an Profil, als er im Sommer 2009 beim Edinburgh International TV Festival in einem Vortrag die BBC wegen ihrer Größe und ihrer vermeintlich wettbewerbsverzerrenden öffentlich-rechtlichen Finanzstärke angriff und die "autoritäre Natur" der britischen Medienlandschaft anprangerte. James Murdoch, der für rund die Hälfte des weltweiten Umsatz von News Corp. direkt verantwortlich ist, gilt als ähnlich cholerisch wie sein Vater, ohne diesen jedoch zu imitieren. Er war es auch, der News Corp. in ein grünes und klimafreundliches Unternehmen umwandelte. Dabei ist unklar, ob er aus Liebe zur Natur handelte: die Energiesparmaßnahmen ersparten dem Konzern bisher mehr als 35 Millionen US-Dollar.

Chase Carey
Chase Carey ist als engster außerfamiliärer Vertrauter von Rupert Murdoch für das operative Tagesgeschäft von News Corp. zuständig. Er erntete das Vertrauen von Murdoch als er in den 1980er Jahren die Fox-Senderkette in den USA etablierte. Carey gilt als Hirn hinter der jüngsten paid content-Strategie des Konzerns. Wenn man sein stattliches Jahresgehalt (2010: 26 Millionen US-Dollar) als Indikator betrachtet, dann wird Carey die Konzernspitze bei einem Rückzug von Murdoch übernehmen, sollten seine Kinder dann noch nicht bereit sein.

Elisabeth Murdoch
Seit Anfang 2011 wieder zurück im Unternehmen ist Murdochs zweite Tochter Elisabeth. Nachdem sie in den 1990er Jahren diverse Fox-TV-Sender in den USA leitete und später in leitender Position für den britischen Pay-TV-Sender BskyB arbeitete, kehrte sie News Corp. für elf Jahre den Rücken und gründete ihre eigene Fernsehproduktionsfirma Shine. Diese wurde im Februar 2011 für 415 Millionen Pfund von News Corp. gekauft, was Liz Murdoch als Mehrheitsanteilseignerin allein 200 Millionen Pfund reicher machte. Erboste News Corp. -Aktionäre verklagten daraufhin das Unternehmen, da sie der Meinung waren, der Kaufpreis wäre viel zu hoch und es handele sich um einen klassischen Fall von Vetternwirtschaft.

Wendy Deng
Unklar ist, welche Rolle Murdochs dritte Ehefrau Wendy Deng (verheiratet seit 1999), ehemals Direktorin bei News Corp. Star-TV in der Nachfolgedebatte spielt. Ihr Einfluss auf den Konzernchef soll erheblich sein. An beruflichem Ehrgeiz wie einem ausgeprägten Sinn für Macht hat es ihr offenkundig nie gemangelt, wie ehemalige Kollegen bei Star TV andeuteten.


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